Der Workshop zu Fürsorgeökonomie beginnt am Mittwoch um 17 Uhr — wie auf dem Flyer und beim Bik0 beworben. Die Angabe 20 Uhr (war auf unserer Webseite zu lesen) ist verkehrt. Tut uns leid…
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Der Workshop zu Fürsorgeökonomie beginnt am Mittwoch um 17 Uhr — wie auf dem Flyer und beim Bik0 beworben. Die Angabe 20 Uhr (war auf unserer Webseite zu lesen) ist verkehrt. Tut uns leid…
Die erste Veranstaltung der diesjährigen Polyfantasiawoche, der Vortrag „Schonmal über Beziehungsstrukturen nachgedacht?!? Ein Vortrag zu Monogamie und Polyamorie“, findet am Sonntag schon um 18 Uhr statt wie ursprünglich angekündigt um 20 Uhr statt.
Am Sonntag, dem 14.7. ab 14 Uhr könnt ihr in der Hohenwindenstraße 17 eure Shirts, Beutel oder Gardinen bedrucken.

Das Programm für die Polyfantasiawoche 2013 ist fertig! Alle Veranstaltungen finden in der Hohenwindenstraße 17 statt. Die Polyfantasiawoche ist eine Privatveranstaltung und wird als Kooperationsveranstaltung der queer-feministischen Gruppe wi(e)derdienatur und des Bildungskollektivs Biko mit Unterstützung des Jugendbildungsnetzwerks der Rosa-Luxemburg-Stiftung organisiert.
von Antira-Campus Erfurt:
Rassistische Ausgrenzung durch Security-Mitarbeiter des
Nachtclubs Cosmopolar
Am Samstag, den 2. September 2012, um 00:20 Uhr wollte eine männlliche Person (29 Jahre alt), die Gay-Culture Veranstaltung in der Partylokalität Cosmopolar besuchen. Er wurde vom Security-Personal aufgrund seiner Staatsangehörigkeit nicht in den Club hineingelassen: Wie alle anderen Besucher des Cosmopolars, zeigte die besagte Person ihren Personalausweis. Nachdem die Security dem nicht-Deutschen Partygast signalisierte, dass er nicht rein könne, fragte der Partygast nach dem Grund. Daraufhin zeigte die Security mit seinem Finger auf den Halbmond und Stern, welches auf dem türkischen Personalausweis der abgelehnten Person abgedruckt ist … [weiter bei Antira-Campus]
Am Montag, dem 17.9. wird im veto eine Infoveranstaltung zu den Gegenaktionen gegen den „Marsch für das Leben“ in Berlin stattfinden.
Hier ein Video zu einem ähnlichen Event im letzten Jahr in Berlin.
Am 24.9. gibt es einen Filmabend. Beide Veranstaltungen beginnen um 20 Uhr.
Achtung: Das veto ist umgezogen und befindet sich jetzt im Papiermühlenweg 33. Eine Karte findet ihr auf der veto-Webseite.

Workshop

Die Bar vor der Party

Bestuhlung für den Auftritt von Jenniffer Ostblock

Jenniffer Ostblock
Die Polyfantasiawoche ist durch, wir sind geschafft vom Aufräumen und mussten dann noch miterleben, wie der CSD unpolitischer als je über die Bühne gegangen ist. Zwischen Tony Marschall, sexistischem Deutsch-Rock und Kirmestechno gab es Ansagen wie „Wer keine gute Laune hat, kriegt Hausverbot“. Als Dank dafür, dass wir keinen Sekt trinken durften und bei jeder Straßenbahn auf Seite springen mussten, gab es Blumen für’s Ordnungsamt. Wir haben uns angesichts dieser traurigen Veranstaltung entschlossen, unseren vorbereiteten Redebeitrag nicht zu halten. Statt dessen gab es die folgende Improvisation:
Wir, die Gruppe wider die Natur, möchten uns bei allen bedanken, die sich heute nicht bei Frau Saalfeld dafür bedanken, dass wir uns auf Erfurts Straßen bewegen dürfen. Es reicht nicht aus bei der Gesetzgebung „Bitte, Bitte“ zu machen. Sexismus, Homophobie und Rassismus sind tief in der Geselllschaft verankert und Rex Gildo wird uns nicht mehr dabei helfen, diese Zustände zu überwinden. Hossa!“
Theaterworkshop, Aufführung und Kurzfilmabend liegen hinter uns, die Deko wird Tag für Tag schöner und wir überlegen noch, woraus wir einen einfachen Orgonakkumulator bauen können. Alufolie haben wir da. Inhaltlich geht es morgen in die letzte Runde: Claudia Skoda stellt die Ergebnisse ihrer Forschung über unkonventionelle Elternschaft dar. Freitag gibt es noch ein rauschendes Fest, damit wir uns am Samstag alle gutgelaunt und/oder sturzbetrunken (kein Konsens) beim CSD in die Sonne blinzeln oder pinkeln (auch kein Konsens) können.

Workshop

Kunst (auch kein Konsens)

Wir meinen das ernst. Wir wollen nicht, dass bei der Polyfantasiawoche eine mackermäßige Stimmung herrscht, wie mensch sie auch in jeder Kneipe haben kann. Eine Stimmung, die oft dazu führt, dass Leute, die diese Stimmung nervt, gehen oder erst gar nicht kommen. Heterosexuelle und Männer sind willkommen, wenn sie es aushalten, sich ausnahmsweise mal nicht in den Mittelpunkt zu stellen. Wer das nicht schafft, bleibt besser zuhause.
eher verhalten war die beteiligung bei der auftaktdiskussion zum thema ‚queeres bedürdnis, patriarchat und klassengsesllschaft‘ am gestrigen sonntag. vielleicht war’s zu theoretisch, vielleicht zu sehr vortrag? auf jeden fall saßen wir am ende zu zehnt. schade. mehr als drei mal so viele leute sind gerade bei der veranstaltung zu feministischem und queeren porno. konsensuell, vielfältig, kritisch gegenüber gesellschaftlichen machtverhältnissen und mit frauen in der subjektposition soll er sein und nicht die normvorstellungen darüber, wer wie aussehen soll und was tun oder erdulden muß, reproduzieren. ob das geht? laura merit sagt ja. suchbegriff für [suchmaschine]: poryes.
Das Filler ist eingeräumt, der Undarkroom abgehängt und im Hinterzimmer haben wir eine Peitsche gefunden. Der erste Workshop hat stattgefunden — die Polyfantasiawoche kann losgehen, wir hoffen doch, mit ein paar mehr Leuten.
Morgen gibt es einen Einführungsworkshop zu Sexualität(en) und Normen um 14 Uhr und eine Diskussion zu Queer, Patriarchat und Klassengesellschaft um 19 Uhr. Und für den Theaterworkshop am Dienstag kann mensch sich noch anmelden.



Das Programm und die Flyer für die diesjährige Polyfantasiawoche sind fertig, online hier. Schreibt uns, wenn Ihr Flyer wollt, wir verschicken gerne welche.
Vom 14.-21. Juli organisieren wir zum vierten Mal die Polyfantasiatage. Alle Veranstaltungen werden diesmal im Filler in der Schillerstrasse 44 in Erfurt stattfinden. Das Programm nimmt langsam Gestalt an. Bisher ist folgendes geplant:
14. /15.7. - Einstiegsworkshops mit widerdienatur
16.7. 19 Uhr - Queerer Porno mit Laura Merit
17.7. 17-22 Uhr - Theaterworkshop zu Geschlechtsdekonstruktion
18.7. 19 Uhr - Kurzfilm- und Musikabend mit widerdienatur
19.7. 19 Uhr - Queere Elternschaft mit Claudia Skoda
20.7. 22 Uhr - Polyfantasiaball
Am 21.7. findet dann der Erfurter CSD statt.
Die AG queer Weimar organisiert um den Internationalen Tag gegen Homophobie am 17.05.2012 in Weimar eine queer-feministische Veranstaltungsreihe vom 12.-19.5.
Hier findet ihr das Programm zum Idaho 2012.
Vortrag und Diskussion: Konstruktion von Körper und Geschlecht
Neuere Ansätze der Sozialwissenschaften weisen Körper als etwas aus, das sozial konstruiert ist. Damit wird die Idee von „normalen“ und „abweichenden“ Körpern in Frage gestellt und gleichzeitig ergibt sich eine neue Perspektive auf machtvolle Unterscheidungen wie bspw. männlich – weiblich, weiß – schwarz und behindert – nichtbehindert, die am Körper „festgemacht“ werden und häufig als Grundlage für soziale Ungleichheit dienen. Diese Grundidee der sozialen Konstruktion von Körpern soll dargestellt werden; zudem werden ausschnitthaft Diskurse vom „richtigen weiblichen Körper“ und „Körpergewicht“ in den Blick genommen und analysiert – und natürlich diskutiert.
Die Veranstaltung mit Klemens Ketelhut findet am Montag, dem 30.4.2012 ab 19 Uhr im veto statt.
Diskussion: Was ist ein queerer Raum?
In Erfurt gibt es irgendwie keinen queeren Raum. Jedenfalls nicht so, wie wir ihn uns vorstellen könnten. Normative Räume, wo mackerhaftes Verhalten willkommen ist und das Heteronormative unwidersprochen bleibt, gibt es ohne Ende. Wie lässt sich also ein anderer Raum herstellen? Z.B. im Veto… Und… Was ist eigentlich ein queerer Raum? Ist dieser sichtbar? Liegt dieser im Auge der Betrachter_in? Ist er etwas, das Menschen tun? Etwas, das gut vorbereitet sein muss? Ist er beweglich? Braucht er eine bestimmte Umgebung? Ist es wichtig, wo er sich positioniert? Und wer positioniert eigentlich was? Und mit welcher Absicht? Handelt es sich um eine Strategie? Eine Denkbewegung? Mit festgelegten Normen? Und möglichst viel Glitzer? Oder ist ein queerer Raum der Schritt ins Ungewisse?
Die Diskussion findet am Montag, dem 26.3.2012 ab 19 Uhr im veto statt.
Am 27.2. findet um 19 Uhr im veto in Erfurt ein Queer-Filmabend statt, der von der Gruppe „wider die natur“ organisiert wird.
Ein Mitschnitt der Veranstaltung „trans* – transphobie – trans*support für Anfänger*innen und Fortgeschrittene“ vom 19.1. ist seit einiger Zeit auf der Seite der Chilligays online.
Der Begriff „trans“ geistert seit einiger Zeit durch die linke Szene und trotzdem können viele nicht so richtig was mit dem Begriff anfangen, bzw. sehen darin „nur“ eine Kritik am binären Geschlechtersystem. Andere haben trans*Menschen in ihrem Umfeld und sind sich im Umgang mit diesen oft unsicher. Wenn du Lust hast ein bisschen was über trans* zu erfahren, wissen willst was eigentlich Transphobie/Transfeindlichkeit ist und wie sie sich äußert und dich fragst, wie du aktiv solidarisch mit trans*Leuten (sei es mit konkreten Personen in deinem Umfeld oder insgesamt) sein kannst, bist du in der Veranstaltung richtig.
Wir versuchen auch auf konkrete Fragen einzugehen. D.h. Ihr könnt die Veranstaltung auch nutzen, um Fragen loszuwerden, die ihr empathischerweise nicht auf einer Party einer flüchtigen Bekanntschaft stellen wollt, nur weil die Person zufällig trans* ist.
Die Veranstaltung wird organisiert von der Gruupe wider die natur und w.i.r. - linksradikale Trans*vernetzung NRW und findet am 18.1. um 19 Uhr im veto statt.
Download: hier
Erlassen und verkündet anlässlich der Proteste gegen den Papstbesuch in Erfurt 2011. Wenn wir den ersten Erlass finden, stellen wir ihn online.

Demo am 23.09.2011, 18 Uhr, Erfurt, Bahnhofsvorplatz; Kundgebung am 24.09.2011, 7.30-12.00 Uhr, Erfurt, Anger. Mehr: [papst.abschaffen.com] . Kreative Aktionen erwünscht.
Auf einige Nachfragen hin haben wir uns entschieden, einen Mailverteiler einzurichten, über den wir hin und wieder (eher selten) auf anstehende Veranstaltungen hinweisen. Wer reinwill, sende einen Hinweis an [email protected]
Die mitgeschnittenen Vorträge von den Polyfantasiatagen kommen bald auf die Webseite.
aus dem sehenswerden Film Die Mondverschwörung“
Die Polyfantasiatage 2011 sind vorüber und wir sind fertig. Zwei Wochen Vorträge, Party, Filmabend und Rumgehänge mit wenig Schlaf und vielen Diskussionen. Jetzt müssen wir uns erholen.
Wir danken allen Teilnehmer_innen, Referent_innen, Künstler_innen, Kooperationspartner_innen und allen anderen, die zum Gelingen der Veranstaltungen beigetragen haben, als da wären Obstanton, die Kampagne „Hände hoch - Haus her“, fr.JPLA, Lann Hornscheidt, die Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen, das Bildungskollektiv Biko, Lea Legrand, das Veto und der Infoladen Sabotnik, Heinz Jürgen Voß, The blue screen of death, Antje Wagner, das Jubi-Netzwerk der RLS, Anna Kow, der Bauwagenplatz und viele andere.
Was wir dieses Jahr vergessen haben, immer mal zu sagen: Wir sind eine offene Gruppe. Wer an widernatürlicher (Anti)politik interessiert ist, kann sich gerne mal mit uns treffen.
Und extra für die Leute, die immer wieder über bestimmte Suchmaschinen-Anfragen auf diese Seite kommen:
Nochmal möchten wir darauf hinweisen, dass der Workshop zur Kritik der Polyamorie am Mittwoch (13.7.) schon um 18.30 Uhr beginnt, nicht um 20 Uhr wie verschiedentlich beworben.
Heute (12.7.) gibt es ab 20 Uhr einen queeren Filmabend. Mit Snacks. Und Kuchen.
Die Veranstaltungen der letzten Tage wurden mitgeschnitten und werden in den nächsten Tagen und Wochen hier online gestellt oder bei den Chillygays gesendet.
Feminismus und Sexualität verbindet eine eher sprunghafte Beziehung voller Missverständnisse. Der radikale Feminismus der 1970er hat Sexualität vor allem als patriarchales Machtinstrument kritisiert. 30 Jahre später diskutieren Aktivist_innen die Potentiale queerer Pornographie und fordern „Schwänze für Alle“. Anna Kow stellt das widersprüchliche Verhältnis dar und plädiert für einen sex-positiven Feminismus, der sich BDSM als subversive Praxis kritisch aneignet. Dass gleichwohl der sexistische Normalzustand anzuprangern ist - und demzufolge kein queerer Freifahrtschein für Heterosexismus zu erwarten ist - sollte klar sein.
Die Veranstaltung findet im veto, Trommsdorffstraße 5 (Eingang in der Weißfrauengasse), Erfurt, im Rahmen der Polyfantsiatage 2011 statt und ist eine Kooperationsveranstaltung der Gruppe widerdienatur mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung und dem Bildungskollektiv Biko.

The blue screen of death - electropunk.göttingen
Lea Legrand - electroglitzerclash.halle
fr.JPLA - techhouse.leipzig
Obstanton - vegetable electronics.erfurt)
Nach einigem Geräume und Gedekoriere ist das Veto in der Trommsdorffstraße in Erfurt einigermaßen polyfantastisch geworden, sodas heute die erste Veranstaltung der Polyfantasiawoche 2011 stattfinden konnte: Lann Hornscheidt sprach vor 25 Menschen über nonverbale Kommunikation und Geschlecht.
Was die Anzahl der Bes_ucher_innen angeht, sind also noch Kapazitäten frei.
Hinweisen müssen wir noch darauf, dass die Veranstaltung zu BDSM und Feminismus am 11.7. stattfindet (und nicht am 9.7. wie verschiedentlich angekündigt) und dass der Workshop zur Kritik der Polyamorie am 13.7. schon um 18.30 Uhr beginnt (und nicht wie in unseren Flyern fälschlicherweise angegeben um 20 Uhr)
Um am Freitag aus Jena zum Polyfantasiaball zu kommen, gibt es die Möglichkeit, im Anschluss an die Biko-Veranstaltung „Das Verhältnis von kritischer Theorie und Praxis im Spannungsfeld von Ideologie, Organisation und Alltag“ (08.07.2011, Campus Uni Jena, Raum 221, 19 Uhr) gemeinsam nach Erfurt zu fahren.
Und so sieht’s aus:

Im September kommt der Papst nach Erfurt. Die Erfurterinnen und Erfurter sind darüber sauer. Sie wollen keinen alten Mann, der ihnen vorschreibt, wie sie zu leben haben. Deswegen haben wir gemeinsam mit den großen Parteien und Interessenverbänden aus Erfurt und Thüringen ein Bündnis gegen den Papstbesuch geschmiedet, das virtuell auf der Seite [papst.abschaffen.com] residiert. Nach Beschluss des Vorbereitungskomitees werden in den nächsten Monaten die folgenden Infoveranstaltungen stattfinden:
29.07., 19 Uhr, Radio Frei (Gotthardtstraße, Erfurt)
Der klerikale Panzergeneral und sein Trupp. Die braunen Seilschaften Joseph Ratzingers und der katholischen Kirche
mit NEA (Berlin), danach Soli-Party
25.08., 20 Uhr veto (Trommsdorfstraße/Weißfrauengasse, Erfurt)
Die katholische Kirche als Hort, Überbringerin und Aufrechterhalterin strukturell patriarchaler HERRschaftsverhältnisse
mit Ulrike Kroiß
08.09. , 20.00 Uhr, Radio FREI (Gotthardtstr. 21, Erfurt)
Die Rolle der katholischen Kirche bei der Kolonialisierung Lateinamerikas
mit Bernd Löffler
16.09., 19 Uhr, Radio FREI (Erfurt, Gotthardtstraße)
Wer leichter glaubt, wird schwerer klug
mit Philipp Möller (Giordano-Bruno-Stiftung)
genaueres zu den Veranstaltungen hier
Nächste Woche Dienstag (5.7.) beginnen die diesjährigen Polyfantasiatage in Erfurt. Um 20 Uhr findet die erste Veranstaltung „Nonverbale Kommunikation und Geschlecht“mit Lann Hornscheidt im veto statt.
Für den Polyfantasiaball am Freitag, dem 8.7. steht mittlerweile auch das musikalische Programm fest:
The blue screen of death - electropunk.göttingen
Lea Legrand - electroglitzerclash.halle
fr.JPLA - techhouse.leipzig
Obstanton - vegetable electronics.erfurt)
Zum dritten Mal wird die Gruppe wi(e)derdienatur zusammen mit dem Biko und vielen Kooperationspartner_innen zwei Wochen lang Geschlecht, Begehren und Sexualität zum Thema machen. Die Polyphantasiatage sind eine Mischung aus Diskussion, Wissensvermittlung, Party, Praxis und Kultur. Ein Raum zum Treffen, Diskutieren, Austauschen, Rumhängen und Feiern. Ein Raum für Queers, Trans-Menschen, Schlampen, Terrortunten und Lesbischwuteros. Ein Raum mit Respekt für Differenzen und unnormale Vorlieben. Wer das akzeptiert, ist willkommen.
Dieses Jahr geht es konkret um nonverbale geschlechtsspezifische Kommunikation, Sex-positiven-Feminismus und die Dekonstruktion des biologischen Geschlechts. Es gibt weiter eine Lesung, einen queeren Filmabend und einen Workshop zur Kritik der Polyamorie.
Veranstaltungsort ist das veto, in der Trommsdorffstraße 5, Erfurt.
Für Besucher_innen mit langem Anreiseweg können wir Schlafplätze vermitteln.
Von [www.idaho-jena.de] :
Welche Freuden und Schrecken lauern und locken, wenn Beziehungen nicht nach dem vorherrschenden Modell der Romantischen Zweierbeziehung gelebt werden, wenn nicht das binäre Prinzip des „entweder-oder“ zugrunde gelegt wird? Welche Formen können Beziehungen dann annehmen? Welche Namen können sie tragen? Was hilft dabei, sich in diesem unbekannten Gelände zu bewegen? Welche gesellschaftlichen Strukturen sind hinderlich für die freie Entfaltung der vielfältigsten Beziehungsformen? Wie finden sich welche, die sich mit mir auf diese Abenteuer einlassen?Wir stellen die Ideen der Schlampagne aus Deutschland und der Polyamory aus den USA vor. Außerdem erzählen wir von unseren eigenen Erfahrungen mit alternativen Beziehungsformen. Wir laden Euch ein zu theoretischer, spielerischer und experimenteller Beziehungsforschung. Außerdem wird die kurze Doku über „Schlampenau“, ein Sommercamp zu alternativen Beziehungsformen, gezeigt.
Wie die Thüringer Landeszeitung berichtet, wird der Papst im Herbst in der Tat direkt die Stadt Erfurt besuchen. Der Papst kommt also wirklich, aber wir sind wirklich schon da und glauben immer noch nicht,
… dass man in die Hölle kommt, wenn man Spaß beim Sex hat,
… dass die Juden treulos und irregeleitet sind,
… dass Frauen sich um Herd und Bett kümmern sollen,
… dass der Chef vom weltgrößten Männerbund ein Vorbild ist…
Also: September vormerken für antiklerikalen Protest, nächste Vorbereitungstreffen am 21.3., 20 Uhr.
Der Papst kommt im September nach Erfurt. Aber der Besuch wird nicht ohne Widerstand ablaufen. Das Rosa Spaghettimonster hat Protest angekündigt:
Vorbereitungstreffen am 8.2.2011, 18 Uhr.
„Auf allen Ebenen / Mit allen Mitteln“ wollte die Antifa in Leipzig am 16.10.2010 vorgehen und das sieht man auch: Zu den Mitteln gehört der Rückgriff auf sexistische Stereotype.
Ein voller roter Mund als Symbol weiblicher Begehrlichkeit soll Heteromänner in den antifaschistischen Kampf locken. Wie man schon im Film „Blutige Erdbeeren“ sehen kann, ist Sexyness ein wichtiger Faktor für den Erfolg politischer Bewegungen. Und sexy — also sexuellen Erfolg verheißend — ist die Bildsprache der Mobilisierung gegen den Naziaufmarsch: Man sieht ein Gesicht mit der samtweichen und ebenmäßigen Haut, die es nur in der Werbung gibt. Die Zunge leckt die glänzenden Lippen. Die Darstellung endet unter den Augen und über den Brüsten. Ohne Brüste ist das Objekt der Verheißung nicht gar zu platt als Sexobjekt gezeichnet, durch die fehlenden Augen ist ihm die Möglichkeit genommen, dem Männerblick etwas zu entgegnen.
Wer Dekonstruktion nicht verstanden hat, kann die Verantwortung für die Dekodierung der kulturellen Grammatik den Betrachtenden zuschreiben und behaupten, es handele sich gar nicht um eine Frau, die hier für Männerblicke posiere. Dabei wiurd so getan, als sei das entscheidende für eine geschlechtliche Darstellung eine Bezugnahme auf eindeutige körperliche Merkmale. Die fällt aber bei einer Werbedarstellung von vornherein weg und ist auch im Alltag fast immer bedeutungslos. Wer erkennbar als geschlechtliches Subjekt auftritt, wird auch als solches erkannt und reproduziert die darin liegende Geschlechterordnung. Insofern können wir sehr wohl annehmen, daß in einer hochgradig weibliche Performance sehr wohl auch eine Frau erkannt wird. Die angedeutete Vampir-Symbolik ändert daran höchstens, daß die versprochene Sexualität einen noch etwas verruchteren Touch bekommt, als sie durch die knallroten Lippen sowieso schon hat. Daß hier auch nur ein Nazi Angst bekommen könnte, daß sich eine Demonstrantin die Hassi vom Kopf reißt und ihn in den Hals beißt, halten wir für ausgeschlossen. Allenfalls bietet sich ihnen die Zote an, von dieser Antifaschistin auch mal gerne gebissen zu werden.
Der zweite Aufkleber kommt aus dem Umfeld der dänischen Gruppe „Queer Jihad“. Er verspricht, daß in dieser Straße 17 Homosexuelle wohnen. Auch hier leckt sich jemand die Lippen ob dieser Verheißung. Aber das Gesicht wirkt verstörend. Es performiert im Grunde die selbe Symbolik wie bei der Antifa, die Darstellung ist aber gebrochen. Die Elemente von Sexyness werden durch Verstöße gegen kulturelle Regeln für begehrenswerte Weiblichkeit (vor allem reine Haut und ebenmäßige Zähne) ergänzt. Dadurch wird die Darstellung verqueert und die kulturelle Grammatik gebrochen. Das Bild ist bedrohlich für die Geschlechterordnung. Es zielt auf eine queere, die Sterotypen brechende und dadurch bedrohliche Sexualität. Wirkt der erste Aufkleber durch ein leicht zu dekodierendes Versprechen, lässt der Zweite die Betrachter_innen mit vielen Fragen zurück: Was für ein Geschlecht hat die Person? Wie ist ihr Begehren? Was passiert, wenn sie zubeißt? Wartet sie vielleicht in dieser Straße auf vorbeigehende Heterosexuelle, um sie zu beißen? Sind es am Ende 17 Terrortunten, die in dieser Straße nur darauf warten, die Vanilla-Welt der heterosexuellen Ordnung zu zerstören und ihre Träger_innen mit extrem schlechten Zähnen zu beißen?
Die 17 Homosexuellen sind nicht berechenbar. Ihre Bildsprache bedroht die Normalität. Wäre nicht genau das auch ein Element antifaschistischen Engagements? Im Grunde schon, aber die Zielgruppe der schönen, chicen, bei Globetrotter ausgestatteten Jugendlichen lässt sich augenscheinlich besser mit sexy Männerphantasien auf die Straße locken als mit verstörenden Botschaften.

Alles über der Dokumentarfilm „Schlampenau, eine schlampolygarchutopie“:
2007 fand das erste „Ferien in Schlampenau, Sommercamp für unnatürliche Frauen“ statt, dass inzwischen zu einer jährlichen Veranstaltung geworden ist.„Auch unnatürliche Frauen brauchen Erholung“, stand in der Ankündigung, „einfach Zeit mit anderen Schlampen verbringen, fernab der Heteronormativität, um Erfahrungen auszutauschen, Utopien zu diskutieren oder gemeinsam eine neue Beziehungskultur zu entwickeln.“
Vier Teilnehmerinnen sprechen über Polyamorie, das Sommercamp, Feminismus, Queer Identitäten und ihre Träume für die Zukunft.
Dieser do-it-yourself (and no budget) Dokumentarfilm zeigt einen Kampfgeist gegen die Entfremdung in einer Gesellschaft wo immer missverstanden oder unterdrückt wird, wenn man eine Frau, polyamorös, Feministin, queer oder transgender ist. Das Camp erscheint als ein Ort der Zusammengehörigkeit, der Freiheit, des Austausches und für Spass.
Der dritte Teil unserer Reihe zu „Sexualität und Kapitalismus“ ist noch während der Polyfantasiawoche im Spätsommer entstanden und wurde in den letzten Tagen im neuen hEFt veröffentlicht. Hier und hier sind die ersten beiden Teile. Widerdienatur schläft gerade, um sich von der anstrengenden Woche zu erholen.
sexualität und kapitalismus: ja watt denn nu?Erzähler_in1: In den vorherigen beiden Ausgaben des hEFts hat die Gruppe wi(e)derdienatur vor allem dargestellt, wie die Verbindung von Sexualität und Kapitalismus nach Ansicht bestimmter Theoretiker_innen sein sollte – was noch nicht viel darüber aussagt, wie die Subjekte diese Verhältnisse erfahren. Oft halten sich die Menschen nicht an theoretische Vorgaben. Der letzte Text der Reihe dokumentiert ein nie stattgefundenes Gespräch zwischen zwei Menschen der Gruppe und einigen, die sich Anfang September bei einem Workshop zum Thema getroffen haben.
Apfel:In unseren letzten beiden Texten haben wir zwei verschiedene Theoriestränge vorgestellt, die einen Zusammenhang von Sexualität und Kapitalismus herstellen. Die Vertreter_innen der Repressionshypothese gehen davon aus, daß der Kapitalismus Sexualität unterdrückt. In dieser Vorstellung steht die rationale Organisation der kapitalistischen Arbeitsgesellschaft einem Prinzip der Lust und sinnlichen Erfüllung entgegen. Dann haben wir uns mit einer entgegengesetzten Theorie beschäftigt, die meint, daß der Kapitalismus bzw. die Moderne Sexualität nicht unterdrückt, sondern überhaupt erst hervorbringt. Hier ist auch weniger von Verboten die Rede als viel mehr von Anreizen – eine Sexualität zu haben und an diese eine Identität zu knüpfen, wird in der Moderne zur Voraussetzung dafür, an der Gesellschaft teilnehmen zu können. Anhand der Unterscheidung und Kennzeichnung von verschiedenen sexuellen Identitäten strukturiert sich nach dieser Theorie die Gesellschaft – aber auch das stellt sich eher zum Nachteil der Individuen heraus.
Mirabelle:In unserem letzten Text deuteten wir an, daß es eine historische Verschiebung von einem repressiven hin zu einem ermutigenden Umgang mit Sexualität gegeben hat. Es spricht einiges für diese Behauptung. Egal, ob Sexualität von der Moderne erst produziert wird oder nicht – als die kapitalistischen Verhältnisse hergestellt wurden, gab es die Vorstellung, daß Sexualität etwas Bedrohliches wäre und mit dieser Vorstellung wurde Politik, repressive Politik betrieben. Als diese Verhältnisse dann aber etabliert waren, wich die Angst vor dem Sex und er erhielt Einzug in alle Bereiche der Gesellschaft. Was ließe sich daraus folgern? Zum einen ist denkbar, daß sich die Repression mittlerweile so effektiv in die Subjekte eingeschrieben hat, daß sich ihre Inhalte wie von selbst reproduzieren und kein Druck mehr nötig ist. Andererseits könnte man sagen, daß zum aktuellen Stadium des Kapitalismus eine repressive Triebstruktur einfach nicht mehr paßt, weil die postfordistische Produktionsweise sehr stark auf Kreativität, Einfühlungsvermögen und Flexibilität setzt. Anders gesagt, am Fließband braucht man triebgehemmte Subjekte, während die Projektarbeit eher kreative braucht. Im zweiten Punkt liegt schon ein Einwand gegen die These der historischen Verschiebung: Ist die Frage von Repression und Produktion von Sexualität vielleicht genau wie die Frage Projektarbeit oder Fließband eine Frage von Milieus? Und wenn man schon bei sozialer Ungleichheit ist: Ist es nicht so, daß in den Zentren Fortpflanzung gefördert wird, während derselbe Staat Geburtenkontrolle nach Afrika exportiert? Ist die Frage Repression/Produktion also nicht eher eine Frage von Herkunft, Milieu und politischem System, mit anderen Worten von Rasse, Klasse, Nation?
Birne:Wenn ich von einer historischen Entwicklung von einem repressiven hin zu einem gestaltenden Umgang mit Sexualität ausgehe, sollte klar sein, daß es sich hier nicht um eine lineare Entwicklung handelt. Abhängig von den Faktoren, die du genannt hast – Rasse, Klasse, Nation – gibt es Brüche, Unterschiede und Ungleichzeitigkeiten. Trotzdem würde ich den historischen Unterschied nicht leugnen – oder ist das vorstellbar:Onanieverbot für Fabrikarbeiter und Hartz-IV-Empfänger, während die Projekte-Party-Subjekte der Mittelschicht munter sexuell sein dürfen? Und so rassistisch und postkolonial der »Export der Geburtenkontrolle« auch ist – sind es wirklich Prüderie und repressive Sexualmoral, die hier exportiert werden? Die Aufklärungsprogramme, die dort gefahren werden, zielen doch darauf, daß über Sexualität geredet werden soll – die Voraussetzung für eine Etablierung des »guten Sex« und damit für Bio-Politik – die natürlich auch rassistisch sein kann. Ich würde also dabei bleiben, daß es heute mehr Ermutigung gibt und weniger Repression.
Obstsalat:Wir finden auch, daß heute ganz viel über Anreizstrukturen läuft. Es gibt z.B. einen üblen Leistungsdruck im Sexleben. Es gibt ein medial präsentes Ich-Ideal der ständigen sexuellen Leistungsbereitschaft. Wir werden die ganze Zeit gedrängt, diesem Ideal zu entsprechen, wobei dazu zunehmend auch Hilfsmittel erlaubt sind, die vor 10 Jahren noch verrucht und verboten waren. »Du sollst«, ist das Credo, es gibt keine direkte Strafe für die Verweigerung. Sicherlich hat diese Norm je nach Klasse oder Milieu, Herkunft, Alter, Geschlecht und anderen Strukturen besondere Ausprägungen, sie läßt sich aber insofern generalisieren, daß sie für den größten Teil der Bevölkerung gilt.
Birne:Wobei dieses ständige Drängeln zum »guten Sex« im Ganzen schon wieder repressive Züge trägt, weil die Möglichkeit zum Glück unterdrückt wird – denn wer ist schon glücklich mit dem, was in unserer Gesellschaft als »guter Sex« angepriesen wird.
Siebenkräuter:Aber was Du ansprichst, ist schon eine andere Repression als die der Repressionshypothese, die ja davon ausgeht, daß eine ursprünglich vorhandene Sexualität unterdrückt wird. Und diese Unterdrückung gibt es durchaus auch noch, gerade in der Erziehung. Es passiert z.B., daß Kindern der Umgang mit gleichgeschlechtlichen Freund_innen verboten wird, weil die Eltern fürchten, daß sich Homosexualität entwickeln könnte. Da wird also schon kindliche Sexualität unterdrückt – allerdings eben eine ganz bestimmte Sexualität, nämlich die homosexuelle. Gleichzeitig gibt es eine starke Anreizstruktur in Bezug auf heterosexuelles Begehren:Fast jede_r wurde als Teenie befragt, ob es schon Kontakte zum anderen Geschlecht gibt. Repression und Ermutigung gehen hier Hand in Hand mit demselben Ziel, der Erzeugung einer angepaßten und sozialverträglichen (Hetero-)Sexualität. Und das paßt auch auf ein anderes typisches Feld für das Erlernen sexueller Spielregeln: die Disco. Zum einen wird ganz stark erwartet, daß man sich dem anderen Geschlecht zuwendet, zum anderen gibt es immer noch ganz handfesten Gegenwind, wenn man offen schwul oder lesbisch auftritt. Zumindest ist das in Erfurt so.
Pfannengemüse:Und die Förderung der Heterosexualität hat dann wieder viel mit Ökonomie zu tun. Paarbeziehungen sind schon ein wichtiger Ort für die Reproduktion des Systems, nicht nur am einzelnen Menschen, sondern auch für die Erzeugung neuer Menschen und die Weitergabe von Normen an die nächste Generation. Andererseits ist auch Homosexualität gut nutzbar für Systeminteressen. Vielfalt wird heute als kulturelles Kapital gehandelt. Es ist kein Wunder, daß der Oberbürgermeister die Schirmherrschaft über den Christopher- Street-Day übernimmt. Eine weltoffene Stadt hat ökonomisch bessere Karten als eine kleinkarierte. Daß das in Erfurt noch nicht in allen Etagen angekommen ist, könnte auf die angesprochenen Ungleichzeitigkeiten hindeuten: Oben hat man ein Interesse, Homosexualität für den Standort zu nutzen. Man hofft wahrscheinlich auf eine schwulen Karnevalsumzug wie in Köln oder Berlin und fördert entsprechende Bestrebungen. Weiter unten, bei der Polizei und beim Ordnungsamt, fürchtet man immer noch um die abendländische Kultur und geht entsprechend repressiv mit dem CSD um.
Apfel:Sagen wir also, daß es schon eine historische Tendenz von der Repression hin zur Ermutigung gibt, die aber durch einige Faktoren relativiert wird: Repression und Ermutigung gehen oft Hand in Hand. Abseitige Sexualität wird eher repressiv behandelt als normale. Sowohl Repression als auch Anreizstrukturen funktionieren anders je nach Klasse, Ort, Milieu, Geschlecht, Herkunft, etc. Und wir diskutieren daran weiter.
Werbesprecher_in aus dem Off:Wie gesagt, dieses Gespräch hat nie stattgefunden. Wer weiter mit wi(e)derdienatur an der Frage arbeiten möchte, kann sich an [email protected] wenden.
29.September 19h in Leipzig
Lesung: Forschungsreisen in nichtmonogames Gelände
Die Mitherausgeberin Gwendolin liest aus der neuesten Nummer des feministischen Zine „DIE KRAKE. Künstliche Beziehungen für unnatürliche Frauen“. Dieses Mal widmet sich das „Schundblatt für die postmoderne Schlampe“ dem brennenden Thema „Über das Durchlavieren zwischen monogamen Sehnsüchten und schlampigen Begierden“. Mit anschliesendem Gespräch…. und Überraschung.
Film: Die Träumer
Der junge Amerikaner Mathew lernt im Paris der 1968er Jahre die Zwillinge Isabelle und Theo kennen, die seine Leidenschaft fürs Kino teilen. Da deren Eltern gerade verreist sind, laden sie Mathew zu sich ein, und aus einem harmlosen Filmquiz entwickelt sich eine seltsame ménage à trois, während draussen die 68er studenten revoltieren.
Im Atari, Kippenbergstr. 20, 04317 Leipzig, [www.bildet-laeden.de]
Sonntag, 17.10.2009, 13.00 Uhr auf dem LeipzigerLesbenTreffen
Lesbisches BeziehungsVielerlei
Lesbische Kurzfilme zu lesbischen Lebens- und Liebesweisen u.a. mit „Schlampenau, eine Schlampolygarchutopie“
Ein Dokumentarfilm von Ann Antidote und Roderick, D 2010, 18min.
2007 fand das erste „Ferien in Schlampenau. Sommercamp für unnatürliche Frauen“ statt, dass inzwischen zu einer jährlichen Veranstaltung wurde. Vier Teilnehmerinnen sprechen über Polyamorie, das Sommercamp, queer zu sein und ihre Zukunft. Dieser No-Budget-Film zeigt Kampfgeist gegen die Entfremdung in dieser Gesellschaft, in der missverstanden und unterdrückt wird, wenn mensch polyamorös, queer, eine Frau, Feministin oder Transgender ist.
Frauenkultur, Eintritt: frei
vorher: Brunch -> siehe Programm des LeipzigerLesbenTreffens!
infos und bestellungen zum film: [polygarchutopia.blogspot.com]
Was überhaupt im bürgerlichen Verblendungszusammenhang Natur heißt, ist bloß das Wundmal gesellschaftlicher Verstümmelung.
Über 200 Mal wurden die Sprechblasen unserer Polyfantasia-Werbeträger He-Bie und Ba-Man ausgefüllt. Hier könnt Ihr euch von den Ergebnissen überzeugen. Ein Klick auf „neu“ öffnet einen zufälligen Eintrag.
Das steht nur hier, weil Wordpress sonst das Layout vermurkst.
Vorher…
Nachher…
Beim Aufbau…
Von vorne…
Klavier zum Einlass…
…
Hmmm…
Danke nochmal allen, die die Polyfantasiawoche möglich gemacht haben und vegane Burger, Theorie, Geld, Musik, Hilfe bei der Deko und beim Aufräumen, Filme, Diskussionsbeiträge und noch viel mehr eingebracht haben, als da wären unter anderem Monotekktoni, Antke Engel, Eve Massacre, Phonatic, Gwendolin Altenhöfer, Fliegvogelflieg, die Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen, Amata Schneider-Ludorff, das RLS-Jubi-Netzwerk, der Johannesstraße 151, das Bildungskollektiv Biko, die Klavierrunde, die Offene Arbeit Erfurt (vor allem Ihr-wisst-schon-wer) , die Unbekannte, die den Beamer gerettet hat, die Leute, die beim Einkaufen und Vorbereiten geholfen haben und die KücheFürAlle vom B-Haus.
Ebenfalls nachgereicht: Wir wurden gefragt, ob wir unseren Redebeitrag von der Demo „Hände hoch-Haus her“ im April weitergeben können. Können wir:
Etwas verspätet reichen wir einen Text von uns nach, der im letzten hEFt erschienen ist.
19 Jahre nachdem Herbert Marcuse in „Triebstruktur und Gesellschaft“ die Geschichte der Sexualität als Linie einer zunehmenden Unterdrückung gezeichnet hat, mischt einer die Diskussion mächtig auf: Michel Foucault, der in „Sexualität und Wahrheit“ die Mechanismen untersucht, die zum Sex drängen, statt ihn zu unterdrücken – wohlbemerkt zu ganz spezifischem Sex.
Foucault konstatiert zunächst, dass Sexualität in den modernen Gesellschaften nicht beschwiegen wird: „Alles in allem sind wir die einzige Zivilisation, in der eigene Aufseher dafür bezahlt werden, daß sie jedem zuhören, der sich ihnen über seinen Sex anvertrauen will: der Wunsch, vom Sex zu sprechen, und der Nutzen, den man sich davon verspricht, haben offenbar ein Ausmaß angenommen, das über die Möglichkeiten des Anhörens weit hinausgeht – weshalb bestimmte Leute schon ihre Ohren vermietet haben.“ Mit der Durchsetzung der bürgerlichen Gesellschaftsform setzt also – gegenteilig zur Behauptung der Repressionshypothese unter anderem von Wilhelm Reich – ein Reden über Sex ein: „um den Sex herum zündet eine diskursive Explosion.“
Foucault zieht dabei zur Analyse die katholische Beichtpraxis heran und stellt fest, dass die Beichtväter im 17. Jahrhundert zunehmend ein Interesse an allen Dingen bekommen, die mit Sex zu tun haben. Dabei fällt auf, dass sich die Strategie der Befragung der Sündiger_innen durchaus ändert – während die Fragen vorher direkt auf den Gegenstand der Sünde gerichtet waren, setzt nun eine gewisse Diskretion ein: das Sprechen über Details wird als schmutzig empfunden und die Fragen werden unbestimmter. Diese Diskretion gleicht dem Umzingeln eines gefährlichen Feindes. Die Festlegung der Bereiche, in denen über Sex gesprochen wird, stellt gewissermaßen eine Neuordnung der Diskurse dar – aber diese ist eben keine Ordnung des Schweigens: „Unter dem Deckmantel einer gründlich gesäuberten Sprache, die sich hütet, ihn beim Namen zu nennen, wird der Sex von einem Diskurs in Beschlag genommen, der ihm keinen Augenblick Ruhe und Verborgenheit gönnt.“
Mit dem ganzen Gerede wird Sex also nicht unterdrückt, sondern gepusht. Im Diskurs von Beichte, Humanmedizin und Psychologie entstehen tausend Sexualitäten und Perversionen, sauber kategorisiert und angeordnet. Dabei passieren zwei Sachen gleichzeitig: Die gerade erfundenen Perversen werden zu Kranken erklärt und in Heime und Anstalten gesteckt. Gleichzeitig wird der produktive, gesunde, saubere Sex gefördert. Dabei sind es zunehmend nicht mehr die Expert_innen, die kontrollieren, was erlaubt ist. Vielmehr ist jede_r gewissermaßen zu ihrem eigenen Beichtvater geworden. In Talkshows, Illustrierten und Peergroups findet die Beichte heute in der Öffentlichkeit statt. „Sag uns, wie Dein Sex ist, damit wir wissen, wer Du bist“ – nie zuvor hat der Sex so eine große Rolle für die Selbstdefinition gespielt, war er so aufgeladen mit Bedeutung.
Foucault verwendet die Begriffe „bürgerliche Gesellschaft“ und „Kapitalismus“ immer mit einer gewissen Skepsis, die gegen die Vertreter der Repressionshypothese gerichtet ist: „Jedenfalls scheint die Hypothese einer Unterdrückungsmacht, die unsere Gesellschaft aus ökonomischen Gründen über den Sex ausübt, entschieden zu kurz gegriffen […].“ [S.75] Dennoch finden sich bei ihm zahlreiche Hinweise darauf, dass Sexualität und Kapitalismus etwas miteinander zu tun haben.
Schon im Sprechen vom Sex konstatiert Foucault eine Sachlichkeit, die charakteristisch für die kapitalistische Herrschaft ist: „[…] man muß vom Sex sprechen wie von einer Sache, die man nicht einfach zu verurteilen oder zu tolerieren, sondern vielmehr zu verwalten und in Nützlichkeitssysteme einzufügen hat, einer Sache die man zum größtmöglichen Nutzen aller regeln und optimal funktionieren lassen muß.“ So wie der Kapitalismus alles zu Sachen macht, die verwaltet und tauschbar sein müssen, erscheint der Sex als eine Sache, die einem Nützlichkeitssystem zugeführt werden muss. Das Diktat der Nützlichkeit für ein Allgemeininteresse ist charakteristisch für eine abstrakte Allgemeinheit, unter die im Kapitalismus alles subsumiert werden muss. Der Sex muss verwaltbar sein und Akteur dieser Verwaltung ist der Staat – allerdings agiert dieser nicht als eine Institution, die einfach Verbote setzt, sondern vielmehr Anreize zur Steigerung der Produktivität schafft und sich damit auf verschiedene Ebenen der Diskurse verlagert: „Er [der Sex] ist Sache der öffentlichen Gewalt, er erfordert Verwaltungsprozeduren, er muß analytischen Diskursen anvertraut werden. Der Sex wird im 18. Jahrhundert zu einer Angelegenheit der ‚Polizei‘. Allerdings im vollen und starken Sinne, den das Wort zu dieser Zeit besaß – nicht Unterdrückung der Unordnung, sondern verordnete Steigerung der kollektiven und individuellen Kräfte […]. Polizei des Sexes: das ist nicht das strikte Verbot, sondern die Notwendigkeit, den Sex durch nützliche und öffentliche Diskurse zu regeln.“ Diese Form der Herrschaft ist eine, die bis ins Individuellste eindringt – benötigt der Sex eine versachlichte Sprache, die jeder sprechen muss, ist jede_r Einzelne gezwungen, sich selbst als Sache zu begreifen und zu durchdringen. Jede_r wird zu ihrem eigenen Polizisten. Mit diesem Ansatz, der hier mehr hervorgekehrt ist als Foucault dies tut, wäre die foucaultsche Theorie für eine Theorie der Verdinglichung gesellschaftlicher Verhältnisse im Subjekt fruchtbar zu machen.
Von Seiten der Regierung her gedacht, ist es in der Neuzeit nur praktisch, den Sex steuern zu können. Die heutige BRD leidet z.B. darunter, dass sich der Pöbel vermehrt, während die Elite immer weniger Kinder bekommt. Um das zu ändern, gibt es bei der Deutschen Forschungsgesellschaft ein Programm, dass jungen Akademiker_innen bei der Familiengründung hilft. Hier kommt man mit der Repressionshypothese nicht weiter, niemandem wird der Sex verboten. Aber bestimmten Leuten wird der Sex durch Förderprogramme verordnet. Gleichzeigig werden an anderer Stelle Sozialleistungen gekürzt. Die Strategie ist, dass der Volkskörper an den richtigen Stellen wachsen soll – Foucault nennt das Biopolitik.
Die Reproduktion des Lebens rückt ins Zentrum der Herrschaft und damit werden zwei Dinge besonders wichtig: Der Sex und der Körper. Der Sex bietet Zugang zum einzelnen Körper genauso wie zum Gattungskörper. Deshalb wird er zum Dreh- und Angelpunkt der Machttechnologie zum Leben. Gerade daran, wie sehr der Staat nun die Verantwortung über den eigenen Sex und den eigenen Körper auf die Einzelnen überträgt (jede_r ist dazu gezwungen, sich selbst dahingehend zu befragen), lässt sich aufzeigen, wie sehr die kapitalistische Herrschaft in die Individuen hinein wirkt. Jede_r ist dazu gezwungen, dem Leben zu dienen; was bedeutet, sich eigenverantwortlich für die kapitalistische Herrschaft zuzurichten. Die Moderne stellt die Akkumulation von Menschen in den Dienst der Kapitalakkumulation.
Was man jetzt fragen müsste, ist, wie der Unterschied zwischen den Vertreter_innen der Repressionstheorie und Foucault zustande kommt. Eine Möglichkeit wäre, daß es eine Frage des Blickwinkel ist: Die alten waren halt Marxist_innen und haben daher auf’s System geblickt. Sie waren Bildungsbürger_innen durch und durch und haben daher das bürgerliche Subjekt trotz aller Kritik als Angelpunkt der Befreiung gesehen. Nach dem Ausbleiben der Revoution guckt dann ein ernüchterter Foucault (der aus kleinbürgerlichen Verhältnissen kam) auf all die verrückten Mechanismen, die machen, daß die Leute mitmachen.
Vielleicht ist aber viel wichtiger, daß die Macht in den 1970er-Jahren sich ganz stark von der in den 1920ern unterscheidet. Während Reich von dem Problem ausgeht, daß die Arbeiterjugend keinen Zugriff auf Verhütungsmittel hat, lernen die Schüler_innen zu Foucaults Zeiten in der Schule den Umgang mit Präservativen. Vielleicht reflektiert die Theorie also einfach eine neue Ausgestaltung der Welt, eine Verschiebung des Verhältnisses von Repression und produktiver Zurichtung.
Wie dieses Verhältnis heute aussieht und vor allem, wo Perspektiven zur Veränderung sind, wird der dritte Teil zur Diskussion stellen.
Und wieder war die Polyfantasiabar voll bis auf den letzten Platz — über 40 Leute haben den Vortrag von Antke Engel zu Intersexualität gehört, danach gab es noch eine kurze Diskussion. Dann war leider auch schon Schluss mit der Polyfantasiabar, weil der Raum für einen morgen geplanten Videodreh fertig gemacht werden musste.
Da haben wir unser Transpi eingepackt. Schön, daß uns die Offene Arbeit danach noch ein Plätzchen zur Verfügung gestellt hat, wo wir uns schon mal gedanklich auf die Party morgen vorbereiten konnten.
So was hängt man hin, und am nächsten Tag ist es abgerissen — keine Ahnung warum. Ziert es jetzt ein Privatzimmer? Oder ist es doch nicht so gut bestellt um die Akzeptanz abseitiger Sexualitäten in Erfurt?
Hier sieht’s noch leer aus, zwei Stunden später sind wir an Grenzen gestoßen: Als der Film am Dienstag mit einiger Verspätung beginnen konnte, war die Polyfantasiabar so voll, daß niemand mehr reingepasst hätte und wir in der Tat einige Leute an der Tür abweisen mussten. Sorry. Die Diskussionen waren dann nicht immer so einfach.
Der Workshop „Sexualität und Kapitalismus“ am Mittwoch war zwar voll, aber nicht überfüllt — zu diesem Thema wird’s von uns auf jeden Fall noch was zu lesen geben, evtl. machen wir auch einen weiteren Workshop. Vielleicht.
Morgen geht’s theoretisch in die letzte Runde: Antke Engel vom Institut für Queer Theory wird ab 20 Uhr zum Thema Intersexualität sprechen.
Freitag werden wir dann feiern…. Polyfantasiaball in der Offenen Arbeit mit Monotekktoni, Eve Massacre, Phonatic und fliegvogelflieg.
Montag: Gwendolin Altenhöfer las aus dem Zine „Die Krake. Künstliche Beziehungen für unnatürliche Frauen“. Anscheinend gibt es ein grooooßes Interesse an schlampigen Beziehungsformen - oder doch eher an der kühlen Kritik an Ehe und Monogamie? An beidem? Und ging’s eher um einen kurzen Ausflug in exotische Gefilde oder um einen Dia-Abend, bei dem man auch viel Bekanntes gesehen hat? Auf jeden Fall war die Polyfantasiabar mit über 40 Leuten gut gefüllt.
Morgen geht es weiter mit einem queeren Filmabend. Wir werden (wie auch Mittwoch und Donnerstag) ab 17 Uhr im Polyfantasiahaus in der Johannesstraße 151 sein und 20 Uhr beginnt der Film.
Sonntag:
Wir sitzen in der Polyfantasiabar und weil das Transpi vom letzten Jahr noch übrig war,
heißt das Haus auch wieder Polyfantasiahaus. Nette Menschen sind zum Helfen gekommen
und von draußen gucken sich die Leute die Deko an
Hier gibt’s auch polyfantastisches Bier.
Aber unser Internet ist kaputt. Morgen geht unsere queerfeministische Veranstaltungswoche los.
Ein Beitrag von Spiegel-TV zum CSD und seinen größten Fans, den Piusbrüdern:
Das mit der Strafe Gottes ist Unsinn. Die Strafe Gottes sieht so aus.
So war’s letztes Jahr. Morgen geht’s weiter. Samstag, 21.8.2010, 10 Uhr Anger: Straßenfest zum CSD. 14 Uhr Bahnhofsvorplatz: Demo zum CSD.
Potz Tausend! Auf unserem Flyer bewerben wir den Workshop „Sexualität und Kapitalismus“ am Mittwoch, 1.9., für 20 Uhr. Das ist ein Tipfehler. Der Workshop beginnt um 18 Uhr.
Potz Tausend! Auf unserem Flyer bewerben wir den Workshop „Sexualität und Kapitalismus“ am Mittwoch, 1.9., für 20 Uhr. Das ist ein Tipfehler. Der Workshop beginnt um 18 Uhr.
Juhu, wir haben dann doch die Sonderseite zur letztjährigen Polyfantasiawoche vom Netz genommen und eine neue gebastelt. Hier bewerben wir also unsere diesjährige queer-feministische Veranstaltungswoche in Erfurt. Sogar interaktiv: Sagt He-bie und Ba-Man, was sie sagen sollen!
Montag, 30.8., 20.00 Uhr, Polyphantasiabar
Forschungsreisen in nichtmonogames Gelände
„Wenn Liebe die Antwort ist, können Sie die Frage dann bitte umformulieren?“. Die Mitherausgeberin Gwendolin Altenhöger liest aus dem feministischen Zine „Die Krake. Künstliche Beziehungen für unnatürliche Frauen“. Die frisch erschienene Ausgabe Nr.5 widmet sich dem Durchlavieren zwischen schlampigen Begierden und monogamen Sehnsüchten. Mit Diskussion.
Dienstag, 31.8., 20.00 Uhr, Polyphantasiabar
Queerer Filmabend
Mittwoch, 1.9., 18.00 Uhr, Polyphantasiabar
Workshop Sexualität und Kapitalismus
Für den Zusammenhang von Sexualität und Kapitalismus gibt es zwei sich widersprechende Deutungen: Die Repressionshypothese behauptet, Sex würde unterdrückt, weil der unkontrollierte Trieb eine Gefahr für die Herrschaft sei. Die Antithese meint, Sexualität sei heutzutage fest in ein Netz der Macht eingebunden und würde die Planbarkeit der Bevölkerungsentwicklung im Rahmen der kapitalistischen Verhältnisse sicherstellen.
Wir stellen zu Beginn die beiden Ansätze vor und wollen dann darüber diskutieren, wie denn nun heute das Verhältnis von Sexualität und Kapitalismus ist.
Donnerstag, 2.9., 20 Uhr, Polyphantasiabar
Intersexualität
Im Zentrum des Vortrages steht die Infragestellung der biologistischen Norm der Zweigeschlechtlichkeit. Für besonders kritisierenswert halten wir dabei die gewaltsame medizinische Herstellung von Geschlechtseindeutigkeit bei Säuglingen. Es soll aber auch auf die Frage eingegangen werden, warum in unserer Gesellschaft die Geschlechternormen eine solche Wichtigkeit besitzen und warum alle Abweichungen gewaltsam ausgegrenzt oder auf die Norm „männlich“/“weiblich“ zugerichtet werden.
Freitag, 3.9.
Polyfantasiaball
Monotekktoni - epxerimental electronica, Berlin
[www.myspace.com]
Eve Massacre - Noisy mash ups, Nürnberg
[www.myspace.com]
Die Polyphantasiabar befindet sich in der Johannesstraße 151
Phonatic - get equalized, Jena,
[www.myspace.com]
fliegvogelflieg - minimalist techno, Erfurt
[www.myspace.com]
Oi!
Schon vorweg möchten wir darauf hinweisen, daß dieses Jahr erneut eine Polyfantasiawoche stattfindet, diesmal vom 30.08.2010 - 04.09.2010.
Stattfinden wird das ganze zum guten Teil in der Johannesstraße.
Inhaltlich geht es um:
- Sexualität und Kapitalismus; Polysexuelle Ökonomie
- Intersexualität
- Forschungsreisen in nicht-monogames und unnatürliches Gelände
Definitiv zugesagt hat Gwendolin Altenhöfer, die aus der KRAKE lesen wird.
Für die weiteren Veranstaltungen sind wir schwer am organisieren.
Am letzten Tag wird es wieder einen Polyfantasiaball geben — wenn wir einen geeigneten Raum finden…
Wenn das Programm klarer wird, werden wir das hier kundtun.
Vielleicht lohnt es sich ja, für die Woche mal nach Erfurt zu kommen?
Die Woche ist wieder eine Kooperation. Mit im Boot ist im Moment das Bildungskollektiv Biko und das Jugendbildungsnetzwerk der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Aber es werden sicherlich noch mehr Gruppen und Leute mitmachen.
Als er durch die schwere Holztür ins Freie trat, blinzelte Alexander Schellenberg und rückte seine Brille zurecht. Die Sonne blendete ihn, trotzdem sah er deutlich ein Trio, dass nicht eingeladen war mitten in der Hochzeitsgesellschaft: Herr Prantl, sein Mantel viel zu warm für die Jahreszeit, Frau Mielke im pastellgelben Blouson, und Enno wie immer im Parka. Als Alexanders Hand nervös über seine langen Haare und durch den sauber gestutzten Bart fuhren, fielen ihm seine eigenen Manschettenknöpfe ins Auge. „Jetzt kommst Du unter die Haube“, rief Enno mit einer lauten Kermit-Stimme. Ein paar Gäste blickte neugierig zu dem großen Skinhead und seiner eher unscheinbaren Begleitung. Die Frau in der gelben Jacke kniff die Augen zusammen und blickte starr geradeaus. Alexander ging durch den Kopf, wie er Frau Mielke kennengelernt hatte. An seinem ersten Arbeitstag als Leiter der Tagesstätte für Psychiatrieerfahrene hatte sie ihm leise, aber bestimmt von den Stasi-Seilschaften erzählt und von ihrem Plan, erst Meiningen zu übernehmen und von da aus die DDR wieder aufzubauen. Er hatte sie zuerst ins Büro gebeten und danach gemerkt, daß sie eine Klientin war, denn in ihrer blaugrauen Strickjacke hatte sie wie eine Kollegin gewirkt. Das konnte man von Enno und Herrn Prantl nicht behaupten. Während Enno Alexander zu sich winkte, stand Prantl leicht vornüber gebeugt daneben und murmelte vor sich hin. In seinem Kopf hörte Alexander die sonore Stimme:„Im Osten hab ich die Schachteln mit den Patronen voll gemacht. Zehn Reihen und immer fünf Patronen. Und dann die Schachtel zumachen. Mit der Wende haben die mich dann nicht mehr gebraucht.“. Alexander drängte sich zwischen Herrn Prantl und seine Schwiegermutter in Spe, die ein Gesicht machte, als fürchtete sie, die Flecken von Prantls Mantel würde gleich auf ihr purpurnes Kleid überspringen. „Wie schön, daß Sie hier sind. Am Montag werden wir in der Tagesstätte einen kleinen Umtrunk haben“ sagte Alexander deutlich, während er sich ein klein wenig vorbeugte und den Blickkontakt mit Enno und Frau Mielke suchte. Er hörte nicht darauf, was Frau Mielke zu ihm sagte, schüttelte Herrn Prantl die Hand, murmelte noch einmal, wie schön der überraschende Besuch sei und dass er sich jetzt leider verabschieden müsse.
Wie ein Sack ließ er sich in den Sitz des schwarzen Volvo fallen. Als die Autotür hinter ihm zuklappte und der Wagen langsam in Richtung Kirche rollte, ging er in Gedanken die drei ungebetenen Gäste durch. Prantl war dement. Mit seiner Tagesdosis von 750mg Seroquel konnte man ihn eigentlich bequem in die Ecke stellen und brabbeln lassen, das war nicht schön, aber wenigstens nicht so auffällig wie Enno. Seine Akte war eindeutig, „Diagnose: Borderline-Persönlichkeitsstörung; Fremdgefährdung: keine“. Aber wer kannte schon die Akte. Die Gäste sahen einen 1,90 großen Skinhead, der sich ruckartig bewegte und hörten eine Stimme wie eine Trompete. Frau Mielke war sicher die unauffälligste in dem Trio – so lange sie nicht anfing, ihr Gegenüber in ihre schizoiden Wahnvorstellungen einzubauen. Alexander wurde bleich bei der Erinnerung an einen geselligen Abend bei seinen zukünftigen Schwiegereltern. Der Schwiegervater hatte gesagt: „Wenn Du mit den Verrückten klarkommst, bändigst Du auch unsere Tochter“ und Alexander hatte betont, dass seine Klienten nicht verrückt, sondern psychisch beeinträchtigt waren und weiter ausgeführt, dass Frau Mielke immerhin seit 35 Jahren im selben Neubaublock wie seine Anverwandten wohne. „Die war schon immer sonderlich“ hatte die Schwiegermutter gemeint, woraufhin er mit Blick auf ihr geschientes Bein geantwortet hatte, dass Persönlichkeitsstörungen auch nicht sonderlicher seien als Beinbrüche. Daraufhin hatten sie ihn wiederum angesehen, als sei er verrückt. Man hatte das Thema nicht vertieft und war etwas ernüchtert auseinander gegangen an diesem Abend. “Wenigstens muss man mit einem Beinbruch zuhause bleiben“ ging es ihm durch den Kopf, als der schwarze Volvo vor der Kirche langsam zum Stehen kam.
„Ein Glück“ dachte Alexander. Keiner der Klienten war vor der Kirche zu sehen. Die Hochzeitsgesellschaft hatte den Weg durch die Fussgängerzone genommen und stand feierlich gewandet auf den breiten Treppenstufen. Alexander atmete tief durch, blickte in die Runde und lächelte. „Wirklich nett, daß sie mir gratulieren wollten“ ging ihm durch den Kopf, während er innerlich darüber lachte, welche Ängste er ausgestanden hatte. Herr Prantl, der sich auf der Suche nach einem kleinen Imbiss an den Hostien verging. Frau Mielke, die allen Anwesenden ernst erklärte, daß die Trauung ungültig sei, da der Pfarrer auf der Gehaltsliste der Stasi stünde. Enno, der mitten in der Zeremonie von hinten rief „Ist der Ring auch echt?“. „Absurd“ dachte er jetzt, „sie wollten mir einfach nur gratulieren.“ Die Hochzeit würde ganz normal über die Bühne gehen und er würde gleich beweisen, dass er trotz seiner langen Haare und trotz des sonderlichen Jobs dazu gehörte. „Wenn hier einer normal ist, dann ich“ sagte er sich, wie immer, wenn er sich etwas aus dem Gleichgewicht gebracht fühlte.
Die schwere Kirchtentür ging auf. Ganz vorne, in der ersten Reihe links saß das Trio. Ihm wurde glühend heiß. Er wusste, daß die Braut links vor dem Altar stehen würde und er selbst rechts – mit direktem Blick auf die drei. Die alte Kirchenbank knackte, als Ennos sich ruckartig umwandte und breit in seine Richtung grinste. Der Hochzeitsmarsch setzte ein. Frau Mielke und Herr Prantl saßen nebeneinander, ihre Köpfe zusammengesteckt. Alexander glaubte ihr tuscheln zu hören, wie ein Kurzschluss in der Elektroinstallation. Die Orgelmusik hallte in dem alten Bau, sie kam von hinten und mit einer kurzen Verzögerung wieder von vorne, daß ihm ganz schwindelig wurde. „Wir sind heute hier zusammengekommen“. Herr Prantl und Frau Mielke blickten jetzt in seine Richtung. Sahen die anderen Gäste auch zu seinen Klienten? „Um diese jungen Leute im heiligen Bund der Ehe zu vereinen“. Frau Mielkes Augen verengten sich zu Schlitzen und Alexander hielt die Luft an. „Sollte einer der Anwesenden einen Einwand gegen die Verbindung vorzubringen haben“. Herr Prantl wandte langsam seinen Kopf und sah erwartungsvoll Enno an. Alexanders Hände begannen zu zittern. „So möge er ihn jetzt vorbringen oder für immer schweigen“. Enno rückte seine massigen Gliedmaßen zurecht, setzte sich gerade hin. Sein Kopf ruckte in die Höhe. Sein Kehlkopf tanzte auf und ab. Die Nachmittagssonne spiegelte sich auf der polierten Glatze und er schien sich zu räuspern, als Alexander losschrie: „Halt doch einfach die Klappe“. Erst als er das Echo seines eigenen Schreies hörte, war Alexander klar, was er getan hatte. Das Echo verhallte, die Kirche war still wie ein Grab. Enno, Frau Mielke und Herr Prantl sahen ihn mit offenen Mündern an. Alexander konnte den Bick nicht ertragen. „Raus hier, nur raus“ dachte er. Bevor die schwere Tür hinter ihm zufiel, hörte er aus der Kirche eine Stimme wie Kermit der Frosch: „Ist ja irre.“
Diese leicht widernatürliche Geschichte ist im Rahmen eines Schreibworkshops des Kulturrausch beim Textil-Festival entstanden. Sie ist gar nicht von wi(e)derdienatur!
Ständig stinkt es nach Bier und Pisse. Ich weiß nicht, ob es am Alkohol liegt, oder daran, daß man am Vatertag den Pimmel zeigen muss, um zu beweisen, daß man zumindest potentiell ein Vater ist. Auf jeden Fall zeigen mit schon vor Mittag drei Pisser ihre Penisse, einen davon mitten auf der Fussgängerbrücke am Erfurter Hauptbahnhof. War wohl eine schlechte Idee, an Himmelfahrt das Haus zu verlassen. Das hab ich mir schon am Anfang meiner Radtour gedacht. Am Ringelberg prügeln sich zwei sportlich gekleidete 20jährige umringt von Gleichgesinnten. Einer trägt einen schwarz-rot-goldenen Hut in Form eines Bierkruges. Auf der Straße zwischen Viesselbach und Asmansdorf randalieren gutbürgerliche Mitt-30er. Sie werfen einen Baustellenzaun um und demolieren Straßenschilder. In Weimar sind meterbreit Blutspritzer auf dem Bürgersteig verteilt, daneben eine Lache von Bier und ein paar Scherben. Am Morgen waren hier zwei Männerhorden aufeinandergetroffen. Bei der Rückfahrt nach Erfurt habe ich Glück, keine Kotze im Abteil. Nur im Erfurter Bahnhof rutsche ich auf einer Pfeffi-Lache aus. Auf dem Anger lassen sich besoffene Spießbürger neben einer brennenden Mülltonne fotografieren. Was für ein Spaß.
Was ist da los? Wie kommt es daß an einem christlichen Feiertag die Männer durch alle Schichten und Alterskohorten hindurch austicken? Wie kann es sein, daß spießige Saubermänner auf die Gehsteige pissen und begeisterte Autofahrer ihre eigenen Straßen demolieren? Noch verrückter: Wie kommt es, daß – wie 2009 in Erfurt gesehen – Hooligans, die jeden grün und blau schlagen würden, der ihnen homphile Neigungen unterstellt, sich gegenseitig auf dem Fischmarkt an die Schwänze fassen?
Ich glaube, das ist „das bürgerliche Subjekt und sein Anderes“. So heißt eine Veranstaltung in Weimar am 17.5., dem internationalen Tag gegen Homphobie. Ich picke mir mal raus, was von diesem Theorie-Gedöhns auf die pissenden Saubermänner passt:
Mit der Aufklärung entsteht ein neues Menschenbild. Es heißt zwar Menschenbild, ist aber eigentlich ein Männerbild: Das bürgerlich Subjekt. Es ist fähig zur rationalen Erkenntnis. Es ist immer aktiv und stark. Und es will herrschen. Damit was zum beherrschen da ist, schenkt die Aufklärung der Frau die zweifelhafte Ehre, als Gegenstück des Mannes zu dienen. Passiv, schwach, emotional, empfangend und unterworfen – eben das Andere des bürgerlichen Subjekts. Der Hass auf Schwule und Lesben kommt nicht zuletzt daher, daß sie diese Ordnung stören. Aber darum soll es jetzt nicht gehen. Zurück zum Subjekt und seinem Anderen, dem Unterworfenen. Das Subjekt beherrscht nicht nur die anderen Menschen. Wenn wir mal davon ausgehen, daß himmelblaue Babies genau so weinen wie rosarote, muss auch jede Menge Selbst-Beherrschung stattfinden, eh aus dem blauen Baby ein blauer Erwachsener wird. Das Subjekt muss sich selbst beherrschen. Es muss die ganze Schwäche, Ratlosigkeit und Irrationalität in sich unter Kontrolle zu bringen. Der Riss geht also mitten durch die Person. Der ganze Mann ist also nicht nur eine Zumutung für seine Umwelt, er muss sich auch selbst ständig trietzen. Insofern: Ja, auch Männer leiden unter ihrer Geschlechterrolle.
Bevor jemand aber Fürbitten für die „Armen kleine Männer“ anstimmt, will ich auf den Männertag zurückkommen. Himmelfahrt erlaubt den Männern in einer kontrollierten und reglementierten Umgebung das Ausleben von Spontanetität. An Himmelfahrt dürfen sich die verklemmtesten Heteros zusammen im Schlamm wälzen und sich gegenseitig die Schwänze fassen. An Himmelfahrt dürfen die Saubermänner, die sich sonst Tag für Tag ihrem Ordnungswahn hingeben, auf der Straße randalieren. An Himmelfahrt darf Mann das nicht verarbeitete Trauma der kindlichen Sauberkeitserziehung nach Außen kehren, indem man vor dem Hauptbahnof auf die Straße uriniert und das mit der Handy-Kamera für die Nachwelt festhält. An Himmelfahrt ist die Stadtordnung außer Kraft – nicht saufende Männerhorden, sondern alle anderen werden der Innenstadt verwiesen.
Einen Bruch mit der selbstbeherrschenden Subjekform ist das nicht. Denn auch die Entscheidung, daß es zum Ausnahmezustand kommt, ist Herrschaft. Und daß der Macker ein Stück die Selbstbeherrschung abgibt, heißt in der Praxis dann oft genug, daß die Anderen was abbekommen: Die Fallzahlen für Körperverletzung liegen am Männertag ca. drei mal so hoch wie im Durchschnitt. Wieviel es kostet, hinter den pissenden, kotzenden und randalierenden Spießerhorden wieder aufzuräumen, wird nicht erhoben. Wenigstens hat in diesen Jahr der Regen die Pisse recht schnell weggeschwemmt. Das Männerproblem bleibt bestehen.
Ein Beitrag für die Sendung Chilligays bei Radio FREI.
Seit gestern veröffentlicht im neuen hEFt:
Widerdienatur macht Theorie. Wir wollen den Zusammenhang von Sexualität und Kapitalismus verstehen. Mit Liebe- und Beziehungskritik haben wir uns schon jahrelang auseinandergesetzt. Aber Sex hat nicht nur im wahren Leben, sondern auch in der Theorie nicht notwendig mit Liebe zu tun. Deswegen sind unsere Ausführungen zu Sex und Kapitalismus eher fragmentarisch und dokumentieren unseren derzeitigen Diskussionsstand. Die vielen Fußnoten zeigen Grenzen und Widersprüche auf und sollten daher auch gelesen werden.
Unterdrückt der Kapitalismus die Sexualität?Der erste Versuch, Sex und Kapitalismus politisch zusammen zu denken, ist die Bewegung für Sexualökonomie und Politik (Sexpol) in den 1930er-Jahren1. Mit Schulungen, Veranstaltungen und in Beratungsstellen werden vor allem junge Arbeiter_innen über Sexualität aufgeklärt. Die Zeiten sind andere als heute, Verhütungsmittel sind schwer zu bekommen und ein eigenes Zimmer, geschweige denn eine eigene Wohnung ist Luxus und für die Arbeiterjugend nicht bezahlbar. Daher argumentierte die Sexpol, daß der Kapitalismus einer Erfüllung der sexuellen Bedürfnisse entgegen stünde2. Das begründete einen sexualitätspolitischen Antikapitalismus auf der praktischen und die Repressionshypothese auf der anderen Seite.
„Der Kapitalismus unterdrückt die Sexualität“ behauptet Wilhelm Reich, Vordenker der Sexpol-Bewegung. Er argumentierte weiter, nicht genutzte sexuelle Energie würde sich im Menschen anstauen und Lust an der Unterwerfung produzieren. Gleichzeitig geht er davon aus, daß Sexualität ein Potential zur gesellschaftlichen Befreiung in sich birgt – wenn nur die sexuelle Energie freigesetzt würde. Um das zu befördern, baut Reich einen Orgon-Akkumulator – ein metallverkleideter Holzkasten, der sexuelle Orgon-Energie konzentrieren soll3, um den „Triebstau“ zu überschwemmen und damit die Repression – im Inneren wie in der Welt – hinwegzuspülen.
1933 wird Reich aus der KPD und aus der Internationalen Psychoanalytischen Gemeinschaft ausgeschlossen. Ob das an der kleinbürgerlichen Sexualmoral der Kommunisten lag oder an einer begründeten Kritik an Reichs Vorstellungen ist von heute aus schwer zu sagen.
Spätere Reichianer_innen verkaufen möglichst wahlloses Rumficken als Schlüssel zur Befreiung. Vor allem in der 1968-er Bewegung wird der Kurzschluss „Ficken macht revolutionär“ zum Credo von Psycho- und Polit-Sekten wie der Aktionsanalytischen Organisation (OOA), die am Ende wegen massenhafter sexueller Übergriffe gegenüber Minderjährigen aufgelöst wurde.
Repressionshypothese, die zweiteAuf eine weniger mechanistische und überhaupt nicht aktivistische Variante macht die Kritische Theorie die Unterdrückung von Sexualität im Kapitalismus zum Thema4. In Anschluss an Freud5 sahen Leute wie Herbert Marcuse die Entwicklung der Menschheit analog zur Entwicklung des einzelnen Individuums als Prozess der der fortschreitenden Unterdrückung der Natur an6:
Furchtbares hat die Menschheit sich antun müssen, bis das Selbst, der identische zweckgerichtete Charakter des Menschen geschaffen war, und etwas davon wird noch in jeder Kindheit wiederholt7
Im Sinne der Kritischen Theorie ist Subjektivität also schon immer eine Bearbeitung einer vorab gegebenen inneren Natur. Ein gewisses Realitätsprinzip, das den unmittelbaren Lustgewinn zugunsten einer langfristigeren Perspektive zurückstellt, sehen sie als notwendig für die Entwicklung der Menschheit an. In der bisherigen Geschichte hatte das immer etwas repressives8. Marcuse nennt in „Triebstruktur9 und Gesellschaft“ die aktuelle Form des Realitätsprinzips „Leistungsprinzip“. Dem Leistungsprinzip entspricht eine spezifische Sexualität10: Damit rational gearbeitet werden kann, darf es nur bestimmte Körperteile geben, denen gewissermaßen sexuelle Handlungen zugestanden sind. Nur so können die Menschen in der Produktion bestehen – würden andere Körperteile lustbesetzt sein, wäre die Rationalität im Arbeitsprozess nicht mehr gewährleistet. Zudem ist Sexualität im Kapitalismus der Logik der Fortpflanzung unterworfen. „Zwecklose“ – nicht genitale und damit unvernünftige – sexuelle Handlungen würden weder das Nachwachsen neuer Arbeiter_innen sicherstellen, noch eine geordnete Gesellschaft garantieren und werden daher als pervers abgewertet.
Marcuses Utopie ist aber nicht mehr wie bei Reich die naive Befreiung der Triebe, sondern eine Gesellschaft mit einem nicht-repressiven Realitätsprinzip, in der Kulturentwicklung und Lustentfaltung sich nicht mehr widersprechen. In der unglaublichen Entfaltung von Produktivkräften sieht er das Potential, die Lebensnot – den Mangel, der die Unterdrückung von Trieben notwendig macht – abzuschaffen. Durch eine neue, nicht mehr der Profitmaximierung unterworfene Nutzung von modernen Technologien könnten sich die Menschen in spielerischen und nicht zweckrationalen Handlungen weiterentwickeln und verwirklichen – was dann auch eine nicht-repressive Sexualität beinhalten würde11.
Zwischen Schulmädchenreport und BRAVOGerade in den 1970er-Jahren wird es immer weniger plausibel, das Verhältnis von Sexualität und Kapitalismus nur als Unterdrückung zu sehen. Als Beate Uhse 1962 den ersten Sexshop eröffnet, befürchtet sie noch Übergriffe empörter Bürger_innen. 1965 ist es ein Skandal, daß Reifen mit langen Frauenbeinen beworben werden. 10 Jahre später ist geradezu Norm, was vorher noch verboten war. Mit der „Sexwelle“ wird Sexualität zum Thema Nr. 1 in den bürgerlichen Medien. „Bin ich normal, wenn ich mit 16 noch Jungfrau bin?“ fragen Teenager 1972 in der BRAVO, während Konsumsphäre und Freizeit geradezu mit sexualisierten Darstellungen von jungen Frauen zugepflastert werden.
Der Sexualität scheint nicht mehr der gefährliche Charakter anzuhängen, der ihr einstmals angehörte. Dafür wird der Sex verwarenförmigt – er wird genutzt, um Waren zu verkaufen und er wird selbst als Ware gehandelt.
Vielen Apologet_innen der Sexuellen Revolution galt diese Entwicklung als Befreiung. Die Kritische Theorie sieht die Entwicklung als „repressive Entsublimierung“. Entsublimierung bedeutet, daß es mit der sexuellen Befreiung nicht mehr so stark nötig ist, sexuelle Bedürfnisse zu sublimieren – sie auf andere, kulturschaffende, Ziele umzulenken. Das könnte eine Befreiung bedeuten, nur leider manifestiert sich die neue sexuelle Freiheit wieder in repressiven Formen. Sie wird genutzt, um Dinge zu verkaufen und die Leute zufrieden zu halten12.
Neu ist daran, daß auch der nicht auf Fortpflanzung gerichtete Sex produktiv genutzt wird, statt ihn zu unterdrücken. Unsere These wäre dazu, daß es immer beides gibt: Repression und produktive Nutzung von Sexualität. Zu fragen ist, wie sich das Verhältnis von beiden verändert – und das ist keine theoretische, sondern eine empirische Geschichte, die ein andermal erzählt werden soll.
Den nächsten Teil unserer Auseinandersetzung mit Sexualität und Kapitalismus beginnen wir mit Michel Foucault, der untersucht, wie moderne Regierung „Leben macht“, um es produktiv zu nutzen.
Queer-feministische Gruppe wi(e)derdienatur im März 2010

Am kommenden Freitag wollen fundamentalistische Christ_Innen in Freiburg einen „Gebets- und Demonstrationszug zum Schutze des Lebens“ durchführen. Die „Freiburger Assoziation zur Kritik der Piusbruderschaft“ mobilisiert hier dagegen.
Dazu passt thematisch, daß es auf http://ufo.arranca.de seit gestern den Mitschnitt einer Veranstaltung zum fundamentalistischen Nachrichtenportal „kreuz.net“ gibt. Auf der Seite tobt sich die klerikale Braunzone zwischen konservativem Antimodernismus und Klerikalfaschismus aus.
Ärgernis zeigt dazu ein niedliches Video von gloria.tv über die Gegenaktivitäten zu einem solchen Marsch. Man kann nur hoffen, daß die Gegendemonstrant_innen recht haben: „Eure Kinder werden so wie wir“
Die Erfurter Stadtzeitung hEFt wollte kürzlich wissen, was wi(e)der die Natur ist. Darauf gibt es viele Antworten, die zum Teil in der aktuellen Ausgabe des hEFts stehen — und zum Teil nur hier:
Wi(e)der die Natur ist liwatIm islamischen Recht ist liwat die Sünde wider die Natur: Das Einführen des Penis in den After, wenn es über die Eichel hinaus geschieht. Anders als in der Moderne wird die Tat bestraft, nicht aus der Tat ein besonderer – homosexueller – Charakter des Täters gefolgert. Liwat ist insofern vergleichbar mit Ehebruch und ähnlichen Straftaten.
Wi(e)der die Natur ist queerQueer steht nicht nur für die Bewegung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, SM, Transgender und Intersexuellen, sondern auch für die Weigerung, biologische Erklärungen für gesellschaftliche Zusammenhänge anzuerkennen. Widerdienatur stellt die Natürlichkeit von Heterosexulität genau so in Frage wie die der romantischen Zweierbeziehung, des Kapitalismus und des Mann- bzw. Frauseins. Widerdienatur will das Widernatürliche stärken, indem es die Herrschaft der Norm als solche angreift. Eine bipolare Zweiteilung der Geschlechter mit genormtem gegenseitigen Begehren finden wir nicht nur langweilig, sondern auch inhuman. Inhuman deshalb, weil alle, die dieser Norm nicht entsprechen, als abweichend, falsch, krank oder minderwertig betrachtet werden und dies tagtäglich zu spüren bekommen.
Wi(e)der die Natur ist feministischDie bürgerlich-kapitalistische Gesellschaft ist mitnichten frei von Sexismus. Im Gegenteil: Die in der Moderne entstandene strikte Einteilung der Menschen in „starke, sexuell aktive Männer“ und „schwache, passive Frauen“ fördert strukturell die Hierarchie zwischen Männern und Frauen und trägt die Tendenz zum Übergriff bereits in sich. Wer das im Namen der Queertheory leugnet („Ist ja alles nur konstruiert“), reproduziert das falsche Ganze, statt es zu dekonstruieren. Queer ohne Feminismus zementiert Herrschaft, genau wie liberales „Wir-sind-doch-alle-gleich“-Gelaber. Daher sind wir parteiisch – z.B. im Sinne eines Eintretens für die Betroffenen von sexueller Gewalt.
Wi(e)der die Natur ist Party-KulturAuch wenn die Fete nicht die Veränderung gesellschaftlicher Verhältnisse ersetzen kann, wollen wir uns nicht von der eigenen Ohnmacht dumm machen lassen und auch stilvoll feiern. Davon zeugt unser Polyfantasiaball. Das erste mal 2008 im Besetzten Haus Erfurt, dieses Jahr leider nur im extra dafür angemieteten alten Innenministerium – im „Polyfantasiahaus“. Wir feiern unsere Partys am liebsten ohne Rassismus, Sexismus und Homophobie, ohne Nazis und Nazisymbolik, dafür aber mit etwas Phantasie, guter Musik und kuschligem „Undarkroom“. Am liebsten haben wir die Parties auch so, dass wir auch mit Gästen feiern können, die wenig oder gar kein Geld haben. Dieses Mal war auch ein Raum mit künsterischen Filmen zum Thema Sexualität dabei, der gut besucht war. Am Einlass gab es Identitäts-Buttons, so dass sich jede_r eine Idendität für den Abend aussuchen konnte – von „Tunte“ über „Heute Hete“ bis „polymorph pervers“ und selbstverständlich „wider die natur“. Einige fanden vor dem Brunch um 12.00 Uhr vor dem CSD gar keinen Schlaf. Nach der Räumung des Besetzten Hauses gibt es in Erfurt leider keinen festen Platz mehr für solche Parties. Wir finden, dass ein Ort für widernatürliche Party-Kultur dringend nötig ist.
Wi(e)der die Natur kritisiert die LiebeWährend der kapitalistische Alltag durch einen ständigen Konkurrenzkampf bestimmt ist und (nicht ausschließlich im körperlichen Sinne) den Menschen eine ständige Anstrengung abverlangt, scheint die Sphäre der Liebe ein letzter Hort zwischenmenschlicher Nähe, des Mitfühlens und Teilens zu sein. In der romantischen Zweierbeziehung sollen die Verheehrungen geheilt werden, die Arbeit und Alltag an den Menschen angerichtet haben. An diesen unglaublich hohen Erwartungen scheitern jedoch zahlreiche Beziehungen. Schmerzvolle Enttäuschungen tragen einer unmenschlichen Realität Rechnung. Anstatt von der Liebe zu erwarten, sie könnte den kapitalistischen Alltag erträglich machen oder ihm gar einen Sinn geben, sollten die Menschen sich solidarisch zusammentun, um die Verhältnisse zu ändern. Die Liebe ist nichts natürliches, was die Menschen überhistorisch miteinander verbindet. Verschiedene Zeiten haben verschiedene Formen der Liebe hervorgebracht – auf die vielfältigen und intensiven Möglichkeiten zwischenmenschlicher Beziehungen in einer befreiten Gesellschaft sind wir sehr gespannt.
Wi(e)der die Natur ist wider die „Natur“100%iger Apfelsaft muss laut Fruchtsaftverordnung Anlage 1 gleichartige organoleptische und analytische Eigenschaften zu einem gepressten Durschnittsapfel aufweisen. Aber konkrete Äpfel unterscheiden sich stark vom gesetzlich normierten Durchschnittsapfel. Um 100%igen Apfelsaft herzustellen, wird entweder der Saft verschiedener Pressungen vermischt oder aber die Konzentration geändert, bis sie der Norm entspricht. Nicht nur bei Lebensmitteln gibt es Normen, die festlegen, was gesund und natürlich ist. Mediziner haben z.B. festgelegt, welcher Hormonpegel ein weiblicher ist. Frauen, die dem nicht entsprechen, werden medikamentiert, z.B. mit der „Pille“. Sie wird bei weitem nicht nur als Empfängnisverhüterin eingesetzt, sondern gegen eine ganze Schaar von ungewollten „Fehlentwicklungen“, die auf Hormonstörungen zurückgeführt werden. Was als Störung gilt, ändert sich schnell und stetig: Noch vor zwei Generationen waren Frauen mit Oberlippenbärten nichts Außergewöhnliches. Heute wird schon die Behaarung der Beine medikamentiert. Es ist also grober Unfug, im Saft (auch im zertifizierten Bio-Saft) oder im Geschlecht die pure, unverdünnte Natur zu sehen: Was als Natur gilt, ist gesellschaftlich gemacht.
Wi(e)der die Natur ist MaterialismusWer Natur naiv als Ursprünglichkeit versteht, sitzt einer Konstruktion auf. Sie zu dekonstruieren bedeutet, ihre historische und gesellschaftliche Gewordenheit zu verstehen, statt in idealistischer Eigentlichkeit befangen zu bleiben. Widerdienatur bedeutet, den Wald historisch zu begreifen. Es heißt, antike Siedlungen und ökonomische Vernutzung zu analysieren und die romantische Rede vom „tiefen Walde“ als moderne Konstruktion eines signifikanten Anderen zur Stadt zu begreifen.
Wi(e)der die Natur heißt die Zumutung zurück zu weisenWas die Natur jeden Tag von uns will, ist nicht weniger Verblödung als das, was sie mit dem Wald macht: Eine historsch gewordene Unterdrückungserfahrung, die heterosexuelle Männer und Frauen mit stabilem Begehrenskäfig erschaffen hat, wird als Erfüllung der innersten Wünsche des Menschen verkauft. Gelungene Subjektivierung bedeutet, unter der Zurichtung nicht mehr zu leiden, den Abdruck der Gesellschaft im Wachs des konkreten Individuums nicht mehr wahrzunehmen, weil beide so perfekt zueinander passen, daß nichts mehr zwickt und drückt. Auf die Fresse dafür. Wi(e)derdinatur weist darauf hin, daß die Natürlichkeit Gesellschaft und Zurichtung ist. Wir kennen andere Formen und reden uns nicht damit raus, daß wir so „sind“. Wir sind nicht. Wir wollen nicht mehr mitmachen und finden, es ist höchste Zeit, nach neuen Formen der Vergesellschaftung zu suchen.
Wi(e)der die Natur ist ein DiskussionsprozessDie Schritte hin zu einer befreiten Gesellschaft müssen von ständiger Reflexion und Selbstkritik begleitet sein. Mit Vorträgen, Workshops, Filmabenden und Seminaren wollen wir die Themen der Geschlechterverhältnisse, Sexualität und Identität ins Rampenlicht rücken und unsere Ansätze zur Diskussion stellen.
Wi(e)der die Natur demonstriertAm Ende haben die Widernatürlichen Eminenzen doch ein wenig gefeiert, als der Oberbürgermeister zum ersten mal beim CSD seinen kleinen autonomen Rückzugs- und Schutzraum (Rathaus) verlassen hatte und sich widerwillig von zwei Demonstranten umarmen lassen musste. Soviel körperliche nicht-heterosexuelle Nähe schien ihm doch etwas unangenehm gewesen zu sein.
Wi(e)der die Natur willNicht schon WIEDER DIE NATUR als Begründungszusammenhang für gesellschaftliche Unterdrückungsverhältnisse!
Wi(e)der die Natur ist gefährlichIm Rahmen unserer queer-feministischen Polyfantasiawoche vor dem Erfurter CSD kam es zu mindestens drei Polizeieinsätzen. Und nicht nur die Polizei, auch die Verwaltung war sehr daran interessiert, was wir denn da so treiben, ob das legal und der Raum von uns gemietet war. Noch interessanter schien zu sein, ob nicht zufällig Leute im alten Innenministerium übernachten. In Ämterstuben wird gemunkelt, dass wir mit der überaus gefährlichen Besetzer_innenszene zu tun haben. Dafür spricht, dass wir die berüchtigte KüfA (Küche für ALLE – ein Projekt des Besetzten Hauses) bei uns zu Gast hatten und dass wir im letzten Jahr unseren Polyphantasiaball im Besetzten Haus gefeiert haben. Wir wollen uns dazu aber nicht so klar äußern, sondern uns lieber in interessantes Schweigen hüllen.
Spannende Veranstaltungsreihe in Jena:
02. November 2009:
Volker Woltersdorff „Queere Perspektiven auf Prekarisierung“10. November 2009:
Heinz-Jürgen Voß „Zweigeschlechtliche Norm und ihr biologisch-medizinisches Fundament“16. November 2009:
Lars Quadfasel „Wenn PostfaschistInnen zu sehr lieben“23. November 2009:
Tim Stüttgen „post porn politics“01. Dezember 2009:
Nina Mackert „…as serious as an invasion of the enemy in war time”07. Dezember 2009:
Martin Büsser & Jonas Engelmann „Geschlechterverhältnisse im Punk, Hardcore & Emo“14. Dezember 2009:
Sarah Diehl „Abortion Democracy“ (Film & Diskussion)04. Januar 2010:
Oliver Lauenstein „Männlichkeit macht mehr als Macht“11. Januar 2010:
Bini Adamczak & Cornelia Möser „jump and run. communistische postpornoperverse vs. kapitalsexistische ciswertmatrix“17. Januar 2010:
Karin Michalski „Working on it“ (Film & Workshop)25. Januar 2010:
Tina Denninger „Auch im Alter noch Sex.“01. Februar 2010:
Mirjam Mirwald & Danilo Vetter „Die Heide ruft“08. Februar 2010:
Florian Ruttner & Alex Gruber „Über die Unmöglichkeit poststrukturalistischer Gesellschaftskritik“
Mehr hier.
News vom queer-Wagenplatz Schwarzer Kanal in Berlin:
Konkreter Räumungstermine auf dem Schwarzen Kanal. Unser Vermieter HochTief hat den Vertrag uns zum 1.Jan 2010 gekündigt und wir sollen den Platz bis dahin geräumt haben. Der Grund für das alles ist der Baubeginn auf einem Nachbargrundstück. ( Unser Gelände wird für die Baulogisitk benötigt). Räumungsandrohung kommt weiterhin zustande durch Druck der Bundesanstalt für Imobilienaufgaben (BIMA) die darauf besteht, dass HochTief sein Bauvorhaben schnellstmöglich beginnt.
Mehr hier

Die Analyse von „Im Staub der Sterne“ war bedeutend schwieriger als die von Casablanca vor zwei Wochen.
Eine gewisse Faszination für die schräge 70er-Jahre-Ästhetik in Musik und Ausstattung konnte schnell festgehalten werden. Aber was bedeutet es, wenn auf der einen Seite eine Frau das Kommando auf der Raumfähre hat, auf der anderen Seite aber durch den ganzen Film Frauen als schmückendes Beiwerk leichtbekleidet herumtanzen? Geht es hier vor allem darum, daß das DDR-Fernsehballett in den 70ern einfach in jedem Film vorkam? Und was sagt es uns, daß ein schlechter David-Bowie-Imitator auf seiner Heimorgel die Puppen tanzen lässt? Auf was beziehen sich die Lederkerle vom Sicherheitsdienst?
Da ist auf jeden Fall noch mehr Analyse vonnöten, vielleicht auch mehr Wissen über die gesellschaftliche Situation in der DDR 1977, als der Film gedreht wurde.
In zwei Wochen, am 05.10.2009, zeigen wir einen Film, der hoffentlich wieder zugänglicher in seiner gesellschaftlichen Bedeutung ist: Matrix. Wie immer 20.30 in der Offenen Arbeit Erfurt (Allerheiligenstraße 9, Hinterhaus), wie immer in Kooperation mit der Offenen Arbeit Erfurt, dem DGB-Bildungswerk Thüringen, der Rosa-Luxemburg-Stiftung und dem Bildungskollektiv Biko.
Am Montag, den 21.09.09 um 20.30 Uhr, findet der zweite Filmanalyseabend zum Thema „Liebe in der Kulturindustrie“ statt. Gezeigt und diskutiert wird der DDR Science - Fiction Film „Im Staub der Sterne“. Das Alles passiert wieder in der Offenen Arbeit, Allerheiligenstraße 9 / Hinterhaus, 99084 Erfurt - und wieder in Kooperation mit der Offenen Arbeit Erfurt, Biko e.V. und Rosa Luxemburg Stiftung.
26.9.2009, 12.30, Berlin, Platz vor dem Roten Rathaus (Neptunbrunnen), Kundgebung „Abtreibungsverbot (§218) abschaffen / Gegen christlichen Fundamentalismus“.
Mehr dazu hier.
Heute gibt es im Anschluss an den Filmanalyseworkshop im Rahmen der Polyphantasiawoche eine Filmvorführung mit Diskussion.
Wann: 20.30 Uhr
Was: Filmabend & Gespräch: „Casablanca“ USA 1942, Liebe in der Kulturindustrie Teil 1
Wer: Wir in Kooperation mit der Offenen Arbeit Erfurt, Biko e.V. und Rosa Luxemburg Stiftung
Wo: Offene Arbeit Erfurt, Allerheiligenstrasse 9 / Hinterhaus, 99084 Erfurt
Der Kommentator in der Thüringer Allgemeinen meint abschließend zum diesjährigen CSD, Erfurt sei sehr tolerant.
Toleranz kommt vom lateinischen Wort tolerare, daß „erdulden“ bedeutet. Erfurt ist also duldsam gegenüber „anderen“ Lebensentwürfen, wie es im Kommentar heißt. „Anders“ findet uns Herr Keller also, aber anders als wer? Anders als er? Wie lebt er denn überhaupt? Im Reihenhaus mit Garten, Frau und 2,3 Kindern? Man weiß es nicht, allein die Statistik weiß, daß in „spätmodernen Beziehungswelten“ eine allgemeinverbindliche Norm für Lebensentwürfe nur noch schwer auszumachen ist. Bleibt also die Frage: Was meint hier „anders“? Meint es am Ende genau das, was auch „tolerieren“ nahe legt? Daß es nämlich in Erfurt sehr wohl eine verbindliche Norm gibt, die zwar schon lange nicht mehr von der Mehrheit gelebt wird, die sich aber trotzdem der Abweichung überlegen fühlt und das „andere“ deswegen immer nur tolerieren, niemals aber akzeptieren will?
Weil Erfurt so nett ist, uns zu erdulden, meint Herr Keller auch, wir sollten lieber nicht das Alkoholverbot in der Innenstadt und die Räumung des Besetzten Hauses thematisieren. Das heißt, wir sollen doch bitte das Anderssein der anderen Anderen, die aus noch anderen Gründen diskriminiert werden, bitte nicht thematisieren. „Liebe Schwule und Lesben, macht doch bitte lieber einen Karnevalsumzug statt konkrete Ausgrenzung zu thematisieren“ könnte man sein Anliegen paraphrasieren. Warum, sagt er nicht. Vielleicht, weil da die Duldsamkeit aufhört? Weil man als schwuler Versicherungsangestellter in Erfurt gut leben kann, aber als schwuler Punk doch bitte das Maul nicht aufreißen soll? Für mich macht es jedenfalls keinen Unterschied, ob ich als Homo, als Punk oder als Perverser diskriminiert werde. Alle drei Erfahrungen kommen daher, daß man in Erfurt kein leichtes Leben hat, wenn man „anders“ ist und daher nicht in das beschränkte Weltbild des Durchschnittsspießers passt.
Insofern ist es wunderbar, daß beim Erfurter CSD (im übrigen schon seit Jahren) ein Bündnis verschiedenster Gruppen auf die Straße geht und gegen Ausgrenzung in all ihren Facetten demonstriert — denn Bewegung fängt da an, interessant zu werden, wo es nicht mehr nur um’s eigene Interesse geht, sondern der Vielfalt der Ausgrenzung eine Vielfalt an Bewegung entgegen gestellt wird.
eine/r von wi(e)derdienatur
Das was abweicht, was nicht in der Normalität aufgeht und was täglich von uns abgeschnitten werden soll, kann nicht auf einen Begriff gebracht werden.
Weil uns das was wir vorfinden unzufrieden macht und es um alles geht, bleibt uns anlässlich des heutigen Datums nichts als zu fordern:
Den Staat raus aus aus unseren Betten!
Den Staat raus aus unserem Leben!
Die Aufräumarbeiten sind fast abgeschlossen, ebenso das CSD-Programm — morgen gibt es nur noch die Gedenkfeier in der Gedenkstädte Buchenwald und die After-CSD-Party im SwiB. Die Demo am Samstag war mit einigermaßen guter Beteiligung und fantastischer Stimmung ein würdiger Höhepunkt des diesjährigen CSD. Ein großes Hands-Up für alle, die zum Gelingen beigetragen haben!
Liebe Fotograf_innen, wenn Ihr im Polyfantasiahaus oder beim CSD Fotos gemacht habt, bitte schickt sie uns an die Mailaddresse widerdienatur(at)arranca(punkt)de.
Leider, leider musste Monotekktoni heute kurzfristig ihren Auftritt beim Polyfantasiaball aus gesundheitlichen Gründen absagen. Wir wünschen aus vollem Herzen gute Besserung. Freundlicher Weise hat sich less ganz kurzfristig bereit erklärt, aufzulegen, so daß es trotzdem vier Acts zu hören geben wird.
Boxen tragen, Kabel ziehen, Strom legen, Getränke besorgen, Räume schmücken, Soundcheck, weiß der Fuchs, was noch alles ansteht — und dann mussten wir noch aushelfen, weil unserem Vermieter kurzfristig die Technik ausgefallen war. Daß dadurch ausgerechnet Michael Panse durch ein Mikrofon gesprochen hat, daß auch in der Rudolstädter Straße schon für guten Sound gesorgt hat, war uns schon ein bisschen unheimlich. Aber wir sind ja nicht sooo nachtragend und gehen immer davon aus, daß Menschen sich ändern können — auch zum Besseren. Insofern ist diese Zusammenarbeit vielleicht nur ein erster Schritt und man sieht Herrn Panse demnächst bei den zweiwöchigen Kundgebungen für ein neues soziales Zentrum in Erfurt?
Ergänzung nach der Landtagswahl: Zeit hat Her Panse ja jetzt. Übrigens hat Peter Krause auch unser Mikrofon benutzt. Wir arbeiten dran, diversen anderen Hardlinern vor der Bundestagswahl das gute Stück noch unterzujubeln.
PS: Wer Herr Panse ist, erfährt man hier oder hier. Oder bei Google.
Am gestrigen Abend wurden wir erneut von der Polizei belästigt. Diesmal erschienen ca. 8 Polizist_innen der Bereitschaftspolizei gegen 22.00 Uhr, um sich zu erkundigen, wer denn hier eine Veranstaltung durchführt. Nach Abklärung des Mietverhältnisses wollten die Polizist_innen die Personalien der Ansprechpartner_innen feststellen. Als ihnen dies verweigert wurde, schrieben sie die Autokennzeichen der vor dem Gebäude parkenden Autos ab und gingen wieder, um in der Folgezeit noch öfter aus einiger Entfernung die vor dem Haus sitzenden Leute zu beobachten.
Unbeirrt davon sind die Partyvorbereitungen in vollem Gange. Die heutige Infoveranstaltung startet gleich und im ehemaligen Innenministerium ist es glücklicherweise wesentlich kühler als draußen.
Auch vom Ordnungsamt gibt es Signale dafür, dass die Zusammenarbeit der schwul/lesbischen Szene mit anderen diskriminierten Gruppen nicht gerne gesehen wird. So äußerte eine Mitarbeiterin der Behörde beim Kooperationsgespräch zur CSD-Demo am Samstag, der Anmelder solle genau überprüfen, wer an der Demonstration teilnehme.
Jenny R. vom Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD) sagt dazu: „Wir lassen uns nicht vorschreiben, mit wem wir zusammenarbeiten. Das Aufbegehren in der Christopher Street richtete sich gegen Diskriminierung in ihren verschiedenen Facetten. Insofern ist es nur folgerichtig, dass das Umfeld des ehemaligen Besetzen Hauses mit uns zusammen auf die Straße geht.“
1969 kam es in der New Yorker Christopher Street zu mehrtägigen Krawallen, als Schwule, Lesben, Transsexuelle, Obdachlose und Sympathisant_innen sich gemeinsam gegen die damals üblichen willkürlichen Schikanen durch Polizeibeamte zur Wehr setzten. Um an dieses gemeinsame Aufbegehren gegen Unterdrückung zu erinnern, wird seitdem jährlich der Christopher-Street-Day gefeiert.
Diskriminerung hat viele Gesichter hat. Manchmal äußert sie sich durch Pöbeleien auf der Straße, manchmal bei der Jobsuche. Manchmal zeigt sie sich auch darin, welche Gruppen besonders von Behörden beobachtet werden. Und genau das passiert in Erfurt immer da, wo sich Kultur ohne Schlips und Kragen einen Platz nimmt.
Wir haben das satt und demonstrieren am Samstag gemeinsam gegen Ausgrenzung und Diskriminierung von all denen, die nicht in das Zigarrenkastenweltbild unserer spießigen Landeshauptstadt passen.
Die Auftaktkundgebung zur CSD-Demo findet am Samstag (22.8.) um 14 Uhr auf dem Bahnhofsvorplatz statt.
Sonntag abend und die ersten zwei Veranstaltungen der Polyfantasiawoche sind gelaufen. Beim Filmworkshop waren ca. doppelt so viele Leute wie erwartet, während der Sonntag abend erwartungsgemäß nicht soooo voll war.
In der Verwaltung wird bereits gemunkelt, daß im Polyfantasiahaus diese komischen Leute von Topf und Söhne ein uns aus gehen. Anscheinend macht man sich Sorgen, daß wir nicht wieder gehen und das alte Innenministerium nach dem CSD besetzten.
Morgen abend wird Katrin Dreier ab 19 Uhr zum Thema „Begründet Queer“ sprechen.
Veranstaltung mit Katrin Dreier am 17.8. um 19.00 Uhr im Rahmen der Polyfantasiawoche im alten Innenminsterium in Erfurt
Wie viel „Natur“ verträgt der Mensch? Und wie viel „Natur“ braucht der Mensch eigentlich? Und was hat „Natur“ mit Macht, Politik, Normativität, Geschlechterverhältnissen und selbst bestimmtem Leben zu tun? Mit diesen Themen beschäftigt sich Queer. Aber was ist Queer überhaupt? Eine abgefahrene akademische Theorie?.. ein radikaler politischer Ansatz? .. eine Partymode? ..? Und wie stehen diese unterschiedlichen Interpretationen von Queer möglicherweise in Verbindung oder sind sie unvereinbar? Fragen, Fragen und noch mehr Fragen: Woher kommt Queer? Was will Queer? Was kann Queer leisten? Wo liegen mögliche Schwierigkeiten und Grenzen von Queer? All dies soll in dem Vortrag „Begründet Queer…“ untersucht und diskutiert werden. Eines kann auf jeden Fall gesagt werden: Kategorien, Identitäten und andere „Naturgegebenheiten“ werden kritisch hinterfragt, Normen und Hegemonien in Frage gestellt und Politik neu gedacht.
Ein Anspruch auf Vollständigkeit besteht dabei nicht, denn diese Unmöglichkeit liegt in der „Natur der Sache“.

Freitag, 21.8., ab 22.00 Uhr
Polyfantasiaball 2 mit
Monotekktoni
Noisy Pig
Lea Legrand
Stanley Schmidt
Cocktailbar, Klavierempfang, Filme, Undarkroom
im alten Innenministerium Erfurt
Heinrich Mann Straße 11
Europa und die Heteronormalisierung der islamischen Welt
Veranstaltung mit Georg Klauda am 20.8. um 19.00 Uhr im Rahmen der Polyfantasiawoche im alten Innenminsterium in Erfurt
Islamische Staaten geraten durch die Verfolgung Homosexueller immer wieder in den Blickpunkt der westlichen Medien, die solche Vorfälle gern als Zeichen kultureller Rückständigkeit interpretieren. Einige Bundesländer schlugen deshalb vor, Muslime im Einbürgerungsverfahren nach ihrer Einstellung zu Homosexuellen zu befragen. Zeigen sich deklassierte Halbstarke aus Migrantenfamilien aggressiv gegenüber Schwulen, werden reflexhaft religiöse Motive unterstellt.
Dabei beschworen Homosexuelle die Kultur des „Orient“ noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts als ein tolerantes Gegenbeispiel zu den Jahrhunderten religiöser und säkularer Verfolgung in Europa. Die klassische arabische Liebeslyrik z.B. ist voll von gleichgeschlechtlichen Motiven, die man in der Literatur des „aufgeklärten“ Abendlands vergeblich sucht. Man mag kaum glauben, dass sich die Lebensweise in islamischen Gesellschaften in einer so kurzen Zeitspanne auf so einschneidende Weise geändert haben soll. Doch gerade diejenigen, die mit dem Finger auf die Homophobie der islamischen Welt zeigen, gehen jeder Erklärung dieses Wandels aus dem Weg.
Anhand zahlreicher historischer und aktueller Quellen belegt der Referent, dass die Schwulenverfolgung in Ländern wie Iran und Ägypten weniger das Relikt einer vormodernen Vergangenheit ist. Vielmehr handelt es sich um das Resultat einer gewaltsamen Angleichung an die Denkformen ihrer ehemaligen Kolonialherren, die Homosexuelle im Prozess der Modernisierung erstmals identifiziert, benannt und zum Objekt staatlichen Handelns gemacht haben. Homophobie ist eine Erfindung des christlichen Westens, die im Zuge der Globalisierung in die entlegensten Winkel dieser Welt exportiert wird.
Zur Person:
Georg Klauda, Dipl. Soz., geb. 1974, ist Autor des 2008 im Hamburger Männerschwarm-Verlag erschienenen Buches „Die Vertreibung aus dem Serail“. Er lebt und arbeitet in Berlin.
Forderungen zum diesjährigen CSD
Wir Bleiben Alle!Auch zum CSD Erfurt 2009…
Der historische Anlass des Christopher Street Day (CSD) jährt sich in diesem Jahr zum 40. Mal. Dieser erinnert an den Beginn der homosexuellen Emanzipationsbewegung im Juni 1969, als es in New York fünf Tage lang zu Aufständen gegen staatliche Repression kam und Menschen, die bis dahin verschiedene Arten von Diskriminierungen erfahren mussten, sich erfolgreich gegen eine legitimierte Kriminalisierung wehrten. Da sich seither die Zustände bei genauer Betrachtung nur wenig verbessert haben, bleiben die Forderungen seitens der sich als alternativ handelnd verstehenden Teile dieser Bewegung bestehen. Jener Menschen, die sich nicht entmündigen ließen durch das prekäre System von Lohnarbeit, der täglichen Erfahrung von Austauschbarkeit, der Demütigung und Zermürbung innerhalb politischer Strukturen und der Einschränkung der Freiheit durch fortschreitende staatliche Überwachung und Aushöhlung rechtstaatlicher Prinzipien. Jener Menschen, die fordern:
Die Aufhebung von Verfolgung, Stigmatisierung und Benachteiligung von Menschen, die sich Strukturen schaffen, die nicht dem heteronormativen Bild entsprechen.
Wie schon in den vergangenen beiden Jahren solidarisieren wir uns mit den sozialpolitischen Bewegungen innerhalb des Bündnisses zum „Tag der Einheit der Menschen“. Und all jenen Projekten und Menschen, denen nicht zugehört wird und deren Interessen nicht durch parlamentarische Strukturen durchgesetzt werden. Dies ist angesichts der akuten Bedrohung und fortwährenden Zerstörung soziokultureller Räume und Projekte nötiger denn je!
Jüngstes Beispiel ist die gewaltsame Räumung des Besetzten Hauses in Erfurt im April diesen Jahres. Ein Projekt, dass es eben auch Nicht-Heterosexuellen ermöglichte, sich in einem geschützten Raum zu bewegen. In dem es möglich war, angstfrei mit sexistischen Diskriminierungs- und Anmachversuchen umzugehen und auf homophoben und machistischen Dumpfsinn zu reagieren und sich abseits des heterosexistischen Mainstream auszuprobieren. Im Gegensatz zu den sonst vorhanden Nischen für sexuelle Minderheiten wurden dieses und andere damit zusammenhängende Projekte frei von Reduzierungen auf sexuelle Präferenzen gestaltet. Die Räumung des Besetzten Hauses war ein Ereignis, das sich einreiht in die lange Tradition deutschen Spießbürgertums, Ansätze alternativer Lebenskonzepte jenseits kapitalistischer Verwertungslogik anzugreifen.
Doch wir bleiben Alle!
Daran wird auch der Erfurter Oberbürgermeister nichts ändern können, der sich während seines opportunistischen Wahlkampfes (Klare Verhältnisse!) auf die Aussage zurückzog, alles für das Projekt Besetztes Haus getan zu haben. Wie Hohn klingt diese Äußerung vor dem Hintergrund, dass gerade mal ein (!) Ersatzobjekt angeboten wurde, dass aber für die Projekte des Hauses ungeeignet war. Daraufhin brach er die Verhandlungen ab und warf den BesetzerInnen Sturheit vor.
Hat OB Bausewein so schnell vergessen, dass er sich noch im letzten Jahr für die Demo und die Veranstaltungen im Rahmen des CSD bedankte, ausdrücklich auch bei den VeranstalterInnen des Besetzten Hauses?!? Dass er bereits zum vierten Mal Schirmherr des CSD ist, vielleicht weil es sich weltoffen und tolerant anhört, er selbst aber noch auf keiner CSD-Veranstaltung gesichtet wurde?
Nach der Räumung…
Wir wollen diese Erfahrung staatlicher Repression und politisch gewollten Verdrängens nicht tatenlos hinnehmen.
Auch werden wir uns nicht länger instrumentalisieren lassen, dieser Stadt einen Farbtupfer dadurch zu verleihen, dass wir demonstrieren dürfen. Wir stehen nicht für eine nach außen propagierte Vielfalt, während nach innen die Strukturen kommerzialisiert und Menschen zielgerichtet vertrieben werden.
…ist vor der Räumung?
Wir brauchen Räume, in denen wir uns autonom bewegen können. Nicht nur städtisch geförderte Jugendclubs, kommerzielle Diskos oder Orte sogenannter Hochkultur.
Wir brauchen Räume, in dem Kritik an gesellschaftlichen Zuständen möglich ist, und zwar so, wie wir sie formulieren wollen.
Wir brauchen Räume, in denen eine Auseinandersetzung mit verschiedenen Meinungen stattfindet und gemeinsam Kompromisse erarbeitet werden können.
Wir brauchen Räume, in denen wir uns wohlfühlen können und nicht als verwertbare Objekte wahrgenommen werden, über die entschieden werden muss.
Wir brauchen Räume, in denen Menschen Alternativen ausprobieren und leben können, unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung und geschlechtlichen Identität.
Dieser (Frei)Raum wird uns in Erfurt mehr und mehr genommen. Nicht nur durch die Räumung des Besetzten Hauses im April 2009. Auch durch eine Verschärfung der Stadtordnung im Juli 2008 mit dem Ziel, unliebsame Personen aus den Erfurter Innenstadtbereich zu verdrängen. Durchgesetzt mit Einsätzen der Polizei, die sich fast ausschließlich gegen Menschen richteten, die eben nicht ins biedere Stadtbild passen. So kam und kommt es des Öfteren zu Situationen, in denen Menschen festgehalten, ihre Ausweise kontrolliert, ihnen gegenüber Platzverweise ausgesprochen und „Ordnungswidrigkeiten“ festgestellt wurden und werden.
Obdachlose Menschen waren seit dem Inkrafttreten der „Ordnungsbehördlichen Verordnung zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung“ im Mai 2003 schlichtweg verschwunden aus dem Bild der sauberen Erfurter Innenstadt.
Trotzdem: Wir Bleiben Alle!
Fazit?
In den vergangenen beiden Jahren haben wir zum CSD Forderungen aufgestellt, die sich an politische Strukturen von der Kommunal- bis hinauf zur Bundesebene richteten. Keine davon wurde bisher erfüllt oder auch nur ansatzweise für diskussionswürdig befunden.
Ein Beispiel für die Ignoranz staatlicher Repressionsorgane ist die bisher noch immer unbeantwortete Anfrage an die Thüringer Landesregierung, wie mit den virtuellen Rosa Listen verfahren wurde, nachdem 2005 deren Existenz bekannt wurde. Zur Erinnerung: Das interne elektronische Erfassungssystem der Landespolizei beinhaltete in lokalem Bezug auf TäterInnen, Opfer und ZeugInnen auch die Schlüsselnummern 901 für den „Aufenthalt von Homosexuellen“ sowie 902 für „Strichplatz“.
Ein weiteres Beispiel auf Bundesebene ist der Beschluss, dass eine Entschädigung der nach 1945 gemäß §175 StGB strafrechtlich verfolgten Homosexuellen nicht stattfinden wird. Begründet wurde diese Fehlentscheidung damit, dass der durch die Nazis nochmals verschärfte Straftatbestand geltendes Recht gewesen sei.
Ein anderes Beispiel ist die im letzten Jahr vollzogene Verschärfung des Nazi- Unzuchtsparagraphen §176 StGB, der wie der „allgemeine Jugendschutzparagraph“ §182 als Ersatz für den 1994 lediglich pro forma abgeschafften §175 gesehen werden kann, wenn er unter dem Vorwand des Schutzes von Kindern vor sexueller Gewalt dazu missbraucht wird, junge Menschen vor homosexuellen „Einflüssen“ zu „schützen“. Denn das weiterhin bestehende gesellschaftliche Vorurteil lässt es als wahrscheinlich erscheinen, dass vorwiegend homosexuelle Menschen bzw. Beziehungen der Strafverfolgung ausgesetzt werden. So wurden etwa in Österreich, wo es einen analogen Ersatzparagraphen für den Schwulenparagraphen § 208 gibt, amtlichen Statistiken zufolge fast ausschließlich homosexuelle Menschen danach verfolgt. Das dürfte kaum daran liegen, dass, wenn schon mit dem verfassungsrechtlich nicht haltbaren Konstrukt der ungestörten sexuellen Entwicklung ein Missbrauch konstruiert wird, dieser in heterosexuell organisierten Familienstrukturen nicht stattfindet.
Im Übrigen werden laut bundesweiter Polizeilicher Kriminalstatistik etwa 80 % der „Missbrauchs“-Anzeigen wegen ungerechtfertigten Vorwurfs fallen gelassen. Dass dies von den Medien jedoch zumeist verschwiegen wird, nährt eine politisch durchaus willkommene Massenhysterisierung, die antidemokratische Politik verschleiern und legitimieren soll.
Eine tatsächliche Zuspitzung des Missbrauchs junger Menschen sehen wir in diesem Sinne darin, dass die Bundesregierung nunmehr unter dem Vorwand der Bekämpfung von Kinderpornographie eine intensive Überwachung und Zensur des Internets sowie weitere Einschränkungen der Presse- und Meinungsfreiheit ins Rollen bringt, nachdem der letzte Versuch vom Bundesverfassungsgericht vorerst verhindert wurde.
Aus diesen Gründen werden wir unsere Forderungen zum diesjährigen CSD zwar erneut bestärken und ausweiten, diese aber nicht mehr an die politisch Mächtigen richten, sondern an Euch, die Ihr mit uns demonstrieren werdet.
Also werdet kreativ in Euren Aktionen gegen die Zustände des bürgerlichen, heterosexistischen Normalbetriebs!
• Gleichberechtigung aller Lebens- und Familienformen anstelle von Sondergesetzen für Minderheiten
Auch wenn es noch immer Menschen gibt, die einen Ehevertrag schließen, selbst unter den Umständen der Sondergesetzgebung Lebenspartnerschaftsgesetz, hat die privilegierte Stellung der Ehe nichts im Grundgesetz zu suchen. Vielmehr sollte es garantiert sein, normative Verbindlichkeiten mit Personen eingehen zu können, mit denen du das möchtest. Also auch mit mehreren, und zwar unabhängig davon, in welcher Beziehung ihr zueinander steht. Im Prinzip sollen also Privilegien der Ehe abgeschafft werden, indem sie allen Menschen zugänglich werden.
Ebenso hat der Begriff der Familie aus dem Grundgesetz zu verschwinden, da dieser im allgemeinen Sprachgebrauch noch immer einer bürgerlich-konservativen Vorstellung entspricht. Andere Möglichkeiten, wo zum Beispiel fünf Menschen mit drei Kindern in Beziehung leben, sind eben auch relevant.
• Anerkennung im Nationalsozialismus aufgrund ihrer Homosexualität verfolgter, gequälter und ermordeter Menschen als Opfer des Nationalsozialismus sowie deren Rehabilitierung und Entschädigung
Im Nationalsozialismus wurde Homosexualität systematisch stigmatisiert, die damalige Sexualforschung verboten, zerstört und negiert, Tausende in Zuchthäusern und Konzentrationslagern gequält, gefoltert und ermordet.
Unter den Häftlingen in Konzentrationslagern standen Homosexuelle, mit einem „Rosa Winkel“ gebranntmarkt, auf der untersten Stufe der „Hackordnung“ und wurden selbst von Mithäftlingen gequält. Sie wurden für die härtesten Strafarbeiten herangezogen und den härtesten Folterungen ausgesetzt.
Durch die nach dem Ende des Nationalsozialismus fortgeführte Kriminalisierung von Homosexuellen wurde ihnen die nationalsozialistische Verfolgung auch nach 1945 weiter zugemutet, anstatt sie wie andere Opfer des Nationalsozialismus anzuerkennen, zu rehabilitieren und zu entschädigen. Bis heute sind wegen ihrer Homosexualität im Nationalsozialismus verfolgte, gequälte, gefolterte und ermordete Menschen als einzige Opfergruppe immer noch nicht als Opfer des Nationalsozialismus anerkannt worden, noch sind sie rehabilitiert oder ansatzweise entschädigt worden.
Wir fordern, dass die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus, sofern sie selbst keine TäterInnen waren (!), nicht länger totgeschwiegen werden, sondern als Opfer des Nationalsozialismus anerkannt, rehabilitiert und entschädigt werden und dass ihr Leiden in würdiger und mahnender öffentlicher Erinnerung bleibt.
• Rehabilitierung und Entschädigung aller in der BRD und in der DDR aufgrund ihrer Homosexualität verurteilter Menschen
Im Nationalsozialismus wurde das Straf(un)recht gegen Homosexuelle 1935 verschärft, und die Nachkriegs- BRD behielt dieses im Nationalsozialismus verschärfte Unrecht gegen Homosexuelle noch 24 Jahre in ungeminderter Form bei. Erst 1969 und in einer zweiten Welle 1973 wurde es abgemindert und erst 1994 im Zuge der Rechtsangleichung nach dem deutschen Einigungsvertrag aufgehoben.
Die DDR kehrte 1950 zur alten Fassung (vor 1935) zurück. Ab Ende der 1950er Jahre wurde Homosexualität unter Erwachsenen nicht mehr geahndet. 1968 erhielt die DDR ein eigenes Strafgesetzbuch, das in § 151 StGB-DDR homosexuelle Handlungen mit Jugendlichen sowohl für Frauen als auch für Männer unter Strafe stellte. 1988 wurde dieser Paragraph ersatzlos gestrichen.
Menschen, die in beiden deutschen Nachkriegsstaaten wegen ihrer homosexuellen Orientierung verurteilt worden sind, deren Lebensexistenz mit der unrechten Verurteilung zerstört worden ist, müssen rehabilitiert und entschädigt werden. Es dürfen bei Behörden keine „Rosa Listen“ geführt werden, aus denen das Merkmal der sexuellen Orientierung ermittelbar ist. Die Behörden haben sicher zu stellen, dass dieses Merkmal nicht mehr erfasst wird und noch vorhandene derartige Daten umgehend gelöscht werden.
• Aufklärung der Bevölkerung über Homosexualität und Homosexuellen-Verfolgung
Homosexualität scheint mittlerweile kein Tabuthema mehr zu sein. Begleitet durch eine breitere mediale Zurschaustellung prominenter Homosexueller schlägt uns eine Welle der Toleranz entgegen. Doch greifen auch hier gängige Klischees vom erfolgreichen, braven, gutbürgerlichen und so geduldeten Homosexuellen. Schlechte Homosexuelle sind hingegen diejenigen, welche eben nicht der idealisierten heterosexuellen Mononorm von Ehe und Familie folgen.
Damit reiht sich die aktuelle Betrachtung in eine bereits seit Jahrhunderten betonierte, abendländisch geprägte Moralvorstellung ein, die jegliche Abweichungen von der Norm stigmatisiert, diskriminiert und zielgerichtet verfolgt.
Wir verlangen deshalb, dass Projekte gefördert werden, die über die Verfolgung von Homosexuellen in der deutschen Geschichte aufklären. Darüber hinaus fordern wir die Förderung kultureller und künstlerischer Projekte, die sich mit den Variationen sexuellen Lebens auseinandersetzen. Dabei sind diese Projekte allen Menschen unabhängig von deren sexueller Orientierung und Identität gleichberechtigt und kostenlos zugänglich zu machen.
• Vorurteilsfreie pädagogische Konzepte, die nicht auf Heteronormativität basieren, sondern die Vielfalt der Lebensweisen und sexuellen Orientierungen in den Bildungskatalog integrieren
Durch Texte und Bilder in Schulbüchern lernen Kinder und Jugendliche nicht nur zu lesen, zu schreiben oder eine Matheaufgabe zu lösen. Ihnen wird immer auch ein Bild des gesellschaftlich akzeptierten bzw. gewünschten Rahmens übermittelt. Wenn in einem Englisch-Lernheft die Mutter den Tisch deckt und das Mädchen ihr hilft, während der Vater von der Arbeit kommt, oder wenn in einem Matheübungsheft ein Junge ein Mädchen für 8,- € ins Kino einlädt, was dann von seinem Taschengeld abgezogen werden soll, so bringt das eben nicht nur die Fähigkeit hervor, auf englisch zu lesen oder Rechenaufgaben zu lösen. Gleichzeitig wird mit jedem Text und jedem Bild gezeigt, wie sich die Menschen wünschenswerter Weise zueinander in Beziehung setzen. Und die vielen tausend Bilder, die nicht gezeigt werden, hinterlassen eine Lücke in den Vorstellungen der Heranwachsenden, wie sie ihr Leben und ihre Beziehungen gestalten könnten.
Es gibt keine Matheaufgabe, in der ein Mädchen ein Mädchen ins Kino einlädt und keinen Lesetext, in dem drei Männer zusammen mit ihren zwei Kindern den Abendbrotstisch decken.
Heterosexualität und Kleinfamilie sind die einzigen Vorbilder, die in thüringischem Lehrmaterial vorhanden sind. Es werden hierbei nicht nur homo-, bi- und andere sexuelle Orientierungen unsichtbar gemacht, sondern auch alle Lebens- und Beziehungsformen, die nicht der mononormativen Paarbeziehung mit Kinderwunsch entsprechen.
Um ein angst- und diskriminierungsfreies Leben außerhalb dieser momentanen Norm denk- und lebbar zu machen, ist es notwendig, zu zeigen, dass es diese gibt und dass sie - neben den bisherigen - als Vorbild- und Identifikationsfiguren zur Verfügung stehen. Wir fordern deshalb, dass im thüringischen Lehrmaterial vielfältige Lebens- und Familienformen einen Platz finden und nicht - wie bisher - totgeschwiegen werden.
• Vermittlung eines sozialen und pädagogischen Klimas an Bildungseinrichtungen, in dem LehrerInnen und SchülerInnen offen zu ihrer sexuellen Orientierung stehen können
Viele lesbische Lehrerinnen und schwule Lehrer wollen nicht, dass ihren KollegInnen, den SchülerInnen und deren Eltern bekannt wird, dass sie homosexuell sind, weil sie fürchten, dann von diesen gemieden oder in ihrer Arbeit boykottiert zu werden. VertrauenslehrerInnen sind oft ohnmächtig, SchülerInnen bei Coming-Out-Problemen oder homophober psychischer oder körperlicher Gewalt von MitschülerInnen zu helfen. Wir fordern, dass der Freistaat LehrerInnen dazu ausbildet, allen SchülerInnen situationsgerecht helfen zu können, einen umfassenden Diskriminierungsschutz im Schuldienst durch proaktive Weiterbildungsmaßnahmen für die heterosexuellen KollegInnen homosexueller LehrerInnen durchzuführen, um LehrerInnen die Möglichkeit zu geben, auch am Arbeitsplatz frei von Diskriminierung und als Vorbild für alle SchülerInnen selbstbestimmt leben zu können, weil dadurch auch die heterosexuellen SchülerInnen bereits in der Schule Akzeptanz und Respekt gegenüber Minderheiten lernen können.
• Wiederaufnahme und Fortsetzung sachlicher sexualpolitischer Debatten (in Wissenschaft und Gesellschaft) ohne Populismus, die freie sexualwissenschaftliche Forschung ermöglichen und fördern und eine Rückentwicklung zur Tabuisierung von Sexualität verhindern.
Durch das Fehlen sexualpolitischer Debatten und der damit fehlenden notwendigen Auseinandersetzung mit allen Details, Teilfragen und Zusammenhängen entstehen ungeeignete und realitätsfremde Entscheidungen, wie zum Beispiel die an der zu schützenden Jugend vorbeigehende Verschärfung des Jugendschutzes, der die zu Schützenden in die Illegalität drängt, somit eigentlich zu vermeidenden Gefahren aussetzt, was deren Entwicklung erheblich schädigen kann.
In den letzten Jahren wurden fast alle sexualwissenschaftlichen Einrichtungen und Institute geschlossen bzw. die sexualwissenschaftliche Forschung vollständig oder fast vollständig eingestellt. Dadurch fehlt auch in der Gesellschaft jede Grundlage für sachliche und fundierte Debatten und der Gesellschaft nützende Entscheidungen. Wir finden es daher notwendig, sexualwissenschaftliche Forschung wieder zu fördern und neu aufzubauen und sexualpolitische Debatten wieder aufzunehmen und sachlich und fundamentiert zu führen.
• Diskriminierungsfreier Zugang zu den bestehenden medizinischen Möglichkeiten bei Kindeswunsch durch gleichberechtigte Kostenübernahme durch die Krankenkassen
Wenn Kinderwunsch nur noch durch die künstliche Befruchtung möglich ist, so werden die ersten drei Versuche zu 50% von den Krankenkassen getragen. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die werdenden Eltern heterosexuell und verheiratet sind. Alleinstehende Frauen und lesbische Paare mit Kinderwunsch werden nicht von den Krankenkassen unterstützt.
Diese einseitige Förderung verstößt nicht nur gegen den Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes, sondern spricht zudem unehelichen Kindern das Recht auf Leben ab, da deren künstliche Zeugung nicht bezuschusst wird, und verstößt damit auch gegen das Gebot, ihnen die gleichen Entwicklungschancen zu eröffnen wie ehelichen Kindern. Wir fordern daher, dass alleinstehende Frauen, lesbische Paare und Frauen in anderen Beziehungsstrukturen genauso bei Versuchen zur Nachwuchszeugung durch künstliche Befruchtung unterstützt werden.
• Gleichberechtigter Zugang aller Menschen zur Adoption
Adoptieren können in Deutschland laut Gesetz sowohl Ehepaare als auch Alleinerziehende. Allerdings werden in der Adoptions-Praxis heterosexuelle Ehepaare vorgezogen. Alleinstehende kommen für die Adoption nicht in Frage. Die Ehe wird vorausgesetzt, obwohl das gesetzlich nicht vorgesehen ist.
Gleichgeschlechtliche LebenspartnerInnen dürfen seit 2004 zwar adoptieren, aber nur, wenn einer der beiden PartnerInnen der leibliche Elternteil ist. Die gemeinsame Adoption ist für LebenspartnerInnen ausgeschlossen.
Die Anzahl von Adoptionen hat sich in den letzten 15 Jahren halbiert. Im Gegensatz dazu bleibt vielen der Kinderwunsch verwehrt, während Kindern der Weg in andere Beziehungsstrukturen verwehrt wird, weil Gesetz und Praxis im Adoptionsrecht sexuelle Minderheiten diskriminieren.
Deshalb fordern wir, dass Menschen, die für Kinder sorgen wollen, weder durch Gesetz noch durch Praxis die Möglichkeit zur Adoption verwehrt wird.
15.8.-5.10.2009, Erfurt: Liebe in der Kulturindustrie
Ein Tagesworkshop „interdisziplinäre Filmanalyse“ und drei Filmabende
„Ich schau Dir in die Augen, Kleines“ - Liebe in der Kulturindustrie
Sexismus als strukturelles Machtverhältnis zwischen Männern und Frauen ist heute wie vor 65 Jahren alltäglich. Obwohl die rechtliche Gleichstellung fast vollständig erkämpft ist, verdienen Frauen in der Regel immer noch weniger als Männer, haben in den selben Arbeitsbereichen die niedriger angesehen Jobs und kümmern sich mehr um Kinder als um Autoreparaturen. Ein wichtiger Baustein zur Erklärung dieser Beobachtung ist die romantische Zweierbeziehung. Mann und Frau, als gegensätzlich aber sich ergänzend konstruiert, kommen hier zusammen, um ihrer Bestimmung als Paar nachzukommen. Fragt man dann nach, warum sie das tun und warum in der Beziehung die Männer mehr Zeit mit Lohnarbeit verbringen als mit Windelnwechseln, erfährt man oft, daß man sich partnerschaftlich darauf geeinigt hat. Man sieht: Die Subjekte, die sich in sexistischen Verhältnissen bewegen (müssen), empfinden so, daß das Erfüllen geschlechtsspezifischer Anforderungen als eigener, echt empfundener Wunsch daher kommt.
Wir wollen diese Verhältnisse an Beispielen aus der Kulturindustrie untersuchen. Hollywood und Babelsberg stricken am Bild von echten Kerlen und sinnlichen Frauen, epischen Dramen und der Erlösung in den Armen des oder der signifikanten Anderen. Dabei sind die gezeigten Szenen zwar oft übertrieben und stereotypisiert, gleichwohl aber nahe genug an den Erfahrungen der ZuschauerInnen, um erkennbar und erstrebenswert zu sein. Zur Auseinandersetzung mit vergeschlechtlichenden und vergeschlechtlichten Liebesszenen veranstalten wir einen Tagesworkshop und drei Filmabende mit zeitgenössischen Filmen, in denen Liebe eine wichtige Rolle spielt.
Im Tagesworkshop am 15.08.2009 werden wir den Film „Haben (oder nicht)“ (Frankreich 1995) einer interdisziplinären Filmdiagnose unterziehen. Die anschließenden Filmabende bieten Zeit zur Diskussion entlang der jeweiligen Liebesgeschichten.
Interdisziplinäre Filmanalyse als Zeitdiagnose
Für viele ist es paradox, dass mit Unterhaltungskino (Spielfilm) Bildung vermittelt werden kann. Wir verstehen Bildungsvermittlung als ein Nachzeichnen von Wegen eigener Erkenntnis. Spielfilme, die wir für unser Konzept der politischen Filmbildung als geeignet empfinden, erzählen Geschichten von Erkenntnissen im gesellschaftspolitischen Kontext. Die grundsätzliche Bedeutung von Konflikten für die menschliche Entwicklung ist dabei ein Kern unseres Konzeptes der politischen Filmbildung. Deshalb sehen
wir für unser Konzept der politischen Filmbildung ausschließlich Spielfilme vor, die nicht nur Erkenntnis vermitteln, sondern auch den Weg zur Erkenntnis zeigen. Der Film bietet zudem als Medium die Möglichkeit für Gruppen, den ProtagonistInnen des Films gleichzeitig und gemeinsam beim Denken und Fühlen zuzuschauen. Die gestalterische Komplexität der Erzählung durch Ton und Bild wird als leibliche Erfahrung mit vielerlei emotionalen Reizen erlebt. Dadurch ist das Medium u. E. näher an Bildung als z.B. der Roman. Der Film erlaubt das gemeinsame Erleben eines gemeinsamen Wissensstands (Reproduzierbarkeit des Films) als Ausgangsbasis, dessen Gestaltung und Inhalt in der Gruppe durch gemeinsame Deutungsarbeit zugänglich gemacht werden kann. Es ist uns wichtig, darauf hinzuweisen, dass wir in unserem Konzept der politischen Filmbildung dem Spielfilm gegenüber nicht von vornherein ideologiekritisch vorgehen, sondern an den jeweiligen Film zuerst dessen immanente Kategorien anlegen. Unser Konzept sieht deshalb vor, die Gefühle der RezipientInnen, die die Filmsichtung provoziert, als Übertragung der eigenen Lebensentwürfe auf den Film bzw. die Filmhandlung zu deuten und diese für die Filmanalyse fruchtbar zu machen. Erst am Ende der Analyse widmen wir uns explizit dem konkreten gesellschaftlichen Kontext, mit dem der Film und unsere Deutungen zu lesen sind.
Termine:
15.08.2009, 10.30-18.30 Uhr, Altes Innenministerium
Tagesworkshop: Interdisziplinäre Filmanalyse als Zeitdiagnose: Liebe im Kapitalismus. Mit Anke Prochnau und Felix Lenz. Bitte anmelden unter [email protected]
07.09.2009 - 20.30 Uhr, Offene Arbeit Erfurt, Film: Casablanca
21.09.2009, 20.30 Uhr, Offene Arbeit Erfurt, Film: Im Staub der Sterne
05.10.2009, 20.30 Uhr, Offene Arbeit Erfurt, Film: Matrix
Eine Reihe von Wi(e)der die Natur, in Kooperation mit dem Bldungskollektiv Biko, der Offenen Arbeit Erfurt und der Rosa-Luxemburg-Stiftung
Auf der Eröffnungskungebung der Kampagne „Hände hoch, Haus her. Für ein selbstverwaltetes Zentrum in Erfurt.“ wurde folgender Redebeitrag der Gruppe „Wi(e)der die Natur“ gehalten:
Der historische Anlass des Christopher Street Day jährt sich in diesem Jahr zum 40. Mal. Dieser erinnert an den Beginn der homosexuellen Emanzipationsbewegung im Juni 1969, als es in New York fünf Tage lang zu Aufständen gegen staatliche Repression kam und Menschen, die bis dahin verschiedene Arten von Diskriminierungen erfahren mussten, sich erfolgreich gegen eine Kriminalisierung wehrten.
Der diesjährige Erfurter Christopher Street Day findet unter dem Motto „Wir bleiben alle“ statt. Wie schon in den vergangenen beiden Jahren solidarisieren wir uns mit den sozialpolitischen Bewegungen innerhalb des Bündnisses zum „Tag der Einheit der Menschen“. Und all jenen Projekten und Menschen, denen nicht zugehört wird und deren Interessen nicht durch parlamentarische Strukturen durchgesetzt werden. Dies ist angesichts der akuten Bedrohung und fortwährenden Zerstörung soziokultureller Räume und Projekte nötiger denn je!Im Juli 2008 beschloss der Erfurter Stadtrat beispielsweise eine Verschärfung der Stadtordnung mit dem Ziel, unliebsame Personen aus den Erfurter Innenstadtbereich zu verdrängen. Durchgesetzt mit Einsätzen der Polizei, die sich fast ausschließlich gegen Menschen richteten, die eben nicht ins biedere Stadtbild passen. So kam und kommt es des Öfteren zu Situationen, in denen Menschen festgehalten, ihre Ausweise kontrolliert, ihnen gegenüber Platzverweise ausgesprochen und „Ordnungswidrigkeiten“ festgestellt wurden und werden.
Obdachlose Menschen waren seit dem Inkrafttreten der „Ordnungsbehördlichen Verordnung zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung“ im Mai 2003 schlichtweg verschwunden aus dem Bild der sauberen Erfurter Innenstadt.Jüngstes Beispiel für die Reinhaltungspolitik der Stadt ist die gewaltsame Räumung des Besetzten Hauses in Erfurt im April diesen Jahres. Ein Projekt, dass es eben auch Nicht-Heterosexuellen ermöglichte, sich in einem geschützten Raum zu bewegen. In dem es möglich war, angstfrei mit sexistischen Diskriminierungs- und Anmachversuchen umzugehen und auf homophoben und machistischen Dumpfsinn zu reagieren und sich abseits des heterosexistischen Mainstream auszuprobieren. Im Gegensatz zu den sonst vorhanden Nischen für sexuelle Minderheiten wurden dieses und andere damit zusammenhängende Projekte frei von Reduzierungen auf sexuelle Präferenzen gestaltet. Die Räumung des Besetzten Hauses war ein Ereignis, das sich einreiht in die lange Tradition deutschen Spießbürgertums, Ansätze alternativer Lebenskonzepte jenseits kapitalistischer Verwertungslogik anzugreifen.
Doch wir bleiben Alle! - Daran wird auch der Erfurter Oberbürgermeister nichts ändern können, der sich während seines opportunistischen Wahlkampfes (Klare Verhältnisse!) auf die Aussage zurückzog, alles für das Projekt Besetztes Haus getan zu haben. Wie Hohn klingt diese Äußerung vor dem Hintergrund, dass gerade mal ein (!) Ersatzobjekt angeboten wurde, dass aber für die Projekte des Hauses ungeeignet war. Daraufhin brach er die Verhandlungen ab und warf den BesetzerInnen Sturheit vor.
Hat OB Bausewein so schnell vergessen, dass er sich noch im letzten Jahr für die Demo und die Veranstaltungen im Rahmen des CSD bedankte, ausdrücklich auch bei den VeranstalterInnen des Besetzten Hauses?!?
Dass er bereits zum vierten Mal Schirmherr des CSD ist, vielleicht weil es sich weltoffen und tolerant anhört, er selbst aber noch auf keiner CSD-Veranstaltung gesichtet wurde?Wir wollen diese Erfahrung staatlicher Repression und politisch gewollten Verdrängens nicht tatenlos hinnehmen.
Auch werden wir uns nicht länger instrumentalisieren lassen, dieser Stadt einen Farbtupfer dadurch zu verleihen, dass wir demonstrieren dürfen. Wir stehen nicht für eine nach außen propagierte Vielfalt, während nach innen die Strukturen kommerzialisiert und Menschen zielgerichtet vertrieben werden.Wir brauchen Räume, in denen wir uns autonom bewegen können. Nicht nur städtisch geförderte Jugendclubs, kommerzielle Diskos oder Orte sogenannter Hochkultur.
Wir brauchen Räume, in denen Kritik an gesellschaftlichen Zuständen möglich ist, und zwar so, wie wir sie formulieren wollen.
Wir brauchen Räume, in denen eine Auseinandersetzung mit verschiedenen Meinungen stattfindet und gemeinsam Positionen erarbeitet werden können.
Wir brauchen Räume, in denen wir uns wohlfühlen können und nicht als verwertbare Objekte wahrgenommen werden, über die entschieden werden muss.
Wir brauchen Räume, in denen Menschen Alternativen ausprobieren und leben können, unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung und geschlechtlichen Identität.Wir Bleiben Alle!
Von der ARI kommt dieser Aufruf:
Transgenialer Polterabend
Über 2 Jahre rassistisch-homophober Amtsmissbrauch sind genug!
Aufenthaltserlaubnis für Nico P.Transgenialer Polterabend für Daniela und Nico
Donnerstag, 2. April 2009, 15.00 Uhr
Ausländerbehörde Burg bei MagdeburgMobilisierungsvideo unter:
[www.youtube.]Nico P. aus Benin lebt seit 2003 als Asylsuchender in Deutschland und ist der Ausländerbehörde Burg bei Magdeburg zugewiesen. Bereits seit Februar 2007 lebt er mit seiner Partnerin in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft. Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis werden ihm jedoch auch mehr als 2 Jahre nach Eintragung der Lebenspartnerschaft von der Ausländerbehörde Burg widerrechtlich mit allen Mitteln verweigert.
Nico ist mehr, als Burg gewillt ist zu tolerieren. Nicht nur Ausländer, sondern schwarzafrikanischer Asylbewerber. Und dann auch noch schwul. Und als ob das nicht mehr als genug wäre, auch noch mit einer Transsexuellen verpartnert. Diese Ungeheuerlichkeit fordert offensichtlich den entschlossenen Willen der Ausländerbehörde Burg heraus, Nico mit immer neuen Begründungen die Aufenthaltsberechtigung zu verweigern.
Bis heute bestreitet die Ausländerbehörde grundsätzlich ein Anrecht Nicos auf eine Aufenthaltserlaubnis. Bis letzten Herbst argumentierte sie, entgegen einheitlicher deutscher Rechtsprechung, damit, dass die eingetragene gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaft nicht unter den Schutz der Familie fällt.
Eine Arbeitserlaubnis wird Nico versagt. Sein Antrag auf Erteilung der Aufenthaltserlaubnis hingegen wird mit dem Argument abgelehnt, der Lebensunterhalt sei nicht gesichert.
Als geduldeter Flüchtling unterliegt Nico der Residenzpflicht, eine Verletzung der Residenzpflicht wird strafrechtlich verfolgt. Den größeren Teil seiner Ehe wurde ihm das Recht, den Landkreis zu verlassen, und damit die Möglichkeit, legal mit seiner in Berlin lebenden Lebenspartnerin zusammen zu sein, verweigert. Im Interesse seiner Partnerschaft war er so gezwungen, gegen die Residenzpflicht zu verstoßen.
Ein Verfahren gegen Nico wegen Verletzung der Residenzpflicht wurde im März vergangenen Jahres vom Amtsgericht Burg eingestellt. Der Richter lehnte in seinem Urteil explizit eine Kriminalisierung Nicos für Aufenthalte bei seiner Ehepartnerin in Berlin ab und betonte das Recht Nicos auf eine Aufenthaltserlaubnis.
Unbeeindruckt davon kündigte die Ausländerbehörde an, Nico aufgrund von Verstößen gegen die Residenzpflicht als “kriminellen Ausländer” zum 16. Dezember 2008 abschieben zu wollen. Des Weiteren wird im Bescheid vom 04.11.2008 auf Grund des zwischen Daniela und Nico geschlossenen Ehevertrags, unterstellt, dass zwischen den beiden keine feste Beziehung, also nur eine “Scheinehe” besteht.
In persönlichen Vorsprachen lässt die Ausländerbehörde die Maske der vorgeblichen Neutralität bürokratischer Paragraphenreiterei fallen und äußert ihren rassistischen und homophoben Machtmissbrauch ungeschminkt. So wenn Nico mitgeteilt wird, dass wenn er “normal” verheiratet wäre, er schon längst seinen Aufenthalt hätte. Oder wenn ein “Urlaubsschein” mit der lapidaren Bemerkung, dass auch ein deutsches Ehepaar schließlich nicht immer zusammen sein könne, abgelehnt wird. Wenn dann auch noch Nico der Umzug zu Daniela nach Berlin verweigert wird und dies im mündlichen Gespräch mit dem zynischen Angebot verbunden wird, dass die beiden ja, wenn sie denn unbedingt zusammen sein wollen, im Flüchtlingslager ein Extrazimmer für Übernachtungen bekommen könnten, gewinnt der Umgang der Ausländerbehörde Burg Anzeichen einer Provinzposse.
Das Verhalten der Ausländerbehörde Burg gegenüber Nico überrascht nicht. Bei in der Flüchtlingsarbeit engagierten Organisationen, Gruppen und RechtsanwältInnen ist Burg berüchtigt. Auf keiner Ausländerbehörde in Sachsen-Anhalt wird jeglicher “Ermessensspielraum” so konsequent gegen die Flüchtlinge ausgenutzt wie in Burg. Keine Ausländerbehörde Sachsen-Anhalts schickt Flüchtlinge so schnell und häufig genug rechtswidrig in Abschiebehaft.
Der extrem repressive und rassistische Umgang der Ausländerbehörde ist gut eingebettet in das allgemeine Klima von Burg.
Die Liste von Naziaktivitäten in Burg und Umgebung in den vergangenen Jahren ist lang. Konzerte mit bis zu 250 Neonazis finden regelmäßig und von den Behörden ungestört statt. Antifaschistische Veranstaltungen, wie ein Konzert Anfang November 2008, hingegen werden von Stadt und Behörden mit der Begründung eines angeblichen “polizeilichen Notstands” verboten.
In Burg scheint man sich einig. Burg − eine Stadt im rassistischen Normalzustand.
Transgenialer Polterabend für Daniela und Nico Donnerstag, 2. April 2009, 15.00 Uhr Ausländerbehörde Burg bei Magdeburg (In der Alten Kaserne 9)
Treffpunkt Berlin: Ostbahnhof, 12.00 Uhr Vorverkauf Bustickets: Buchladen Schwarze Risse Mehringhof, Gneisenaustr. 2a und Kastanienallee 85
Von Indymedia:
Intersexuelle Menschen sind sehr schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt, namentlich genitale Zwangsoperationen, Zwangskastrationen und andere nicht eingewilligte medizinische Zwangsbehandlungen.
Aktuell sind sie mit einem Schattenbericht an die UNO gelangt und werden dessen Behandlung in Genf vom 25.1.-2.2.2009 mit Veranstaltungen und Protestaktionen begleiten. […]
Aktionen in Genf 25.1.-2.2.2009
Infoabend/Pressekonferenz
Sonntag, 25. Januar 2009, 19:00 Uhr
La maison des associations >> [www.lafea.org]
Saal Zasi Sadou >> [www.lafea.org]
15, rue des Savoises, 1205 GenfMahnwache
Montag, 26. Januar 2009, 10:00 Uhr
Place des NationsDemo
Montag, 26. Januar 2009, 13:30-14:30 Uhr
Place des NationsMahnwache
Montag, 2. Februar 2009, 09:00-17:00 Uhr
Place des Nations
Zum zweiten mal finden vom 28.10. bis zum 02.11. die „Queerschnitt – Free Your Gender Days“ in der Gerberstraße in Weimar statt. Diesmal soll in Form einer (queer-)feministischen Veranstaltungsreihe in den linken Alltag interveniert werden, jungen und alten Menschen einen Zugang zu feministischer Kritik vermittelt und eine Diskussion über Geschlechter-Verhältnisse angezettelt werden.
Infos und Programm: queerschnitt.blogsport.de
16.9.2007, Radio FREI:
2 sind 2 zuviel
Patchwork-Lesung zur Kritik an Zweigeschlechtlichkeit und Monogamie
Hier der erste gelesene Beitrag, das Bounty-Papier.
„Schon wieder die Natur…“ will mensch ausrufen, wenn der Spiegel schon wieder das Glitzi-Gen entdeckt, daß Frauen zum Umgang mit Spülschwämmen prädestiniert. Wir sagen „Wider die Natur“, warum steht im Selbstverständnis. Wir setzen hier nach und nach unseren Kram online und beginnen heute mit unserem Flyer zum Erfurter CSD 2008:
Gegen dieses MottensystemDie Widernatürlichen Eminenzen erlassen ab heute und mit sofortiger Wirkung Folgendes:
Eine eindeutige Zuweisung von Geschlechtern auf Lebenszeit ist nicht mehr statthaft. Stattdessen hat die Zuweisung jeden Morgen vor Sonnenaufgang neu zu erfolgen. Das heißt, das Minimum der Geschlechter wird bis auf Weiteres auf 365 festgesetzt. In Schaltjahren wird das 366. fortan das Mottengeschlecht genannt.
An zwei aufeinanderfolgenden Tagen darf nicht ein und dieselbe Person geküsst werden. Es sei denn, es wurde zwischenzeitlich mindestens eine andere Person geküsst und die Straftat des Fehlküssens ist der Öffentlichkeit nicht bekannt geworden.
Desweiteren werden alle Menschen aufgefordert, sich nicht mehr Sexualität und Fortpflanzung hinzugeben.
Neue Subjekte werden nur noch durch Ableger erschaffen. Mütter und Väter werden ersetzt durch eine ganztätige Ableger-Betreuung.
Gott ist damit obsolet. Wir sind alle Gott. Damit ist das Sichselbstküssen erlaubt, Selbstannagelung hingegen nicht. Die Selbstnagelung wird staatlich gefördert. Ehen und dauerhafte Verpartnerungen werden mit öffentlicher Zurschaustellung im Historischen Motten-Museum bestraft. Bei mildernden Umständen kann von Bestrafung abgesehen und Einweisung in eine Anstalt für Massenorgien beantragt werden.
Die Wissenschaft der Biologie wird endlich anerkannt als die Lehre der Märchen. Biologen und Biologinnen werden in Bildungseinrichtungen und Stundenhotels zur Ableger-Betreuung eingewiesen.
Sämtliche Arbeit wird verboten und durch Spielen in Arbeitsgemeinschaften ersetzt.
Bei Entscheidungen, die die Ethik betreffen, wird auf das „Ethik-Roulette“ zurückgegriffen. Da wir natürlich auch Nationalstaaten und Gesetze abschaffen, erkennen wir hiermit unsere eigene Überflüssigkeit und lösen uns folglich in Wohlgefallen auf.
Eure Nichtexistenten Eminenzen