Der kurz Internationaler Frauentag oder Weltfrauentag genannte Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden wird weltweit von Frauenorganisationen am 8. März begangen. Er entstand in der Zeit um den Ersten Weltkrieg im Kampf um die Gleichberechtigung und das Wahlrecht für Frauen.
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
wie jedes Jahr ist am im 8. März an den Internationalen Frauentag zu erinnern. Mittlerweile ist man/frau, was derartige Sentenzen betrifft, im Konkurrenzkampf mit almost everybody – sogar der Österreichische Rundfunk weiß um das Thema und serviert uns einerseits die Lebensgeschichte von Waris Dirie, andererseits Damen im Kochclinch.
Laut Wikipedia, einer durchaus männerdominierten Spezialeinheit, die Gedrucktes akzeptiert – nicht Geducktes duzend und blöde hinterfragt – gibt es um das Datum die Debatte zwischen 19. März und eben dem 8.
Die Italiener befanden schon 2010, daß es 100 Jahre wären, wir hatten die Feier erst letztes Jahr.
Jedenfalls wird der 8. März in Angola, Armenien, Aserbaidschan, Burkina Faso, Eritrea, Georgien, Guinea-Bissau, Kasachstan, Kambodscha, Kirgistan, Laos, Madagaskar, Moldawien, in der Mongolei, in Nepal, Russland, Sambia, Serbien, Tadschikistan, Turkmenistan, Uganda, der Ukraine, Usbekistan, Vietnam, Weißrussland und Zypern als gesetzlicher Feiertag begangen. In der Volksrepublik China ist der Nachmittag für Frauen arbeitsfrei.
Einigkeit herrscht nicht übers feiern - die luxemburgische EU-Kommissarin Viviane Redin zum Beispiel wandte sich gegen „das Feigenblatt eines symbolhaften Tages“ und stellte im März 2008 fest: „Solange wir einen Frauentag feiern müssen, bedeutet das, daß wir keine Gleichberechtigung haben. […] Das Ziel ist die Gleichberechtigung, damit wir solche Tage nicht mehr brauchen.“
2010 plädierte Alice Schwarzer für eine komplette Streichung des Tages: „Schaffen wir ihn […] endlich ab, diesen gönnerhaften 8. März! Und machen wir aus dem einen Frauentag im Jahr 365 Tage für Menschen, Frauen wie Männer.“
Nun, wie dem auch sei, was das Feiern betrifft gibt es sicher irgendeinen positiven Rest dazu, also lassen wir diese Diskussion offen und werfen einen Blick auf einige „Jubiläen“ des Jahres 2012:
Die UNESCO rief für 2012 das Internationale Jahr der nachhaltigen Energie für alle aus.
2012 soll darüberhinaus das europäische Jahr für aktives Altern und Solidarität zwischen den Generationen sein – was zu hoffen wäre.
Jeanne d´Arc wäre 2012 600 Jahre alt geworden, Maria Stuart wurde vor 425 Jahren hingerichtet, Amerigo Vespucci starb vor 500 Jahren, Karl May vor 100.
Ebenfalls 100 Jahre ist es her, seit die Titanic versank – purer Zufall, so einem dabei die Costa Concordia einfällt und ein Kapitän, der nicht begriffen hat, was Sache ist. Gegenpart dazu: Cpt. Sullenberger: „We re going down into the Hudson…“
Vor 75 Jahren bombardierte die Deutsche Armee Guernica und in Lakehurst verbrannte die Hindenburg, vor 40 Jahren waren wir geschockt durch die Geiselnahme bei den Olympischen Spielen in München, die Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika wird 225 Jahre alt.
Am 22. September 1862, also vor 150 Jahren, verkündete Abraham Lincoln die Emanzipations-Proklamation, nicht eben der sofort-überall-wirksame aber doch ein entscheidender Schritt zur Abschaffung der Sklaverei. Für die Afroamerikaner-Innen, versteht sich.
Johann Gottlieb Fichte hätte seinen 250. Geburtstag zu feiern, Jean-Jacques Rousseau seinen 300., Kaiser Caligula den 2000. Die Zündung der ersten Wasserstoffbombe im Eniwetok-Atoll mit einer Sprengkraft von etwas über 10 Megatonnen TNT jährt sich zum 60. Mal.
Und die Anglikanische Kirche gibt es seit 400 Jahren.
Diabetes kann nun seit mittlerweile 90 Jahren mit Insulin behandelt werden, Robert Koch hat vor 130 Jahren den Tuberkuloseerreger entdeckt, die erste SMS wurde vor 20 Jahren versendet.
Laika, die Polarhündin, war in einem Sputnik vor 55 Jahren das erste Lebewesen im Weltall, vor 40 Jahren fand der letzte bemannte Raumflug zum Mond statt: Apollo 17.
2011 - 2012 sind oder ist, laut dem UNEP (Umweltprogramm der Vereinten Nationen), das „Jahr der Fledermaus“. “Incredibly fascinating, delightfully likeable masters of our night skies“, nennt Dr. Merlin Tuttle die bats.
Als Vorsitzende des Arbeitskreises für Gleichbehandlungsfragen der Angewandten greife ich, einer unserer noch kurzen Traditionen folgend, drei Biographien im Besonderen auf und erinnere an
Dorothea Erxleben
* 13. November 1715 in Quedlinburg, † 13. Juni 1762 ebenda, geborene Leporin, die erste promovierte deutsche Ärztin,

Marta Hoepffner
* 4. Januar 1912 in Pirmasens, † 3. April 2000 in Lindenfels/Allgäu, deutsche Fotografin

Mary Henrietta Kingsley
* 13. Oktober 1862 in Islington, † 3. Juni 1900 in Simon’s Town, Südafrika, britische Entdeckerin und Ethnologin.

Dorothea Erxleben
Dorothea Leporin-Erxleben war die Tochter des Arztes Christian Polykarp Leporin (1689–1747), Arzt in Aschersleben und später Stadtsyndikus in Quedlinburg, und der Anna Sophia Leporin (1681–1757), Tochter des Konsistorialrats Albert Meinecke. Von Kind an war Dorothea zart und kränklich. Ihr Vater unterwies sie in Naturwissenschaften, und, gemeinsam mit ihrem Bruder, in praktischer und theoretischer Medizin. Er unterrichtete sie, nahm sie zu seinen Patienten mit und ließ sich mit der Zeit sogar von ihr in seiner Praxis vertreten. Dorothea durchlief dieselbe Ausbildung wie ihr Bruder, und wie er strebte sie die Erlangung eines akademischen Grades an. Trotz ihres breiten medizinischen Wissens blieb ihr der Zugang zur Universität zunächst verwehrt. Daraufhin wandte sich ihr Vater an Friedrich den Großen, der 1741 die Universität Halle anwies, Dorothea Leporin zur Promotion zuzulassen. Da Dorothea inzwischen den verwitweten Diakon Johann Christian Erxleben (1697–1759) geheiratet hatte, nahm sie das königliche Privileg vorerst nicht in Anspruch. Sie erzog die vier Kinder ihres Mannes und hatte mit ihm noch vier weitere eigene, darunter den späteren Mediziner und Zoologen Johann Christian Erxleben (1744–1777).
Als sie anfing zu praktizieren, wurde sie von den anderen Ärzten ihrer Heimatstadt, weil sie keine formelle, universitäre Ausbildung zur Ärztin hatte, als Dilettantin verschrien. In der Schrift Gründliche Untersuchung der Ursachen, die das weibliche Geschlecht vom Studiren abhalten wehrte sie sich 1740 gegen die Vorwürfe:
„Die Verachtung der Gelehrsamkeit zeigt sich besonders darin, daß das weibliche Geschlecht vom Studieren abgehalten wird. Wenn etwas dem größten Teil der Menschheit vorenthalten wird, weil es nicht allen Menschen nötig und nützlich ist, sondern vielen zum Nachteil gereichen könnte, verdient es keine Wertschätzung, da es nicht von allgemeinem Nutzen sein kann. So führt der Ausschluß vieler von der Gelehrsamkeit zu ihrer Verachtung. Dieses Unrecht ist ebenso groß wie dasjenige, das den Frauen widerfährt, die dieses herrlichen und kostbaren Gegen-standes beraubt werden.“
Neben der hausfraulichen Tätigkeit in ihrer großen Familie praktizierte Dorothea weiter. 1747 übernahm sie die Praxis ihres verstorbenen Vaters. Nachdem eine ihrer Patientinnen während der Behandlung gestorben war, wurde sie von anderen Ärzten wegen „medicinischer Pfuscherey“ angezeigt. Die nun 39-jährige Dorothea entschloß sich, kurz nach der Geburt ihres vierten Kindes, ihre Promotion nachzuholen. Im Januar 1754 reichte sie ihre Dissertation mit dem Titel Quod nimis cita ac quounde curare saepius fiat causa minus tutae curationis, 1755 auf Deutsch unter dem Titel Academische Abhandlung von der gar zu geschwinden und angenehmen, aber deswegen öfters unsicheren Heilung der Krankheiten, ein, und am 6. Mai desselben Jahres trat sie an der Universität Halle (Saale) zum Promotionsexamen an, das sie mit großem Erfolg ablegte.
Nach der Promotion führte sie ihr Leben wie bisher weiter: sie kümmerte sich um ihre Kinder, führte den Haushalt und behandelte ihre Patienten. In Quedlinburg blieb sie bis zu ihrem Tod im Jahr 1762 die angesehene Frau Pastorin. Zwei ihrer Söhne, Johann Christian Polykarp, ein berühmter Naturforscher, und Johann Heinrich, Professor für Recht, führten ihr Erbe weiter.
Am 20. April 1899 wurden Frauen im Deutschen Reich erstmals offiziell zu den Staatsprüfungen der Medizin, Zahnmedizin und Pharmazie zugelassen. An den Universitäten von Preußen wur-den Medizinstudentinnen erstmals im Wintersemester 1908/1909 zugelassen.
Von 1960 bis zu ihrer Schließung 1991 trug die Medizinische Schule bzw. Medizinische Fach-schule Quedlinburg den Namen „Dorothea Christiane Erxleben“. An dieser für die DDR einmaligen Einrichtung wurde medizinisches Personal aus sechzig Staaten Asiens, Afrikas und Latein-amerikas ausgebildet bzw. qualifiziert. Eine Kaserne im Norden von Halle/Saale, in der nach 1990 das Sanitätsregiment 13 stationiert war, trug bis zur Auflösung der Garnison Halle im Sommer 2007 den Namen Dr.-Dorothea-Erxleben-Kaserne.
Heute sind das Dorothea-Erxleben-Programm des Landes Niedersachsen zur Qualifizierung für eine Professur an Universitäten und Fachhochschulen sowie das Klinikum Quedlinburg nach ihr benannt.
Quelle: [de.wikipedia.org]
Marta Hoepffner
Marta Hoepffner wuchs in Pirmasens in einem gutbürgerlichen Elternhaus auf, zum familiären Umfeld zählte Hugo Ball, einer der Mitbegründer der Dada-Bewegung. Die Eltern förderten die zeichnerische und malerische Begabung, im Lyzeum entwickelte Marta Hoepffner eine Vorliebe für naturwissenschaftliche Fächer.
Von 1929 bis 1933 studierte Marta Hoepffner an der Frankfurter Kunstschule, der späteren Städelschule, bei Willi Baumeister Malerei, Grafik und Fotografie. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten und der ideologischen Gleichschaltung der Kunstinstitute wurde Willi Baumeister die Dozentur an der Kunstschule entzogen. Marta Hoepffner brach das Studium ab und gründete 1934 die „Werkstätte für künstlerische Fotoaufnahmen“. 1937 erhielt sie eine Ausnahmezulassung ohne Lehre und Gesellenprüfung zur Meisterprüfung. In diesem Kontext entstanden erste Farbfotografien mit dem Duxochromverfahren von Herzog. Bildgeschichten für Das Illustrierte Blatt sowie Porträtaufnahmen, u. a. von Soldaten und Personen des öffentlichen Lebens, sicherten den Lebensunterhalt.
Als ihr Atelier in Frankfurt am Main 1944 den Bomben zum Opfer fiel, waren ihre experimentellen Arbeiten und die fototechnische Ausrüstung bereits nach Hofheim am Taunus ausgelagert. In den unmittelbaren Nachkriegsjahren entwickelten sich Bekanntschaften und Freundschaften mit Ida Kerkovius, Max Ackermann, Heinrich Wildemann im Stuttgarter Kreis um Willi Baumeister; in Hofheim am Taunus mit Hanna Bekker vom Rath, Marie-Luise Kaschnitz, Ernst Wilhelm Nay und Karl Schmidt-Rottluff. Erste Ankäufe ihrer fotokünstlerischen Arbeiten erfolgten durch den Sammler Erich Stenger.
Im Jahre 1949 trug eine erste Gesamtausstellung im Frankfurter Kunstverein dazu bei, das Schaffen der jungen Künstlerin in dieser Phase des kulturellen Neuaufbaus bekannt zumachen und erregte ein breites publizistisches Echo. Gezeigt wurden frühe Experimente, Foto-Kompositionen, Abstraktformen und Fotogramme. Als Konsequenz dieser erfolgreichen Ausstellung gründete sie 1949 die „Fotoprivatschule Marta Hoepffner“ in Hofheim am Taunus. Das schulische Konzept dieser staatlich anerkannten privaten Fotoschule orientierte sich am Ideengut des Bauhauses und verknüpfte handwerkliche und künstlerische Aspekte. Marta Hoepffner betätigte sich auch publizistisch, sie veröffentlichte zahlreiche Artikel (Foto Prisma, Foto-Magazin, American Photography und anderen), die sich mit modernen fotografischen Gestaltungsformen und neuen Ausdrucksmöglichkeiten beschäftigen.
Ab Mitte der 1960er Jahre erzielte Marta Hoepffner große Aufmerksamkeit durch ihre lichtkinetischen Objekte, die sie als „Variochromatische Lichtobjekte“ bezeichnete. Avantgardefotos und Lichtobjekte waren in der Folgezeit in zahlreichen internationalen Ausstellungen vertreten.
1971 erfolgte der Umzug nach Kressbronn am Bodensee und 1975 die Aufgabe der Fotoschule.
Marta Hoepffner war Mitglied des Deutschen Werkbundes, berufenes Mitglied der Gesellschaft Deutscher Lichtbildner (GDL), des Bundes Bildender Künstler (BBK) sowie berufenes Mitglied des Bundes Freischaffender Foto-Designer (BFF). Sie starb am 3. April 2000 in Lindenfels/Allgäu.
Mehr als fünf Jahrzehnte lässt sich die künstlerische Arbeit Marta Hoepffners verfolgen, die sich als Weg vom Lichtbild über die Lichtgrafik zum Lichtobjekt bezeichnen lässt. Hoepffners künstlerisches Schaffen begann Mitte der 1930er Jahre. Im „Verborgenen“ entstanden erste fotografi-sche Experimente, u. a. surrealistische Fotomontagen, Kompositionen und Stillleben. Inspiriert durch die Klangwelt moderner Musik etwa von Strawinsky und de Falla realisierte sie abstrakte Schwarzweissfotogramme, bei denen selbst entworfene und gefertigte Schablonen Verwendung fanden.
Ihrem Lehrer Willi Baumeister und dem „technisch vermittelten Sehen“ László Moholy-Nagy fol-gend, knüpfte Marta Hoepffner an konstruktivistische Entwürfe an und erzielte eigene Konzeptionen distanzierter fotografischer Imagination, mit einer starken Orientierung an malerischen Vorbildern. Sie schuf in jenen Jahren auch grafisch aufgefasste Landschaftsaufnahmen sowie ihre „abstrakten Formen in der Natur“: Strukturaufnahmen von Baumrinden, Spuren im Sand, im Verfall von Holz, Fassaden etc. Mit dem Philosophen Ludwig Klages unterhielt sie einen Briefwechsel über die Wiederholung rhythmischer Formen in der Natur.
Zwischen 1939 und 1945 führte sie ihre fotografischen Experimente fort und wendete neue Techniken an. Sie arbeitete an streng gefügten und „malerisch verdichteten“ Kompositionen, die sie durch fototechnische Verfahren abstrahierte und in feinsten Grauabstufungen gestaltete.
Nach dem Zweiten Weltkrieg schuf sie ihre ersten Interferenzbilder in polarisiertem Licht, d.h. Fotos von doppeltgelegten durchleuchteten Geweben und flüssigen Schichten bei Zwischenschaltung von Zeiss-Bernotar-Filtern. Es entstanden Schwarzweissfotogramme im polarisierten Licht: Abstrakte informelle Bilder, d.h. Papiermontagen und Kristallisationen auf Fotopapier oder unter Resopal.
Vor allem aber beschäftigte sich Marta Hoepffner seit Anfang der 1950er Jahre mit grundlegenden Studien zur Farbfotografie: Farb-Solarisationen, Farb-Relieffotografien und Farbfotogramme. Sie studierte die Newtonsche Farbenlehre und die Welt der Wellen und Strahlen. Seit 1958 arbeitete sie nur noch an kameralosen Bildern und konzentrierte sich fast ausschließlich auf das Medium „Licht als Quelle aller Farben“, wie sich Marta Hoepffner ausdrückte. Sie entfernte sich zunehmend von der abbildenden Fotografie und widmete sich ihren Farbfotogrammen in polarisiertem Licht.
Die Zerlegung des Lichts in Farben wurde ihr Anliegen, sie ging über die Fotografie hinaus und entwickelte 1965 ihre ersten Variochromatischen Lichtobjekte: es entstehen stufenweise Farbänderungen der durchleuchteten Collagen (gegliederte farblose Transparenzstrukturen wie bei den Farbfotogrammen) zu den Komplementärfarben nach manueller oder motorischer Drehung einer Filterscheibe. Ab 1968 kreierte sie sowohl Lichtobjekte als auch Farbinterferenzbilder auf Colorpapier mit strukturarmen Bildelementen und reduzierten Farbintervallen.
Quelle: [de.wikipedia.org]
Mary Henrietta Kingsley
Mary Kingsley war die Tochter von George Henry Kingsley (selbst Reiseschriftsteller) und der Köchin Mary Bailey sowie die Nichte von Charles Kingsley. Ihr Vater war Arzt und arbeitete für den Earl of Pembroke. Der Vater war häufig mit Reichen im Ausland. Ihre Mutter war pflegebedürftig, und von Mary wurde erwartet, zu Hause zu bleiben und sich um die Kranke zu kümmern. Mary hatte nur geringe Schulkenntnisse; der Vater unterrichtete sie zu Hause, wenn er da war. Ihr Bruder indessen erhielt sehr wohl eine schulische Erziehung.
Marys zuletzt ebenfalls von ihr zu umsorgender Vater starb im Februar 1892. Nur sechs Wochen später verschied ihre Mutter. Mit einem Einkommen von £ 500 im Jahr konnte Mary ihre Reisesehnsucht stillen - sie hatte eine Menge über den „Schwarzen Kontinent“ gelesen und entschied sich, Afrika zu besuchen, um ein Buch zu vollenden, das ihr Vater über religiöse Fetische und die Kulturen Afrikas begonnen hatte.
Mary Kingsley startete im August 1893 von England aus mit einem Frachtschiff nach Afrika. Sie segelte darauf die Küste entlang über Freetown in Sierra Leone bis nach Angola. Bei Cabinda, Old Calabar, auf der Insel Fernando Póo und dem unteren Kongo machte sie ihre Beobachtungen. Sie lebte mit Einheimischen, die ihr notwendige Fähigkeiten für das Überleben in den afrikanischen Dschungeln beibrachten. Nach diesem Training konnte sie unter anderem Kanu fahren und beherrschte das Knoten von Netzen. Als viktorianische Lady in schwarzen Trauerklei-dern beeindruckte sie dort die Menschen, die noch nie eine Weiße gesehen hatten. Die For-schungsreisende liebte ihr Leben in Afrika mit all seinen Höhen und Tiefen, seine Landschaften, seine Tiere, seine Menschen. Ihre Route führte sie schließlich nach Nigeria, von wo aus sie im Juni 1894 heimkehrte.
Nach umsichtigen Vorbereitungen für eine zweite Reise und ausgestattet von der Britischen Museumsbehörde mit Sammlerausrüstung brach Mary Kingsley am 23. Dezember 1894 mit der Batanga von Liverpool, England, aus zur nächsten Expedition auf. Über Old Calabar und Gabun kam sie in den französischen Kongo, dann in die damalige deutsche Kolonie Kamerun. Die auf ihrer Reise gesammelten Arten von Insekten, Reptilien und Fischen überließ sie dem Britischen Museum.
Kingsley reiste nach ihrer Rückkehr 1895 durch England und hielt Vorlesungen über das Leben in Afrika, zu seiner Fauna, Flora und Folklore. Sie schrieb zwei Bücher über ihre Erlebnisse: Travels in West Africa (1897) das sofort ein Bestseller war, und West African Studies (1899). Ihre Standpunkte in den Büchern wurden lebhaft erörtert, opponierte sie doch gegen die allgemeine europäische Praxis in Afrika und hegte unverhohlen Sympathie für die indigene Bevölkerung, was zu jener Zeit kein populärer Standpunkt war.
Mary Kingsley brachte die anglikanische Kirche gegen sich auf, als sie Missionare für Versuche kritisierte, Afrikaner für ein Leben nach europäischem Ideal zu ändern. Sie argumentierte, daß ein „schwarzer Mann nicht mehr ein unterentwickelter weißer Mann ist, als ein Kaninchen ein unterentwickelter Hase ist.“ Einem Verbot des Trinkens von Alkohol für Afrikaner, wie es Abstinenzler anstrebten, verweigerte sie sich. Sie blieb jedoch ziemlich konservativ in anderen Punkten und unterstützte nicht die Suffragettenbewegung. Sie war Anhängerin der Abolitionisten und trat gegen den Sklavenhandel und für die Rechte der afrikanischen Ureinwohner ein.
Ihre Pläne für eine dritte Reise an die Westküste Afrikas wurden vom Ausbruch des Burenkrieges durchkreuzt. Mary Kingsley wandte sich nach Südafrika und bot freiwillig ihre Dienste als Krankenschwester an. Sie starb, keine 38 Jahre alt, an Typhus in Simonstown bei Kapstadt in einem Kriegsgefangenenlager, wo sie internierte Buren behandelte. Wie sie es sich gewünscht hatte, erhielt Mary Kingsley eine Seebestattung, mit militärischen Ehren.
Die Reisebücher Mary Kingsleys enthalten viele Informationen über die Lebensweise der west-afrikanischen Menschen in den 1890er Jahren. Ihre Vorträge trugen zu einem anderen Bild und besserem Verständnis der Afrikaner bei. Sie argumentierte gegen die in Europa und Amerika vorherrschende Vorstellung, „Neger“ seien „Primitive“ und daß Europa Afrika zivilisieren müsse. Händler, so glaubte sie, könnten noch am besten die Mentalität der Einheimischen verstehen.
Quelle: [de.wikipedia.org]
Ein weiterer Themenpunkt ist vielleicht knapper erklärt, umfangreicher wäre er in jedem Fall – denn diesen „zweiten Reminder“ widme ich all jenen Frauen, die nirgendwo besonders genannt werden, in keinem Lexikon, Artikel, nicht in Wikipedia oder sonst wo im Internet. Frauen, die durch ihre unersetzliche Leistung in allen Bereichen des Lebens überall auf der Welt das „Leben“, wie man es kennt, möglich machen, unterstützen, realisieren, mitgestalten. All die quasi Anonymen, die positiv oder eben nicht so positiv Existenzen beeinflussen und begleiten, eine Zeit lang, lange, sehr lange:
Das ist eine Verbeugung vor den Müttern, Nicht-Müttern, Schwe-stern, Freundinnen, Geliebten, Ehefrauen, Vertrauten – vor de facto der Hälfte der Welt, der guten wie der weniger guten. Eine Verbeugung vor allen Frauen aller Länder und Epochen: Ohne Euch und uns…geht gar nichts.
Geschichte des Frauentags
Zum ersten Frauentag am 19. März 1911 kamen in Dänemark, Österreich, Schweden, der Schweiz, Deutschland und in den USA Frauen zu Demonstrationen und Versammlungen zusammen. Im Mittelpunkt stand die Forderung nach dem Wahlrecht für Frauen. Seit 1921 wird der Frauentag am 8. März begangen.
Die Feiern zum 8. März haben nun schon eine gewisse Tradition.
Wie alle Traditionen mußte auch der 8. März zuerst „erfunden“ werden, mußten Anlaß und Begründung „gefunden“ werden.
Über die Geschichte dieser Erfindung herrscht Uneinigkeit. Je nachdem, welches Erfordernis aus den entsprechenden Kontexten gezogen werden kann, bleibt de facto modulierbar, was am 8. März gefeiert wird und woran zu erinnern sei.
Während der “Zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz” in Kopenhagen 1910 soll die deutsche Sozialistin Clara Zetkin (1857-1933) die Errichtung eines “Internationalen Frauentages” vorgeschlagen haben – zunächst ohne Bindung an ein konkretes Datum. US-amerikanische SozialistInnen hatten bereits 1909 den letzten Sonntag im Februar zum “Nationalen Tag der Frau” deklariert. 1911 wurde anläßlich des 40. Jahrestages der “Pariser Kommune” am 18. März in Paris, aber auch in Wien ein “Tag der Frau” begangen. 1921 erklärte Lenin in Gedenken an den St. Petersburger Frauenaufstand vom 23. Februar 1917 – nach Julianischem Kalender der 8. März – den 8. März zum “Internationalen Frauentag”.
Als Legende erwies sich in den 1980er Jahren die Verknüpfung des Impulses der Feierlichkeiten mit einem spontanen Streik New Yorker Textilarbeiterinnen, die sich am 8. März 1857 gegen niedrige Löhne und zunehmende Arbeitsbelastung sowie für eine Arbeitszeitverkürzung eingesetzt hätten. Die Polizei habe der Demonstration ein blutiges Ende gesetzt, wobei nicht nur zahlreiche Frauen festgenommen, sondern einige auch zu Tod gekommen wären.
Fünfzig Jahre danach – am 8. März 1907 – wurde dieser Demonstration erstmals gedacht und seither jährlich daran erinnert.
Unterschiedliche historische, nationale und politische Interessen bestimmten auch wesentlich die Art der am 8. März gestellten Forderungen - etwa das Frauenwahlrecht, arbeitsrechtliche Verbesserungen für Frauen oder die Gleichstellung von Frauen und Männern in allen Lebensbereichen.
Der Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen möchte am Internationalen Frauentag 2012 daran erinnern, daß wir als Gremium auch Anlaufstelle für alle Fälle von
Diskriminierung aufgrund des Geschlechts,
der ethnischen Zugehörigkeit,
der Religion oder Weltanschauung,
der sexuellen Vorlieben
und des Alters sind
–und zwar für alle Angehörigen der Angewandten - StudentInnen, MitarbeiterInnen, Lehrende. Betroffene oder Informationssuchende sind jederzeit – unter striktester Wahrung ihrer Anonymität – eingeladen, sich an den AfG zu wenden.
Seit dem ersten Frauentag – welcher Datumsentwicklung man auch anhängen mag - ist sicherlich einiges erreicht worden im Sinne der “Gleichberechtigung und Gleichwer-tigkeit aller Menschen”.
Vieles ist uns bereits selbstverständlich geworden. Viele “Verbesserungen”, die korrekterweise als “Normalisierungen” zu bezeichnen wären, sind kaum älter als die Frauen, die davon profitieren können. Vieles ist - bei weitem - noch nicht optimal geregelt, und zwar hier und jetzt, in unserer “zivilisierten, modernen, aufgeklärten mitteleuropäischen Gesellschaft”.
Wir haben durchaus Grund und Anlaß, uns zu erinnern und stolz auf mittlerweile Erreichtes rund um die Gleichstellung zu verweisen. Finale Zufriedenheit kann sich nach wie vor – (noch) nicht einstellen:
Laut Schätzungen der UNO erlebt jede 7. Frau Gewalt in ihrer Familie oder von ihrem Ehepartner.
Erzwungene Schwangerschaftsabbrüche, Genitalverstümmelungen, von denen über 150 Millionen Frauen betroffen sind, Opfer von sogenannten “Ehrenmorden” und Gewalt zu sein – ein weltweit alltägliches Frauenschicksal.
Und: Die Problematik der Gleichberechtigung in allen Lebensbereichen beginnt nicht irgendwo „weit weg, in einem ande-ren Land“ – sie beginnt exakt vor unserer Haus-, Atelier oder Bürotüre. Sie hat mit Karrierebedingungen und Gehaltsgerechtigkeit ebenso zu tun wie mit der Gleichwertigkeit und Realisation der unterschiedlichsten Lebensvorstellungen.
Es gibt keine geschlechtsneutrale Wirklichkeit.
Wir müssen nicht mit dem Popo wackeln…
Mit kollegialen Grüßen,
Marion Elias