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Gender
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Kurzer Prozess in sieben Tagen: Sie waren absurd, zäh und irgendwie auch komisch, wenn es nicht so ernst wäre. Die Staatsanwaltschaft fordert drei Jahre Haft für die drei Feministinnen des Kollektivs. Am 17. August soll das Urteil gegen Pussy Riot verkündet werden. Auslöser war ihr regimekritisches Punkrockgebet in der Erlöserkathedrale. Der Anklagepunkt „Rowdytum“ ist nicht richtig klar geworden, aber was soll’s. Der Prozess steht längst nicht mehr für Pussy Riot, sondern ist eine Bestandsaufnahme für das politische System unter Putin. Der Gerichtssaal und seine Richterin eine Mimesis für die Willkür im autoritären Regime, wenn es um Oppositionelle geht. Wer nach Regeln oder Gesetzmäßigkeiten suchte, hat spätestens mit dem Prozessbeginn damit aufgehört oder begonnen in der sowjetischen Zeit nachzuschauen. Aber vielleicht hat sie ja auch der anwesende Rottweiler im Gerichtssaal verschluckt, er darf nämlich bellen, stören oder einfach nur träge in der Ecke rum liegen.
Für alle anderen Anwesenden gilt, „wem nach Lachen ist, kann in den Zirkus gehen“, sagt zumindest die Richterin Marina Syrowa. Bei Zeug_innen der Verteidigung ziert sich Syrowa, will sie nicht aufrufen und lehnt etwa die Vernehmung des Bloggers und Oppositionellen Alexei Navalny ab. Sie will lieber mehr über den Exzorismus, den Aberglauben, den orthodoxen Glauben und den Teufel hören. Auch eine ehemalige Bekannte Maria Alyokhinas, die zum Zeitvertreib rechtsradikale Einträge für ihr Internet-Tagebuch verfasst, kommt zu Wort und darf sich über den negativen Lebenswandel der Angeklagten äußern. Dass die Zeugin hin und wieder den Gerichtssaal flieht und Gerichtsdiener sie einfangen müssen, sei hier nur eine Nebeninformation.
Als die Verteidiger_innen von Pussy Riot Kritik am undurchsichtigen Prozedere üben, zieht sich die Richterin zur Beratung – mit sich selbst – zurück. Zusammen mit Alter Ego entscheidet sie, dass der Prozess weitergehen kann. Aber es bleibt ein politischer Prozess, weil genau das Reden über Gott und die Welt sowie die Absurditäten das Machtgefälle, die Willkür und den Rechtsnihilismus deutlich machen.
Im bewegenden Schlussplädoyer von Nadezhda Tolokonnikova wird das Vage klar und Sprache findet Worte wenn sie da sagt, dass der Prozess eine „politische Unterdrückungsanordnung“ des Regimes sei. Parallelen zu Stalins Schauprozessen kenntlich werden und voraussagt, dass das Regime Brüche erlitten hat und zusammenbrechen wird. Sie werden nicht durchkommen, no pasarán, das steht auch auf ihrem blauen T-Shirt, welches sie trägt. Pussy Riot reiht sich ein, in die lange Schlange politischer Dissident_innen. Ja, und dann spricht sie von Rebellion und Freiheit, die nicht in den Grenzen des Aquariums liegen, sondern im Inneren: „Stoßt die Türen auf, werft die Fesseln ab und spürt den Wind der Freiheit mit uns” – Pussy Riot.
Heute ist der Geburtstag von Yekaterina Samutsevich: Happy Birthday, Gurrl.
Peaches hat am gestrigen Mittwoch mal wieder gezeigt, wie Massen zu mobilisieren sind: In Prenzlauer Berg in Berlin lud die Grande Dame des weiblichen Self-Empowerments via Facebook zum Video-Dreh anlässlich der in naher Zukunft anstehenden Veröffentlichung ihres Pussy-Riots-Protestsongs. Viele folgten dem Ruf – auch MISSY-Autorin Dorothee Leesing.
Zunächst finden sich genauso viele Presse-Menschen wie TeilnehmerInnen in einer dieser familien-idyll-ähnlichen Straßen im Prenzl’ Berg ein, alle TeilnehmerInnen sind bunt gekleidet, genau so, wie es der Internet-Aufruf von Peaches forderte. 100 bunte Balaclava-Masken in Anlehung an die Pussy-Riot-Couture (ja, der Symbolcharakter der bunten Outfits kann mittlerweile wirklich nicht mehr abgesprochen werden…) werden von der Künstlerin verteilt.
Peaches ist in ihrer Rolle als Organisatorin höchst professionell – in leisem Ton werden die Regie-Anweisungen von ihr gegeben – über 300 motivierte Menschen führen im Flüsterton die Jubelbewegungen durch, um keine NachbarInnen oder die Polizei zu stören. Das hat Flashmob-Charakter. Die meisten Anwesenden amüsieren sich, der Szenerie wohnt dennoch eine Ernsthaftigkeit inne, die nicht zuletzt durch Peaches’ konzentriertes, aber dennoch arschcooles Dirigat genährt wird – ein Abbruch der Versammlung durch die Polizei hätte die oppositionelle Nachricht, die aus Berlin gesendet werden soll, zu einer traurigen Spiegelung werden lassen können. Doch die Mobilmachung der Solidarischen wurde von der Berliner Polizei lediglich observiert.
Den unzähligen Medienmenschen wird beim Video-Shoot viel Raum gegeben: Schließlich handelt es sich bei den momentanen Aktionen, die rund um die Welt als Unterstützung für die inhaftierten Russinnen stattfinden, um ein Aufschichten eines medialen Staudamms, der, so bleibt zu hoffen, eine Bestrafung der Pussy-Riot-Gruppe abwehren oder mildern wird. Dass die Inhaftierung der Pussy-Riot-Mitglieder lediglich durch einen Anti-Putin-Song ausgelöst wurde, kann man kaum glauben - dass das große mediale Echo es bisher allerdings nicht vermocht hat, eine Bestrafung der Aktivistinnen zu vermeiden, ist ebenso besorgniserregend.Peaches Song wird in den nächsten Tagen erscheinen – und sich danach mit dem knallbunten Video vielleicht zu einem aussagekräftigen Statement für Meinungsfreiheit und gegen eine unfaire Staatsgewalt aufschwingen können.
Einen Blick durch die bunte Sturmhaube beim Dreh gibt’s hier:
Hier gibt’s alle Neuigkeiten von Peaches: www.facebook.com/officialpeaches
und hier die aktuellen Meldungen für alle Pussy-Riot-Verbündeten: [freepussyriot.org]
Peaches hat am gestrigen Mittwoch mal wieder gezeigt, wie Massen zu mobilisieren sind: In Prenzlauer Berg in Berlin lud die Grande Dame des weiblichen Self-Empowerments via Facebook zum Video-Dreh anlässlich der in naher Zukunft anstehenden Veröffentlichung ihres Pussy-Riots-Protestsongs. Viele folgten dem Ruf – auch MISSY-Autorin Dorothee Leesing.
Zunächst finden sich genauso viele Presse-Menschen wie TeilnehmerInnen in einer dieser familien-idyll-ähnlichen Straßen im Prenzl’ Berg ein, alle TeilnehmerInnen sind bunt gekleidet, genau so, wie es der Internet-Aufruf von Peaches forderte. 100 bunte Balaclava-Masken in Anlehung an die Pussy-Riot-Couture (ja, der Symbolcharakter der bunten Outfits kann mittlerweile wirklich nicht mehr abgesprochen werden…) werden von der Künstlerin verteilt.
Peaches ist in ihrer Rolle als Organisatorin höchst professionell – in leisem Ton werden die Regie-Anweisungen von ihr gegeben – über 300 motivierte Menschen führen im Flüsterton die Jubelbewegungen durch, um keine NachbarInnen oder die Polizei zu stören. Das hat Flashmob-Charakter. Die meisten Anwesenden amüsieren sich, der Szenerie wohnt dennoch eine Ernsthaftigkeit inne, die nicht zuletzt durch Peaches’ konzentriertes, aber dennoch arschcooles Dirigat genährt wird – ein Abbruch der Versammlung durch die Polizei hätte die oppositionelle Nachricht, die aus Berlin gesendet werden soll, zu einer traurigen Spiegelung werden lassen können. Doch die Mobilmachung der Solidarischen wurde von der Berliner Polizei lediglich observiert.
Den unzähligen Medienmenschen wird beim Video-Shoot viel Raum gegeben: Schließlich handelt es sich bei den momentanen Aktionen, die rund um die Welt als Unterstützung für die inhaftierten Russinnen stattfinden, um ein Aufschichten eines medialen Staudamms, der, so bleibt zu hoffen, eine Bestrafung der Pussy-Riot-Gruppe abwehren oder mildern wird. Dass die Inhaftierung der Pussy-Riot-Mitglieder lediglich durch einen Anti-Putin-Song ausgelöst wurde, kann man kaum glauben - dass das große mediale Echo es bisher allerdings nicht vermocht hat, eine Bestrafung der Aktivistinnen zu vermeiden, ist ebenso besorgniserregend.Peaches Song wird in den nächsten Tagen erscheinen – und sich danach mit dem knallbunten Video vielleicht zu einem aussagekräftigen Statement für Pressefreiheit und gegen eine unfaire Staatsgewalt aufschwingen können.
Einen Blick durch die bunte Sturmhaube beim Dreh gibt’s hier:
Hier gibt’s alle Neuigkeiten von Peaches: www.facebook.com/officialpeaches
und hier die aktuellen Meldungen für alle Pussy-Riot-Verbündeten: [freepussyriot.org]
Die mit absoluter Mehrheit regierende Volkspartei wird voraussichtlich im Oktober einen Gesetzentwurf für ein Verbot vorlegen
Seit 2. August werden die Fotografien von Dorothea Tuch im Café M1 in Berlin, ausgestellt. Die schwarz-weiß Arbeiten der Fotografin vermitteln einen intimen, kondensierten Einblick in die Gefühlswelt der porträtierten TänzerInnen.
Die Ausstellung ist noch bis zum 27. September in der Prinzenstraße 87 zu besuchen.
Wann&Wo: 2. August -27. September 2012 im Aufbauhaus am Moritzplatz in der Prinzenstrasse 85 f in Berlin.

Logo: Antisexismus Tage Wuppertal
Um gegen Sexismus zu kämpfen, gibt es nicht nur einen richtigen Weg. Neben Frauen werden auch Lesben, Schwule, Transmenschen und queer people überhaupt sexuell diskriminiert. Und genauso unterschiedlich wie die Opfer sind, gehen sie auch mit Sexismus um. Unterschiedliche Verhaltensformen zu respektieren und damit näher an eine tolerante Gesellschaft zu rücken, das ist das Ziel der „Antisexismus-Tage“ in Wuppertal am kommenden Wochenende. Eingeladen sind alle, die sich für das Thema interessieren – egal, ob sie selbst schon einmal betroffen waren.
Diskutiert, gelernt und natürlich auch geschlafen und gegessen wird vom 10. bis zum 12. August in der Freien Schule Bergisch Land in Wuppertal. Gemeinsam gestalten die TeilnehmerInnen Workshops und hören Vorträge rund um das Thema Antisexismus. Die individuellen Hintergründe der TeilnehmerInnen spielen dabei eine genauso große Rolle wie das Bewusstsein darüber, dass jede/r einen anderen hat. Einem schöpfungsreichen Wochenende steht also nichts mehr im Weg. Mehr Infos gibt’s hier.
Wann & Wo
Vom 10. bis zum 12. August 2012 in der Freien Schule Bergisch Land in Wuppertal
Mustafa Abdel Jalil, Chef des Nationalen Übergangsrats, hat während der Zeremonie zur Übergabe der Macht an das Parlament eine unverschleierte Moderatorin abgelehnt
Lily Yu ist eine faszinierende Protagonistin der jungen, chinesischen Kunstszene und eine der wenigen unabhängigen Künstlerinnen in China. Die sehr großformatigen Bilder von Lily Yu’s neuer Werkreihe „Lost“ wirken vor diesem Hintergrund fast wie eine Trotzreaktion und zeigen obendrein noch Themen, die man in Chinas heutiger Gesellschaft besser immer noch nicht öffentlich anspricht, erst recht nicht als Frau.
Angetrieben durch die männerdominierte Tradition ihres Herkunftslands beschäftigt sich Lily Yu intensiv mit dem Gender-Thema und dem Konflikt zwischen individueller und kollektiver Identität. Das Ergebnis sind Gemälde, die allein schon wegen ihrer Größe, aber auch der dargestellten, nicht weiter fassbaren Stimmung und den geisterhaften Figuren eine faszinierende Wirkung auf den Betrachter ausüben.
Vernissage: Sa, 4. August 2012
Ausstellung: 4.-20.August 2012
Sonderveranstaltung am So, 19. August, 17h:
Künstlergespräch mit der anwesenden Künstlerin Lily Yu, begleitet von einer Weinverkostung.
Wir bitten um Anmeldung per Mail bis zum 17.08. an: [email protected]
Ähnliche Beiträge
Mitt Romney möchte das Land bei der Verhütung und bei Vorsorgeuntersuchungen in die 1950er Jahre zurückkatapultieren, so der US-Präsident
Genauer gesagt: Respekt, Etikette und Unterstützung - drei Dinge, die ich mir im Alltag, also jeden Tag, nicht nur samstags oder unter Freund_innen, wünsche. Auf durchschnittlich drei respektlose Begegnungen, ganz gleich in welchem Umfeld, erfahre ich (bislang) eine angemessene, fast immer große Unsicherheit und/oder Vorurteile beim Gegenüber und zuweilen schlicht Hass. Und trotzdem bin ich überzeugt, und zwar jeden Tag: Das muss nicht sein, das lässt sich ändern. Aber was ist in diesem Zusammenhang überhaupt “un/angemessen”? Und wie sieht Unterstützung aus?
Mich selbst hat vor Jahren u.a.
informiert, das mir ein Freund eines Tages zusteckte. Dieses Zine ist eine (deutschsprachige) Version von Micah Bazants “Trans Respect/Etiquette/Support 101”, an dem ich mich in diesem Beitrag orientiere.
Wie auch im ersten Teil (und allen Beiträgen in diesem Gastblog): Wenn Ihr konstruktive Kritik, Zustimmung, Verbesserungsvorschläge usw. habt, dann kommentiert oder macht ein eigenes (digitales) Zine.
Bescheid wissen
Sprich nicht für mich. Queere, lesbisch-schwule, feministische etc. und Trans-Kämpfe hängen zusammen, aber sie sind unterschiedlich. Nicht nur meine Trans-Erfahrung und -Geschichte innerhalb der Trans-Community ist verschieden von den Erfahrungen anderer Transmenschen, sondern auch einzelne Gruppen machen unterschiedliche Erfahrungen und haben eine unterschiedliche Geschichte. Die Erfahrungen von Intersexuellen sind anders als die Erfahrungen Transsexueller of color, die anders sind als die Erfahrungen von Drag Kings mit Behinderung, die wiederum anders sind als die weißer Cross-Dresser usw.
Ich mag nicht in einen Topf geworfen werden, Du? Weil Du mich kennengelernt hast, kannst Du nicht annehmen, dass alle Transmenschen so sind wie ich, oder dass Du jetzt generell über Trans-Belange Bescheid weißt.
Du schätzt respektvolle Ehrlichkeit? Ich auch. Ich finde es toll, jemanden sagen zu hören: “Eigentlich weiß ich nichts über Transmenschen. Ich will dich aber unterstützen und respektieren, also vergib mir meine Ignoranz. Ich werde mich im Netz umsehen und mir ein paar Bücher organisieren und anfangen, mich schlau zu machen.”
Mach Dich (noch) schlau(er)
Besuch’ doch mal wieder eine Bibliothek, geh’ zum Buchladen oder ins Internet. Ich finde es super hoch n mitzubekommen, dass sich jemand überlegt oder sich bereits Gedanken dazu gemacht hat, ein_e bessere Unterstützer_in/Verbündete_r zu sein oder zu werden.
Eine Riesenbitte: Sprich’ mit anderen Nicht-Transmenschen über das Thema, sobald Du Dich schlau(er) gemacht hast. Auch wenn es mehr von uns gibt, als Du denkst – ich bin nicht genug, um die Menge an Nicht-Transmenschen aufzuklären.
Ich sollte nicht die ganze Arbeit machen müssen. Ich bin angreifbarer, deshalb ist diese Arbeit viel schwerer für mich. Für mich bedeutet, sich mit Nicht-Transmenschen über ihr transphobes Verhalten und ihre normativen Geschlechtervorstellungen zu unterhalten, viel zu oft, sich eine Riesenmenge verletzender und beleidigender Dinge anhören zu müssen.
Respektiere meine Selbstbezeichnung
Du kennst mein bevorzugtes Pronomen nicht und kennst niemanden, der es Dir sagen könnte? Frag’ mich. Höflich. Und respektvoll. Noch habe ich niemanden gekratzt oder gebissen. Jemanden nicht einordnen zu können löst bei den meisten Mensch Angst und/oder Feindseligkeit aus. Wenn Du mich siehst und fehldeutest, ist das nicht so schlimm und nicht das Ende der Welt. Du musst Dich nicht schämen dafür. Frag’ im Zweifelsfalle höflich und respektvoll nach, damit zeigst Du mir indirekt: “Ich will keine Annahmen machen, ich will dich respektieren.”
Kennst Du meine Selbstbezeichnung (Billy, männlich) und verwendest sie mir gegenüber oder im Beisein anderer wiederholt oder gar bewusst nicht/nie? Dann lässt Du mich wissen: “Ich verstehe Dich nicht und habe auch kein Interesse daran. Was Du mir über Dich sagst, ist nicht wichtig und mir gleichgültig. Es ist nur wichtig, was ich über dich denke und ich weiß besser Bescheid über dich als du selbst. Von mir bekommst du keine Unterstützung, ich bin nicht dein_e Verbündete_r.”
Auch Sätze wie “Dein Geschlecht ist mir doch total egal!” sind keine Unterstützung. Oder mal praktisch: Wenn’s denn so “egal” ist, wieso runzeln die allermeisten Menschen ihre Stirn und korrigieren mich, wenn ich sie nach so einem Satz mal mit “Ach wirklich, Frau/Herr [statt Herr/Frau] …?” beglücke?
Ich habe oft den Eindruck, dass Menschen nicht daran denken, wie viel Mut mich das kostet sie wissen zu lassen, wer ich bin. Mich zu überwinden und darüber zu sprechen drückt aus, dass ich sie nicht in meinem Leben missen mag und wie sehr ich sie in meinem Leben schätze.
Frag!mich!nicht!aus!
Auch wenn es unglaublich klingen sollte: Die erste Frage, die mir fast immer gestellt wird, ist: “Und da unten?” oder ganz elegant “Hast/willst/bekommst du einen Penis?” Das ist phallozentristisch, verletzend und degradierend. Denn, Überraschung: Ich bin nicht nur meine Körperteile.
Niemand hat das Recht, irgendwelche anatomischen oder medizinischen Informationen über meinen Körper zu erhalten, es sei denn, ich entscheide mich selbst dazu. Es ist besonders verachtend, mir solche Fragen vor anderen Mitmenschen zu stellen. Uncool ist auch: “Na, wie läuft’s so auf Testo?” In besonders guter Stimmungslage frage ich dann zurück: “Danke, und bei Dir so da unten? Alles paletti mit deinen Testo/Östrogenwerten?” Selbst dann, oh Wunder, begreifen es manche Menschen nicht.
Nochmal: Es ist nicht mein Job, Dich zu unterrichten, und es kann sein, dass ich gerade mal keine Lust habe, Deine unglaublich persönlichen Fragen zu beantworten. Wenn ich Dich grade kennengelernt habe, dann frag’ mich zum Beispiel nicht, wie meine Familie “es” denn aufnimmt. Ich habe vielleicht großes Glück*** gehabt und meine Familie liebt mich (und nicht mein Geschlecht oder das, was sie dafür halten), aber vielleicht ist auch das Gegenteil der Fall.
Bitte tröste mich auch nicht mit besonders aufbauenden Worten à la “Das ist ja furchtbar schrecklich alles!” oder “Wie schlimm das für deine Familie/Dich/Deine_n Freund_in sein muss!” Danke. Ich habe keine grausame tödliche “Krankheit”, ich möchte das erste Mal in meinem Leben glücklich mit mir sein bzw. ich erfahre wie sich Glück anfühlt vielleicht das allererste Mal in meinem Leben.
*** Das hatte ich tatsächlich. Meine Mom sagte durch’s Telefon zu mir (selten waren meine Tatzen so schwitzig wie bei diesem Anruf): “Oh, ich freu’ mich so!” ❤
Ich habe wieder Links für euch gesammelt. Aber vorab noch eine Frage: Bei zwei selfhostet WordPress-Blogs bekomme ich seit einigen Wochen keine Emailbenachrichtung über eingehende Kommentare mehr. Kennt jemand das Problem? Über Hinweise würde ich mich freuen!
Die Muslime von New York
Die Reportage von Charlotte Wiedemann, die sanczny verlinkt hat, kam wie gerufen, nachdem ich neulich mal wieder Spike Lees „Malcom X“ gesehen hatte und neugierig war, etwas über den afroamerikanischen Islam heute zu erfahren.
Kein Abitur – Der Angriff der Vergangenheit auf die Gegenwart
Der Maturatraum – Ein beliebtes Genre des bürgerlichen Unterbewusstseins mit Hochschulzugangsberechtigung. Ein Traumtagebuch von Kathrin Passig
Über die „Kampagne zur Senkung der Kaiserschnittrate in Deutschland“
Sehr interessantes Interview mit Nele Tabler über die Diskurse um Kaiserschnitte. „Es ist wie immer: Anstatt, dass Frauen und ihre Selbstbestimmungsrechte gestärkt werden, macht man ihnen Vorwürfe und baut Druck auf. Als wäre eine schwangere Frau nicht sowieso schon allen möglichen „Ratschlägen“ ausgesetzt, was sie tun und lassen soll und alle meinen, ihr etwas vorschreiben und ihr Verhalten bewerten zu dürfen. Am Ende kann sie es nur falsch machen.“
Unter Linken: Kipping und Schlömer suchen vergeblich nach Gemeinsamkeiten — CARTA
Politikverständnis, you’re doing it wrong. Der Piratenvorsitzende Bernd Schlömer will durch neue Prozesse und Transparenz den Wechsel herbeiführen, aber keine Aussagen darüber machen, in welche Richtung der gehen soll. Vielleicht soll das die Spannung bewahren, man weiß es nicht.
Rezension: Die Maskulisten « sanczny
Sanczny hat „Die Maskulisten“ gelesen, ein neuer Sammelband von Andreas Kemper, in dem auch ein Text über Hatr von Leah Bretz, Nadine Lantzsch und mir zu finden ist.
(Für den folgenden Beitrag inklusive der darin enthaltenen Links gilt eine TRIGGERWARNUNG, da Gewalterfahrungen beschrieben und Zitate von Täter*innen wiedergegeben werden.)
Project Unbreakable - the beginning of healing through art ist der Name eines Projektes gegen sexualisierte Gewalt, das im Oktober 2011 von der New Yorkerin Grace Brown ins Leben gerufen worden ist. Es handelt sich hierbei um einen tumblr-Blog, auf dem Fotos von Betroffenen mit Zitaten ihrer Täter*innen abgebildet sind.
„Wenn du weinst, siehst du noch schöner aus“, „Ich hoffe, dass du mich jetzt nicht für einen schlechten Menschen hälst“ oder „Dreh dich um, ich hoffe du magst es anal“ sind nur ein paar Beispiele für die grausamen Sätze, die Betroffene vor, während oder nach der Tat von ihren Täter*innen zu hören bekommen und nun auf den Seiten des Projektes öffentlich gemacht haben. Auch das oben abgebildete Foto („Kann ich dir einen Check ausstellen, damit du ruhig bleibst?“) ist auf dem Blog veröffentlicht worden - es zeigt Grace Brown selbst. Unter dem Bild findet sich ein kurzer Text, in dem sie von ihrer Motivation, das Projekt zu starten, erzählt:
Das hier ist meine Geschichte.
Lange Zeit habe ich mich aus den verschiedensten Gründen versteckt - aufgrund meiner Familie, aufgrund des Gefühls, nicht das Recht zu haben, diesen Schmerz zu spüren, aufgrund von zu großer Angst. Aber das hier ist der wahre Grund, weshalb ich Unbreakable betreibe.
Als sie im Herbst 2011 damit begann, ein paar Freund*innen zu fotografieren, hätte sie laut eigener Aussage nie damit gerechnet, dass ihr Projekt derartige Wellen schlagen würde. Doch unmittelbar nach dem Start der Seite erreichten sie hunderte E-Mails von Betroffenen, die ebenfalls an dem Projekt teilnehmen oder Grace einfach nur ihren Dank aussprechen wollten.
Mir ist bewusst geworden, dass ich in einer Welt, in der sexualisierte Gewalt ein so schambesetztes und tabuisiertes Thema darstellt, eine große Veränderung bewirken kann. Menschen schaffen es endlich, loszulassen und die Kraft über Worte zurückzuerlangen, die einst gegen sie verwendet worden sind.
Laut eigenen Angaben hat die 20-jährige Studierende inzwischen über hundert Personen fotografiert und mehr als 800 Beiträge zugeschickt bekommen. Sie sagt von sich selbst, Unbreakable habe es ihr ermöglich, ihren Schmerz in Kunst umzuwandeln. Wer an dem Projekt teilnehmen möchte, kann eine E-Mail an projectunbreakablesubmissions[at]gmail.com schreiben und das Foto anschließend auf olapic.com/photos/projectunbreakable veröffentlichen lassen. Ein Besuch auf der Seite lohnt sich mit Sicherheit, allerdings sollte im Hinterkopf behalten werden, dass die Bilder sehr mitnehmen und natürlich auch triggern können.