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Über Alanis Morissette wurde ja schon so ziemlich jeder “Wütende-Frau-mit-Message”-Witz gemacht, den es gibt. Das und der Sachverhalt, dass in den letzten Jahren jetzt wirklich keine Kracher-Hits aus ihren Alben ausgekoppelt wurden, lassen mittlerweile vielleicht ein bisschen vergessen machen, was für eine 1a-Songschreiberin sie immer schon gewesen ist. In wenigen Wochen erscheint Alanis neues Album “Havoc and Bright Lights”, am Donnerstag spielt sie live in Berlin, und vorab habe ich nochmal altes Zeug aus der Schatztruhe gegraben, und zwar die 2005er Akustik-Auflage von “Jagged Little Pill”. Ein absolutes Plattensammlungsgoldstück, dass ich vor Jahren schon mal in der Hand hielt, aber ungerechtfertigterweise ziemlich unbeachtet ließ. Aber: Seit dieser Wieder-Entdeckung nerve ich jetzt auch jede_n penetrant damit, wie super Alanis ist (… hallo!).
Einen kleinen Disput darüber, ob sie jetzt underrated ist oder nicht, führte ich letzte Woche auch, wurde jedoch wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt: Schließlich, so wurde ich nochmal erinnert, hat Alanis ja damals in “Dogma” völlig zurecht Gott gespielt, und allein damit wurde schon eine absolut gerechte Entscheidung getroffen. Bis das neue Album rausgejagt wird ist auf jeden Fall in diesem Sommer die Akustik-Version von “Not the Doctor” vom 1995er Debüt mein Lieblings-Alanis-Track - auch, weil er mir in der Originalversion nie besonders positiv aufgefallen ist, mir in der Moll-Variante aber einigermaßen die Ohren wegpustete.
Eine gut ausgebildete Frau hat einen hochdotierten und sehr anspruchsvollen Job in der Führungsebene der US-amerikanischen Regierung, für den sie extrem viel arbeiten muss und oft nur am Wochenende nach Hause kommt. Ihr ist die Belastung allmählich zu groß, ausserdem hat sie Ehemann und zwei Kinder im Teenageralter, die sie gern öfter sehen würde. Sie kündigt, nimmt eine weniger stressige Stelle an und ist jetzt, äh, “nur” noch Vollzeit Professorin in Princeton. Aus dieser Erfahrung schliesst sie vor allem zwei Dinge: erstens, dass sie für alle Frauen sprechen kann und zweitens: Frauen können nicht alles haben. Also veröffentlicht sie den Text ‘Why women still can’t have it all’, in dem sie dann natürlich auch Feminist_innen kritisiert, weil die ja bekanntlich sagen, dass Frauen alles haben müssen.
Ja, das ist so ein Quatsch wie es sich anhört und ja, leider ist es trotzdem wahr. Ihre Aussagen wurden auch von der deutschsprachigen Press freudig aufgegriffen um sich nochmal zu bestätigen, dass Frauen gefälligst nicht zuviel erwarten sollten (etwa von der ‘Zeit’ mit dem viel verratenden Titel: ‘Wenn Frauen auf die Macht verzichten‘). Die Frau heisst Anne-Marie Slaughter und ihren Text in ‘The Atlantic’ ist hier zu finden. (Er ist übrigens in einigen Teilen durchaus intelligent und lesenswert.)
Es gibt bereits ein paar sehr gute Kritiken dieser streckenweise unsinnigen Aussagen. Hervorzuheben sind besonders die von Helga bei der ‘Mädchenmannschaft’ oder die von Tanja Rest in der ‘Süddeutschen Zeitung’. Hier eine kurze Liste der wichtigsten Argumente:
- Die Erfahrungen einer einzelnen Frau sind äußerst selten auf alle Frauen zu verallgemeinern. Beispielsweise sind die Erfahrungen einer weißen, erfolgreichen Akademikerin in einer heterosexuellen Ehe meist sehr spezifisch für genau diese Situation.
- Natürlich behaupten sie meisten Feminist_innen nicht, dass Frauen “alles” haben müssen oder gar sollen. Vielmehr fragen viele Ansätze, was Erfolg und Macht eigentlich sind. Und vom wem sie definiert werden.
- Es bestehen Unterschiede in der Rezeption Slaughters Artikel: Sie meint mit Nicht-Alles-Haben-Können ihre Stelle als Professorin. In vielen deutschsprachigen Debatten wird unter weiblichen Nicht-Alles-Haben-Können oft Minijobs, Teilzeitarbeit, geringe Aufstiegschancen oder unbezahlte Care-Arbeit verstanden.
- Zeitintensive Jobs, die kaum mehr ein Privatleben zulassen, sind für den Großteil der Menschen ein Problem, und zwar für Männer wie Frauen wie Trans*. Es handelt sich also bei der sogenannten ‘Vereinbarkeit’ nicht um ein Frauenthema.
- Arbeitsbedingungen sind keine Naturgewalt. Sie können verändert werden.
- Das ist so mathematisch-logisch wie banal: Niemand kann alles haben. Es ist allerdings möglich, Dinge so zu verteilen, dass alle ungefähr gleichviel haben oder jede_r zumindest soviel, wie es seinen_ihren Bedürfnissen entspricht. Eine gerechtere Verteilung wäre doch ein besseres Ziel als zu erwarten, allein “alles” (whatever that genau means) zu bekommen.

In der Sommerloch Diskussion um Geburtenrate und Elterngeld hat Bayerns Familienministerin Christine Haderthauer sowohl eine Ausweitung als auch eine partnerschaftliche Aufteilung der Leistung zwischen Vätern und Müttern gefordert. „Unser mittelfristiges Ziel sollte sein, das Elterngeld auf 24 Monate auszuweiten, davon sollten zwölf Monate als Partnermonate reserviert werden”, sagte Haderthauer der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“. Die Politik solle „auf diesem Feld endlich mal Verlässlichkeit vermitteln, anstatt junge Familien durch Kürzungsdiskussionen zu verunsichern”.
Ein längeres Elterngeld sei derzeit finanziell zwar nicht zu verwirklichen, räumte die CSU-Politikerin ein. Zugleich verwies sie darauf, dass “Länder mit erfolgreicher Familienpolitik” bereits heute die ersten zwei Lebensjahre des Kindes finanziell abpuffern würden. Dies entspreche den Bedürfnissen der Familien.
"In Pressekonferenzen oder Hintergrundgesprächen duellierte sie sich gern mit dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU), den sie stets als 'Herr Kohl' ansprach, worauf sich der Pfälzer in seinen Antworten mit einem süffisanten 'Gnädige Frau' revanchierte."Nun dürfen wir gespannt sein, wie sich ihr großes Ego mit dem ihres neuen Chefs verträgt.
Puh, da habt ihr aber in die Tasten gehauen diese Woche!
Erst einmal ein großes YEAH an Femgeeks, das neue und nun erste deutschsprachige geekfeministische Gemeinschaftsblog, in dem sich Feminismus und Einblicke in Wissenschaft und Technik treffen werden.
Clara Rosa von Class Matters liest in links-queeren Wohnungsanzeigen immer öfter, dass das ausformulierte: „gegen -ismen und Diskriminierungen“ um Klassismus ergänzt wird. In der Theorie klingt das ja ganz gut, aber was heißt das für die Praxis?
CD Hüllen selbst basteln? Na klar! Kotzendes Einhorn hat eine tolle Anleitung gefunden.
Die Modebloggerin Katrin von reizende Rundungen führt ihre neue, coole Hose vor.
Johanna sieht den freizügigen feministischen Protest der Femen aus der Ukraine kritisch, weil “mit dem antisexistischen Protest schlicht sexistisch umgegangen [wird]“.
ryuu ist genervt von der Debatte zu Arbeitskultur und Karriere, weil sie keinen Bock auf ätzende 50h Jobs mit wenig Zeit für Kultur und Repro-Arbeit hat.
Andreas Kemper schreibt über den ewig alten Mythos der “Jungen als Bildungsverlierer” - alles Quatsch, wenn mensch genauer hinsieht.
Off the rokket hat ein schönes neues PinUp gezeichnet.
Italien hatte während der EM im Männerfußballspiel gegen Deutschland gepunktet - und zwar gleich zwei Mal von Balotelli. Die Kommentare und Berichterstattung zu seiner Jubelpose war danach durchwachsen: Von irgendwelchen komischen Analysen, warum er genau jene Pose einnahm bis zu vermeintlich lustigen Comics. post_gedanken erklärt, warum visuelle Vergleiche von Balotelli mit Godzilla und Pittiplatsch überhaupt nicht klar gehen und Viruletta fordert für alle Critical Whiteness Workshops.
Die kleine ethnologin schreibt über herabwürdigende und rassistische Darstellungen von Kindern aus dem Südsudan.
Als feministische oder rassismuskritische Bloggerinnen bekommt mensch öfter mal E-Mails von anstrengenden Menschen. Nachdem Charlott von Afrika Wissen Schaft immer wieder von dem gleichen Typen belästigt wurde, schrieb sie ihm einen offenen Brief.
Ein zweites YEAH: Die fuckermothers bloggen als Gästinnen beim Missy Magazine.
Auf L-Talk findet ihr einen interessanten Artikel zur Geschichte von Das Persönliche ist Politisch und was der Slogan auch heute noch bedeutet.
Die DrMutti schreibt über Kinder und Geschlechtssterotype, “Affenmädchen” und abstruse wissenschaftliche “Erkenntnisse”.
Nach dem Klick Termine in Berlin, Leipzig und Salzburg:
Zur diesjährigen Veranstaltungswoche des CSD in Leipzig findet ein Projekt zum Thema “Queer- und Gendertheorie” statt. Dazu gehören ein Einstiegsseminar am 8. Juli und eine Podiumsdiskussion am 10. Juli.
Am 11. Juli findet in Leipzig eine Veranstaltung zu “Diskriminierungsbingo. Warum Ungleichheit keine Einbahnstraße ist…” statt.
Am 21. Juli 12 findet in Berlin die Release-Party für ein neues queer-feministische Teenie-Magazin, die Brav_a, im FAQ-Laden in Berlin Neukölln statt!
Am 25. Juli findet wieder ein Marsch der Abtreibungsgegner_innen in Salzburg statt. Dagegen könnt ihr demonstrieren!
Entzaubert, das queere DIY Filmfestival findet vom 2. bis 5. August in Berlin statt und sucht noch nach Leuten, die mitmachen (PDF) wollen.
Für eine bessere Vernetzung der (feministischen) Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere deutschsprachigen Kolleginnen und Kollegen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!
Wenn ich mich mit jemandem gedatet habe, den ich im Internet kennengelernt hatte, lief es bisher immer nur auf das Eine hinaus. Egal, was ich probiert habe. Ich saß schon oft allein in einer Bar oder einem Café und wartete vergebens: auf meinen Verehrer. Oder wenigstens eine SMS oder einen Anruf mit einer freundlichen Absage.
Doch immer, wenn ich mich zu Hause bei mir verabredet habe, sind die Herren auch brav aufgetaucht. Manchmal hat man sich vorher noch nett unterhalten und landete dann in der Kiste. In den meisten Fällen jedoch, hat man sich das ganze Prozedere gespart und ist gleich übereinander hergefallen. Nur ganz selten ist einer der Herren einmal etwas länger geblieben - nach dem Orgasmus. Ich habe den Impuls, nach dem Sex sofort aufzuspringen und die Spielstätte zu verlassen, nie verstanden. Wahrscheinlich wieder einmal ein Zeichen dafür, wie sehr ich doch eine Frau bin.
Irgendwann nutzen sich solche Begegnungen einfach ab. Lange Zeit hab´ ich gedacht, durch Sex mache ich mich für Männer interessant und auf Grund meiner berauschenden Persönlichkeit bleiben sie dann selbstverständlich bei mir - Pustekuchen.
Irgendwann schrieb mich Rocco inklusive Facepic auf Gayromeo an: „Lass doch mal schmusen…habe heute viel Zeit. Du auch?“ Schmusen?! Dieses Wort benutzen doch nur Fünfjährige. „Sorry, ich habe keinen Bock mehr auf solche Dates mit Typen, die ich nicht kenne. Ich suche jemanden, der mich kennenlernen will und sich auch öfter treffen will.“, antworte ich.
„Ich meine es nur ernst und ehrlich mit dir.“, erwidert er. Ich glaube ihm kein Wort: „Sorry, ich bin eben skeptisch. Wenn man viele Enttäuschungen erlebt hat, dann kann man nicht mehr jedem eine Chance geben.“ Doch er lässt nicht locker: „Lass mich dich jetzt einfach mal besuchen und wir schmusen ein wenig. Dann kannst du sehen, dass ich nicht so bin und dass ich dich nicht enttäuschen werde.“ Ich gebe nach. Mir ist total nach Streicheleinheiten und 1,91m assoziieren einen Mann, an dem ich mich anlehnen kann. Nachdem ich kurz abgecheckt habe, ob ich für einen Kuschelabend meine Beine rasieren muss und er dieses verneint, willige ich ein.
Natürlich kommt Rocco so spät, dass ich schon gar nicht mehr mit ihm gerechnet habe. In der Tür steht ein Hüne mit Glatze und D’Artagnan-Bärtchen. Sein Blick ist ganz sanft und seine Stimme etwas zu hoch. Ich bitte ihn hinein und mache einen bissigen Kommentar zu seiner Verspätung. Wir küssen uns. Er hat einen leichten Mundgeruch. Ich bin da glücklicherweise nicht so pingelig, wie die meisten. Doch es kommt noch viel schlimmer. Er ist leider Meister der „Waschtrommel-Kusstechnik“. Seine ewig lang erscheinende Zunge rotiert in einem Affentempo um meine. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, mit Typen, die nicht auf meinem Kuss-Level sind, keinen Schritt weiter zu gehen. Eigentlich. Irgendwie finde ich ihn ganz sexy und denke mir, ich teste das mit dem Schmusen mal ein wenig weiter.
Wir gehen zusammen ins Bett. Ich versuche es mit Zärtlichkeiten. Streiche sanft über sein Gesicht und berühre ihn. Interessanterweise gelingt es mir immer sehr leicht, eine gewisse Intimität aufzubauen. Auch zu Männern die ich nicht kenne. Doch den Jungs gelingt das gar nicht. So auch bei Rocco. Irgendwann wird das Ganze wilder. Er hat seine Hand in meinem Ausschnitt und ich meine unter seinem T-Shirt. Seine Kusstechnik verbessert sich überraschenderweise mit steigender Geilheit und es stellt sich heraus, dass die rotierende Zunge in meinem Dekoltée durchaus ihre Vorzüge hat. Nun ja, wie sollte es anders sein: Rocco bekommt vom Rummachen einen Ständer. Ich auch. Aber das merkt er gar nicht, weil es ihn nicht interessiert. Ich hingegen fühle mich magisch angezogen. Ein steifer Schwanz ist für mich so ähnlich, wie ein Stück Torte. Wenn man damit vor meiner Nase ewig herum wedelt, muss ich entweder zugreifen oder den Raum verlassen. Da ich in einem Ein-Zimmer-Appartement lebe, ist vorprogrammiert, was passiert.
Irgendwann springt er auf und zieht sich aus. Die Socken lässt er an. What the fuck! Sein Gesichtsausdruck hat sich verändert. Aus dem sanften Riesen ist plötzlich ein aggressiver Stier geworden. Erschreckend, wie Geilheit Menschen doch verändern kann und gut zu wissen, dass man als Frau solche Macht auf Männer ausübt. „Du bist aber eine geile Schmusekatze. Ich hab dir doch gesagt, dass ich dich nicht enttäusche.“ Manchmal denke ich: Klappe halten, wenn man nichts Sinnvolles zu sagen hat. Sinnvoll wäre in solch einer Situation: 1. Anweisungen zu geben, was der Partner machen soll. 2. Bestätigende Bemerkungen, damit der Partner merkt, dass er das Richtige macht. Oder 3. Komplimente, wie unglaublich schön man ist. Das zieht immer und macht willenlos. Jedenfalls kommentiere ich Roccos verbalen Erguss mit einem leichten Lachen. Er ist verwundert über meine Reaktion. „Momentan bin ich nicht enttäuscht. Aber warten wir mal ab, was danach passiert.“, entgegne ich ihm.
Mein Bett steht mitten im Raum. Etwa zwei Meter dahinter ist ein großer Spiegel mit Schminkecke platziert. Mitten im Geschehen erhebt sich mein Gespiele aus dem Bett und bewegt sich in Richtung Spiegel. Er betrachtet sich und seine Erektion mit stolzgeschwellter Brust. Ich bin so irritiert, dass ich`s gar nicht richtig begreife und erst im Nachhinein innerlich mit dem Kopf schütteln kann. Es endet, wie es enden muss. Ich stehe im Bad, nachdem er zu seinem Vergnügen gekommen ist: „Und jetzt ziehst du dich an und gehst?!“ Er steckt schon in seiner Jeans. „Ihr Typen seid doch echt alles Idioten.“, werfe ich genervt hinterher. „Wir wollten ja auch nur schmusen.“, erwidert Rocco. Ach bin ich jetzt Schuld?! „Nun ja, das könnten wir ja auch jetzt noch. Kein Grund abzuhauen!“, blöke ich ihn an. Er packt seine Sachen und rauscht aus meiner Wohnung. „Wenigstens Danke kannste sagen.“, keife ich noch hinterher.
Früher hätte ich nach solch einer Situation eine Depression bekommen, weil alle Männer mich immer nur verarschen. Doch diesmal habe ich mich köstlich amüsiert. Vor allem über mich selbst. Was ich mir wirklich wünsche, ist Nähe und Geborgenheit, doch es fällt mir unglaublich schwer, meine eigenen Impulse zu überprüfen. Was wäre passiert, wenn ich nicht in seinen Schritt gegriffen hätte? Hätten wir tatsächlich zwei Stunden kaeyschmust? Wäre er dann an Stelle meiner irgendwann frustriert gewesen weil er nicht bekommen hätte, was er eigentlich wollte? Ich werde es einfach beim nächsten Kandidaten testen und euch auf dem Laufenden halten.
Die farbenfrohen und fröhlichen Bilder sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass die LGBT-Community in der Dominikanischen Republik gegen einige Widerstände kämpfen muss. Die römisch-katholische Kirche hat großen Einfluss auf Politik und Gesellschaft. So kam es 2010 zu Polizei-Razzien im Parque Duarte, einem beliebten Community-Treffpunkt in der historischen Altstadt Santo Domingos, nachdem Kardinal Nicolás de Jesús López Rodriguéz gewettert hatte, dass es dort tagtäglich zu "Perversitäten" käme. Er ist sich auch nicht zu fein dazu, schwule Männer mit dem Schimpfwort "maricones" zu bezeichnen.
Bei einer Pressekonferenz am letzten Sonntag lobte der Kardinal die Behörden, weil sie einige Lokale in der Altstadt geschlossen haben und als ein Reporter ihn fragte, ob es ihm Leid tue, dass die LGBT-Community sich von der Kirche diskriminiert fühlte, explodierte der Gottesmann: Er bedaure, wenn sich jemand diskriminiert fühle, aber die Kirche sei zum Unterschied von neu entstandenen Interessensgruppen seit 500 Jahren im Lande und habe daher ein Recht, ihre Standpunkte zu vertreten. Weitere Fragen verweigerte er dann.
Links: [blabbeando.blogspot.co.uk] (mit einem ausführlichen Bericht über die Parade in Santo Domingo und einer Übersicht über andere Pride Events in diversen lateinamerikanischen Staaten)
[www.imagenesdominicanas.com]
http://monaga.net/website/en/blog/467-dominican-republic-gay-pride-2012
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| Neuerscheinung von Geraldine Friedrich 2012 Foto: Silke Schneider-Flaig |
Gründlich recherchierte und kommentierte Hintergrundlinks informieren zum Beispiel über Schokolade und und (auch weniger) bekannte Schokoladehersteller, kostenlose Wochenzeitungen, die regelmäßig mit Prominenten kocht, sowie über Herkunft, Inhalt und Geschichte klassischer Speisen. Beeindruckend ist auch die ausgewogene Recherche und Nennung von Konkurrenten. Und Begriffe wie "margarineunabhängiger Verlag" machen Wirtschaftsinformationen, die nichts mit Gaststätten zu tun haben, interessant. Aber auch ungewöhnliche historische Zusammenhänge zwischen Kochrezepten und Namensgebung werden kurzweilig geschildert. Zum Beispiel, dass der Legende nach das Gericht Cholera während einer Choleraepidemie entstand. Die Leute trauten sich nicht aus dem Haus aus Angst vor Ansteckung. So kochten sie mit dem, was sie in ihren Vorratskammern hatten kreative Gerichte.Hungrig nach mehr?
Nicht nur Botaniker werden bei einer speziellen Krokusart namens Mundner Safran hellhörig. Dieser wird nämlich nicht nur in südlichen Ländern angebaut, sondern auch in einem kleinen Ort namens Mund im Wallis. Dass das "rote Gold" teuer ist, lässt sich erahnen. Aber auch die Beschaffung ist nicht einfach. Schließlich ernten 116 Produzenten lediglich drei Kilogramm Safran. Um praktische Insider-Tipps ist die Autorin nicht verlegen und nennt als Alternative den Kauf von vorportioniertem Safran in Supermärkten. Und visuell wird das Gewürz auf einer Doppelseite in beiden Varianten so dargestellt, dass sich jeder etwas darunter vorstellen kann. Ein ungewöhnliches - aber auch ungewöhnlich kurzweiliges Buch mit hohem praktischem Nutzwert. Ein Nachteil ist jedoch, dass die Lesbarkeit der roten Seite vor dem Vorwort (schwarze Schrift) visuell erschwert wird. Immerhin ist die Widmung"Vorsicht: Truffes du Jour bergen echtes Suchtpotenzial, sie verwandeln sich bei regelmäßigem Verzehr direkt in Hüftgold, sind aber glücklicherweise nicht an jeder Ecke erhältlich."
"Für Micha und Tim, die meine Koch- und einkaufexperimente mit Geduld ertragen haben - und für meine Mama, die michmein halbes Leben täglich toll bekocht hat!"gut lesbar.
"Es war eine riesige Befreiung, mich nicht mehr verstecken zu müssen, aber man bezahlt auch einen Preis dafür"
Tagesschau
vom 06.07.2008, 19:30
Intersexuellen-Demonstration
Die Zwitter Medien Offensive™ geht weiter!
Die Mai-Ausgabe des feministischen Magazins "an.schläge" aus Österreich hatte als Monatsthema "Intersex" inkl. mehreren Beiträgen und Interviews ( siehe Hinweis auf diesem Blog).
Online erhältlich auf an.schlaege.at ist bisher der Artikel "1-0-1 Intersex" von Bettina Enzenhofer und Julia Mac Gowan mit einigem an Klartext.
Dieser Blog dokumentiert im Folgenden das Interview mit Daniela "Nella" Truffer:
„Eine riesige Befreiung“Daniela Truffer gründete 2007 die Menschenrechtsgruppe „Zwischengeschlecht.org“. Julia Mac Gowan und Bettina Enzenhofer erzählte sie von dem Weg dorthin.
a.schläge: Welche Herausforderungen erleben Sie durch Ihre Intersexualität? Wie wirkt sich Ihre Diagnose auf Ihr Leben aus?
Daniela Truffer: Ich wurde mit zweieinhalb Monaten kastriert, obwohl ich einen schweren Herzfehler und eine geringe Überlebenschance hatte. Mit sieben Jahren wurde mein uneindeutiges Genital operativ verkleinert. Ab Zwölf musste ich weibliche Hormone nehmen. Mit 18 wurde eine Scheide gebaut, wo vorher keine war. Die Folgen dieser kosmetischen, medizinisch nicht notwendigen Eingriffe: störende Narben, wiederkehrende Schmerzen im Genitalbereich, durch die Kastration und die Einnahme körperfremder Hormone habe ich Stoffwechselprobleme und eine verringerte Knochendichte. Ich wurde immer angelogen, konnte mit niemandem reden, schämte mich furchtbar. Um überleben zu können, musste ich so tun, als würde das alles gar nicht passieren. Dank einer zehnjährigen Psychoanalyse konnte ich vieles aufarbeiten, leide jedoch immer noch an den Folgen dieser menschenrechtswidrigen Praxis. Die Herausforderung besteht darin, trotz der psychischen und physischen Schäden weiterzuleben.
Was war Ihre Motivation, sich über Zwischengeschlecht.org zu organisieren? Und welche Erfahrungen haben Sie dabei gemacht?
Als ich 2000 mit 35 Jahren via Internet andere Betroffene kennenlernte, war das wie eine Offenbarung, ich war nicht mehr allein! Ich ging zu einem ersten Selbsthilfe-Treffen in Deutschland und gründete bald darauf in der Schweiz eine Selbsthilfegruppe und die Plattform „intersex.ch“. Der Kontakt zu anderen Betroffenen half mir, dieses massive Unrecht, das wir alle erlebt haben, greifbar zu machen. Ich lernte auch andere Eltern kennen und erfuhr, dass immer noch operiert wird. Ich konnte nicht mehr so weiterleben, als ginge mich das nichts an.
2002 gab ich die ersten Interviews, zuerst anonym. Fünf Jahre später lernte ich meinen Freund und Mitstreiter Markus Bauer kennen, der viel Erfahrung mit Medien und Öffentlichkeitsarbeit hat. Als Christiane Völling uns darüber informierte, dass sie ihren ehemaligen Verstümmler anzeigen würde, wurde das Gefühl konkret, etwas bewirken zu können. Im September 2007 gründeten wir den Weblog „Zwischengeschlecht.info“, im Dezember organisierten wir die erste Zwitterdemo für Christiane Völling [1] vor dem Landgericht Köln.
Welche Konsequenzen hat es für Sie, als intersexuell „geouteter“ Mensch in der Öffentlichkeit zu stehen?
Die erste Zwitterdemo kam in der Schweizer Nachrichtensendung „Rundschau“ – plötzlich war ich im Fernsehen, Daniela Truffer, der Zwitter! Mein Umfeld war sehr betroffen und überrascht, die meisten kannten mich schon seit Jahrzehnten, wussten aber nichts von meinem „Geheimnis“. Die Reaktionen waren durchwegs positiv, viele fanden es mutig. Für meine Eltern war es nicht einfach, aber heute ist unsere Beziehung viel besser als früher. Einzig mein damaliger Arbeitgeber versuchte, mir weitere Medienauftritte zu verbieten. Als ich mich weigerte, wurde ich ein Jahr später wegrationalisiert.
Es war eine riesige Befreiung, mich nicht mehr verstecken zu müssen, aber man bezahlt auch einen Preis dafür. Irgendwie bin ich da hineingerutscht, mehr mit dem Herzen als mit dem Verstand, denn ich wollte Zeugnis ablegen, wo die meisten schweigen. Ich wollte, dass die Gesellschaft erfährt, was mit Zwittern gemacht wird. Aber den Fluch des von den Medizinern auferlegten Schweigegebotes wird man nie ganz los. Auch einige Mitzwitter haben ihre liebe Mühe damit, dass ich öffentlich Klartext rede. Von meinen Freunden und Verwandten hat sich niemand von mir abgewandt, im Gegenteil: Die meisten Beziehungen sind durch meine Offenheit intensiver geworden. Einige können jedoch nicht verstehen, dass ich plötzlich eine Aktivistin bin und meine ganze Energie dafür brauche anstatt mehr auf mich zu schauen.
Welche persönlichen und politischen Forderungen stellen Sie?
Keine kosmetischen Operationen an Kindern und Jugendlichen, jeder soll selber entscheiden können. Das Recht auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung muss auch für Zwitter gelten. Gefordert sind Politik, Staat und Gesetzgeber. Dafür kämpfe ich seit Jahren, ein Kampf, der öffentlich und politisch geführt werden muss, wenn man wirklich etwas erreichen will. Die meisten Mediziner sind leider uneinsichtig und machen einfach weiter, weshalb ich für ein Verbot von solchen Operationen kämpfe.
Was mich neben der Uneinsichtigkeit der Mediziner belastet und fertigmacht, ist, wie Zwitter von Gruppierungen politisch vereinnahmt werden, die das sogenannte Zweigeschlechtersystem kritisieren. Es schmerzt mich, dass ich verstümmelt und angelogen wurde, und nun kommen die Kritiker dieses Systems und missbrauchen mich erneut, um ihre eigenen politischen Anliegen durchzusetzen.
Ebenso schmerzt mich, wenn Zwitter, die selbst das Glück hatten, den Genitalverstümmelungen im Kindesalter zu entgehen, öffentlich im Namen aller Zwitter reden, ohne die Verstümmelungen an Kindern angemessen anzusprechen und sich der Tragweite dieser Ausgrenzung offenbar nicht bewusst sind.
[1] Christiane Völling verklagte ihren ehemaligen Chirurgen wegen Körperverletzung auf Schadenersatz. Das Schmerzensgeld wurde ihr zugesprochen. 2010 wurde ihr Buch „Ich war Mann und Frau. Mein Leben als Intersexuelle“ veröffentlicht.
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