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FOTO: Vivian Maier, Galerie Hilaneh von Kories, John Maloof Collection
In Einem Lager in Chicago wurde erst kürzlich das riesige Werk einer der begabtesten VertreterInnen der Street Photography entdeckt – posthum. Vivian Maier arbeitete als Kindermädchen und behielt ihre Leidenschaft für sich. Ihre sagenhaften Werke sind jetzt auch in Buchform gesammelt. Missy verlost zwei Mal „Street Photographer”.
Der glimmend weiße Petticoat einer Dame auf dem Weg zum Auto ihrer Verabredung, ein halbstarker Junge mit Propellerflugzeug und Boxhandschuhen in der Hand, ein skulpturenhafter Berg aus leeren Holzboxen in einem Hinterhof: Durch die Linse von Vivian Maiers Rolleiflex-Kamera wird das Chicago der 50er-Jahre zum Leben erweckt.
Bis 2009 war die Fotografin, deren Werk nun frenetisch gefeiert wird, gänzlich unbekannt. Auch deswegen gleicht die rätselhafte und verschrobene Biografie Vivian Maiers (1926–2009) noch einem nächtlichen Nebelfeld. Bis zu ihrem Tod 2009 lebte sie von ihrer minimalen amerikanischen Rente in einem Chicagoer Altenheim, ohne dass sie auch nur einen einzigen Menschen über ihr bedeutendes Oeuvre in Kenntnis gesetzt hätte. Familien, in denen sie als Kindermädchen arbeitete, beschreiben sie als einen Outcast.
Sie war eine Frau, die mit eigenbrötlerischer Manier auf die eingeschränkte Freiheit der Frau in den 50er-Jahren reagierte. Von den meisten Menschen ihrer Umgebung wurde sie deshalb als schroff und unzugänglich wahrgenommen. Die von ihr behüteten Kinder schätzten sie allerdings als zwar strenges, aber vor allen Dingen kreatives und naturliebendes Kindermädchen: Auf Jagd nach wilden Erdbeeren im Wald oder beim Inspizieren von mumifizierten Tieren war Maier den Kindern eine hervorragende Komplizin.
Mit ihrem großen Schlapphut und weitem Herrenmantel pflegte Maier an ihren freien Sonntagen durch die Straßen zu ziehen – so entstand ihr fotografisches Werk, das momentan von Kritikern in seiner Relevanz mit dem eines Henri Cartier-Bresson gleichgesetzt wird.
Ebenfalls außergewöhnlich ist die Geschichte der Veröffentlichung ihres Werkes: Die Garage, in der ihre Sachen gelagert waren, wurde noch vor ihrem Tod aus finanziellen Gründen aufgelöst, ihre Habseligkeiten zur Auktion freigegeben. Hier ersteigert ein junger Mann namens John Maloof einen Karton mit Fotografien. Auf welchem Schatz er mit diesem Kauf sitzt, begreift er jedoch erst, als er die Bilder digitalisiert, auf der Fotoplattform Flickr veröffentlicht und Lob von Kritikern aus aller Welt dafür bekommt. Kurz darauf sucht Maloof nach der Fotografin der ersteigerten Bilder: Er findet lediglich die Todesanzeige der eine Woche zuvor Verstorbenen.
Ganz im Gegenteil zum aktuellen Internetwahn, in dem jede Person KünstlerIn auf einer Blog-Plattform sein kann, ist Vivian Maier das Antonym zum Selbstdarstellungsbedürfnis unserer Generation. Der Grund für ihre Zurückhaltung bleibt jedoch unklar: War es reiner Kunstanspruch, Kontaktmöglichkeit für die Menschenscheue oder mangelndes Selbstbewusstsein für ihre herausragenden Arbeiten? Sicher ist: Das geheimnisvolle Schweigen Vivian Maiers wird noch laut in die Fotografiegeschichte tönen.
Wer gerne eins der Exemplare von “Street Photographer” hätte, sendet eine Mail mit dem Stichwort “Vivian Maier” bis zum 30.09. an [email protected].
Geboren: am 01.02.1926 in New York.
Gestorben: am 21.04.2009 in Chicago.
Bekannt als: das eigenbrötlerische Kindermädchen next door.
Hätte bekannt werden müssen als: eine der größten Fotografinnen des 20. Jahrhunderts.
Text: Dorothee Leesing, in: Missy Magazine 03/12
Dieses Statement ist aus der Perspektive der weiß positionierten Autorinnen der Mädchenmannschaft geschrieben, da diese die Verantwortung für die Ermöglichung rassistischer Reproduktionen während der Jubiläumsfeier der Mädchenmannschaft tragen. Dennoch haben Nadia, Sabine und accalmie in den letzten Tagen intensiv ihre Ressourcen und vor allem Energie zur Verfügung gestellt, in dem sie in ausführlichen E-Mails Feedback gaben und Kritik äußerten, an Texten (mit)gearbeitet und an internen Diskussionen teilgenommen haben. Im Statement ist von verschiedenen “wir” und “uns” die Rede. In den bisher geführten internen Diskussionen wurde diese Problematik mehrfach von allen diskutiert, da dies eine Differenzierung zwischen den weiß positionierten und of Color Perspektiven darstellt, mit der nicht alle Women of Color innerhalb des Mädchenmannschaftskollektives zu jedem Zeitpunkt glücklich und einverstanden sind. Wie dieser Widerspruch, unsere verschiedenen Positioniertheiten in einem gemeinsamen “wir” zu versammeln, gleichzeitg aber unterschiedliche Verantwortlichkeiten kenntlich zu machen, gelöst werden kann oder ob er überhaupt lösbar sein kann, dafür haben wir zum jetzigen Zeitpunkt noch keine abschließende Antwort finden können.
Am vergangenen Samstag kam es auf der Geburtstagsfeier der Mädchenmannschaft während der Podiumsdiskussion “Netzinitivativen” zu wiederholten rassistischen Handlungen. Wir bitten um Entschuldigung für die Duldung dieser Vorfälle, unsere unangemessene Reaktion darauf und unsere Unfähigkeit, einen safer space für People of Color herzustellen. Das war vollkommen inakzeptabel und ein Zeugnis mangelnder awareness und Vorbereitung. Wir bitten auch dafür um Entschuldigung, dass es mehrere Tage gedauert hat, bis dieses Statement veröffentlicht werden konnte und dass wir uns auch erst am Dienstag an die Podiumsteilnehmerinnen Dr. Daniele G. Daude und Julia Brilling sowie an Noah Sow, die ursprünglich als Musikerin auf der Veranstaltung gebucht war, direkt gewendet haben, als uns bereits Kritik per E-Mail von Dr. Daniele G. Daude und Julia Brilling erreicht hatte.
Gedächtnisprotokoll zur Podiumsdiskussion “Netzinitiativen”
Auf dem Podium saßen Julia Brilling für Hollaback!BLN, Dr. Daniele G. Daude für Bühnenwatch und Sandra Steinitz für Sl*twalk Berlin (im Folgenden benannt mit SW bzw. SW Berlin). Moderiert werden sollte das Podium von Anna-Sarah von der Mädchenmannschaft (MM).
Nach der Vorstellung der Initiativen durch die Podiumsteilnehmerinnen äußerten Dr. Daniele G. Daude und Julia Brilling mehrfach Kritik am Umgang der SW-Organisator_innen mit den aktuellen Blackface- und Niqab-Vorfällen auf dem SW Berlin 2012, bezogen sich dabei auch konkret auf die Debatte bei Facebook, die am Tag der MM-Veranstaltung ein besonderes Ausmaß an Zurschaustellung weißer Überlegenheitsgesten und Rassismusverharmlosung erreichte (eine entsprechende Contentwarnung gilt für den verlinkten Facebook-Thread). Kritik wurde von beiden auch am Umgang der SW-Orga mit den Kritiken aus dem vergangenen Jahr geäußert, es ging z.B. um die Problematik der Aneignung des Wortes ‘Sl*t’ (‘Schl*mp*’), weiterhin um produzierte Ausschlüsse und die Ignoranz diesen gegenüber.
Sandra Steinitz verstrickte sich in Rechtfertigungsversuche und derailte die von Dr. Daniele G. Daude und Julia Brilling geäußerte Kritik, Unmut von Teilnehmer_innen of Color und von wenigen weiß positionierten Teilnehmer_innen aus dem Publikum folgte, sowie weiterhin Kritik von Julia Brilling und Dr. Daniele G. Daude an konkreten Aussagen von Sandra Steinitz.
Im Publikum gaben sich vier bis fünf weiß Positionierte als Organisator_innen von SW Berlin zu erkennen und skandalisierten den Diskussionsverlauf, ebenfalls mit Rechtfertigungen, Abwehrhaltung und Derailing, zum Teil mit Umkehrungsrhetoriken. Julia Brilling und Dr. Daniele G. Daude reagierten, ebenso Teilnehmer_innen of Color und wenige weiß positionierte Teilnehmer_innen.
Anna-Sarah lenkte die Debatte auf ein neues Thema, doch die anwesenden SW-Organisator_innen kommentierten weiter das zuvor Gesagte und unterbrachen mehrfach. Sabine stand auf und wies eine der Organisator_innen zurecht.
Die Organisator_innen von SW Berlin äußerten sich wiederholt rassistisch und reproduzierten weiße Dominanz und Abwehr. Einige Teilnehmer_innen of Color verließen den Raum.
Nach einem Signal von und Verständigung mit Sabine stoppte Magda den Verlauf der Podiumsdiskussion mit dem Verweis, dass gerade Women of Color den Raum verlassen haben und ein Weitermachen keinen Sinn ergäbe. Ein_e Teilnehmer_in kritisierte, dass Betroffene den Raum verlassen müssen und nicht die Sl*twalk-Organisator_innen. Nach der Beendigung der Podiumsdiskussion verließ die SW-Orga den Raum besonders sicht- und hörbar, indem sie sich zudem gegenseitig Mitleid aussprachen für die “schlimme Situation”.
Noah Sow sagte daraufhin ihr Konzert ab und gab die Bühne frei für ein spontanes Panel von WoC. Auf dem Panel: Dr. Daniele G. Daude, Noah Sow und die Mädchenmannschaftsautorinnen accalmie, Nadia und Sabine. Sie äußerten Kritik am Verlauf der letzten Veranstaltung, am weiß positionierten Teil der Mädchenmannschaft als Organisatorinnen sowie ungenügender Sensibilität für safer spaces für Menschen, die von Rassismus betroffen sind. Bis auf wenige Teilnehmer_innen waren alle noch dagebliebenen Teilnehmer_innen und Organisatorinnen der Veranstaltung anwesend (etwa 50). Nach etwa einer halben Stunde war dieses spontane Panel beendet und damit gleichzeitig die gesamte Veranstaltung.
Selbstkritik
Auf der Veranstaltung wurden Rassismen reproduziert, weiße Dominanzstrategien konnten ausgeübt werden und wurden von Seiten der weiß positionierten MM-Orgas bis zum Abbruch der Veranstaltung nicht unterbunden. Dr. Daniele G. Daude und Julia Brilling erfuhren bei ihren Interventionen von den Verantwortlichen unter uns keinerlei Unterstützung. Nicht alle weiß positionierten MM-Orgas waren für die Dauer der Veranstaltung anwesend und_oder intervenierten. Lediglich Magda intervenierte auf Sabines Handzeichen hin sicht- und hörbar mit dem Abbruch der Veranstaltung. Dieser viel zu späte Stopp der Podiumsdiskussion führte allerdings auch dazu, dass Dr Daniele G. Daude und Julia Brilling auf dem Podium ihre Kritik weder an die SW-Organisator_innen, noch an die Moderation und die Veranstalterinnen des Events richten konnten und ist somit mehrfach kritikwürdig: Nicht nur wurde zu spät von den Verantwortlichen unter uns interveniert, im Augenblick der Intervention wurde auch der Raum für Kritik an der Veranstaltung und den Veranstalterinnen geschlossen. Aufgrund der Unfähigkeiten weiß positionierter Mädchenmannschaftsautorinnen mussten sich Dr. Daniele Daude und Julia Brilling, die eigentlich von uns eingeladen worden waren, um die Arbeit von Bühnenwatch und Hollaback!BLN vorzustellen, in einer Rolle auf dem Podium wiederfinden, die mit der ursprünglich vorgesehenen und von ihnen akzeptierten kaum noch etwas zu tun hatte. Diese Unfähigkeiten haben auch dazu geführt, dass wir erst einige Tage nach der Veranstaltung (und erst nachdem uns das Feedback der beiden erreicht hat) an Dr. Daniele G. Daude und Julia Brilling persönlich herangetreten sind, um für diese Zumutungen um Entschuldigung zu bitten.
Im Vorfeld der Party hatten wir Richtlinien formuliert, die in dem Veranstaltungsprogramm, welches am Samstag ausgehängt war und auch für die Besucher_innen zum Mitnehmen bereit lag, abgedruckt waren. In diesen versuchten wir deutlich zu machen, dass es sich bei #MMwird5 um eine feministische Veranstaltung handelt, die einen herrschaftskritischen Anspruch erhebt, dass wir als Veranstalterinnen diskriminierende (Sprach)Handlungen nicht dulden und im Fall von solchen Interventionen erfolgen müssen. Diese Guidelines wurden von den weiß positionierten Organisatorinnen nicht beachtet/nicht in Anspruch genommen.
Die MM-Organisatorinnen hatten bereits vor Beginn der Planungszeit für die Veranstaltung Kenntnis von den Kritiken an der SW-Bewegung, auch speziell an der SW Berlin Orga von 2012 und aus dem vergangenen Jahr. Dies war für uns jedoch kein Grund eine Einladung von SW Berlin zu #MMwird5 nicht in Erwägung zu ziehen. Auch am Tag des SW selbst hatten wir bereits Kenntnis von den Blackface und Niqab-Vorfällen. Auch das war für uns kein Grund, SW Berlin wieder auszuladen, die einen Tag später ihre definitive Zusage zur Podiumsdiskussion bekundeten. Aus der Nachfrage seitens der SW-Orga, ob sie mit zwei Vertreter_innen auf dem Podium sitzen könnten, ergab sich für uns keine interne Problematisierung dieser Forderung. Wir lehnten die Bitte der SW-Orga ab, danach kommunizierte die Moderatorin weiter mit den Podiumsteilnehmerinnen.
Am Tag der Veranstaltung erreichte uns mehrfach die Frage, ob wir nach den aktuellen Vorfällen auf dem SW und den Rassismus reproduzierenden Äußerungen die Podiumsteilnehmerin der SW-Orga nicht wieder ausladen wollen_könnten. Wir diskutierten diese Hinweise mehrfach in verschiedenen Personenkonstellationen, auch wenige Stunden vor der Podiumsdiskussion (Anna-Sarah, Sabine, Nadine), diese Diskussionen führten aber zu keinen konkreten Ergebnissen. Eine Ausladung wurde von uns in Betracht gezogen, aber nicht weiter verfolgt.
Den weiß positionierten MM-Orgas hätte klar sein müssen, dass auf der Podiumsdiskussion Rassismen reproduziert werden könnten. Die Vorfälle während des Panels kamen also für keine von uns überraschend. Wenn schon keine Ausladung von unserer Seite erfolgte, hätte also eine Erklärung, welchen Zweck wir der Diskussion in der vorliegenden Konstellation zugedacht hatten, sowie sofortige Intervention (und ggf. Ausschluss_Raumverweis) durch die weiß positionierten MM-Orgas bei den ersten problematischen Sätzen erfolgen müssen. Ersteres ist nicht passiert (weder gegenüber den Teilnehmerinnen auf dem Podium, noch gegenüber dem Publikum), letzteres erst viel zu spät. Dieses Feedback wurde auch direkt nach der Podiumsdiskussion an uns herangetragen sowie als Kritik in unserer Feedbackbox formuliert.
Der SW Berlin war zu der Diskussion eingeladen worden, weil wir Organisationen dabei haben wollten, die den Brückenschlag zwischen Online-Gründung_Planung und Offline-Aktionen schafften. Außerdem sollte es Raum für die (notwendigen) Kritiken geben. Eine Ausladung schätzten einige weiß Positionierte von uns als Paternalismus gegenüber Kritiker_innen ein. Diese Einschätzung war falsch, weil wir damit den weißen Dominanzstrategien der SW Berlin Orga Raum gegeben haben. Der Raum für Kritik wurde auf dem Rücken von PoC und anderen Betroffenen von Rassismus unsererseits bereitgestellt, weshalb die weiß positionierten MM-Veranstalterinnen Verantwortung für die ausbleibenden Interventionen und mehrfachen Wiederholungen von Rassismen und weißen Dominanzen tragen. Das Panel hätte auch ohne die Slutwalk-Orga stattfinden können. Letzten Endes lag der Fokus stärker darauf, das Panel zu organisieren und zu besetzen, als darauf, eine entsprechende awareness-Struktur zu schaffen. Das Stattfinden der Diskussion stand im Vordergrund und wir haben in Kauf genommen, dass dies auf Kosten eines halbwegs sicheren Raumes für PoC geschieht.
Unabhängig von dem Panel zeigte sich unsere geringe awareness auch darin, dass wir einen Workshop durch eine Mädchenmannschafts-Kolumnistin zugelassen haben, in dem alleinig aus einer weißen Position über Frauen in der ägyptischen Revolution gesprochen wurde und – nach Berichten – die Diskussion sich fast ausschließlich um das Thema “Kopftuch” drehte. Keine von uns war in diesem Workshop anwesend und intervenierte. Einige weiß positionierte Autorinnen und Nadia aus dem MM-Team hatten den Workshop bereits im Vorfeld diskutiert, nachdem der erste Titelvorschlag der Referentin durch das Orgateam abgelehnt worden war. Es hatte also auch in diesem Fall Bedenken gegeben, die nicht zu einschreitenden Aktionen geführt haben.
Trotz der internen Bedenken auch bei weiß positionierten Organisatorinnen der Veranstaltung bezüglich der Reproduktion von Rassismen und der Gefährdung eines in Ansätzen “sicheren” Raumes für PoC und Betroffene von Rassismus, auch – aber nicht nur – im Kontext der Podiumsdiskussion und des Workshops zur ägyptischen Revolution, wurde nur zeitweise oder im Fall des Workshops gar nicht über eine Umbesetzung der jeweiligen Veranstaltungen mit einer anderen Initiative/einer anderen Workshop-gebenden Person nachgedacht.
Insgesamt gab es keine internen Diskussionen und Arbeitsprozesse zur Gestaltung eines “sicheren” Raumes für People of Color und Betroffene von Rassismus. Die weiß positionierten Organisatorinnen von uns erwarteten nicht, dass sich dieser Raum von selbst schaffen würde, unternahmen dennoch nur wenige Anstrengungen diesbezüglich. Zwar konzipierten sie die Veranstaltung insgesamt mit einem rassismuskritischen Anspruch, wurden diesem aber nicht gerecht, weil sie ihn nicht konsequent dauerhaft und intensiv mitgedacht hatten, dementsprechend keine konkreten Maßnahmen überlegt und umgesetzt wurden.
Die weiß positionierten Organisatorinnen haben keine Struktur geschaffen, in der sich weiß positionierte Teilnehmer_innen in der (Mit)Verantwortung sahen zu intervenieren. Die Veranstaltung war trotz der Erfahrungen, dass dies nötig sein würde, nicht so vorbereitet/konzipiert, dass sich alle, die partizipieren, als verantwortlich begreifen müssen. Es gab zwar Verhaltens-Guidelines, doch wurde auf diese weder konsequent und regelmäßig hingewiesen, noch gab es genügend Personen, die konkret auf die Einhaltung geachtet haben.
Dauerhafte Arbeits- und Kritikprozesse während der Organisationsarbeit für die Veranstaltung mit den Autorinnen of Color der Mädchenmannschaft wurden nicht in Betracht gezogen, weil die weiß Positionierten nicht die Ressourcen von Betroffenen in Anspruch nehmen wollten. Wir erkennen an, dass diese Haltung eine Überschätzung unserer Kompetenzen in Sachen Rassismuskritik, Inklusions- und Raumpolitik, Unterstützungs- und Interventionspraxis darstellte, wie die Realitäten zeigen. Wir haben darüber hinaus zu spät erkannt, dass “Raum geben für Kritik am SW” und “sicheren” Raum für Betroffene von Rassismus schaffen sich nicht gegenseitig ausschließen, sondern dass es Aufgabe der weiß positionierten MM-Veranstalterinnen gewesen wäre, diesen Ort für Artikulationen möglichst frei von Rassismen zu halten oder im schlechtesten Fall sofort zu intervenieren. Wir waren nicht dazu in der Lage, einen solchen Ort zu schaffen. Dafür und für die Konsequenzen, die dies für nicht weiß positionierte Teilnehmer_innen auf dem Podium und im Publikum hatte, bitten wir um Entschuldigung.
Letztlich konnten sich auf #MMwird5 lediglich weiß positionierte Personen halbwegs sicher bewegen, eine antisexistische Infrastruktur haben wir in Teilen ermöglicht, eine antirassistische und rassismuskritische jedoch nicht. In einigen Sexismus reproduzierenden Situationen haben wir interveniert, in anderen, die wir im Nachhinein zugetragen bekamen, nicht. Diskussionen und Gespräche mit einigen Betroffenen haben wir bereits vor Ort geführt. Auch wurde auf der Veranstaltung offensichtlich, dass Themen und Positioniertheiten bezüglich der Überlagerung verschiedener Machtverhältnisse unsichtbar waren und_oder nicht genügend Sensibilität und Beachtung erfuhren.
Schlussfolgerungen
Wir haben uns in den letzten Tagen intern intensiv mit der Veranstaltung auseinandergesetzt. Dieses Statement verstehen wir nicht als Abschluss, sondern als Beginn weiterer Auseinandersetzungen mit weißen Dominanzstrategien, Privilegien und Machtverhältnissen, auch innerhalb der Mädchenmannschafts-internen Strukturen. Für uns stellen sich zum jetzigen Zeitpunkt folgende Fragen: Welche sozialen Positioniertheiten erhalten in der Konsequenz welchen und wieviel Raum bei uns? Wem ist es überhaupt möglich ohne die Gefahr weiterer Verletzungen an der Mädchenmannschaft zu partizipieren? Welche Ressourcen werden zur Verfügung gestellt, welche werden in Anspruch genommen? In welchen Situationen und in welchem Ausmaß kommen gesellschaftlich hergestellte und zugewiesene Privilegierungen zum Tragen? Wie können wir anderen Positioniertheiten mehr Raum geben bzw. Raum, den wir uns als weiß Positionierte nehmen, abgeben, ohne weiße Dominanzstrategien und Privilegierungen fortzuschreiben, Verantwortung oder Aufgaben an andere zu delegieren? Wie können interne Strukturen so gestaltet werden, dass sich die Autorinnen, die bereits Teil des Teams sind, wohl_er fühlen?
Uns ist bewusst, dass diese Fragen noch sehr allgemein gehalten sind, sie sollen erste Erkenntnisprozesse spiegeln und ständiger Anstoß für praktische Überlegungen sein. Nachfolgend haben wir uns Gedanken gemacht, wie ein erster Entwurf dieser Überlegungen aus weiß positionierter Perspektive aussehen könnte.
In der nächsten Zeit werden wir das Gespräch mit Teilnehmer_innen von #MMwird5 suchen und Feedback und Kritik in unsere Aufarbeitungs- und Reflexionsprozesse einbeziehen. Wir wollen uns konkret mit den Privilegien und Machtprozessen, die auch der (Zusammen)Arbeit der Mädchenmannschaft zu Grunde liegen, auseinandersetzen und uns vor allem auch hinsichtlich Interventionsmöglichkeiten von privilegiert Positionierten schulen. Die Ergebnisse dieser Arbeitsprozesse sollen nach Möglichkeit transparent und offen für Kritik_Interventionen gestaltet werden.
Bezüglich des Workshops “Frauen in der ägyptischen Revolution” werden wir die Kolumnistin der Mädchenmannschaft, die den Workshop gegeben hat, mit der Kritik konfrontieren und eine Stellungnahme einfordern. Sollte sich die Verantwortungsübernahme der betreffenden Workshopgeberin als weiß Positionierte in diesem Aufarbeitungsprozess nicht wiederfinden, halten wir personelle Konsequenzen nicht für ausgeschlossen.
Wir wollen zukünftig mögliche Ausschlüsse von bestimmten Personen und Initiativen schon vor politischen Veranstaltungen konsequenter diskutieren, aber auch insgesamt unsere Bündnispolitik sensibler gestalten. Dabei wollen wir transparent machen, warum wir bestimmte Initiativen/ Organisationen/ Aktionen unterstützen und warum andere nicht.
Auf zukünftigen Veranstaltungen der Mädchenmannschaft müssen wir für die Anwesenheit von Personen sorgen, die sich kontinuierlich dafür verantwortlich fühlen, diskriminierende Aussagen und Handlungen zu ahnden (Awareness-Team). Entsprechend wollen wir selbst uns nicht nur auf Mädchenmannschafts-eigenen Veranstaltungen als aktive Teilnehmerinnen in der Verantwortung und Lage sehen, zu intervenieren.
Eine Möglichkeit, uns entsprechend zu sensibilisieren, sehen wir in einem Critical Whiteness Training für die weiß positionierten Autorinnen unter uns, um uns hinsichtlich eigener Privilegien stärker zu sensibilisieren und an Interventionsmöglichkeiten und -verantwortlichkeiten praktisch zu arbeiten. Über weitere Handlungsansätze werden wir uns in der kommenden Zeit informieren und austauschen.
Abschließend wollen wir uns für die Kritik_en und Rückmeldungen, die wir im Zuge von #MMwird5 bekommen haben, bedanken, weil diese bestimmte Erkenntnissprozesse ermöglicht oder angeregt haben. Wir sind uns darüber im Klaren, dass diese Erkenntnisprozesse auf dem Rücken von People of Color und anderen von Rassismus betroffenen Personen angestoßen wurden und möchten deswegen nochmals um Entschuldigung bitten.
Anna, Anna-Sarah, Charlott, Helga, Magda, Nadine, Viruletta
Heute bin ich auf den Tag genau einen Monat in Edinburgh. Seit meinem letzten Eintrag hat sich erstaunlich wenig getan, denn die organisatorischen Abläufe in meinem Leben ziehen sich gerade wie Kaugummi.
Zunächst wäre da die finanzielle Situation in Schottland… Geld abheben und mit (Kredit/EC) Karte zu zahlen kostet jedes Mal Gebühren und allein die zahlreichen unterschiedlichen Gebühren herauszufinden hat Zeit und Nerven gekostet. Ich habe nun ein Konto in UK eröffnet, was an sich kein Problem war. Jedoch dauerte es Tage bis ich meine Kontodetails erfuhr, noch mehr Tage bis ich eine Debit-Karte hatte und noch viel mehr Tage (nämlich bis heute keine Spur davon) bis die Zugangsdaten für das Onlinebanking ankommen werden. Wahrscheinlich war es ein Fehler zu Santander zu gehen (ein ander Mal eventuell noch mehr dazu warum), aber ich möchte ungern noch ein Konto eröffnen.
Dann der nächste Brocken: Als wir einzogen war noch eine aktive o2 Internetleitung (DSL am Telefonnetz, da Kabel leider nicht verfügbar in unserer Gegend) und Router von den Vormieterinnen vorhanden. Der Vermieter meinte wir sollen diese einfach nutzen und nach dem Ablaufen einen eigenen Vertrag mit einem Provider unserer Wahl machen. Soweit so gut. Was uns nicht bewusst war: Es dauert (obwohl bereits eine Telefonleitung, Anschlüsse, usw. alles vorhanden) über einen Monat bis ein_e Techniker_in vorbeikommt um den Anschluss “freizuschalten” wenn man einen neuen Vertrag abschließt. Das Servicepersonal wird von sämtlichen Telefongesellschaften geteilt, deshalb war es auch völlig egal bei welchem Provider wir anfragten. Eines Morgens hatten wir also kein Internet mehr und der Anbieter unserer Wahl - TalkTalk nannte mir fröhlich den 24. Oktober als Termin für unseren neuen Anschluss. Bäm. Auf die Frage, was ich denn jetzt so lange ohne Internet tun sollte, kam die Antwort, dass ich ja ein Dongle verwenden könne. Nach Recherche musste ich leider feststellen, dass es höchstens Dongles mit 1-5GB Daten gibt die noch dazu höllisch teuer sind. Für einen Monat und zwei Informatiker_innen beinahe undenkbar. Ein Berater bei o2 meinte dann, wir könnten ja Tethering verwenden und einen Mobilfunkanbieter finden der Unlimited Internet anbietet, o2 gehört leider nicht dazu. Also wagten wir den Schritt zu giffgaff. Die SIM kam auch drei Tage nach Bestellung an und wir hatten wieder Internet (lustigerweise über das o2 Netz). Das ging nun auch ganze vier Tage gut bis heute eine erboste Mail eintrudelte. Wenn wir nicht innerhalb von 48 Stunden das mit dem Tethering bleiben lassen, dann wird der Internetverkehr für diese Karte gesperrt. Damit ich nun also nicht irgendwo zwischen Starbucks und Uni leben muss, habe ich zähneknirschend so ein 5GB Dongle bei Three bestellt.
Generell fällt es mir unglaublich schwer mit Menschen zu telefonieren die einen schottischen oder anderen Akzent haben. Telefonate mit irgendwelchen Providern aller möglicher lebensnotwendiger Güter sind mein persönlicher Albtraum geworden. Jedoch ist es sicher auch eine Chance Gehör und Sprache zu trainieren.
Das Studium verläuft gerade ähnlich holprig und auch nicht mehr so rosig wie anfangs. Leider war es mir nicht möglich innerhalb der kurzen Zeit (eine Woche) eine_n Supervisor für meine Bachelorarbeit zu finden. Ich habe mit verschiedenen Personen gesprochen und musste letztendlich den_die Supervisor von der Uni zuweisen lassen, da keine der Personen freie Kapazitäten hat. Das Ergebnis der Zuweisung erfahre ich morgen und dann muss ich einen “dringenden” Termin mit dieser Person wahrnehmen um mein Thema festzulegen. Ursprünglich hätte ich am Freitag eine konkrete Beschreibung des Themas einreichen sollen, was nun glücklicherweise auf nächste Woche verschoben wurde. Das Thema wird in die Richtung Security auf mobilen Geräten gehen und die Arbeit an diesem Projekt geht von jetzt bis Ende April. Die Module die ich gewählt habe (Security and Forensics Computing, Information: Society and Security) gefallen mir bisher sehr gut. Bei beiden gibt es eine 2-Stunden-Lecture pro Woche und im Anschluss ein 2-Stunden-Tutorial. Im ersten Modul besteht das Tutorial aus praktischen Versuchen mit Intrusion Detection Systemen, Sniffern und anderen Tools und Programmieraufgaben. Beim zweiten Modul ist das Tutorial eine offene Diskussion in der systematisch Szenarien durchgegangen werden. Insgesamt stehen dieses Trimester 3 Courseworks, 2 Tests und eine Klausur an, was im Gegensatz zum Studium in Deutschland angenehm überschaubar ist, da in den Laboren keine Leistungen erbracht werden müssen.

Am Freitag, dem 28. September, stellt Martin Gössl das von ihm herausgegebene Buch "Von der Unzucht zum Menschenrecht" vor. Es ist vor allem eine Quellensammlung zu lesbisch-schwulen Themen in den Debatten des österreichischen Nationalrats von 1945 bis 2002, enthält aber auch persönliche Erinnerungen von Peter Schieder und einen Beitrag zur Strafrechtsreform 1971 von Hans-Peter Weingand.
"Von der Unzucht zum Menschenrecht" - Vortrag mit Diskussion mit Martin J. Gössl
Wann: Freitag, 28. September 2012, 19:30 bis 21:30
Wo: HOSI Zentrum, Fabrikstraße 18, 4020 Linz
Eintritt: freie Spende
Aus der Ankündigung:
Martin Gössl erschließt in dieser umfangreichen Quellensammlung die Grundlagen für ein Gesamtbild der Geschichte der Lesben und Schwulen in Österreich. Die Sammlung fesselt – und das sicher nicht nur Historikerinnen und Historiker, sondern auch interessierte Laien. Ganz unterschiedliche Ansätze sind nämlich denkbar, wie dieses Buch gelesen und ausgewertet werden kann: Vom rein am Inhalt der Beiträge und jeweiligen Beschlüssen orientierten geschichtlichen Interesse bis hin zur rein an Sprache und Diktion interessierten Auswertung, wie im Hohen Haus von uns geredet wurde. Gerade Letzteres dürfte auch für ein breites Publikum sehr interessant sein, denn die Quellen lesen sich so spannend, weil sie wie Beiträge aus unvorstellbar lang vergangener Zeit klingen – und doch häufig noch ganz jungen Datums sind.
Der Band enthält zusätzlich die persönlichen Erinnerungen von Peter Schieder, der bei der Strafrechtsreform 1971 als junger APÖ-Abgeordneter beteiligt war, sowie einen Beitrag zur Strafrechtsreform 1971 von Hans-Peter Weingand, der auf neuen Material aus dem Nachlaß des damaligen Justizministers Christian Broda beruht.
Das Buch: Martin J. Gössl: "Von der Unzucht zum Menschenrecht". Eine Quellensammlung zu lesbisch-schwulen Themen in den Debatten des österreichischen Nationalrats von 1945 bis 2002, 2012. Edition Regenbogen - Studienreihe Homosexualität, Bd. 4, Ö 2012, 264 S., Broschur, € 29.00 ISBN/EAN: 978-3-902080-03-5
Links: [www.hosilinz.at]
[www.loewenherz.at]
[www.homo.at]
[www.hosilinz.at]
http://grazerfrauenrat.at/fb/sites/default/files/kalendarium/Buchpr%C3%A4sentation%20von%20Martin%20J.pdf
Das Modelabel für Lesbians & Friends – NJULEZZ - und der Verein „Notruf und Beratung für sexuell misshandelte Frauen und Mädchen e.V. Mannheim“ starteten die Initiative „Don’t fucking touch me!“ im Kampf gegen sexuelle Gewalt gegen Mädchen und Frauen. Continue reading →
NJULEZZ und Mädchennotruf starten Initiative gegen sexuelle Gewalt ist ein Artikel des Blogs • homonauten •. Einige Rechte vorbehalten!

cc filia
Mädchen und jungen Frauen eine eigene Stimme geben - damit andere zu- und hinhören. Dass möchte die Hamburger Frauenstiftung Filia mit ihrem neugegründeten Mädchenbeirat bewirken, der für eine real stattfindende basisdemokratische Partizipation der Mädchen innerhalb von Filia steht. Der Beirat setzt sich aus elf Mädchen im Alter von 14 bis 21 Jahren zusammen, die gemeinsam darüber entscheiden, welche der bei Filia eingereichten Projekte finanzielle Förderung und Unterstützung bekommen sollen. In diesem gänzlich neuen Konzept eines direkten Partizipationsrechts junger Frauen über die Projekte anderer Mädchen und Frauen wird genau hingesehen, ob innerhalb der eingeschickten Projekte auch diejenigen zu Wort kommen, die betroffen sind. Die Mädchen des Beirats wählen solche Projekte aus, bei denen andere Mädchen und Frauen ihre Stimme erheben und zeigen, dass sie laut sein können, mit ihrem Anliegen an die Öffentlichkeit möchten.
Es ist das selbstbestimmte Arbeiten, die eigenen Entscheidungsmöglichkeiten und das gemeinsame Wirken, was die Begeisterung der Mädchen im Beirat ausmacht. Das Glücksgefühl, selbst etwas mitbewirken zu können, drückt ein Mädchen so aus: „Ich bin jetzt total motiviert, weil ich weiß, dass ich wirklich was bewegen kann.“
Die vom Mädchenbeirat ausgewählten Projekte werden komplett über die Gemeinschaftsstiftung finanziert, weshalb Filia für ihre Förderung auch weiter um Spenden für die regionalen oder überregionalen Projekte bittet.
Anlässlich des 1. Internationalen Mädchentags am 11. Oktober 2012 lädt Filia und der Mädchenbeirat unter dem Motto „¡Mädchen ermutigen!“ ab 18 Uhr zu einer Veranstaltung in die Segler-Vereinigung-Altona-Övelgönne in Hamburg ein.
Die Veranstaltung wird ganz im Zeichen des neuen Mädchenbeirats stehen. Was bewegt die jungen Frauenrechtlerinnen? Welchen Sinn erfüllt die Arbeit für jede Einzelne von ihnen? Wie stehen sie zu den Problemen junger Mädchen und Frauen in ihrem Umfeld und wie schätzen sie die Lage junger Frauen global ein? Zu der Veranstaltung sind vier Vertreterinnen des Mädchenbeirats eingeladen, welche über ihre Arbeit sprechen werden. Desweiteren haben sich Vertreterinnen diverser Förderprojekte angekündigt, die sich und ihre Projekte vorstellen werden. Moderiert wird die Veranstaltung von Missy Chefredakteurin Chris Köver. Neben Präsentationen der geförderten Projekte soll es ebenfalls Raum und Zeit für Gespräche und Diskussionen geben.
Für musikalische Zwischentöne sorgt die wundervolle Hamburger Musikerin Derya Yildirim, welche die Ohren ihrer ZuhörerInnen an diesem Abend mit türkischer Musik bezaubern wird.
Wo & Wann
Alle Informationen zu Filia und der Veranstaltung am 11. Oktober findet ihr auf der Filia-Website. Die VeranstalterInnen bitten euch um eine Anmeldung bis zum 04. Oktober unter [email protected] oder unter 040 – 380 381 990.
Avant-Cello, Computerklassik, Loop-Cellistin - dies sind nur drei Bezeichnungen von vielen, mit denen Journalisten die Musik der ultra-sympathischen und pfiffigen Cellistin aus San Francisco zu beschreiben versuchen. Missy traf Zoe Keating in Berlin zum Video-Interview!
Missy Magazine interviewt: Zoe Keating from Missy Magazine on Vimeo.
Frankreich - Der Gesetzesentwurf über die Ehe für alle (ohne Einschränkung des Geschlechts) soll am 31. Oktober dem Ministerrat vorgelegt werden. Die Grundzüge des Entwurfs hat Justizministerin Christiane Taubira bereits vor zwei Wochen im Gespräch mit der katholischen Tageszeitung "La Croix" bekannt gegeben:
* Gleichgeschlechtliche Paare werden zu den gleichen Bedingungen und mit den gleichen Rechtswirkungen heiraten können wie verschiedengeschlechtliche Paare
* Sowohl die Stiefkindadoption wie die gemeinsame Adoption eines fremden Kindes wird ermöglicht
* Eine "Vermutung der Vaterschaft" (Elternschaft) bei Geburt eines Kindes in aufrechter Ehe wird es bei gleichgeschlechtlichen Paaren nicht geben
* Keine Änderungen bei der medizinisch unterstützten Fortpflanzung und Leihmutterschaft
Auf die Frage der Journalistinnen erklärte Taubira außerdem, dass es keine Ausnahmeregelung für Standesbeamte oder Bürgermeister_innen geben werde, die aus persönlicher Überzeugung gegen die Ehe für Schwule und Lesben sind: "Wir leben in einem Rechtsstaat. Das bürgerliche Recht wird geändert. Es gilt für alle, auch für Bürgermeister_innen."
Zur Ausweitung des Zugangs zur medizinisch unterstützten Fortpflanzung sagte Taubira, dass die Forderung danach von den Vertreter_innen der Zivilgesellschaft immer wieder vorgetragen werde, sie sei aber nicht Teil des vorliegenden Gesetzes über die Öffnung der Ehe. Die Leihmutterschaft soll in Frankreich jedenfalls verboten bleiben.
Am 22. September wurde von der Wochenzeitung "La Vie" ein Entwurf des Gesetzesvorschlags publiziert, der seither für Diskussionen sorgt. Er enthält die Definition: Die Ehe wird von zwei Personen verschiedenen Geschlechts oder des gleichen Geschlechts geschlossen (Art. 143), sowie die Möglichkeit der Adoption und die Regelung, dass die Eltern sich über den Familiennamen des (adoptierten) Kindes und im Fall eines Doppelnamens über die Reihenfolge einigen müssen. (Ohne Einigung bekommt das Kind den Doppelnamen in der alphabetischen Reihenfolge.)
François Hollande hatte sich im Laufe der Jahre zwar immer wieder dafür ausgesprochen, dass Lesben Zugang zur medizinisch unterstützten Fortpflanzung haben sollten, in seiner offiziellen Wahlkampfplattform war dieser Punkt aber nicht enthalten und bei Diskussionen sagte er, dass er nichts versprechen werde, das er nicht erfüllen kann.
Kritiker_innen aus den Reihen der LGBT-Gruppen sprechen nun von einem Minimalentwurf und einer enttäuschenden Alibilösung. Den Vertretern der römisch-katholischen Kirche geht er freilich viel zu weit. Sogar Papst Benedikt hat sich vor einigen Tagen eingemischt: "Die Familie ist das Fundament des gesellschaftlichen Lebens. Sie ist bedroht, weil viele falsche Vorstellungen von der Natur des Menschen haben", warnte der 85-Jährige am Freitag bei einer Ansprache vor französischen Bischöfen und erklärte, das "Existenzrecht der Familie in der Gesellschaft" zu verteidigen, sei nichts Rückwärtsgewandtes, sondern vielmehr prophetisch.
Die Ehe für alle war ein erklärtes Wahlversprechen François Hollandes und soll nach übereinstimmenden Erklärungen diverser Regierungsmitglieder noch im ersten Halbjahr 2013 realisiert werden.
Links: [www.la-croix.com]
[blog.francetvinfo.fr]
[www.lavie.fr] (der inoffiziell veröffentlichte Entwurf)
[www.lavie.fr]
[www.lefigaro.fr]
[yagg.com]
[www.kleinezeitung.at]
[www.muenchner-kirchenradio.de]
http://gayoesterreich.at/eu-europa/eu-a-europa-news/frankreich/3728-gesetzesentwurf-homo-ehe-ministerrat-frankreich.html
[www.ggg.at]
[www.thinkoutsideyourbox.net]