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Gender
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Am kommenden Wochenende findet in Göttingen wieder das bereits weithin bekannte Antifee-Festival statt. Das antisexistische und antirassistische Festival trug bereits in den letzten Jahren dazu bei, dass Debatten unter linken, emanzipatorischen Menschen fundiert wurden. Auch in diesem Jahr ist es mit einem breiten Programm präsent. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall. Nähere Informationen finden sich hier, auf den Seiten des Antifee.

Ich möchte sehr gern auf eine aktuelle sehr gute Kritik an der Philosophie Judith Butlers hinweisen - geschrieben von Magnus Klaue und erschienen in „Konkret“. Die Kritik richtet sich darauf, dass Menschen sich eben nicht einfach eine Identität an Hand vorgegebener Zeichen zusammenstellen. Vielmehr sind Menschen ganz konkreten Erfahrungen, ganz konkreter Gewalt ausgeliefert - verbunden mit Verletzungen. Das gilt auch bezogen auf Geschlecht. Und das sollte bei einer Weiterentwicklung von Queer-Theorien zentral bedacht werden! Hier kann und muss queer lernen - von feministischen, marxistischen Thorien (ein paar Anregungen gebe ich in „Geschlecht: Wider die Natürlichkeit“) und eben auch von Kritischer Theorie Adornos. Im Folgenden eine kurze Passage aus der Rezension / Kritik von Magnus Klaue:
„Indem Butler die in der neueren Psychoanalyse und im Poststrukturalismus gängige Illusion übernimmt, das Subjekt forme sich, indem es eine »Geschichte« von sich erzähle, »Identität« also narrativ erzeuge, verfehlt sie die Herausforderung, die Adornos Moralphilosophie als Versuch einer Ethik nach Auschwitz darstellt. Die Nazis haben ihre Opfer nicht »adressiert«, sondern massenhaft ermordet, und die Sorge um die »narrative Struktur« der eigenen »Ich-Erzählung« würde angesichts der NS-Mordmaschinerie zynisch erscheinen. Die Kategorie des Menschseins selbst ist in den Konzentrationslagern liquidiert worden, und es gehört ein großes Maß historischer Ignoranz dazu, wenn Butler Adornos Moralphilosophie als Versuch liest, zu bestimmen, was »menschlich sein« bedeute, ohne zu reflektieren, daß gerade die Erfahrung universaler und irreversibler Entmenschlichung Movens von Adornos Denken war. So richtig Butlers Einsicht ist, daß die Reduktion ethischer Maximen auf bloße »Selbsterhaltung« und die Verwandlung menschlicher Bedürfnisse in kodifizierte »Rechtsansprüche« von Adorno als Zeichen jener Entmenschlichung abgelehnt würden – die Behauptung, »unsere Chance, menschlich zu werden« liege darin, »wie wir auf Verletzungen reagieren«, bleibt erschreckend hilflos. »Verletzungen« – dies hat schon die Auseinandersetzung mit Rassismus und Sexismus in Haß spricht gezeigt – scheinen in Butlers Welt ohnehin vorwiegend als symbolische Verletzungen zu existieren, die sich sprachpragmatisch analysieren lassen. Daß Verletzungen auch körperlich sein können, daß der Prüfstein einer der Gegenwart angemessenen Ethik die Degradierung menschlicher Körper zu »Abfall« und »Rohstoff« sein müßte, kommt einer Philosophie nicht in den Sinn, die den menschlichen Körper nur als Fläche diskursiver »Einschreibungen« und als Objekt subversiver ästhetischer Inszenierungen kennt.“
Der gesamte Text von Magnus Klaue findet sich hier.
(PS: Ganz nebenbei wird der Begriff „Anrufung“ nach Louis Althusser in der Rezension endlich einmal richtig verwendet - und nicht so falsch (und oberflächlich) wie in so einigen aktuellen Arbeiten! - Also auch deshalb lesen!)
Zum Vatertag in Österreich sprach Liane Pircher mit Olaf Kapella, Mitarbeiter beim Institut für Familienforschung (ÖIF) und Herausgeber der Studie ‚Papa geht arbeiten‘ über die Rolle der Väter.
‚… Aber nur ein verschwindend geringer Anteil, knapp zehn Prozent, nimmt sich Karenz. Woran liegt das?
Kapella: Es wäre falsch nur anhand der Väterkarenz-Zahlen abzulesen, ob Männer gute oder schlechte Väter sind. Wir wissen zum Beispiel, dass knapp 80 Prozent der Väter grundsätzlich bereit wären, eine Zeit in Karenz zu gehen. In der Realität kippen aber die meisten Paare mit der Geburt des ersten Kindes in alte Rollenmuster. Sie rechnen sich durch, was für die Familie finanziell am besten ist, und nachdem oft die Männer mehr verdienen, ist schnell klar: Der Vater geht arbeiten, die Mutter bleibt zumindest eine Zeit lang daheim. Dazu kommt, dass gesellschaftlich nach wie vor vermittelt wird, dass die einzig wichtige Bezugsperson für das Kind die Mutter ist. Das haben auch viele Frauen so im Kopf und sie tun sich schwer, die Männer stärker ins Boot der Erziehung zu lassen. Männer mögen mit Kindern anders umgehen als Frauen, aber das ist nicht falsch. Nur anders.
Die Gesellschaft akzeptiert also nicht, dass sich Väter stärker um ihren Nachwuchs kümmern?
Kapella: So kann man es sehen. Auch wirtschaftlich ist das so. Wenn eine Frau in Karenz oder Teilzeit geht, ist das eher normal. Bei Männern ist das nicht so. Da gibt es in vielen Firmen noch Vorbehalte – trotz Rechtsanspruch. Deshalb ist es für viele Paare unmöglich, dass sie sich Erwerbs- und Familienarbeit partnerschaftlich teilen. Viele Eltern wären so weit, dass sie Familie als gemeinsames Projekt leben wollen. Es fehlt die Akzeptanz.
Was müsste sich ändern?
Kapella: Das Leben ist heute anders als vor 20, 30 Jahren. Das alte Rollenbild – Mann geht arbeiten, Frau ist daheim – ist längst im Umbruch. Heute ist es für beide Geschlechter wichtig, in der Erwerbsarbeit zu bleiben. Ein Ausstieg ist ein Risiko – auch für Frauen. Gleichzeitig braucht Familie aber Zeit. Selbst wenn Betreuungseinrichtungen vorhanden sind. Wir müssen ernsthaft hinterfragen, ob jeder Vater in leitender Position 50, 60 Wochenstunden arbeiten muss und nicht auch 30 reichen. …‘