Der Umzug
Morgen ist es eine Woche her, dass ich das Hostel verlassen habe um unsere Wohnung zu beziehen. Der Samstag war ein unglaublich anstrengender Tag, denn das ganze Gepäck musste mit dem Bus vom Stadtzentrum in die kuschelige Gegend Morningside gebracht werden. Dort konnte es zunächst bei der Familie des Vermieters untergestellt werden, da die Wohnung noch gereinigt werden sollte. Da ich sowieso zu einer Willkommens-Veranstaltung an die Uni wollte, war das erstmal okay so.
Nachdem wir zunächst zwei mal zum falschen Campus liefen (es gibt vier und die sind gar nicht mal so nah bei einander), kamen wir schließlich bei der Veranstaltung an. Dort bekam ich einen ganzen Sack voll Flyern und Informationen und besuchte eine Willkommensveranstaltung für internationale Studierende. Alles war angenehm, besonders der günstige Starbucks auf dem Campus, bei dem ich mir ein Sandwich genehmigte. Als wir dann sämtliche Stände durch hatten, gingen wir in den Supermarkt um Reinigungsmittel und solche Dinge zu kaufen die in einer Wohnung auf jeden Fall benötigt werden. Anschließend war es endlich so weit: wir durften unser ganzes Gepäck drei Stockwerke hochschleppen und aufatmen.
Die Wohnung ist wunderschön und hat Schlafzimmer, Flur mit Abstellkammer, Wohnzimmer mit Küche, Bad und einen “Boxroom”, also einen kleinen Raum, den wir mittlerweile zum Arbeitszimmer ernannt haben. Für unsere Zwecke ist das alles mehr als ausreichend und tollerweise sind auch sämtliche Dinge wie Staubsauger, Wasserkocher, Waschmaschine usw. alles vorhanden.
Dem Einzug folgte ein Lebensmittelgroßeinkauf und da wir feststellen mussten, dass es keine Kissen und Decken gab, eine Reise zu Ikea. Ladenschluss war 15 Minuten nach unserer Ankunft und da wir blöderweise für die Anreise die kürzeste Zeit planten, durften wir auf dem Hinweg ewig neben einer vielbefahrenen Straße außerhalb von Edinburgh entlanglaufen. Hektisch pakten wir die günstigsten warmen (wie teuer Decken sind!) Decken und Kissen ein und standen zum Ladenschluss auch endlich an der Kasse. Dort versuchten wir mit einer Kreditkarte zu zahlen, die das ganze Kassensystem lahmlegte, was uns zum Ende eines anstrengenden Tages gerade noch gefehlt hat. Zum Glück sind die meisten Menschen hier sehr freundlich und somit war uns das nur ein kleines bisschen peinlich.
Einleben in der Wohnung
In den darauf folgenden Tagen waren wir noch mal bei Ikea und haben auch noch ein paar andere Läden aufgesucht um unseren Haushalt zu vervollständigen. Außerdem haben wir einen Putzplan aufgestellt. Der Vermieter hat uns besucht um den Rest der Kaution zu erhalten und die Details wegen Miete, Strom, Wasser, Internet und Gas zu besprechen. Zwischeinzeitig haben wir ein wenig mit dem Abwassersystem (Toilettenspülung, zwei Wasserhähne …) zu kämpfen gehabt, bzw. mehr Kopfschütteln als Kampf. Außerdem gab es einen Zwischenfall mit dem Rauchmelder. Dieser ist nämlich sehr nahe am Gasherd positioniert und die Lüftung über dem Herd funktioniert derzeit nicht. Das hat dazu geführt, dass unser erstes Mittagessen nur unter extremem Lärm zuzubereiten war. Beim Versuch die Batterie zu entfernen, hat sich Steffen dann an der Lampe daneben den Arm verbrannt, was mit einem *Puff*-Geräusch einherging und uns beiden einen kleinen Schreck eingejagt hat.
Erledigungen und Studium
Am Montag morgen fand die Einführungsveranstaltung zu unserem Studiengang statt. Diese war, wie aus Deutschland gewohnt, recht oberflächlich an wirklich nützlichen Informationen und wie vom Studiengang Informatik gewohnt, eher so ein bisschen in Richtung friss oder stirb. Aber es war insgesamt okay und wir konnten uns die restlichen Informationen dann doch noch irgendwo zusammenklauben. Im Rausgehen registrierte ich mich gleich bei Allgemeinmediziner_innen und nachmittags fand dann endlich die Immatrikulation statt. Im Anschluss daran konnte ich endlich ein Bankkonto eröffnen und eine Monatskarte für den Bus kaufen. Leider dauert das mit dem Konto noch immer an, da es Ewigkeiten dauert, bis alle Unterlagen den Weg zu mir nach Hause finden.
Es folgten diese Woche noch drei Veranstaltungen zur Bachelor-Arbeit (Themenfindung, Literatursuche, Projektmanagement) und ein Gespräch mit einem potentiellen Supervisor. Dieser musste mich aber leider enttäuschen, da er schon sechs Projekte betreut, ist aber bereit mir bei der Themenfindung zu helfen und mir anschließend einen Supervisor zu suchen. Ich habe mich nun für die Module “Security and Forensic Computing” und “Information - Society and Security” eingeschrieben und möchte auch eine Arbeit in diesem Gebiet schreiben. Die Module gehen nun erstmal bis Ende Dezember und Ende Januar muss ich dann zwei weitere Module belegen. Das Projekt (Bachelorarbeit) geht über beide Trimester.
Freshers Week
Zu Beginn eines Studienjahres gibt es für die Anfänger_innen immer eine Freshers Week mit allerlei Parties und Veranstaltungen. Wir haben recht schnell beschlossen nicht die komplette Woche zu buchen, da die Veranstaltungen (Schaumparty und sowas) nicht alle so wirklich toll klangen. Daher besuchten wir zunächst die erste Feier, bei der es kostenlose Burger gab und vor allem sehr junge Leute waren. Einen Tag später waren wir auf einer Comedy-Veranstaltung die leider ziemlich unterirdisch war. Wieder sehr junges Publikum und “Witze” die vor Sexismus und anderem Müll nur so trieften. Nein danke, dachten wir uns nach einiger Zeit und machten uns davon. Gestern waren wir dann noch beim Pub Crawl was hingegen ziemlich angenehm war. Lediglich die Party danach endete in einem Club, wo mir Frauen in Unterwäsche zur Begrüßung Lollis servierten. Fünf Minuten nach Betreten des Clubs kam eine der Damen zu uns und erkundigte sich danach, ob wir uns für Samstag auf die Gästeliste setzen wollen. Ich entgegnete: “no, thanks!” und sie zog mit fassungslosem Gesicht davon. Wir verließen daraufhin den Club um dort mit ziemlicher Sicherheit nie wieder einen Fuß hinein zu setzen.
Ansonsten
Es ist wunderschön hier und ich bin sehr verliebt in die Stadt. Alles was ich an Problemen anfasse löst sich mit einer gewissen Leichtigkeit auf. Während es mir in Deutschland oftmals so vorkam, als ob Probleme oder Stress und Arbeitsaufwand erst so richtig anfingen wenn ich zu einer Stelle (z.B. an der Hochschule, Behörde, Bank) ging um das Problem zu lösen, ist es hier genau so wie es sein soll: hingehen, Lösung bekommen, glücklich gehen.












