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Interpretation von Statistiken sollte zu einer wichtigen Kompetenz von Journalist_innen gehören, die zu eben jenen berichten. Leider scheint das aber nur selten der Fall zu sein und anstatt offensichtliche Ergebnisse zusammenzufassen, werden Zahlen irgendwo in einem Spektrum zwischen “missverständlich” und “absolut falsch” eingeordnet.
So ist es auch Anfang der Woche geschehen als die dpa eine Meldung zur Berliner Kriminalstatistik 2011 veröffentlichte, die schnell auch von anderen Medien aufgergriffen wurde. Dabei beschäftigte sich die dpa mit den Zahlen zu “Häuslicher Gewalt”. Die reißerische Überschrift, die jedes Maskulistenherz höher hüpfen lässt: “Immer mehr Männer von ihren Frauen verprügelt”. Doch was genau veranlasst die dpa zu dieser Schlussfolgerung? Tatsächlich gibt es einen geringen Anstieg bei weiblichen Tatverdächtigen von 21,2% in 2007 auf 24,7% im Jahr 2011. Über drei Viertel der Täter_innen sind also weiterhin Männer! Und auch lässt die steigende Zahl von weiblichen Tatverdächtigen nicht unbedingt Schlussfolgerungen zum Geschlecht der Opfer zu. Darüber hinaus schreibt B.I.G. e.V., die auch eine ausführlichere Richtigstellung zu der Meldung veröffentlicht haben:
Die Erfahrung zeigt außerdem: häufig sind die durch Männer zur Anzeige gebrachten Taten durch Frauen keine Erstangriffe, sondern Reaktionen auf die von den Männern selbst ausgeübte Gewalt.
Neben der Aussage, dass mehr Frauen gewalttätig würden, stürzte sich die dpa (und somit alle schnell weiterverbreitenden Medien) auch auf die Zahlen zu den erfassten Nationalitäten der Tatverdächtigen. Auch hier suggeriert die dpa Ergebnisse, die die Statistik so nicht hergibt. Da schwafelt sie etwas von “kulturellen Hintergründen” und meint natürlich nicht den oftmals weißen, eventuell christlichen Hintergrund der häufigsten Täter_innengruppe: Deutsche Männer.
Denn eigentlich kann die Statistik nur mit einer Überschrift passend zusammengefasst werden (wie es B.I.G. e.V. auch tat): “Die meisten Täter häuslicher Gewalt sind männliche Deutsche”.
>>> NEK-CNE: Anhörungen 2011-2012 >>> Redebeitrag zur Anhörung vom 15.12.11
Als Reaktion auf 2 von Zwischengeschlecht.org initiierte
parlamentarische Vorstöße führte die schweizerische Nationale
Ethikkommission im Bereich der Humanmedizin (NEK-CNE) im Auftrag des
Bundesrates nicht-öffentliche
Anhörungen zum Thema "Intersexualität/DSD" durch. Die Stellungnahme sei
inzwischen fertiggestellt und dem Bundesrat übergeben worden, der über den
Zeitpunkt einer Veröffentlichung entscheide.
In einer schriftlichen Vorab-Stellungnahme hob Zwischengeschlecht.org aus der Perspektive von Betroffenen von kosmetischen Genitaloperationen im Kindesalter zentrale Fakten heraus, darunter Zahlen und Zitate zur fehlenden Einsicht der Behandler sowie (nachfolgend) Verstösse gegen die Verfassung und von der Schweiz ratifitierte Menschenrechtsabkommen. Weitere Teile der Stellungnahme werden in loser Folge erscheinen.
Nationale Ethikkommission im Bereich der Humanmedizin (NEK-CNE)Schriftliche Stellungnahme von Zwischengeschlecht.org, 8.12.2011:
Kosmetische Genitaloperationen bei Kindern und Jugendlichen mit „uneindeutigen“ körperlichen Geschlechtsmerkmalen (Intersexualität/DSD)
Anhang 1: Verstoss gegen Menschenrechte
a) Körperliche Unversehrtheit
"Unfortunately the surgery is immensely destructive of sexual sensation
and of the sense of bodily integrity." ["Unglücklicherweise sind diese
Operationen ungeheuer destruktiv für das sexuelle Empfinden und für das Gefühl
der körperlichen Unversehrtheit."]
Cheryl Chase: Letter. In: Sciences, July/August 1993, S. 3.
[online]
"Wir erachten genitale Zwangsoperationen für ein schweres Verbrechen,
das gegen die Menschenrechte auf körperliche Unversehrtheit, Selbstbestimmung
und Würde verstösst."
Amnesty Schweiz (2010), [www.queeramnesty.ch]
"Dies wird als fundamentaler Verstoß gegen die Menschenrechte (Recht auf
körperliche Un- versehrtheit, auf Selbstbestimmung und Würde und auf
Nicht-Diskriminierung) gewertet, da solche Maßnahmen in den allermeisten
Fällen aus medizinisch-gesundheitlicher Sicht kei- nerlei Begründung
haben."
Amnesty Deutschland (2010), [www.mersi-hamburg.de]
"Ein zentraler Punkt ist das Recht der Betroffenen auf körperliche
Unversehrtheit. [...] Hier findet das Elternrecht seine Grenzen und auch dies
spricht dafür, mit solchen Eingriffen so lange wie möglich zu warten, damit
die betroffenen Intersexuellen selbst entscheiden können."
Deutscher Ethikrat (2011), [diskurs.ethikrat.org]
b) Nürnberger Kodex, Deklaration von Helsinki, UN-Kinderrechtskonvention
ISNA's Amicus Brief on Intersex Genital Surgery (1998), Punkt
12.
[www.isna.org]
c) UN-Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form der Diskriminierung der Frau (CEDAW)
Schattenbericht Intersexuelle Menschen e.V. (2008),
http://intersex.schattenbericht.org/public/Schattenbericht_CEDAW_2008-
Intersexuelle_Menschen_e_V.pdf
Concluding Observations (2009), siehe: [faz-] community.faz.net/blogs/biopolitik/archive/2009/02/20/deutschland-ger-252-gt-menschenrechte-von-
zwittern-werden-ignoriert.aspx
d) UN-Übereinkommen gegen Folter
(CAT)
Schattenbericht Intersexuelle Menschen e.V. (2011),
http://intersex.schattenbericht.org/public/Schattenbericht_CAT_2011_Intersexuelle_Menschen_e_V.pdf
Pressemitteilung CAT (2011): "Verstümmelung",
"Zwangsoperationen" und "nicht notwendige Operationen", ">[httpNewsByYear_en%20%29] http://www.unog.ch/unog/website/news_media.nsf/%2 [httpNewsByYear_en] %29/5E9C56AC5E294D50C125793E0044841D?OpenDocument
e) Höchstpersönliche Rechte
"Ein medizinischer Eingriff braucht die Zustimmung der betroffenen
Person. In der Regel können die Eltern für ihr Kind zustimmen.
Geschlechtszuweisende Operationen aber tangieren die höchstpersönlichen
Rechte und dürfen nicht ohne Zustimmung des betroffenen Kindes vorgenommen
werden – ausser es ist medizinisch notwendig."
Prof. Dr. Andrea Büchler (2008),
[www.tagesanzeiger.ch]
"Hier findet das Elternrecht seine Grenzen und auch dies spricht dafür,
mit solchen Eingriffen so lange wie möglich zu warten, damit die betroffenen
Intersexuellen selbst entscheiden können."
Deutscher Ethikrat (2011), [diskurs.ethikrat.org]
Auch explorative Studien weisen darauf hin, dass Eltern hier nicht in der Lage sind, das Wohl des Kindes und seine Rechte adäquat zu vertreten:
Suzanne J. Kessler: "Lessons from the Intersexed", New Brunswick and London: Rutgers University Press 1998, S. 100-103
Yvonne Cavicchia-Balmer: "Information, Aufklärung und Entscheidungsfindung von Eltern bei der Geburt eines Kindes mit uneindeutigem Geschlecht. Eine explorative Studie", Bachelor-Arbeit Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, November 2010
>>> NEK-CNE: Anhörungen 2011-2012 >>> Redebeitrag zur Anhörung vom 15.12.11>>> Medizinische
Verbrechen an Zwittern
>>>
Genitalverstümmelungen in Kinderkliniken – eine Genealogie der Täter
>>> 150 Jahre
Menschenversuche ohne Ethik und Gewissen
Mit dem Suchen ist das so eine Sache. Irgendwie gehört doch immer ein bisschen Glück dazu, um am Ende das zu finden, was man eigentlich sucht.
Wenn ich meinen Wohnungsschlüssel wieder einmal vermisse, suche ich zuerst an Stellen, an denen ich ihn üblicherweise hinlege, wenn ich zur Wohnungstür reinkomme. Auf meinem Regal, der Waschmaschine oder dem Schreibtisch. Manchmal hänge ich ihn an die Türklinke oder werf ihn zurück in die Tasche. Wenn der Schlüssel allerdings nicht an diesen Stellen zu finden ist, wundere ich mich erst einmal. Dann wird die Suche etwas panischer. Ich renne in meiner Wohnung umher und lasse meinen Blick hektisch überall entlang schweifen. Irgendwann schaue ich in irgendwelche Schubladen. Wenn ich ihn dann nicht sofort sehe, werde ich noch hektischer und zerwühle den Inhalt der Schubladen und verteile ihn vielleicht sogar auf dem Fußboden. Die Suche bleibt in diesem Moment nach wie vor etwas panisch. Irgendwann kommt dann der Punkt, an dem man sich selbst zur Ruhe ermahnt und alles noch einmal langsam und ganz genau absucht. Das Absurde ist, dass man mit all diesen Strategien den Schlüssel finden kann. Eine Garantie, dass man ihn findet, gibt es allerdings nicht. Vielleicht ist er ja wirklich einfach nicht da. Aber in den meisten Fällen findet man ihn auch. Man muss eben nur suchen. Sicherlich gibt es einige Strategien, die logisch erscheinen und Erfolg versprechen, wie zum Beispiel zuerst an den Stellen zu suchen, die man üblicherweise als Ablageplatz nutzt.
Ich suche einen Mann. Seitdem ich mich das erste Mal mit 17 verliebt habe, weiß ich, ich bin der Typ für eine feste Beziehung. Und sind wir doch mal ehrlich: niemand ist gern allein. Natürlich hat jeder einmal die Phase, in der er oder sie sich nicht festlegen oder binden will. Vielleicht nach einer anstrengenden Trennung oder weil man einfach ein Freigeist ist. Doch irgendwann bekommt jeder das Bedürfnis nach Nähe. Dieses Bedürfnis muss letztendlich ja nicht in einer monogamen Beziehung manifestiert sein. Das entscheidet letztendlich jeder selbst. Ich brauch mich also eigentlich auch nicht erklären, denn dieses Bedürfnis nach Nähe kennt jeder Mensch. Leider hatte ich noch nie eine Beziehung. Keine zwei Wochen, keine zwei Monate, keine zwei Jahre.
Meine Freunde sagen mir in letzter Zeit immer, ich solle nicht suchen. Eine Frau, die krampfhaft sucht, schreckt nur ab. Ich frage mich dann immer was das sein soll? Dieses krampfhafte? Weil ich weiß, was ich will, bin ich verkrampft? Es ist nicht so, dass ich einen Mann brauche. Wozu auch? Ich bin 33 und kann mich selbst versorgen. Ich habe ohne jede fremde Hilfe einiges in meinem Leben erreicht. Auch alleine sein fällt mir nicht schwer. Ich habe nicht den Drang, mich ständig mit Menschen umgeben zu müssen, weil ich mich selbst nicht ertrage. Ganz im Gegenteil: ich bin oft froh, wenn ich meine Ruhe habe. Ich brauche also keinen Mann. Aber ich will einen. Also wieso nicht suchen? Würde es um einen Job oder eine Wohnung gehen, würde doch jeder sagen: gib nicht auf! Du wirst finden, was du suchst! Genau wie deinen Schlüssel. Irgendwann taucht er einfach auf. Doch eine Garantie gibt es nicht. Man kann auch sein ganzes Leben lang suchen. Dabei sollte man allerdings auch nicht außer Acht lassen, dass man vielleicht sogar gesucht wird. Dass man selbst für jemand anderen der Haustürschlüssel ist. Dann kommt allerdings auch die Frage, ob man wirklich ins Schloss passt.
Contentwarnung: In einigen der folgenden Meldungen und den entsprechenden verlinkten Texten wird sexualisierte Gewalt thematisiert.
Leider beginnen wir heute mit einer traurigen Nachricht: Die Künstlerin, Kunsthistorikerin und Literaturwissenschaftlerin Gudrun Ankele ist verstorben.
Die neue an.schlaege ist draußen zum Thema ”Feministische Arbeitsutopien” inklusive einem tollem Artikel über “Fünf Jahre Mädchenmannschaft!“. Vielen Dank dafür!
Auf xojane schreibt Lesley, warum es ok ist, den eigenen Körper nicht rund um die Uhr zu lieben - und warum diesbezügliche Forderungen nicht automatisch empowernd sind.
Ein neues Projekt namens It gets fatter (“Es wird fetter”) befasst sich aus einer queeren Perspektive mit Körpernormierungen und Dickenfeindlichkeit und kämpft für ein positiveres Körpergefühl. Eines der ersten Videos behandelt das Thema Gesundheit und Dicksein.
It Gets Fatter - Health & Fatness from It Gets Fatter on Vimeo.
Es gibt nun eine Online-Petition zur Anerkennung der Verbrechen gegen die “Trostfrauen”.
In den USA hat der Wahlkampf begonnen. Auf ihrem derzeit laufenden Parteitag werben die Demokrat_innen dabei insbesondere um die Stimmen von Schwulen und Lesben, meint queer.de beobachtet zu haben.
Eigenartig, was der NDR so unter “Gleichstellung von Mann und Frau” zu verstehen scheint, findet die taz. Außerdem berichtet sie über die Pläne von EU-Justizkommissarin Viviane Reding für eine Frauenquote in den Aufsichtsräten von Konzernen. Und die taz zum Dritten: beleuchtet die aggressive maskulistische Kampagne gegen feministische Perspektiven in der Wikipedia.
Wie die ohnehin eher virtuelle Trennung zwischen Online- und “echter” Belästigung von Gamerinnen sich bisweilen auflöst, steht bei npr.
Dass sich Todd Akin den hanebüchenen Mist vom angeblichen Schwangerschaftsabwehrmechanismus des Körpers nach einer Vergewaltigung nicht komplett selber ausgedacht hat, legt dieStandard dar. Außerdem berichtet dieStandard über zwei interessante Untersuchungen und deren Ergebnisse - einmal zum Ehegattensplitting, einmal zu weiblichen Führungskräften.
Die Neuregelung des gemeinsamen Sorgerechts nicht miteinander verheirateter Eltern kommentiert Edith Schwab, Vorsitzende des Verbands alleinerziehender Mütter und Väter.
Wie die Ideen hinter ‘Open Source’ unsere Welt verändern, erläutert Programmiererin und Bloggerin Alex Bayley im Interview mit derStandard.
Einen Unterstützungsbrief an die inhaftierten Aktivistinnen der Band Pussy Riot schreiben? Hier ist eine nützliche Anleitung, wie vorzugehen ist, damit er auch richtig ankommt.
Immer immer wieder: tödliche Gewalt gegen Schwarze Trans*-Frauen. The Root fragt sich: Wo bleibt eigentlich der kollektive Aufschrei?
Professur trotz besserer Qualifikation nicht bekommen - Juristin klagt wegen Diskriminierung. Skandalös dabei auch: Die Gleichstellungsbeauftragte wurde mittels Disziplinarverfahren gezwungen, ihre Aussage zurückzuziehen, dass die Mutter diskriminiert worden sei, berichtet die Zeit Online.
Call for Music: Die nächste Riot Grrrl Berlin-Compilation steht ins Haus, und eure Musik sollte unbedingt dabei sein.
Nach dem Klick noch allerhand Termine:
Die Mädchenmannschaft ist von September bis November viel unterwegs.
Der österreichische Kongress zu Datenschutz, Netzpolitik und freien Netzen findet am 8. und 9. September 2012 im Kabelwerk, Wien statt - und bietet neben Infos zur Fluggastüberwachung oder Urheberrechtsdiskussionen auch einen Vortrag zu Netzfeminismus.
Die ARGE Dicke Weiber beendet ihre Sommerpause und trifft sich wieder am Freitag, den 14. September 2012 um 17 Uhr in der FZ-Bar Wien - eine gute Gelegenheit, dort einzusteigen oder einfach mal unverbindlich vorbeizuschauen. Jede dicke Frau ist herzlich willkommen!
Ebenfalls in Wien: die FrauenSommerUniversität 2012 vom 19. bis 22. September.
Am 9. September um 18 Uhr wird in Gütersloh bei Trotz Allem e.V. die Ausstellung ‘Sexuelle Gewalt in der Kindheit aus der Sicht von Überlebenden’ eröffnet. Sie läuft bis zum 23.9.
Am 9. September ist ohnhein einiges los:
In Halle veranstaltet qu(e)er einsteigen einen Workshop zum Zustimmungskonzept. In Berlin bei der Heinrich Böll Stiftung gibt es die Performance ‘PUSSY RIGHT. Eine Textcollage zum Moskauer Punkprozess‘.
Nochmal Berlin und Böll-Stiftung: Am 12. September gibt es einen Workshop u.a. mit dem US-amerikanischen Autor und selbsterklärten Feministen Michael Kimmel. Gefragt (und möglicherweise beantwortet) wird: Wie wird man(n) Feminist?
Nochmal Berlin, diesmal Rosa Luxemburg Stiftung: Am 10. Oktober referiert Tanja Abou über Möglichkeiten, Widersprüche und Grenzen in der Bildungsarbeit zu „Klassismus“
Der junge Palästinenser Tarek sieht keinen anderen Ausweg, als mit einem Selbstmordattentat mitten auf dem Markt in Tel Aviv die Ehre seines Vaters zu retten. Doch die Selbstzündung misslingt. So gewinnt er zwei Tage Lebenszeit, in denen er die jüdische Kultur und die unterschiedlichsten Menschen kennen lernt. Er rettet die suizidgefährdete Frau des störrischen Elektrohändlers Katz und verliebt sich in die wunderschöne wie wütende Jüdin Keren.
Obwohl Tarek und Keren mit ihren eigenen Geschichten beschäftigt sind, bahnt sich die Liebe ihren Weg. In Tel Aviv beginnen zwei Tage voller Hoffnung und der Ahnung eines Neubeginns …
„Alles für meinen Vater” ist das berührende Kinofilmdebüt des Regisseurs Dror Zahavi, der mit dieser Geschichte hoch emotional vom tragischen israelisch-palästinensischen Konflikt erzählt.
Zu sehen ist der Film heute im FilmMittwoch im Ersten um 20:15 bei ARD.
Neuer Chef und alte Leier: Die Brigitte könnte demnächst wieder zu Profi-Models zurückkehren. Von der 2009 angekündigten “Revolution” war bereits nach wenigen Wochen Schluss, als Leserinnen empfohlen bekamen, Weihnachten möglichst spaßfrei zu verbringen. Um bloß nicht zuzunehmen. Soviel zu mehr Vielfalt, aber von der war sowieso nicht viel zu sehen. Profis waren eure Models nicht, aber immer noch weiß, jung, schlank, etwas sportlich, aber nicht zu sehr. Ihr nanntet das “normal”.
Diese Frage stellen sich seit einiger Zeit im Internet auch viele Menschen. Im August begann Journelle, Fotos von sich in Oberbekleidung bei Instagram und Facebook hochzuladen - als Gegenentwurf zu den photogeshoppten Bildern, die tagtäglich auf uns einprasseln. Andere Bloggerinnen und ein Blogger “machten mit” (eine konkrete Aufforderung zum Auffordern gab es nicht) und markieren die Bilder und Tweets mit dem Zahlendreher #609060. Inzwischen ist daraus eine breite Diskussion geworden, die sich leider auf die Verwendung des Wortes “normal” konzentriert. Denn die meisten, die mitmachen, sind immer noch recht nah dran an Schönheitsidealen.
Dabei kommt schon quasi gebetsmühlenartig: Anders als bei Brigitte, bei denen eine Moderedaktion Models und Kleidung aussucht, könne hier jede_r einfach so mitmachen. Tun aber viele nicht. Die Frage nach dem “Warum” stieß birtona schon einmal an, die Antworten waren leider übersichtlich. Anke Gröner verwies darauf, dass Bilder dicker Menschen auch auf Seiten landen, die sich in Haß und Lästerei ergießen. Nur weil es außer einer Kamera und Internetzugang keine offensichtlichen Hürden gibt mitzumachen, heißt es noch lange nicht, dass keine da sind.
Denn je weiter entfernt Menschen vom Schönheitsideal sind, umso mehr Kritik müssen sie einstecken, wenn sie sich der Öffentlichkeit aussetzen. Allein die Erwähnung eines Modeblogs für Kopftuchträgerinnen reicht aus, eine generelle Debatte auszulösen, ob alle muslimischen Frauen unterdrückt sind. Alte und behinderte Menschen gelten immer noch als “eklig“, wie der Haspa-Skandal zeigte. Wundert es da wirklich jemanden, wenn eine Kopftuchträgerin sich das nicht nur einmal, sondern zehnmal überlegt und am Ende doch nicht mitmacht? Weil ihr vermutlich gleich noch eine Debatte über “den Islam an sich” aufgedrückt würde und sie vielleicht sogar beschimpft und bedroht werden würde? Weil ihr Foto nicht einfach das einer “normalen Frau” wäre.
Deswegen greift “macht doch einfach mit” zu kurz. Was es braucht, ist die Anerkennung möglicher Probleme, Bedenken und Zugangshürden. Und die Versicherung, dem vorzubeugen und zu helfen. Ganz verhindern lassen sich Anschuldigungen und Beleidigungen leider nicht, aber man kann zumindest vorher signalisieren, den Betroffenen beizustehen. Wenn dann immer noch Menschen nicht mitmachen wollen, zeigt es vor allem eins: Das noch lange nicht alle “normal” sind.
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Kommentarhinweis: Auch hier gilt natürlich, beim Thema zu bleiben und das ist weder die Frage ob alle muslimischen Frauen unterdrückt werden oder behinderte Menschen doch eklig sind. Derartige Kommentare werden nicht freigeschaltet.
Es ist ein fulminantes Aufeinandertreffen der musikalischen Superlative - an ein und demselben Abend, an ein und demselben Ort spielen Vera Kropf von Luise Pop, Candelilla aus München, Half Girl aus Berlin und das Doctorella DJ-Team. Tja, die Girls are back in town!
Sie spielen, um die Stadt aus der Hand des etablierten Mucker-Klüngels zu befreien, um den Macho-DJs die Pulte zu entreißen und zu zeigen, was leider auch im Jahre 2012 noch immer gilt: In den meisten Bands spielen Typen, doch sie wissen nicht, was sie tun. Und wer nicht kommt? Der hat Angst.
Candelilla veröffentlichen demnächst ihr erstes Album: “HeartMutter” heißt es. Produziert hat das Stück Steve Albini. Das ist deshalb interessant, weil der Herr zuvor schon PJ Harvey oder Nirvana produziert hat. Ein gutes Zeichen für die Münchner Band, die es seit 2001 gibt. Was am Ende daraus geworden ist? Hier könnt ihr mal lunschen:
candelilla 23/33 from candelilla on Vimeo.
Besonders umtriebig an diesem Abend ist Vera Kropf, die im Alleingang ihre Band Luise Pop vertritt und sich anschließend noch als Gitarristin bei Half Girl einmischt. Um den Gesang kümmert sich hier die Britta-Bassistin Julie Miess. Bam!
Diesem Staraufgebot an Musikerinnen bleibt eigentlich nichts mehr hinzu zu fügen. Außer vielleicht: Euch. Kommt zahlreich! Und all diejenigen, die sich am heutigen Mittwoch nicht in Berlin herum treiben, sei gesagt: Candelilla sind auf Tour durch Deutschland! Alle Termine dazu gibt es hier. Hingehen lohnt sich nicht nur wegen der Musik, sondern auch wegen der wunderschönen Hefte, die Candelilla in diesem Sommer produziert haben und auf ihren Konzerten verkaufen.
Jetzt ist aber auch mal wieder genug des Lobes. Ihr seht: Wir sind in love!
Wann & Wo
05. September, 21 Uhr, ://about blank, Berlin.

cc Michael Hardy
Vor wenigen Tagen erreichte uns die traurige Nachricht vom Tod Shulamith Firestones, die im Alter von nur 67 Jahren in New York verstorben ist. Firestone, die bereits seit Jahrzehnten zurückgezogen und beinahe vergessen lebte, war eine viel zitierte, feministische Autorin und Gründungsmitglied der New York Radical Women, der Redstockings sowie der New York Radical Feminists. Als Kind jüdischer EinwandererInnen wächst sie in Missouri auf, studiert am Art Institute of Chicago und veröffentlicht mit nur 25 Jahren ihr Hauptwerk The Dialectic of Sex: The Case for Feminist Revolution, in Deutschland erschienen als Frauenbefreiung und sexuelle Revolution. In The Dialectic of Sex beschäftigt sich Firestone mit der Geschlechterungleichheit, die ihrer Meinung nach durch die von den patriarchalen gesellschaftlichen Strukturen instrumentalisierten biologischen Differenzen zwischen dem männlichen und weiblichen Geschlecht herrührt. Im Grunde trage Schwangerschaft und Kindererziehung daran Schuld, dass Frauen in einer patriarchalen Gesellschaft benachteiligt würden. Somit liege der Schlüssel für die Behebung bestehender Ungleichheiten in der Verlagerung der Reproduktionsaufgaben in die Labore der Welt. Firestones Überlegungen sind deutlich an die Kritische Theorie sowie an Karl Marx, Sigmund Freud und Simone de Beauvoir angelehnt, deren Ideen Firestone zu einer radikal-feministischen politischen Theorie synthetisiert.
Wie auch Valerie Solanas in ihrem SCUM Manifesto ein paar Jahre zuvor, spricht sich Firestone in The Dialectic of Sex für eine vollkommene Automatisierung des Reproduktionsprozesses aus. Für diese utopischen Forderungen erntet sie harsche Kritik, auch innerhab feminitischer Zirkel. Eine Verrückte, eine Männerhasserin sei sie, schimpfen ihre KritikerInnen, andere finden ihre Überlegungen zur künstlichen geschlechtsunabhängigen Reproduktion visionär. Wie viele andere kluge Frauen heftet sich auch an Firestone das Stigma der madwoman (dazu forscht seit langem die französische Literaturwissenschaftlerin und Feministin Shoshana Felman) und ihre Aufenthalte in psychiatrischen Kliniken bestätigen Firestones WidersacherInnen nur in diesem Verdacht.
Firestone zieht sich nach einiger Zeit aus den von ihr etablierten radikal-feministischen Gruppierungen zurück und lebt zurückgezogen als Malerin. Ihr einziges weiteres publiziertes Buch ist ihre Autobiographie Airless Spaces aus dem Jahr 1998 (wer noch mehr zu Firestone und ihren theoretischen Überlegungen lesen möchte, siehe Nachruf der New York Times).
Gerade für die feministische Mitte waren und sind radikale Randerscheinungen wie Shulamith Firestone von großer Bedeutung, da sie immer wieder die Grenzen dessen ausloten, was in einer Gesellschaft gesagt werden darf. Dadurch schaffen sie Luft für die gemäßigtere Mitte und bleiben dabei trotzdem ein Teil der Gruppe.
Mit Shumalith Firestone ist eine wichtige und einflussreiche Kritikerin herrschender Ungleichheiten verstorben. Ihren Tod bedauern wir zutiefst.
Triggerwarnung: Rassismus
[Hinweis zu den Links: da ich fast keine (adäquate) Berichterstattung in deutschsprachigen Medien zu den angesprochenen Themen finden konnte, führen die meisten Links zu englischsprachigen Seiten.]
Mein erster Friseur_innenbesuch in Berlin war interessant. Während andere Kund_innen danach gefragt wurden, was sie sich denn wünschten, fand meine Friseurin es angemessen, mir erst einmal zu den „schönen N—löckchen“ zu gratulieren. Auch meine Haut fand sie toll, „milchkaffeefarben“ und „nicht so dunkel”, denn das könnte ja auch mal passieren bei „Mischlingen“ wie mir. Bevor mir eine passende Antwort einfiel, fragte sie mich schon, ob ich eigentlich meinen Vater kennen würde, denn „die meisten Schokobabies“ täten das ja nicht. Auch in England wurde ich wieder nach Hause geschickt, als der Salon meine Haare live sah – man hätte einfach niemanden, der_die sich „sowas“ zutrauen würde; man habe eher mit „Haaren von Weißen“ zu tun. Ein Friseur einer hessischen Kleinstadt hat sich selbst „ganz schönen Mut“ bestätigt, meine Haare überhaupt zu schneiden (nicht, dass das mir Mut gemacht hätte…). Die Auszubildende, die zuschaute, fragte dann gleich, ob das „überhaupt noch europäische Haare“ seien mit dieser „Krause“ oder schon eher ein „Afro“ (…ich habe keinen Afro, aber ziemlich viele Locken)?
Ich kenne keine Person mit als „europäisch“ definierten, also wohl glatten oder leicht gelockten Haaren, die jemals solche Erlebnisse beim Haareschneidenlassen gehabt hat. Gewisse äußerliche Merkmale sind für die Fremdzuschreibung von „Schwarzsein“ offenbar unumstößlich, und dazu zählen neben Variationen willkürlich definierter Hautfarben und Gesichtsmerkmale auch Haare – Weißsein erstellt sich selbst also nicht nur im, sondern auch auf dem Kopf. Schwarze Haare, hier also als Haare von Schwarzen Menschen gemeint, sind politisch, und sie sind ein Zeichen persönlicher Identität und gesellschaftlichen Status’ (ob das Träger_innen der Schwarzen Haare beabsichtigen oder nicht). Schwarze Haare sind auch politisch, weil sie dem gängigen Ideal „weißer Schönheit“ widersprechen, das Gesellschaften aufgrund von Rassismus (und Sexismus und Ableismus, … ) durchzieht.
Illustriert und zugleich forciert werden weiße (oder auch als „europäisch“ definierte) Schönheitsideale durch weltweite Kampagnen des „white washing,“ also der sprichwörtlichen „Weißwaschung,“ die dafür sorgen, dass selbst wenn schon selten vertretene People of Color inkludiert werden, deren Portraits oftmals als weiß definierten Körpermerkmalen künstlich angeglichen werden. Die Botschaft ist klar: Weißsein wird gleichgesetzt mit „schön“ und attraktiv sein, und das Produktmarketing verspricht, dass mithilfe diverser Mittelchen als negativ-„ethnisch“ definierte äußerliche Merkmale gemindert werden könnten.

Quelle: beauty Redefined
Es ist die konstante (Re-)affirmation von Weißsein als universellem, erstrebenswerten (Schönheits-)Standard und eine Verkaufsstrategie, die People of Color sowohl deren vermeintliche (nicht nur) äußerliche Minderwertigkeit als auch eine angebliche Lösung für jenes „Problem“ durch gezielten Konsum vermittelt. Schwarze Haare spielen hierbei eine zentrale Rolle: Dieses exemplarische Pflegeprodukt verspricht nicht nur eine drastische Aufhellung der Hautfarbe und Veränderung von als „afrikanisch“ definierten Gesichtsmerkmalen wie einer breiten Nase, sondern eine Aufhellung und Veränderung der Textur von Haaren, wie bei Beyoncé zu sehen ist (deren Haare bereits im nebenstehenden Bild „relaxt“, also chemisch geglättet sind).

Werbekampagne, 2011.
Für Schwarze Männer bedeutet die Ablegung von Bart und Afro laut dieser Werbung sogar, sich selbst zu „re-zivilisieren“ und sich endlich dafür zu „interessieren“ wie sie aussähen. Wie Kimberly Singletary zur “Re-Civilize”-Kampagne schreibt, werden durch solche Werbemaßnahmen „Vorstellungen, natürliche Schwarze Haare als eine wünschenswerte Alternative” zu chemisch behandelten Schwarzen Haaren (und bei Männern* auch Glatzen) zu begreifen, “erschwert oder gar unmöglich gemacht.” Der Slogan „Re-zivilisier dich” impliziere, dass es „eine Zeit vor dem Afro und ‘Black Pride’” (“Schwarzer Stolz”)-Bewegungen gegeben habe, „in der Schwarze ‘zivilisiert’ waren - nämlich als Schwarze Haare stärker an weiße Normen angepasst wurden.” Zuletzt, so Singletary, bediene sich diese Anzeige dem geläufigen Mittel, sich als vermeintlicher Scherz oder bewusste Übertreibung darzustellen, was zusätzlich problematisch sei, da „diejenigen, die das Bild und den Slogan nicht lustig finden, sich nun auch noch mit dem Vorwurf mangelnden Humors” auseinandersetzen müssten - alles in allem also könnten Schwarze Menschen hier nicht gewinnen.
Schwarze Haare werden mithilfe solcher Werbemittel exotisiert, passend zu rassistischen Zivilisierungsdiskursen als sprichwörtliche Wildheit und etwas zu Bändigendes dargestellt, als ein Problem, das gelöst werden muss; und alles, was als Blackness-affirmativ interpretiert werden könnte, wird weg retuschiert. Der Wille, Schwarze Haare (und ihre Träger_innen) nach weißen Standards zu „bändigen“, ist Teil einer langen Rassismusgeschichte, in der „krauses“ („nappy“) glattem („relaxed“) Haar in verschiedenen Abstufungen gegenübergestellt wurde und wird – je näher an „weiß“, desto besser.
Spuren dieser Rangfolge lassen sich auch innerhalb Schwarzer communities (insbesondere in den USA) nachvollziehen, wenn „good hair“ („gutes Haar“) als glatte(re)s Haare verstanden wird, während besonders lockige oder „kraus” genannte Schwarze Haare oft noch als „bad hair“ („schlechtes Haar“) tituliert und mit einer Vielzahl an kosmetischen Mitteln, unter anderem der Einarbeitung von “weaves” (glatten Echt- oder Kunsthaarteilen) oder der Verwendung chemischer Haarglätter wie Natriumhydroxid und anderer Alkalien, in Angriff genommen werden. Besonders deutlich wurde die Einteilung in „gute“ und „schlechte“ Schwarze Haare zuletzt durch die Berichterstattung über Gabrielle Douglas, die zwei Goldmedaillen im olympischen Turnwettbewerb gewann, sich aber zugleich mit der Kritik von Afroamerikaner_innen und weißen Amerikaner_innen an ihrer Frisur konfrontiert sah.
Gleichzeitig hat die Politik Schwarzer Haare auch erhebliches Solidaritätspotenzial innerhalb Schwarzer communities, und die hier entwickelte Expertise führt auch zu Empowerment. Ironischerweise wird nämlich gesellschaftlich zwar eine sprichwörtliche Bezwingung von Schwarzen Haaren zugunsten weißer Schönheitsideale gefordert, Pflegemittel für Schwarze Haare sind in Deutschland aber meist nur in expliziten „Afro-Shops“ oder über das Internet beziehbar.
Dass auch die Mehrheit der Friseur_innen in Deutschland nicht mit Schwarzen Haaren umgehen kann, ist angeblich aber nicht etwa deren mangelnder Ausbildung durch Ignoranz gegenüber nicht-weißen Kund_innen geschuldet, sondern mein eigener Fehler, weil meine natürliche Haartextur nicht angemessen gebändigt ist, um damit irgendetwas anfangen zu können. Während ich also Pflegemittel im Internet bestelle oder in den Afro-Shop (oder in den USA in die „ethnic hair section“) wandere, bleiben weiße (Haare) ethnienlos, und sind unmarkierte „Normalität,“ von der alle(s) andere(n) abweichen. Schwarze Haare sind ein zentrales Element dieses als weniger wert definierten „Andersseins“, mit dem Rassismus People of Color kategorisiert.
Die selbstbewusste Ablehnung weißer Schönheitsnormen durch Schwarze ist eng verknüpft mit der Entstehung der Schwarzen Bürger_innenrechtsbewegung in den USA, Black Nationalism und Black Power Movements. Bereits in den 1920ern forderte Marcus Garvey, Gründer der Universal Negro Improvement Association: „Take the kinks out of your mind instead of your hair,“ („Entferne die Knoten aus deiner Denkweise, statt aus deinen Haaren“) und wurde auch bekannt durch die öffentliche Weigerung, seine Haare zu glätten. Den Sexismus und Antisemitismus des Black Nationalism darf man nicht unter den Teppich kehren – was die Black Power-Bewegung der 1960er und 1970er Jahre allerdings bewerkstelligte, war die explizite Reklamierung und bewusste Aneignung „natürlichen“ Schwarzen Haars als antirassistisches Widerstandszeichen.
Das Styling „natürlicher” Schwarzer Haare - in Afros, Dreadlocks oder durch einfaches Offentragen - wurde als politisches Symbol institutionalisiert: als die Infragestellung universeller weißer Schönheitsideale, und als eine kulturelle Subversion rassistischer Normen und internalisierten Rassismus’. Essence, eine US-amerikanische Zeitschrift, die 1970 gegründet wurde und insbesondere afroamerikanische Frauen als Zielpublikum hat, nennt die „Black is Beautiful“-Bewegung der 1960er und 1970er Jahre “revolutionär“, und merkt an, dass allein die Tatsache, dass Schwarze Frauen, die ihre natürlichen Haare unbehandelt lassen, auch heute noch Nachteile im Berufsleben haben, ein Zeichen für die fortwährende Politik von Schwarzen Haaren ist.
Dreadlocks oder Afros bei weißen Menschen sind somit durchaus „appropriation“, also eine Vereinnahmung Schwarzer Widerstandssymbole, wie Viruletta in ihrem (kontrovers diskutierten) Artikel bereits geschrieben hat. Das bedeutet nicht, dass man Weißen das Tragen jener Frisuren verbieten sollte oder könnte. Kritik an solchen Entscheidungen scheint jedoch berechtigt zu sein, und hat weniger mit vermeintlichem Essentialismus von „race“ zu tun, als mit einer gesellschaftlichen Kontextualisierung kultureller Praxen, Bewusstsein für politische Symbole und deren historische Aneignungsprozesse, sowie Reflektion über das weiße Privileg, dass nicht-Schwarze Haare in ihrem „natürlichen“ Zustand keine systematischen Vorurteile und negative Auswirkungen hervorrufen, denen man sich hier (wie Schwarze Menschen) demonstrativ entgegensetzen könnte.

Pete Souza/The White House
Dass Schwarze Haare politisch sind, ist auch 2012 noch wahr. Es zeigt sich, wenn mir Leute ohne Vorwarnung ins Haar fassen und „Oh“-Laute von sich lassen. Es zeigt sich, wenn Noah Sow von einem Fotoshoot ausgeladen wird, weil ihre nicht-geglätteten Haare plötzlich der vermeintlichen Merchandisingästhetik eines Fußballvereins widersprächen (wie sie in Deutschland Schwarz Weiss schreibt). Es zeigt sich mitunter berührend, wenn der US-Präsident Barack Obama sich zu seinem fünfjährigen Gast Jacob Philadelphia hinunter beugt, damit dieser seine Haare anfassen kann, und Jacob dann feststellt, dass diese sich ja wirklich wie die eigenen anfühlen, und Barack Obama tatsächlich der erste Schwarze US-Präsident ist.
Offensichtlich will die Zeitschrift Brigitte ihre No-Models-Kampagne beenden. Wenn auch die Aktion von Anbeginn durchaus zwiespältig war, da die von Brigitte fotografierten normalen Frauen in Makellosigkeit und Körpermaßen denen von Profimodels glichen, ist es dennoch sehr bedauerlich. Die Brigitte hatte damit ursprünglich eine wichtige Diskusssion um Anpassungsdruck und Schönheitswahn angestoßen.
Zurück zum perfekten Size-Zero-Look?
Hinsichtlich der Gründe wird spekuliert, dass der Aufwand mit Amateurmodels zu groß gewesen sei, ohne einen spürbaren Nutzen bei den Verkaufszahlen zu hinterlassen. Weshalb man, wie nun aus den Verlagsbüros von "Gruner und Jahr" sickert, in Betracht zieht, die Initiative "Ohne Models" einzustampfen und zu Profi-Models zurückzukehren. Doch der Effekt hinter der betriebswirtschaftlichen Logik ist nicht zu verachten. Ob die "Brigitte" einen Imageschaden davontragen wird, wenn sie nun eine Kehrtwendung macht, ist offen, aber möglich. Sicher ist aber: Wird die Aktion nun zu Grabe getragen, kommt dies einem Scheitern gleich und gibt unbewußt all den Skeptikern recht, die meinen, dass Mode nur an perfekten, dünnen, (überdies häufig minderjährigen) Mädchen gut aussehe und zum Kaufen anrege und uns glauben macht, dass es genau diese Körper sind, die wir sehen wollen.
Echte Menschen statt Barbiepüppchen
Umso wichtiger, dass sich immer stärkerer Widerstand gegen das heutige Schönheitsideal breit macht und auch hierfür zunehmend die Kommunikationskanäle des Internets in vielfältiger und kreativer Weise genutzt werden. So hat bei Twitter unter dem Hashtag #609060 sowie auf Instagram eine Gegenbewegung begonnen, um zu zeigen, wie echte Menschen aussehen. Jeder kann mitmachen, sich fotografieren und der Sammlung von Fotos hinzufügen.
Noch eine Empfehlung: Sehr galant kann eine Frau den Beurteilungen durch Frauenmagazine, durch die Modebranche und durch die Unterhaltungsindustrie übrigens entgehen, indem sie ihr Gehirn trainiert. Und ihren Körper als dessen gepflegte Halterung begreift. (Sibylle Berg via SPON)