Hilfe:Sprachgebrauch

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Es werden keine Artikel geduldet, die Menschen oder Gruppen aufgrund von Herkunft, Rassifizierung, Glauben, politischer oder religiöser Anschauung, sozialer Gewohnheiten, sexueller Neigungen, Sprache, Geschlecht, Beeinträchtigung, Schichtzugehörigkeit, äußerlicher Merkmale,... diskriminieren oder privilegieren.

Inhaltsverzeichnis

Achte auf einen nicht diskriminierenden Sprachgebrauch

Die Mitwirkenden am Gender@Wiki kommen aus unterschiedlichen Regionen, Ländern, Kulturen und sozialen Schichten und haben oft sehr unterschiedliche Ansichten und auch eine verletzliche Seite. Persönliche Angriffe sollten daher immer und unter allen Umständen unterlassen werden. Dies schließt natürlich intensive kontroverse Diskussionen in der Sache nicht aus, diese sollten aber fair geführt werden.

Derzeitige Sprachkonventionen diskriminieren oder privilegieren noch in eindeutiger Weise die eine oder andere oben genannte Gruppe, daher soll der Sprachgebrauch im Gender@Wiki diskriminierende Wendungen oder Bezeichnungen aktiv vermeiden. Widerstand gegen Diskriminierungen spiegelt sich auch auf sprachlicher Ebene ab, d.h. auch die eigenen diskriminierenden sprachlichen Muster müssen reflektiert und überwunden werden. Vor allem die deutsche Sprache hat vor dem Hintergrund der eigenen Kolonial- und NS-Geschichte diskriminierende Normen und Werte unhinterfragt übernommen (z.B. "Bis zur Vergasung Vokabeln gepaukt", "Neger").

Jeder Text baut auf Vorannahmen oder Vorurteile, also vorhandenes Wissen der Adressat_in auf. Diese werden durch bestimmte Stilmittel bestätigt und so beim Lesen oder Hören aktiviert. Vorannahmen sind umso machtvoller, je neutraler und impliziter sie erscheinen, weil sie in diesem Fall auf gegebene Normen und Werte einer Gesellschaft aufbauen. Vorannahmen sind auch nicht vermeidbar, da nicht alles benannt werden kann und der jeweilige Text nur so verständlich wird. Dennoch kann mensch entscheiden welche Vorannahmen in der Rede aktiviert und welche durch explizite Nennung vermieden werden. Der Einwand, dass die Sprache durch einen solchen Sprachgebrauch verkompliziert werde, wird mit dem Argument zurückgewiesen, dass die Reflektion über Diskriminierungen und die Bekämpfung von Diskriminierungen sich vorallem auch in der Sprache, die Vorbedingung für unser soziales Leben, spiegeln müssen.

Konkrete Handlungsanweisungen

Fragen, die an zentrale Begriffe des eigenen Textes gestellt werden sollten:

  • Prüfen der Verwendungsgeschichte, um den Kontext differenziert darstellen zu können
  • Prüfen der aktuellen Konnotationen oder Bedeutungsinhalte eines Wortes

(Interpretationen von Wortzusammensetzungen und Redewendungen mit dem jeweiligen Begriff um dem Bedeutungsinhalt von Begriffen näher zu kommen)

  • Aufstellen einer Assoziationsliste zu jeweiligen Begriffen

Insbesondere soll im Folgenden das Vermeiden von konventionellen rassistischen und sexistischen Darstellungen und deren Alternativen dargestellt werden.

Vermeidung von sexistischem Sprachgebrauch

Die Ziele eines geschlechtergerechten Sprachgebrauchs sind die sprachliche Sichtbarmachung von Frauen and Transgender-Identitäten und die sprachliche Symmetrie.

  • Das Prinzip der sprachlichen Sichtbarmachung besagt, dass dort, wo von einem Mann, einer Frau oder einer Transgender-Identität die Rede ist, dies sprachlich auch zum Ausdruck kommen muss (Bsp.: Bundestagspräsident – Bundestagspräsidentin – Bundestagspräsident_in)
  • Das Prinzip der sprachlichen Symmetrie besagt, dass dort, wo von verschiedenen Geschlechtern die Rede ist, alle gleich zu behandeln sind. Dies kann durch einen Unterstrich dargestellt werden. (siehe nachfolgende Tabelle)

Die folgende Tabelle zeigt Möglichkeiten auf, sexistischen Sprachgebrauch zu vermeiden.

do's

Benennungspraktik Beispiele Vorteile Nachteile
Unterstrich bzw. "gap" Teilnehmer_in, Maler_In weist aktiv auf alle Menschen hin
Binnen-I TeilnehmerIn weist aktiv auf Frauen und Männer hin reproduziert Zweigeschlechternorm
Schrägstrich oder Klammer Maler/in, Maler(in) weist aktiv auf Frauen und Männer hin impliziert weiterhin die Nachordnung von Frauen; reproduziert Zweigeschlechternorm
Beidnennung Teilnehmerin und Teilnehmer, Teilnehmer und Teilnehmerin weist aktiv auf Frauen und Männer hin reproduziert Zweigeschlechternorm
substantiviertes Partizip 1 bzw. neutrale Formulierungen Teilnehmende, Geschäftsführung überwindet Kategorie Geschlecht neutrale Formulierungen werden überwiegend mit der bisherigen Norm assoziiert, d.h. praktisch männlich ausinterpretiert

don’ts

dont's do's Begründung
US-Präsident Bush und Frau Süssmuth US-Präsident Bush und Bundestagspräsidentin Süssmuth; Frau Süssmuth und Herr Bush Missverständnisse oder Irrtümer bezüglich der Geschlechtszugehörigkeit der genannten Personen zu vermeiden, empfiehlt es sich |jedoch, die Vornamen mitzunennen, besonders dann, wenn die Bekanntheit der betreffenden Personen nicht vorausgesetzt werden kann.
Sartre und Simone de Beauvoir Sartre und de Beauvoir; Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre Symmetrischer Gebrauch von Namen und Vornamen
jeder Lehrer jede Lehrerin und jeder Lehrer; jede Lehrkraft; alle Lehrpersonen Wenn Frauen und/oder Männer gemeint sind, werden beide mit Hilfe des Splitting sichtbar gemacht.
alle Studenten, kein Abgeordneter sollte... alle Studentinnen und Studenten; alle Studierenden/ Abgeordnete sollten nicht... abgeleitet sind (studieren - studierend; abordnen - abgeordnet ).
Vertrauensmann, Ratsherr, Der Versicherte, Der Vorsitzende Ratsfrau/Ratsherr; |Ratsmitglied; Mitglied des Stadtrats, die oder der Versicherte; die Versicherten Splitting des Artikels (die bzw. der; der oder die) oder adjektivisches Splitting (weiblich und/oder/bzw. männlich), wenn der Bezug |auf beide Geschlechter hervorgehoben werden soll.
Der Staat ist hart im Nehmen – das weiß jeder, der Steuern zahlt. Der Staat ist hart im Nehmen – das wissen alle, die Steuern zahlen. Gebrauch des neutralen Plurals alle.
Man muss das Gerät lediglich an einen Fernseher anschließen Das Gerät muss lediglich an einen Fernseher angeschlossen werden. Vermeidung von man durch den Gebrauch des Passivs.
Doch dieser Gefahr kann man durch eine Impfung vorbeugen. Doch dieser Gefahr lässt sich durch eine Impfung vorbeugen. Vermeidung von man durch eine Formulierung mit lassen.
Die deutsche Olympiamannschaft; Regierungsmannschaft Das deutsche Olympiateam; Regierung Zu vermeiden sind explizit männliche Kollektivbegriffe, wenn auch Frauen der so bezeichneten Personengruppe angehören oder angehören könnten.

Vermeidung von rassistischem Sprachgebrauch

Anliegen eines nicht-rassistischen Sprachgebrauchs ist es, in erster Linie diskriminierende Begriffe und Sprachwendungen gänzlich zu vermeiden. Lässt sich die Verwendung eines problematischen Begriffs nicht vermeiden, so muss dieser Begriff kontextualisiert werden.

Die folgenden Beispiele zeigen auf in welchen Formen rassistischer Sprachgebrauch statt finden kann und wie dieser vermieden werden kann.


do’s

Bei problematischen Begriffen muss signalisiert werden, dass deren Verwendung noch umstritten ist und welche Bedeutungen sie im vorliegenden Text tragen. Beispiel: „Der von mir verwendete Begriff „Rasse“ bezeichnet in keinster Weise eine natürliche oder biologische begründete Kategorie und bezieht sich entsprechend auch nicht auf visuelle Evidenzen wie Körpermerkmale oder Hautfarbe, sondern er bezeichnet eine soziale Position innerhalb einer gesellschaftlichen Hierarchie.“ weitere Beispiele: Weißsein, Schwarzsein

don’ts

  • Verwende keine generischen Oberbegriffe mit deren Hilfe Asymmetrien zur Herstellung und Manifestation von Macht- und Herrschaftsverhältnissen hergestellt werden

Bsp.: Volk – Naturvolk

  • Verwende keine Begriffe, die auf den europäischen Sprachraum nicht angewendet werden, d.h. bei einem Begriff den Analogietest machen: Wäre eine Übertragung auf den deutschen/europäischen Kontext möglich?

Bsp.: Stamm

  • homogenisierende Benennungen:

Die Ortsbezeichnung „Afrika“ wird oft benutzt, wo in einem analogen Fall Europa niemals verwendet werden würde, weil die Verwendung von Europa schlicht zu ungenau wäre. Pauschalisierte Außenperspektiven auf das so genannte „Afrika“ als homogene politische Einheit setzen ein differenziertes Vorwissen voraus, welches zumeist nicht vorhanden ist. Entsprechend werden hier stattdessen stereotype Vorstellungen von „Afrika“ aktiviert. Unterschiedliche zeitliche, gesellschaftliche und politische Entwicklungen der verschiedenen afrikanischen Staaten werden ignoriert – ein typisches Privileg Weißer Norm. Ebenso werden vielfach historische Zusammenhänge zwischen Kolonien und Kolonialmächten nicht benannt oder beschönigt, beispielsweise wird von der Unabhängigkeit Afrikas gesprochen, statt von der Entkolonialisierung. Bsp.: Katastrophenkontinent Afrika

  • Vermeide Begriffe, die eine Andersartigkeit und Unterlegenheit der ehemals kolonisierten Gesellschaften behaupten.

Bsp.: Wilde

  • Verwende Weißsein nicht als unmarkierte, d.h. unbenannte Norm.

Bsp.: Der Feminismus hat seinen Ursprung im tragischen Los der unterforderten Hausfrau. Nicht alle Frauen, die unter patriarchalen Normen und Werten leiden, sind lediglich Hausfrauen. Insbesondere Afroamerikanerinnen waren meist schon vor der Zweiten Frauenbewegung berufstätig und litten schon damals unter der so genannten Doppelbelastung.

  • Implizite Gleichsetzung von Zeitstrukturen und Kausalitäten:

Beispiel: "Er hat die Länder des südlichen, des westlichen Zentralafrikas bereist und zeichnet ein bedrückendes Bild von Elend, Mord und ‚Raubtierkapitalismus’. Seine Eindrücke kontrastiert er mit Erinnerungen an seine erste Reise 1956, als Afrika noch unter europäischer Kolonialherrschaft stand. Seine traurige Erkenntnis: Die meisten Länder sind gleichsam auf dem Weg zurück in die Steinzeit." In den Sätzen wird eine Zeitstruktur aufgebaut, in der das Früher von 1956 mit der heutigen Zeit ins Verhältnis gesetzt wird. Es wird das Verb „kontrastiert“ benutzt, um diese beiden Zeitebenen miteinander ins Verhältnis zu setzen. Damit wird klar gemacht, dass das Früher, welches gleichzeitig näher durch die Kolonialherrschaft charakterisiert wird, in Opposition zum Heute steht, welches durch Elend, Mord und Raubtierkapitalismus geprägt ist. Die heutige Situation wird in einem weiteren Schritt wiederum mit einer hypothetischen Vorstellung von einer Zeit vor der Kolonialherrschaft gleichgesetzt. Diese Zeit wird in dem Satz als steinzeitliche dargestellt und damit abgewertet. Auf diese Weise wird die Kolonialzeit als etwas Positives dargestellt; als ein Weg aus der Steinzeit heraus, ohne dass dies in dem Text durch Konjunktionen oder Verweise expliziert wurde.

  • Passivkonstruktionen:

Beispiel: Mit der Bevölkerung wächst auch die Umweltzerstörung: Wälder werden abgeholzt, Böden übernutzt, Weideland strapaziert, so dass in der Folge die Erosion die Böden zerstört, die Wüsten vordringen. Durch Passivkonstruktionen werden explizite Benennungen vermieden, d.h. Verursacher_innen, Akteure und Akteurinnen, gesellschaftliche, politische und ökonomische Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Beteiligten bleichen unbenannt. Entsprechend können solche Textpassagen unterschiedlich gelesen und konzeptualisiert werden und diskriminierende Inhalte transportieren. Durch die Darstellung der Gleichzeitigkeit von Bevölkerungswachstum und Umweltzerstörung kann eigentlich beides sowohl als Folge oder auch als Ursache des jeweils anderen gelesen werden. Dennoch wird die Verantwortung für die Umweltzerstörung implizit ausschließlich der afrikanischen Bevölkerung zugeschrieben. Der weitere Kontext und weitere Akteur_innen bleiben unbenannt.

  • Explizite Relationen:

Beispiel: Afrika bedarf der Hilfe von außen Der Sinnzusammenhang „Afrika bedarf der Hilfe von außen“ dient der impliziten Darstellung eines positiven eurozentristischen Selbstbildes. Es wird ein Hierarchie zwischen z.B. Europa und Afrika produziert.

  • Sprachliche Bilder:

Beispiel: Personifizierungen: Afrika als Patient Metaphern, Analogien und Personifizierungen sind sprachliche Bilder, die Konzepte durch andere Konzepte ersetzten. Damit können gesellschaftliche Konzepte und Bewertungen zum Ausdruck gebracht werden. Dies kann abstrakte Größen wie Gefühle, Zeit und Werte vorstellbar machen, sind aber meist nicht reflektiert und nur schwer greifbar. Wenn zum Beispiel Afrika als Ganzes als ein Patient personifiziert wird, können damit konventionelle Vorstellungen von Krankheiten aufgerufen werden, die in einem weiteren Schritt zur Konzeptualisierung von ‚Hilfsbedürftigkeit’, ‚Gefahr’, ‚Bedrohung’, oder auch ‚Ablehnung’ und ‚Ekel’ führen können. Ohne das es klar benannt wäre, entstehen Vorstellungsketten, die stark diskriminierend sind.

Weitere Diskriminierungen durch Sprache

Hier fehlen leider noch einige Punkte. Mitarbeit und Diskussion unbedingt erwünscht.

Weblinks

Quellen

Persönliche Werkzeuge
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