FFBIZ
Aus Gender@Wiki
Das FFBIZ: Frauenforschungs-, -bildungs- und -informationszentrum e.V. (Berlin) besteht seit 1978. Das FFBIZ arbeitet hauptsächlich als Archiv.
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Geschichte
Was ist das FFBIZ? - Wozu kann ich es nutzen? - Was hat es mit gender oder queer studies zu tun?
Im März 2008 begeht das FFBIZ seinen 30.ten Geburtstag. Als wir es 1978 gründeten, gab es in den USA seit etwa 5 Jahren women`s studies, an deutschen Hochschulen zögerlich Frauenstudien oder – in Geschichtsinstituten - bald Frauen- und Geschlechterforschung; als seit den 1990er Jahren an vielen Orten aus dem englischsprachigen Bereich der Begriff „gender“ gebräuchlich wurde, hieß es oft, im Deutschen fehle die doppelte Begrifflichkeit von „sex“ und „gender“, wobei „sex“ für die „biologi-sche“ Kategorie und „gender“ für die „gesellschaftlichen“ Aspekte von Geschlecht stehe. Da dieser nonsense auch heute immer noch weiter verbreitet wird, möchte ich ausdrücklich darauf hinweisen, dass schon 1978 bei der Gründung des FFBIZ auch in Berlin klar war, dass eine „biologische“ Kategorie immer eine „gesellschaftliche“ ist. Denn schon 1975 hatte etwa Gayle Rubin mit ihren „Notes on the Political Economy of Sex“ für ein nicht essentialistisches Verständnis von „Geschlecht“ geworben. Inzwischen sollte es nach Butlers Gender Trouble von 1990 eigentlich klar sein, dass „gender“ ein ähnlich belasteter und problematischer Begriff zur Infragestellung herrschender Geschlechterordnun-gen oder von Zweigeschlechtlichkeitsnormen ist, wie andere Worte auch, wenn sie aus dem Zusam-menhang kritischer Praxen oder wissen(schafts)kritischer Diskurse herausgelöst und Allgemeinplätze unter Studierenden oder politischen Parteien werden. Wenn wir damals vom „Frauen... zentrum“ sprachen, wussten wir durchaus schon, dass „Frauen“ ein Zeit - und Kontext-abhängiger und zudem seit mindestens dem 18. Jahrhundert ein immer relational gedachter Begriff ist; wir betonten damit nicht die Ahistorizität von Körpern oder Konzepten, sondern ließen – was in Berlin anderswo eher ungewöhnlich war – als „Frau“ gelten, wer sich als „Frau“ identifizierte. Denn was gemeinhin unter „Frau“ oder „Frauen“ subsumiert wurde, übernahmen wir auch für unser eigenes Selbstverständnis gerade nicht, sondern begehr(t)en dagegen auf. Nur weil es heute oft schon vergessen ist: erst seit etwa 1973 nannten sich „homosexuelle“ Menschen „Schwule“ oder „Lesben; ein promovierender Mensch mit kurzen Haaren galt noch 1978 vielerorts als ausgesprochen „unweiblich“ oder womöglich als „Mann-weib“: ganz verquer eben! Auf diesem Hintergrund ist auch zu verstehen, dass wir mit wechselnden Moden den Namen unserer Einrichtung nicht anpassten, denn unsere „corporate identity“ hatte sich ja auch nicht gewandelt. Unter Feminismus verstanden zumindest etliche von uns damals und verstehen wir noch heute, den Kampf gegen die Herrschaft (also Gewalt) von Menschen über Menschen; dabei unterscheiden wir ausdrücklich auch Herrschaft und Gewalt – mit Hannah Arendt – von Macht. Wir sehen folglich „gender studies“ inzwischen als ein Territorium, als Themengebiet oder als akademi-sches Fach, das nur angeblich „die“ ältere Frauenforschung oder „den“ Feminismus überwunden hat oder sinnvoll in eine Distanz dazu geht. Sind wir deshalb eine an ökonomischem Kapital arme Einrichtung, wenn wir auch über viel soziales, kulturelles und symbolisches Kapital à la Bourdieu verfügen?
Sammelschwerpunkt
Das FFBIZ-Archiv sammelt schwerpunktmäßig frauen-/genderbezogene Akten und Graues Material aus Berlin, von andernorts auch, sofern dort kein entsprechendes Archiv besteht:
- Autographen
- Demonstrationsobjekte
- Dokumentationen thematischer Zeitungsausschnittsammlungen
- Fotos, sofern bestimmbar
- Periodika (Zeitschrift)
- Plakate.
Bestand
Als ein Informationszentrum bieten wir etwa 11.000 Bände Literatur, mehr als 700 Zeitschriftentitel, Plakate, Fotos, Akten, Graue Literatur und Zeitungsausschnittdokumentationen, insgesamt mehrer als eine Million Informationseinheiten zur Nutzung an. Der Blick darauf entscheidet, ob und warum sie für gender oder queer studies relevant sind. PraktikantInnen üben solche Perspektiven gerne bei uns ein.
Angebote
Das FFBIZ bietet Auftragsrecherchen, Praktikumsplätze, Vermittlung wissenschaftlicher und feministischer Kontakte weltweit, Zusammenstellung thematischer Bibliografien und Beratung über sinnvolle Sicherung von Kulturgut, dessen Deponierung (Lagerung)und Erschliessung.
Öffnungszeiten
Das FFBIZ befindet sich gemeinsam mit dem Grünen Gedächtnis in der Eldenaerstrasse 35 III, 10247 Berlin und steht den Nutzer_innen zu folgenden Öffnungszeiten zur Verfügung: Montag 14.00 - 17.00 Mittwoch 14.00 - 20.00 Donnerstag 14.00 - 17.00
Netzwerke
siehe auch
Weblinks
ffbiz
Quellen und Weiterführendes
- Arendt, Hannah: Macht und Gewalt. München 1994.
- Grunenberg, Antonia: Macht kommt von möglich... Macht und öffentlicher Raum bei Hannah Arendt (ursprünglich Vortrag Bremen 1975) und html (2006-01-16; 11:28)
- Hark, Sabine: Alles gender – oder was? Kurze Anmerkungen zu einer langen Begriffsgeschichte, in: FFBIZ (Hg.): In Bewegung. Frauen Geschlecht Welt im 20. und 21. Jahrhundert. Dokumentation der gleichnamigen Tagung. Berlin 2003, S. 77-87.
- Rubin, Gayle: The Traffic in Women: Notes on the `Political Economy of Sex´, in: Rayna Rapp (Hg.): Toward an Anthropology of Women. New York 1975, S. 157-210.

