Frauenhäuser Steiermark e.V.
Aus Gender@Wiki
Frauenhäuser Steiermark
Inhaltsverzeichnis |
Allgemeines
Frauenhäuser sind Schutzeinrichtungen für Frauen und deren Kinder, die in ihrer Ehe, Lebensgemeinschaft oder Familie Gewalt erfahren. Unter Gewalt: ist nicht nur körperliche Übergriffe gemeint, sondern auch psychische, ökonomische, sexuelle oder soziale Gewalt. Das Frauenhaus bietet neben vorübergehend geschütztem Wohnen auch kostenlos anonyme, telefonische und ambulante Beratung an. Weiters erstreckt sich das Angebot über rechtliche Information und Beratung durch eine Juristin, praktischer Unterstützung und Begleitung zu Ämter und Behörden, Gruppenarbeit, Informationsarbeiten, Nachbetreuung sowie Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit für andere Einrichtungen und Interessierte. Neben den Betroffenen können sich auch Personen aus deren Umfeld, die Rat und Entlastung suchen, an das Frauenhaus wenden. Für anderen Institutionen, die in ihrer Arbeit mit dem Thema Gewalt konfrontiert werden (z.B.: Exekutive, Schule) werden ebenso Information und Beratung angeboten. Der Verein „Frauenhäuser Steiermark – Verein zur Soforthilfe für bedrohte und misshandelte Frauen und deren Kinder“ vertritt einen feministischen und frauenbewussten Ansatz und versucht auf die strukturelle Gewalt aufmerksam zu machen, die sich durch alle Bereich der Gesellschaft zieht und die Machtungleichheit, Diskriminierung, Benachteiligung und Ausbeutung von Frauen und Kindern bewirken.
Geschichte
Ausgehend von der Frauenhausbewegung in Großbritannien und Deutschland, fanden sich 1979 zahlreiche engagierte Frauen um Fr. Dr.in Grete Schurz, um auch in Graz ein Frauenhaus zu gründen. Im selben Jahr wurde der Verein „Grazer Fraueninitiative – Soforthilfe für bedrohte und misshandelte Frauen und deren Kinder“ gegründet. Der Verein hatte rund 90 Mitglieder. Von Anfang an ist die parteiunabhängige und überkonfessionelle Position des Vereins von großer Bedeutung, ebenso wie die inhaltlichen Grundsätze der Offenheit, des Schutzes nach außen, sowie auch die Selbstorganisation des Frauenhauses. Ebenso fanden in diesem Jahr die mühsame Suche nach finanzieller Unterstützung und einem geeigneten Haus statt. Am 12. Dezember 1981 öffnete das Frauenhaus Graz seine Türen, und das Angebot wurde sofort angenommen. Anfänglich hatte das Haus eine Kapazität von 30 Personen, die sich 7 Zimmer teilten. Der Budgetplan betrug 1,5 Millionen Schilling zu je einem Drittel von Stadt Graz, Land Steiermark und Kirche/Gewerkschaft/Kammern; wobei nur Stadt und Land zusagten. Es gab 5,5 Stellen mit 7 Mitarbeiterinnen, die sich die Verantwortung und das Gehalt gleichrangig teilten. 1989 trat das Grazer Frauenhaus der Aktionsgemeinschaft der autonomen Frauenhäuser Österreichs bei. Im Jahr 1992 wurde eine Nachbetreuungsstelle in der Ägidygasse eröffnet. In der Beratungsstelle werden auf Wunsch der Klientinnen auch Paarberatungen angeboten. Im selben Jahr wird eine sozial-pädagogische Hauswirtschafterin angestellt und es kam somit zur Abweichung vom ursprünglichen Konzept der gleichen Aufgabenverteilung. 1994 war das Jahr der Eröffnung der Betreuten Wohngemeinschaft mit 4 Zimmern, das im Jahr 2000 wieder geschlossen wurde. Anstelle dieser jedoch wurden in der Albert-Schweizergasse dem Frauenhaus 8 neue Übergangswohnungen zugewiesen. 1999 wurde ein neues Haus mit zeitgemäßem Standart eröffnet, dass eine Aufnahmekapazität von 45 Personen hatte. 10 neue Übergangswohnungen im Gebäude des Frauenhauses. Im Jahr 2000 war die Auslastung 89 % und es kam zu einem enormen Zuwachs im Beratungsbereich. 2001 kam es zu einer Auslastung von 98%. Die Stadt Graz erhöhte die Förderung um 500.000 Schilling aufgrund der Auslastung. Es wurden neue Projekte gestartet und insgesamt waren 27 Mitarbeiterinnen angestellt. 2002 kam es zu einer Spitzenauslastung von 102, 2%. Aufgrund von Platzmangel mussten 58 Frauen und 69 Kinder vorübergehend abgewiesen werden. Aufgrund der Erweiterung durch das obersteirische Frauenhaus wurde der Name im Dezember 2002 in "Frauenhäuser Steiermark - Verein zur Soforthilfe für bedrohte und misshandelte Frauen und deren Kinder" geändert. 2004 eröffnete man der Beratungsstelle Frauenhaus Kapfenberg für von Gewalt betroffene Frauen in der Region Obersteiermark. Tatsächliche Eröffnung des Frauenhauses in Kapfenberg fand im Jahr 2005 statt. 1. April 2005 trat das steiermärkische Gewaltschutzeinrichtungsgesetz in Kraft. Aufgrund des Erlassens des Gesetzes treten alle Vereinsvorsitzende geschlossen zurück. Es kommt zu Budgetkürzungen – die Stelle der Mitarbeiterin die über Nacht anwesend ist, muss aufgegeben werden. Zwischen 22:00 und 6:00 ist nur mehr Rufbereitschaft vorgesehen.
Grundprinzipien
Unbürokratische Soforthilfe: Umständliche Formalitäten und lange Wartezeiten auf Termine möglichst vermieden werden sollten.
Anonymität: Mitarbeiterinnen des Frauenhauses sind zur Verschwiegenheit verpflichtet. Ohne die Zustimmung der Betroffenen werden in der Regel keine Informationen weitergegeben.
Parteilichkeit: Die Mitarbeiterinnen stehen auf Seite der bedrohten/misshandelten Frau und vertreten deren Position nach außen.
Frauen helfen Frauen: Frauenhäuser sind Einrichtungen, die von Frauen geleitet werden und in denen Frauen von Frauen beraten und unterstützt werden.
Hilfe zur Selbsthilfe: Betroffene Frauen werden nicht „verwaltet“, sondern die Mitarbeiterinnen versuchen, ihnen dabei zu helfen, die eigenen Bedürfnisse und Interessen wahrzunehmen und eine selbstbestimmte Existenz aufzubauen.
Autonomie: Frauenhäuser werden von privaten, gemeinnützigen und parteiunabhängigen Frauenvereinen geführt. Um die finanzielle Absicherung zu gewährleisten sind mehrjährige Förderaufträge dringend notwendig
Statistiken
Aufgrund der genauen Dokumentation eines jeden Betreuungsverlaufes durch ein Hausbuch, in dem die Anzahl aller Anrufe, Informationsweitergaben und Terminplanungen festgehalten werden, können Jahresberichte und genaue Statistiken verfasst werden. Diese kann man auf der Homepage der Frauenhäuser Steiermark downloaden. Die allgemeine Statistik vom Stand 2006 besagt, dass im Zeitraum vom 12. Dezember 1981 bis 3. Dezember 2006 über 18750 Frauen in ihrer Krisensituation entweder durch eine Aufnahme im Frauenhaus oder Beratung unterstützt wurden. Im Grazer Frauenhaus wurden im oben genannten Zeitraum 2453 Frauen und 2612 Kinder aufgenommen und betreut. Die Statistik weist insgesamt 248560 Aufenthaltstage auf.
Finanzierung: Stand 2006
Das Grazer Frauenhaus wird zu rund 95% aus öffentlichen Mitteln finanziert. Die Tagsatzregelung gilt ab 1.4.2006, wobei das Land Steiermark 60% und der jeweilige Sozialhilfeverband 40 % (Verrechnung an die Bezirke ohne Bekanntgabe der Daten von Klientinnen) der Tagsätze in der Höhe zwischen € 48.- und € 39,80 übernimmt. Die restlichen Anteile entfallen auf Selbstbehalte der Klientinnen, Mitgliedsbeiträge, Spenden und sonstigen Förderungen.
Kontakt und Weblink
FRAUENHÄUSER STEIERMARK - Verein zur Soforthilfe für bedrohte und misshandelte Frauen und deren Kinder
Postfach 30, 8018 Graz
Telefonnummer: 0316 / 42 99 00
E-Mail: verein(at)frauenhaeuser.at

