Transgender
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Transgender ist ein Sammelbegriff für Phänomene, die sich durch Diskrepanzen zwischen Geschlechtsidentität und dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht einer Person auszeichnen. Dazu gehören beispielsweise Transsexualität (eine Person gehört den tradierten gesellschaftlichen Vorstellungen zufolge dem einen anatomischen Geschlecht an, fühlt sich aber eher dem anderen Geschlecht zugehörig) und Transvestitismus (das Tragen von Kleidung, die normalerweise dem anderen Geschlecht vorbehalten ist). Die Bandbreite ist also sehr groß – sie reicht von Menschen, die nur gelegentlich in eine andere Geschlechterrolle schlüpfen bis zu Personen, die mittels chirurgischer und endokrinologischer Maßnahmen ihr bei der Geburt zugewiesenes Geschlecht anpassen lassen.
Geschichte des Begriffs
Der Begriff „Transgenderal“ wurde möglicherweise im Jahr 1969 das erste Mal in einem Text genutzt: Die Autorin Virginia Prince veröffentlichte einen Artikel im Magazin „Transvestia“, in dem das Wort vorkam. Zehn Jahre später sprach Prince in einem Text von „Transgenderists“, die zusammen mit den Gruppen der Transvestiten und Transsexuellen die „trans-people“ darstellen. Transgenderists waren für Prince zu dieser Zeit Menschen, die die äußerliche Erscheinung des anderen Geschlechts für sich annehmen, jedoch keine chirurgische Geschlechtsanpassung vornehmen lassen (Ekins, Richard; King, Dave 2006:13). Kurze Zeit später erhielt „Transgenderists“ dann die Bedeutung, die „Transgender“ heute besitzt (Ekins, Richard; King, Dave 2006:16) und wurde zum Dachbegriff, der sämtliche Phänomene einschließt, bei denen das (auch nur zeitweise) Überschreiten von Geschlechtergrenzen eine Rolle spielt. In den 90er-Jahren wurde der Begriff „Transgender“ schließlich zu einem im politischen und akademischen Diskurs sehr häufig genutzten Schlagwort. Circa 1995 hielt er auch Einzug in den medizinischen Diskurs (Ekins, Richard; King, Dave 2006:16). Wie beim Sammelbegriff „Queer“ sehen viele politische Aktivist_innen in einem solchen Dachbegriff die Möglichkeit, die Entstehung von Ausschlüssen zu minimieren und die Kraft von sonst nicht miteinander kooperierenden Untergruppen (Transsexuelle, Crossdresser etc.) zu bündeln.
Cisgender
Als Gegenbegriff zu Transgender wurde der Terminus Cisgender eingeführt. Damit wird die Übereinstimmung zwischen Geschlechtsidentität und Geburts-Geschlecht bezeichnet, wie sie bei den meisten Menschen vorhanden ist. Etymologisch geht das Wort Cisgender auf das lateinische Präfix „cis-“ (deutsch: auf der gleichen Seite) zurück. Die Verwendung des Begriffes wurde in Transgender-Kreisen Mitte der 90er-Jahre populär. Manchmal wird auch das Adjektiv „nicht-trans“ benutzt. Analog zu Cisgender bezeichnet der Begriff Cissexuell das Gegenteil zu „Transsexuell“.
Die verschiedenen Ausprägungen von Transgender
Weil Transgender als Sammelbegriff für eine große Zahl verschiedener Phänomene fungiert, ist es sinnvoll, einige davon kurz vorzustellen. Insbesondere weil manche der im Folgenden dargestellten Sachverhalte noch nicht umfassend erforscht wurden, gibt es für diese noch keine wissenschaftlich anerkannten Definitionen. Oft gibt es in wissenschaftlichen und anderen Quellen sogar widersprüchliche Erläuterungen zu diesen Begriffen. Deshalb werden im Folgenden die Merkmale genannt, die den einzelnen Phänomenen von der Mehrzahl der Quellen zugesprochen werden.
Crossdressing
Crossdressing bezeichnet das Tragen von Kleidung, die eigentlich dem anderen Geschlecht vorbehalten ist. So fällt etwa ein Mann, der einen Rock trägt, in diese Kategorie. Der Begriff wird meist synonym zu „Transvestitismus“ genutzt. Letzterer Terminus wird jedoch von vielen Crossdressern abgelehnt, weil er pathologisierend wirkt und für viele Menschen negative Konnotationen besitzt (Ekins, Richard; King, Dave 2006:30).
Drag Kings / Drag Queens
Drag Kings sind Personen, denen bei der Geburt das weibliche Geschlecht zugewiesen wurde die sich im Rahmen einer künstlerischen Performance verkleiden. Dadurch parodieren sie stereotype Bilder von Männern. Oft werden dabei weibliche sekundäre Geschlechtsmerkmale verborgen (zum Beispiel durch das Abbinden der Brüste) und männliche sekundäre Geschlechtsmerkmale genutzt (etwa falsche Bärte). Auch betont machohafte Körpersprache ist ein oft gewähltes Mittel bei Drag-King-Performances. Analog dazu handelt es sich bei Drag Queens um Männer, die sich als Frau verkleiden und dabei besonders häufig auf Utensilien wie Make-up, falsche Brüste und auffällige Kleidung zurückgreifen. Drag-Performances können sowohl auf Bühnen, in Clubs als auch in öffentlichen Räumen stattfinden. Obwohl Drag meist mit der Kategorie Geschlecht in Verbindung gebracht wird, lassen sich auch Praktiken als Drag bezeichnen, in denen Geschlecht keine Rolle spielt, sondern andere identitätsstiftende Kategorien wie etwa Race und Class. Zum Beispiel ist im Film „Paris is Burning“ (USA 1990) zu sehen, dass bei Drag-Bällen in New York City Ende der 80er-Jahre auch die möglichst überzeugenden Darstellungen eines Managers oder eines College-Studenten präsentiert wurden. Oft finden Drag-Performances in einem politischen Kontext statt und verfolgen subversive Ziele. Judith Butler sprach Drag in mehreren ihrer Texte ein großes Potenzial zu, die von ihr postulierte heterosexuelle Matrix zu unterminieren.
Faux Queen
Während Drag Kings und Drag Queens bei ihren Performances Personen verkörpern, die nicht ihrem ihnen bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht angehören, sind Faux Queens Frauen, die Drag Queens darstellen. Faux Kings sind dementsprechend Männer, die Frauen darstellen, die Männer darstellen wollen.
M2F/F2M und MTF/F2M
Die Begriffe M2F/MTF (Male to Female) und F2M/FTM (Female to Male) haben sich in den letzten Jahren immer mehr durchgesetzt. Meist werden sie als Synonyme für „Transfrau“ und „Transmann“ genutzt. Manchmal werden sie auch als Dachbegriff für das gesamte Female-to-Male- bzw. Male-to-Female-Transgender-Spektrum verwendet.
Transe
Transe ist eine ursprünglich ausschließlich pejorativ genutzte Bezeichnung für (männliche) Transvestiten und Transsexuelle. Wie beim Begriff Queer fand jedoch in den letzten Jahren eine Resignifizierung statt – vormals als Transen beschimpfte Personen, vor allem aus dem MTF-Spektrum, begannen, den Begriff als Selbstbezeichnung zu nutzen (vgl. http://www.transgenderradio.de/glossar.html).
Transfrauen / Transmänner
Transfrauen sind Männer, die sich selbst eher als dem weiblichen Geschlecht zugehörig betrachten. Transmänner wurden nach ihrer Geburt als weiblich kategorisiert und sehen sich eher als männlich.
Transsexuelle
Transsexuelle Personen fühlen sich eher dem anderen Geschlecht zugehörig als dem, das ihnen bei ihrer Geburt zugewiesen wurde. Manche von ihnen lassen eine Geschlechtsanpassung vornehmen, meist aufgrund großen Leidensdrucks, der durch das Leben im als „falsch“ wahrgenommenen Körper entsteht. Es wird unterschieden zwischen prä-, post- und nichtoperativen Transsexuellen (Genschel:1998 310). Gelegentlich wird auch der Begriff „nonoperative(r) Transsexuelle(r)“ für Menschen genutzt, die einen chirurgischen Eingriff nicht in Erwägung ziehen. Eine häufig für/von MTF-Transsexuellen genutzte Abkürzung für Transsexualität und transsexuelle Personen ist „TS“.
Travestie
Mit dem Begriff Travestie wird eine Performance bezeichnet, in der jemand eine Person des anderen Geschlechts darstellt, zum Beispiel auf der Bühne oder im Film. Die Grenzen zu den Darstellungen von Drag Kings und Drag Queens sind hierbei fließend.
Pathologisierung von transidentitären Personen
Die Weltgesundheitsorganisation WHO veröffentlicht in Form ihrer „International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems“ ein in unregelmäßigen Abständen aktualisiertes Klassifikationssystem zur Diagnose von Krankheiten und anderen Störungen. Die neueste Version ist die im Jahr 1994 erstmals verwendete ICD-10. In Deutschland ist die Verwendung einer für dieses Land modifizierten ICD-10-Version üblich, die vom Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information herausgegeben wird. Diese Fassung klassifiziert eine Reihe von Transgender-Phänomenen als „Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen“. Es ist als problematisch zu sehen, dass Transgenderpersonen durch diese Klassifikationen als gestört eingestuft werden. Dies kann nicht nur weitreichende Folgen für ihre Selbstwahrnehmung haben, sondern auch für die Akzeptanz durch ihre Umwelt. Möglicherweise werden kommende ICD-Versionen das Thema kritischer betrachten und nicht mehr so stark zur Pathologisierung von Transgenderpersonen neigen, wie es momentan der Fall ist. Zum Vergleich kann man etwa die ICD-Einstufung der Homosexualität betrachten: Erst mit Einführung von ICD-10 in den 90er-Jahren galt sie nicht mehr als psychische Störung.
Im Folgenden sind die Klassifikationen von Sachverhalten aufgeführt, die in den Bereich Transgender fallen:
F64.- Störungen der Geschlechtsidentität
F64.0 Transsexualismus
Der Wunsch, als Angehöriger des anderen Geschlechtes zu leben und anerkannt zu werden. Dieser geht meist mit Unbehagen oder dem Gefühl der Nichtzugehörigkeit zum eigenen anatomischen Geschlecht einher. Es besteht der Wunsch nach chirurgischer und hormoneller Behandlung, um den eigenen Körper dem bevorzugten Geschlecht soweit wie möglich anzugleichen.
F64.1 Transvestitismus unter Beibehaltung beider Geschlechtsrollen
Tragen gegengeschlechtlicher Kleidung, um die zeitweilige Erfahrung der Zugehörigkeit zum anderen Geschlecht zu erleben. Der Wunsch nach dauerhafter Geschlechtsumwandlung oder chirurgischer Korrektur besteht nicht; der Kleiderwechsel ist nicht von sexueller Erregung begleitet.
Inkl.: Störung der Geschlechtsidentität in der Adoleszenz oder im Erwachsenenalter, nicht transsexueller Typus
F64.2 Störung der Geschlechtsidentität des Kindesalters
Diese Störung zeigt sich während der frühen Kindheit, immer lange vor der Pubertät. Sie ist durch ein anhaltendes und starkes Unbehagen über das zugefallene Geschlecht gekennzeichnet, zusammen mit dem Wunsch oder der ständigen Beteuerung, zum anderen Geschlecht zu gehören. Es besteht eine andauernde Beschäftigung mit der Kleidung oder den Aktivitäten des anderen Geschlechtes und eine Ablehnung des eigenen Geschlechtes. Die Diagnose erfordert eine tief greifende Störung der normalen Geschlechtsidentität; eine bloße Knabenhaftigkeit bei Mädchen und ein mädchenhaftes Verhalten bei Jungen sind nicht ausreichend. Geschlechtsidentitätsstörungen bei Personen, welche die Pubertät erreicht haben oder gerade erreichen, sind nicht hier, sondern unter F66.- zu klassifizieren.
F64.8 Sonstige Störungen der Geschlechtsidentität
F64.9 Störung der Geschlechtsidentität, nicht näher bezeichnet
F65.- Störungen der Sexualpräferenz
F65.1 Fetischistischer Transvestitismus
Zur Erreichung sexueller Erregung wird Kleidung des anderen Geschlechts getragen; damit wird der Anschein erweckt, dass es sich um eine Person des anderen Geschlechts handelt. Fetischistischer Transvestismus unterscheidet sich vom transsexuellem Transvestitismus durch die deutliche Kopplung an sexuelle Erregung und das starke Verlangen, die Kleidung nach dem eingetretenen Orgasmus und dem Nachlassen der sexuellen Erregung abzulegen. Er kann als eine frühere Phase in der Entwicklung eines Transsexualismus auftreten.
Geschlechtsanpassung / Geschlechtsangleichung
Manche, aber nicht alle Transsexuellen möchten ihr ihnen bei der Geburt zugewiesenes Geschlecht durch chirurgische Eingriffe und die Einnahme beziehungsweise Blockierung von Hormonen ändern. Während hierfür früher lange der Begriff „Geschlechtsumwandlung“ gebräuchlich war, bevorzugen viele Transpersonen, Mediziner_innen und Akademiker_innen mittlerweile eher die Ausdrücke „Geschlechtsanpassung“ oder „Geschlechtsangleichung“. Durch diese neuen Termini kann zweierlei zum Ausdruck gebracht werden: zum einen, dass durch die Maßnahmen eine Angleichung des Körpers an das empfundene „wahre“ Geschlecht der Person vorgenommen wird; zum anderen, dass in der Regel nur einzelne körperliche Geschlechtsmerkmale modifiziert werden, es also zu keiner kompletten Umwandlung des Geschlechts (dass ja durch eine Vielzahl von Faktoren bestimmt werden kann) kommt. Manche Transpersonen bevorzugen den noch genaueren Ausdruck „Genitalangleichung“ (vgl. http://aurisa.twoday.net/stories/3480785/). Im englischsprachigen Raum sind die Begriffe „sex reassignment“ sowie „gender reassignment“ gebräuchlich (Deutsch etwa: Neuzuordnung des Geschlechts). Da „sex“ im Kontext der Gender und Queer Studies als "biologisches" Geschlecht gilt und „gender“ als sozial konstruiertes, ist also „sex reassignment“ der passendere Begriff. So wie im deutschen Volksmund auch heute noch meist von „Geschlechtsumwandlungen“ die Rede ist, spricht man im englischsprachigen Raum oft noch von „sex changes“.
Geschlechtsanpassungen bei Transsexuellen werden – anders als bei intersexuellen Personen - gemeinhin nur auf ihren ausdrücklichen Wunsch vollzogen. Während Intersexuelle häufig direkt nach der Geburt aus medizinischer Sicht unnötige geschlechtsanpassende Maßnahmen erfahren, müssen Transsexuelle einen sich über mehrere Jahre erstreckenden Gang durch verschiedenste Institutionen bewältigen, um schließlich einen chirurgischen Eingriff an sich vornehmen lassen zu dürfen.
Zu den an Transmännern vorgenommenen chirurgischen Eingriffen zählen unter anderem die Mastektomie (Brustamputation), das Verschließen der Vagina sowie der Aufbau eines neuen Penis. Transfrauen können sich unter anderem der Vergrößerung der Brüste, der Entfernung der Hoden sowie der Schaffung einer Vagina unterziehen lassen, um dem Ideal eines „weiblichen Körpers“ näherzukommen.
Passing (siehe auch hier)
Das englische Verb „to pass“ hat verschiedene Bedeutungen, zum Beispiel „durchkommen“, „(z.B. eine Prüfung) bestehen“, „vorbeigehen“ oder auch „überschreiten“. Beim Prozess des Passings geht es darum, dass eine Person von anderen Menschen einer gesellschaftlichen Gruppe zugeordnet wird, der sie eigentlich nicht angehört. Wenn zum Beispiel ein schwuler Mann als heterosexuell oder eine afroamerikanische Frau als „weiß“ wahrgenommen wird, ist dies Passing. Im Transgender-Kontext bezeichnet der Begriff das „Durchgehen“ als Person, die dem anderen Geschlecht zugehörig ist. Ein Transmann passt also beispielsweise, wenn er auf der Straße als Mann wahrgenommen wird.
Um ein Passing als Angehörige(r) des anderen Geschlechts zu erreichen, können verschiedene Maßnahmen ergriffen werden. Einige davon sind:
- das Tragen von Kleidung des anderen Geschlechts
- die Benutzung von Make-up
- die Anbringung von falscher Kopf-, Körper- oder Gesichtsbehaarung
- Körpersprache, die gemeinhin dem anderen Geschlecht zugeschrieben wird
- eine operative und/oder hormonelle Geschlechtsangleichung
- das Abbinden der Brüste und das Tragen einer Penisprothese (auch im angezogenen Zustand) bei Transmännern
Im deutschen Sprachraum hat sich für den Vorgang des Passings das Verb „passen“ etabliert. Dabei wird das „a“ langgezogen („pah-ßing“). Nicht alle Transgenderpersonen streben ein Passing an. Manche wünschen sich sehnlich, zu passen, können diesen Zustand jedoch zum Beispiel aus körperlichen Gründen kaum erreichen. Exemplarisch könnte man den Fall eines Mannes mit Schuhgröße 48 konstruieren, der aufgrund seiner für Frauen untypisch großen Füße immer Probleme damit haben wird, als weiblich durchzugehen. In Transgender-Communitys können in Zusammenhang mit dem Passing Hierarchien oder gar Ausgrenzungen entstehen. Beispielsweise können Personen, die nicht passen, aus diesem Grund ausgeschlossen werden. Eine Transgenderperson namens Pandora hat in einer Unterstützungsgruppe für Transgenders folgende Hierarchie ausgemacht (Quelle: http://www.trans-health.com/displayarticle.php?aid=57):
- Attraktive postoperative Transsexuelle
- Attraktive präoperative Transsexuelle, die ihre Geschlechtsidentität 24 Stunden am Tag ausleben („full time transsexuals“)
- Passende (aber nicht nach konventionellen Maßstäben attraktive) postoperative Transsexuelle
- Passende (aber nicht nach konventionellen Maßstäben attraktive) präoperative „full time transsexuals“
- Attraktive nonoperative „full time transsexuals“
- Passende nonoperative „full time transsexuals“
- Passende „full time“-Transgender-Personen
- Transsexuelle, die den Prozess der Geschlechtsanpassung noch nicht begonnen haben
- Andere nicht-passende Transsexuelle
- Crossdresser
- Crossdresser, die aus Fetisch-Gründen Kleidung des anderen Geschlechts tragen
Eine besondere Form des Passings wird mit „Stealth“ (deutsch: Heimlichkeit) bezeichnet: Bei Transgenderpersonen, die in „Stealth“ leben, weiß niemand aus ihrem Umfeld, dass sie als Angehörige_r des anderen Geschlechts geboren wurden.
Sexualität
Die Geschlechtsidentität ist als unabhängig von der sexuellen Orientierung zu betrachten (Schmitz 2006:50) und es sind viele verschiedene Kombinationen von Geschlecht und Begehren möglich. Ein Transmann bevorzugt also nicht automatisch Frauen bei seiner Partnerwahl.
Transphobie
Transphobie sind Ressentiments gegen Menschen, deren Geschlechtsidentität, Aussehen oder Verhalten von ihrem ihnen bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht abweicht. Darryl B. Hill definiert Transphobie als „emotionalen Ekel vor Individuen, die nicht den geschlechtlichen Erwartungen einer Gesellschaft entsprechen“ (zitiert nach Nagoshi et.al. 2008:521).
Äußern kann sich Transphobie auf verschiedene Weise, zum Beispiel durch negative Gedanken über Transpersonen, verbale Diskriminierung oder gar körperliche Übergriffe. Bei einer von Emilia Lombardi zitierten Studie gaben 60 Prozent der befragten Transpersonen an, schon einmal Diskriminierung und/oder Gewalt erfahren zu haben (Lombardi 2007:638). Wie unter anderem Amnesty International immer wieder berichtet, kommt es in vielen Staaten auch zu Übergriffen durch Polizisten. Die Wochenzeitung „Jungle World“ berichtete 2002 über die Misshandlung von Transfrauen auf Hamburger Polizeiwachen (vgl. http://www.nadir.org/nadir/periodika/jungle_world/_2002/37/09a.htm). In den USA wird durchschnittlich alle zwei Wochen eine Transgenderperson, meistens Transfrauen, aufgrund ihres Transseins ermordet. Statistiken dazu gibt es hier. Dieses Jahr wurde das erste Mal ein Täter, der Mörder von Angie Zapata, tatsächlich als Hate Crime bestraft.
In der Netzkultur der letzten Jahre hat sich der Begriff „Trap“ (deutsch: Falle) für Transgenderpersonen etabliert. Dadurch wird eine oft geäußerte Furcht heterosexueller Männer zum Ausdruck gebracht: das Kennenlernen einer attraktiven Frau, die sich dann vor oder beim Sex als präoperative Transfrau entpuppt.
Gesundheitliche Probleme
Ihre Transidentität kann für Transgenderpersonen gesundheitliche Probleme mit sich bringen. Bei Statistiken zu diesem Thema ist zu beachten, dass nicht alle Studien in diesem Bereich als repräsentativ anzusehen sind. Sandy Stone zitiert zum Beispiel eine Arbeit, aus der hervorgeht, dass ein großer Anteil der untersuchten Transsexuellen depressiv oder schizophren waren. Jedoch hatten 90 Prozent der Befragten ernsthafte gesundheitliche Probleme und 82 Prozent verdienten ihr Geld mit Prostitution (Stone:2006:223). Solche nichtrepräsentativen Samples sorgen für verfälschte Ergebnisse, die sich dann auch für verschiedene Zwecke instrumentalisieren lassen – das genannte Beispiel ließe sich etwa als Beleg dafür heranziehen, dass bei Transsexuellen häufiger als bei Cispersonen affektive und psychische Störungen auftreten. Im Folgenden sind mögliche Probleme von Transgenderpersonen aus den Bereichen Gesundheit und Gesundheitswesen aufgelistet.
- Psychische Folgen von Diskriminierung
- Psychische und physische Folgen von transphoben Übergriffen
- Schwierigkeiten, Ärzt_innen zu finden, die sich mit den Belangen von Transpersonen auskennen
- Kein Zugang zu Gesundheitsversorgung, besonders in ländlichen Gebieten (Lombardi 2007:645)
- Manche Transpersonen haben aufgrund negativer Erfahrungen mit Ärzt_innen und Krankenhäusern kein Vertrauen ins Gesundheitswesen und begeben sich deshalb dann nicht mehr in Behandlung.
- Diskriminierung durch Ärzt_innen und andere Personen des Gesundheitswesen
- Komplette Verweigerung der Behandlung durch Personen des Gesundheitswesens (Lombardi 2007:639)
- Unangemessene, in manchen Fällen sogar stark gesundheitsschädigende Behandlungen von Transpersonen
- Laut verschiedener Studien sind LBGT-Personen anfälliger für Alkohol-, Nikotinsucht und sonstige Drogensucht. Als einer der möglichen Gründe hierfür wird das hohe Maß an Stress angegeben, dem LBGT-Personen in manchen Situationen ausgesetzt sind (Greenwood; Gruskin 2007:566).
- Vorsorge- und Aufklärungsprogramme greifen mitunter nicht effizient, weil Transgenderpersonen sich nicht durch sie angesprochen fühlen (Lombardi 2007:643)
- HIV und AIDS sind laut verschiedenen Studien unter Transpersonen recht weit verbreitet
- Durch die nicht ärztlich überwachte Einnahme von Hormonen (die möglicherweise aus zweifelhaften Quellen stammen) können Gesundheitsrisiken entstehen
Weitere Probleme
Die folgende (unvollständige) Liste benennt einige der weiteren möglicherweise auftretenden Probleme, mit denen Transgenderpersonen abseits vom Gesundheitswesen konfrontiert werden können. Manche davon können auch bei Cisgenderpersonen auftreten. Die Liste ist angelehnt an eine Darstellung des Sylvia Rivera Law Projects.
Wohnen
- Transpersonen werden mitunter aus dem Elternhaus geworfen und von den Eltern abgelehnt.
- Sie müssen ihre Geschlechtsidentität in nach Geschlechtern aufgeteilten Wohneinrichtungen (zum Beispiel Obdachlosenheimen) verbergen (Lombardi 2007:642).
- Sie können in Wohneinrichtungen Opfer sexueller Gewalt werden.
- Es kann für sie schwierig sein, eine Wohnung zu finden.
- Aus den oben beschriebenen Punkten resultierend besteht die Gefahr, obdachlos zu werden.
Arbeit
- Diskriminierung bei der Einstellung und am Arbeitsplatz. In einer Umfrage gaben 57 Prozent der Transmänner und 46 Prozent der Transfrauen an, derartige Erfahrungen gemacht zu haben (vgl. Lombardi 2007:638).
- Fehlende oder bezüglich des Geschlechts nicht mehr aktuelle Papiere können für Probleme bei Jobsuche und Einstellung sorgen.
- Wenn arbeitsrechtliche Probleme durch die Transidentität entstehen, kann es besonders schwierig sein, Anwält_innen zu finden, die sich des Falls annehmen und die auch die Interessen der Transperson durchsetzen können.
- Aus den oben beschriebenen Punkten resultierend: Schwierigkeiten, einen Job zu finden oder Verlust des Arbeitsplatzes.
Sonstige Probleme
- Transphobe Beleidigungen und Übergriffe im Alltag
- Negative Erfahrungen mit der Polizei können dazu führen, dass Transpersonen sich nicht an die Behörden wenden, zum Beispiel wenn sie Opfer von Gewalttaten werden.
- Alltagssituationen wie das Kaufen neuer Kleidung oder die Benutzung öffentlicher Toiletten können zum Problem werden.
Eine gute Übersicht zu den Widrigkeiten, denen Transgenderpersonen ausgesetzt sind, bietet auch die „Cis Privilege Checklist“, in der Privilegien aufgelistet werden, die Cispersonen im Gegensatz zu Transgenderpersonen genießen.
Transsexuellengesetz
Das deutsche Transsexuellengesetz (abgekürzt TSG) trat am 1. Januar 1981 in Kraft. Seitdem wird durch das Gesetz der Umgang mit transsexuellen Personen in Bezug auf zwei Aspekte geregelt: die Änderung des Vornamens und die Feststellung der Geschlechtszugehörigkeit. Um einen Vornamen des anderen Geschlechts annehmen zu dürfen, sind zwei Gutachten erforderlich. Diese belegen, dass die Person seit mindestens drei Jahren „unter dem Zwang steht, ihren Vorstellungen entsprechend zu leben“ und dass davon auszugehen ist, dass sie den Wunsch der Geschlechtsanpassung nicht wieder revidieren wird. Um ihren Geschlechtseintrag ändern zu lassen, muss eine Person dauerhaft fortpflanzungsunfähig sein und muss eine erfolgreiche Geschlechtsanpassung an sich durchgeführt haben lassen.
Das TSG ist nicht unumstritten. Beispielsweise stufte das Bundesverfassungsgericht Teile des Gesetzes im Jahr 2008 als verfassungswidrig ein. Das TSG wird von Trans-Aktivist_innen in der Regel abgelehnt.
Repräsentation: Transgender im Film
Ähnlich wie im Fall der Darstellung von Homosexualität im Film durchlief auch die Repräsentation von Transgenderpersonen in diesem Medium verschiedene Phasen. Während Transvestitismus und Travestie vor 1960 hauptsächlich in Komödien zur Belustigung des Publikums dargestellt wurden oder in sonst eher ernsthaften Filmen für „comic relief“ sorgen sollten, trat mit Alfred Hitchcocks „Psycho“ (USA 1960) eine wichtige Wende ein. Was für die Darstellung von Homosexuellen die Vampire sind - homosexuell konnotierte Figuren, die weit verbreitete Vorurteile über Schwule wie etwa Promiskuität und die Übertragung von Krankheiten zementieren – ist für Transgenderpersonen der Serienkiller, der seit „Psycho“ in Hunderten von sogenannen Slasherfilmen als Antagonist eingesetzt wurde. In diesem Subgenre des Horrorfilms, in dem meist Teenager von einem psychopathischen Killer gejagt werden, entpuppt sich der Mörder am Ende häufig als „male in gender distress“ (Clover 1993:27). Transsexuelle und Crossdresser wurden somit lange Zeit entweder als nicht ernst zu nehmende Witzfiguren oder psychisch kranke Mörder dargestellt. Erst in den letzten Jahrzehnten sind verstärkt Filme entstanden, in denen Transgenderpersonen als Identifikationsfiguren fungieren. Dass die Transidentität eines Filmcharakters nicht wichtiger Bestandteil der Handlung ist, ist jedoch momentan noch äußerst selten. Mittlerweile gibt es jedoch immer häufiger homosexuelle Filmfiguren, deren Begehren nicht weiter thematisiert wird. Es wäre also möglich, dass auch Transgender-Figuren in den nächsten Jahren häufiger in erster Linie als Menschen porträtiert werden und ihre Transidentität in den Hintergrund rückt. Die Filme von Pedro Almodovar beispielsweise bewegen sich schon in diese Richtung.
Liste wichtiger Filme mit Transgender-Figuren
Die folgende Liste mit interessanten Filmen, in denen Transgenderpersonen vorkommen, ist höchst subjektiv und unvollständig.
“Yentl” (USA 1983): Spielfilm über eine Jüdin, die sich als Mann verkleidet, um den Talmud studieren zu dürfen
„Paris Is Burning“ (USA 1991): Dokumentation über die New Yorker Dragball-Szene der späten 80er-Jahre
“The Crying Game” (Irland/Großbritannien 1992): ACHTUNG SPOILER: Spielfilm über einen IRA-Terroristen, der sich in eine präoperative Transfrau verliebt
“Priscilla – Königin der Wüste” (Australien 1994): Roadmovie über zwei Dragqueens, die durch Australien reisen
“To Wong Foo, thanks for Everything, Julie Newmar” (USA 1995): Roadmovie über eine Reise dreier Dragqueens
“The Brandon Teena Story” (USA 1998): Dokumentation über den Transmann Brandon Teena, der 1993 ermordet wurde
“Boys Don't Cry” (USA 1999): Spielfilm über die Geschichte des Brandon Teena
„Gendernauts“ (USA 1999): Dokumentation über die Transgenderszene San Franciscos
„Venus Boyz“ (Schweiz 2001): Dokumentation über Drag Kings in London und New York
Die Filme von Pedro Almodovar: Der spanische Filmemacher drehte mehrere Filme mit Transgenderfiguren. Besonders erwähnenswert: “Alles über meine Mutter” (Spanien 1999) und “La mala educación” (Spanien 2004)
Komödien mit Transvestitismus- und Travestieelementen: Die Masse an Komödien, in denen Transvestiten und Travestienummern vorkommen, ist unüberschaubar. Herausragende Beispiele sind “Charleys Tante” (mehrere Verfilmungen, z.B. Deutschland 1956), “Ein Käfig voller Narren” (Frankreich, Italien 1978), “Manche mögen's heiß” (USA 1959) und “Tootsie” (USA 1982).
Horrorfilme mit Transgenderfiguren als Antagonisten: Besonders die Filme “Dressed to Kill” (USA 1980), “Psycho” (USA 1960), “Das Schweigen der Lämmer” (USA 1990) und “Sleepaway Camp” (USA 1983) sind hier hervorzuheben.
„Eine Frage der Liebe“ (USA 2004): Liebesgeschichte über das Ehepaar Roy und Irma in dem Roy nach 25 Jahren glücklicher Ehe gesteht im inneren eine Frau zu sein.
„XXY“ (Argentinien/Frankreich/Spanien 2004): Ein Film über die 15-Jährige Alex die als Mädchen mit den Chromosomen (46, XX) an der Vermännlichung durch das Adrenogenitale Syndrom leidet.
Transgender Studies
In den letzten Jahren hat sich neben den – bereits schon etwas etablierteren – wissenschaftlichen Disziplinen der Gender Studies und der Queer Studies auch das Fach der Transgender Studies herausgebildet. Einer der wichtigsten Sammelbände in diesem Bereich ist „The Transgender Studies Reader“ (Stryker; Whittle 2006). Insbesondere der in diesem Sammelband enthaltene Text „The Empire Strikes Back. A Posttranssexual Manifesto“ von Sandy Stone wird häufig als sehr wichtig für die Transgender Studies bezeichnet.
Literatur
- Aurisa – eine andersnormale Frau. Die geschlechtsangleichenden / genitalangleichenden Operationen. (29.06.2009; 12:23)
- Clover, Carol: Men, Women and Chain Saws. Gender in the Modern Horror Film. Princeton, NJ 1993, ISBN 978-0691006208 <a href="javascript:Pick it!ISBN: 978-0691006208"><img style="border: 0px none ;" src="http://www.citavi.com/softlink?linkid=FindIt" alt="Pick It!" title='Titel anhand dieser ISBN in Citavi-Projekt übernehmen'></a> .
- Das Bundesverfassungsgericht (29.06.2009; 12:23)
- Diagnostische und arztrechtliche Probleme bei transsexuellen Geschlechtsidentitätsstörungen (29.06.2009; 12:23)
- DIMDI - ICD-10-GM Version 2009 (29.06.2009; 12:23)
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- Greenwood, Gregory L.; Gruskin, Elisabeth P.: LGBT Tobacco and Alcohol Disparities. In: Meyer, Ilan H.; Northridge, Mary E. (Hg.): The Health of Sexual Minorities. Public Health Perspectives on Lesbian, Gay, Bisexual and Transgender Populations. New York, 2007, ISBN 978-0387288710 <a href="javascript:Pick it!ISBN: 978-0387288710"><img style="border: 0px none ;" src="http://www.citavi.com/softlink?linkid=FindIt" alt="Pick It!" title='Titel anhand dieser ISBN in Citavi-Projekt übernehmen'></a> , S. 566-583.
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- Sister Dana: San Francisco Bay Times (29.06.2009; 12:23)
- Stone, Sandy: The Empire Strikes Back. A Posttranssexual Manifesto. In: Stryker, Susan; Whittle, Stephen: The Transgender Studies Reader. New York 2006, ISBN 978-0415947084 <a href="javascript:Pick it!ISBN: 978-0415947084"><img style="border: 0px none ;" src="http://www.citavi.com/softlink?linkid=FindIt" alt="Pick It!" title='Titel anhand dieser ISBN in Citavi-Projekt übernehmen'></a> , S. 221-235.
- Striptease unter Zwang(29.06.2009; 12:23).
- Systemic inequality: Factors leading to trans population being disproportionately poor and homeless (29.06.2009; 12:23)
- TSG - Gesetz über die Änderung der Vornamen und die Feststellung der Geschlechtszugehörigkeit in besonderen Fällen (29.06.2009; 12:23)
- Urban Dictionary: trap (29.06.2009; 12:23)
- WHO. International Classification of Diseases (ICD) (29.06.2009; 12:23)

