TERRE DES FEMMES

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TERRE DES FEMMES e.V. ist ein in Hamburg gegründeter gemeinnütziger Verein, der sich für ein selbstbestimmtes und freies Leben von Frauen und Mädchen weltweit einsetzt. Ziel ist ein partnerschaftliches und gleichberechtigtes Geschlechterverhältnis.

Die Frauenrechtsorganisation unterstützt Frauen und Mädchen durch internationale Vernetzung, Einzelhilfe und Förderung von einzelnen Projekten. Mit eigenen Publikationen, Ausstellungen, einem Filmfest, Jahreskampagnen und Lobbyarbeit wird die Öffentlichkeit über Misshandlungen und Diskriminierungen von Frauen informiert. Die Arbeit des Vereins finanziert sich hauptsächlich aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen.

Schwerpunktaufgaben sind der Kampf gegen Frauenhandel und Zwangsprostitution, Genitalverstümmelung, Gewalt im Namen der Ehre/Zwangsheirat und häusliche Gewalt. Die Geschäftsstelle befindet sich in Tübingen, seit 2004 existiert TERRE DES FEMES auch in der Schweiz mit Sitz in Bern.

Inhaltsverzeichnis

Entstehungsgeschichte

Ein Artikel in der Zeitschrift "Brigitte" über Schicksale von Frauen im mittleren Osten veranlasste einige Frauen in Hamburg, aktiv zu werden. Der Brigitte-Artikel basierte auf einer Dokumentation mit dem Titel "Princesses mortes", die von der Schweizer Menschenrechtsorganisation Sentinelles herausgegeben wurde. Bei einem Besuch der in Lausanne ansässigen Organisation wurde die Idee geboren, einen eigenen Verein zu gründen. Unter dem Namen TERRE DES FEMMES (Erde der Frauen) mit dem Untertitel "Menschenrechte für die Frau" erfolgte im Juli 1981 der Eintrag in das Vereinsregister der Stadt Hamburg. Dem Verein wurde die Gemeinnützigkeit zugesprochen. Die Dokumentation "Princesses mortes" wurde später von TERRE DES FEMMES übersetzt und erschien 1987 als erste Publikation mit dem Titel "Tod als Ehrensache". Sie ist heute noch erhältlich.

Organisatorisch bestand die Vereinigung bis 1990 aus einem Vorstand und aktiven Städtegruppen, die ehrenamtlich arbeiteten. 1990 gelang es, in Tübingen eine vom Arbeitsamt finanzierte Stelle einzurichten. Hiermit wurde der Grundstein für den Aufbau einer Bundesgeschäftsstelle mit weiteren hauptamtlichen Kräften gelegt. Derzeit arbeiten bei TERRE DES FEMMES ca. 20 hauptamtliche Kräfte, die von Praktikantinnen unterstützt werden.

2004 wurde die TERRE DES FEMMES-Stiftung gegründet, um die Arbeit von des Vereins langfristig finanziell zu sichern.


Beispiele geschlechtsspezifischer Gewalt

  • Mehr als 50% der Frauen aus Äthiopien, Peru und Tansania haben körperliche oder sexuelle Gewalt durch ihren Partner erfahren
  • Verweigerung des Selbstbestimmungsrechts von Frauen über ihren Körper: 130 Millionen Frauen und Mädchen sind an ihren Genitalien verstümmelt, 2 Millionen Mädchen sind von Genitalverstümmelung bedroht
  • Es wird geschätzt, dass weltweit eine von fünf Frauen einmal in ihrem Leben einer Vergewaltigung oder versuchten Vergewaltigung zum Opfer fällt
  • In Pakistan wurden zwischen 1998 und 2003 mindestens 4000 Frauen Opfer von Ehrenmorden
  • In Afghanistan werden 57% der Mädchen verheiratet, bevor sie das 16. Lebensjahr erreicht haben.


(Quelle: UNIFEM)


Öffentlichkeitsarbeit und Aktionen

Seit 1981 arbeitet TERRE DES FEMMES als gemeinnützige Menschenrechtsorganisation für die Rechte von Frauen und Mädchen. Der Verein organisiert und veranstaltet bundesweite Kampagnen z.B. gegen Ehrverbrechen, Genitalverstümmelung und andere Menschenrechtsverletzungen. Die Referentinnen, aktive Mitfrauen und Städtegruppen halten Vorträge über die Ursachen, erstellen Informations- und Unterrichtsmaterial für Schulen und rufen immer wieder zu Unterschriftenaktionen auf. Durch diese Tätigkeiten hat TERRE DES FEMMES für bestimmte Themen eine Expertinnenrolle und der Rat wird auch von VertreterInnen der Bundesregierung eingeholt.

Alljährlich am 25. November, dem internationalen Tag "Nein zu Gewalt an Frauen" findet seit 2001 eine Fahnenaktion statt und gleichzeitig startet damit die neue Schwerpunktkampagne. Seit November 2006 heißt das Thema für zwei Jahre: "NEIN zu Häuslicher Gewalt- Frauen schlägt Mann nicht".

TERRE DES FEMMES erarbeitet Präventions- und Informationsmaterial für Schulen und Jugendhäuser. So bieten beispielsweise Unterrichtsmappe zu den Themen Genitalverstümmelung und Zwangsheirat Lehrern und Mitarbeitern in Jugendhäusern Hintergrundinformationen zu diesen Themen.

Inhaltliche Referate / Archiv

Weibliche Genitalverstümmelung

Seit der Gründung des Vereins engagiert sich TERRE DES FEMMES für die Abschaffung der weiblichen Genitalverstümmelung. Das Referat verfolgt dabei im Wesentlichen zwei Ziele: Zum einen soll die Öffentlichkeit in Deutschland über dieses Thema durch Vorträge und Artikel aufgeklärt und sensibilisiert werden. Im Januar 2007 wurde die erste Unterrichtsmappe zu diesem Thema vorgestellt. Zum anderen will TERRE DES FEMMES die Situation betroffener und gefährdeter Mädchen und Frauen in Deutschland verbessern. Für dieses Anliegen wurde speziell für Migrantinnen die Broschüre „Wir schützen unsere Töchter“ entwickelt, die in sechs Sprachen über die gesundheitlichen Folgen weiblicher Genitalverstümmelung und die Rechtslage in Deutschland informiert. TERRE DES FEMMES unterstützt zusätzlich Projekte zu diesem Thema in Burkina Faso, Tansania und Kenia.


Häusliche Gewalt

Am 25. November 2006, dem Internationalen Tag „NEIN zu Gewalt an Frauen“ wurde die zweijährige Kampagne „FRAUEN SCHLÄGT MANN NICHT – NEIN zu häuslicher Gewalt“ gestartet. Im Rahmen dieser Kampagne will TERRE DES FEMMES das Thema publik machen und Betroffene aus Politik, Justiz, Polizei, Krankenkassen, Krankenhäusern, Forschung, Arbeits- und Sozialämtern, Schulen und Kindergärten an das Thema heranführen, um sie für den Umgang mit von Gewalt betroffenen Frauen und Kindern vorzubereiten. Auch in der Wirtschaft machen sich die Auswirkungen häuslicher Gewalt bemerkbar. So geht man davon aus, dass 25% der Arbeitsplatzprobleme auf häusliche Gewalt zurückzuführen sind. TERRE DES FEMMES fordert daher eine Allianz von Unternehmen gegen Häusliche Gewalt.


Gewalt im Namen der Ehre / Zwangsheirat

Dieses Referat informiert über die Hintergründe von Ehrverbrechen und Zwangsheirat. Zu diesem Zweck wurden bislang zwei Kampagnen durchgeführt: 2002/2003 „STOPPT Zwangsheirat“ und 2004/2006 „NEIN zu Gewalt im Namen der Ehre“. Im Rahmen dieser Kampagnen wurde die Wanderausstellung „Tatmotiv Ehre“ erarbeitet, zu der auch ein Begleitbuch erschienen ist. Ferner bietet TERRE DES FEMMES Fortbildungen, Unterrichtsmappen und Flyer zu diesen Themen an.


Eilaktionen

Im Referat Eilaktionen/Einzelfallhilfe wird einzelnen Frauen, die z.B. von Zwangsheirat, Frauenhandel oder geschlechtsspezifischer Verfolgung betroffen sind, durch konkrete Maßnahmen geholfen. Dazu gehört zum einen die Betreuung durch Informationsvermittlung zum anderen aber auch das Einbeziehen der Öffentlichkeit. Dies wird realisiert durch den Eilaktionsverteiler von TERRE DES FEMMES, in dem man sich online eintragen kann.


Archiv

Das TERRE DES FEMMES-Archiv umfasst Zeitungsartikel, Zeitschriften, Bücher zu Menschenrechts- und vor allem zu Frauenrechtsthemen, aber auch digital angelegte Dateien. Mittlerweile befinden sich im Archiv 6600 Publikationen sowie ca. 90 000 Zeitungsartikel. (Stand: April 2007) Das Archiv versorgt die Referentinnen mit Informationen für ihre alltägliche Arbeit. Außerdem kann sich jede(r) an das Archiv wenden, der Informationen über frauenrechtsrelevante Themen sucht. Interessierte können dem Archiv entweder einen Rechercheauftrag erteilen oder nach Absprache auch selbst nach Materialien suchen. TERRE DES FEMMES ist Mitglied beim Dachverband deutschsprachiger Frauen/Lesbenarchive i.d.a.


Projektkooperationen

TERRE DES FEMMES unterstützt weltweit derzeit acht Selbsthilfeprojekte und Initiativen von Frauen für Frauen: drei Projekte zu Frauenrechten in islamischen Gesellschaften in Afghanistan, Algerien und Israel, drei Projekte gegen Genitalverstümmelung in Kenia, Tansania und Burkina Faso, ein Projekt zum Thema Gewaltprävention und Antidiskriminierung von Frauen in Indien und ein Projekt zur Prävention gegen Frauenhandel in Weißrussland.


Weblinks

Quellen

Bibliographie

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