Sexuelle Gewalt

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Inhaltsverzeichnis

Der Begriff

„Der Begriff Gewalt ist sinnverwandt mit Kraft, Stärke, Macht, Ausübung von Herrschaft, Unterdrückung, Anwendung von Zwang. Aus der Geschlechterperspektive ist Gewalt zuerst in der Form sexueller Gewalt am Beispiel der Vergewaltigung thematisiert und enttabuisiert worden.“ (Kroll, S.162) In der Frauenforschung wird die sexuelle Gewalt auch als sexualisierte Gewalt bezeichnet. Unter sexueller Gewalt versteht man alle sexuellen Handlungen, die gegen den Willen eines Partners durchgeführt werden. In den Sozialwissenschaften wird der Begriff oft auf Handlungen ausgedehnt, die nicht strafbar sind, aber moralisch verurteilt werden. „Aggressives Sexualverhalten hat seine Ursache letztlich in gesellschaftlichen Strukturen, die über Sozialisationserfahrungen und Erziehungsformen in den Biographien und Persönlichkeitsstrukturen der Individuen ihren Niederschlag und ihren Ausdruck finden.“ (Harten, S.91). Man kann sagen, dass die Ursache für die sexuelle Gewalt in den allgemeinen Geschlechterverhältnissen liegt. Die Untersuchungen zeigen, dass sexuelle Gewalt im größten Teil von den Männern ausgeübt wird. Die weiblichen Sexualtäter gelten als eine Seltenheit. „Veränderungen in Geschlechterverhältnissen lassen aber Gewalt zunehmend auch als `Ressource` z.B. von Mädchen und weiblichen Jugendlichen erkennen.“ (Koher/Pühl, S.8)


Gewalt gegen Frauen

Die Gewalt gegen Frauen gab es in allen patriarchalischen Gesellschaften und ist immer noch in allen Gesellschaftsklassen zu beobachten. Die öffentliche Behandlung des Themas Gewalt ist in unserer Gesellschaft tabuisiert. Vor allem aber sexuelle Gewalt gegen Frauen. „Die feministische Forschung hat den Mythos demontiert, Vergewaltigung sei Gewalt gegen fremde, aufreizende Frauen; Untersuchungen belegen, dass Gewalt gegen Frauen in erster Linie im häuslichen Bereich von nahe stehenden Personen gegen Frauen und Mädchen jeden Alters ausgeübt wird.“ (Kroll, S.162) Oft wird der Widerstand durch Drohungen und Einschüchterungen gebrochen. Die betroffenen Frauen versuchen es zu verbergen, weil sie Angst vor der Reaktion der Bekannten, Nachbarn oder Eltern haben. Sexuelle Gewalt in der Ehe taucht in den Kriminalstatistiken kaum auf. Die Gespräche mit den Ärzten, Polizisten, Anwälten führen dazu, dass die meisten Frauen ihre Ehemänner nicht anzeigen wollen. Die sexuelle Gewalt im außer-privaten Bereich wird sowohl von Frauen als auch von Männern viel strenger verurteilt als die, die von den Bekannten bzw. Verwandten ausgeübt wird. Oft wird den Opfern unterstellt, dass sie Mitschuld an der Situation tragen. Das kann wiederum, dazu führen, dass die Frauen ihren Wut und Schmerz durch Selbstzerstörung und Autoaggression zu verdrängen versuchen. Reiner Gödtel in seinem Buch „Sexualität und Gewalt“ schreibt folgendes: „…die gleichberechtigte Partnerschaft wird dann möglich sein, wenn die Frauen gelernt haben, ihre Selbstwahrnehmung von der männlichen Wahrnehmung ihrer selbst unabhängig zu machen. Und wenn Männer nach dem Sturz vom Sockel auf dem Boden wieder zusammengeflickt haben.“(Gödtel, S.174)


„date-rape“

Ein neuer und gleichzeitig wichtiger Begriff, wenn es sich um sexuelle Gewalt handelt, ist „date rape“. Der größte Teil der Opfer sind junge Frauen, die von neuen Bekannten missbraucht werden. Am meisten handelt sich um die Vorfälle bei Dates oder auf Partys. „Erzwungene Sexualität in Beziehungen („date rape“), das zeigen verschiedene Untersuchungen, wird zwar als ein Fehlverhalten des Mannes, aber nur selten als Vergewaltigung definiert.“ (Harten, S.9) Es liegt wahrscheinlich daran, dass die Täter oft auf die physische Gewalt verzichten und andere Methoden einsetzen, wie z.B.: Alkohol, Drogen, falsche Versprechungen, Vortäuschung von Liebe usw. Die meisten Männer sehen es nicht als eine Vergewaltigung und versuchen es als Missverständnis zu erklären.

Quellen

  • Gödtel, Reiner: Sexualität und Gewalt. Hamburg: Hoffmann und Campe, 1992, ISBN 3-455-08450-8.
  • Harten, Hans-Christian: Sexualität, Missbrauch, Gewalt. Das Geschlächterverhältnis und die Sexualisierung von Aggressionen. Opladen: Westdeutscher Verlag, 1995, ISBN 3-531-12717-9.
  • Lottes, I. L.: Sexual socialization and attitudes toward rape. In: Burgess, Ann Wolbert (Hg.): Rape and sexual assault II. New York: Garland, 1988, S . 194-220. ISBN 0824090497.
  • Koher, Frauke; Pühl, Katharina (Hg.): Gewalt und Geschlecht. Konstruktionen, Positionen, Praxen. Opladen: Leske + Büdrich, 2003. ISBN 3-8100-3626-9.
  • Kroll, Renate (Hg.): Metzler Lexikon. Gender Studies. Geschlechterforschung. Ansätze-Personen-Grundbegriffe. Weimar: J.B.Metzler, 2002, S.331, ISBN 978-3-476-01817-5.

Bibliographie

2003

  • Koher, Frauke; Pühl, Katharina (Hg.): Gewalt und Geschlecht. Konstruktionen, Positionen, Praxen. Opladen: Leske + Büdrich, 2003. ISBN 3-8100-3626-9.

2002

  • Kroll, Renate (Hg.): Metzler Lexikon. Gender Studies. Geschlechterforschung. Ansätze-Personen-Grundbegriffe. Weimar: J.B.Metzler, 2002, S.331, ISBN 978-3-476-01817-5.

1995

  • Harten, Hans-Christian: Sexualität, Missbrauch, Gewalt. Das Geschlächterverhältnis und die Sexualisierung von Aggressionen. Opladen: Westdeutscher Verlag, 1995, ISBN 3-531-12717-9.

1992

  • Gödtel, Reiner: Sexualität und Gewalt. Hamburg: Hoffmann und Campe, 1992, ISBN 3-455-08450-8.

1988

  • Lottes, I. L.: Sexual socialization and attitudes toward rape. In: Burgess, Ann Wolbert (Hg.): Rape and sexual assault II. New York: Garland, 1988, S . 194-220. ISBN 0824090497.
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