Sara Batemann
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Sara Batemann`s / Saartje Baartmans/ Sarah Bartmanns richtiger Name ist nicht überliefert. Es gibt Spekulationen darüber, dass der Name „Sara“ bzw. „Saartje“ (niederländische Verniedlichungsform von „Sarah“) vom Khoikhoi-Namen Satchwe abgeleitet sein könnte. Nachweisbar ist dies allerdings nicht, weshalb ich im folgenden Artikel den Namen Saartje Baartman verwenden werde.
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Kindheit und Jugend in Südafrika:
Saartje Baartman wurde 1789 als Mitglied der Griqua, eine zu den Khoikhoi gehörigen Bevölkerungsgruppe in Südafrika, Eastern Cape, geboren.
Als Jugendliche zog sie mit ihrer Familie in die Nähe von Kapstadt, wo sie als Sklavin für einen Farmer arbeitete, bis sie in Kapstadt von William Dunlop, einem weißen britischen Arzt, der auf einem britischen Schiff als Schiffsarzt praktizierte, gekauft wurde. Dunlop interessierte sich für sie auf Grund ihrer ihm ungewöhnlich erscheinenden Körperformen; aufgefallen seien ihm ihr großes Gesäß und verlängerte Schamlippen, Merkmale, die Dunlop als „rassetypische“ Besonderheiten auffasste.
Diese "Merkmale" sind wahrscheinlich eher Produkte weißer männlicher sexueller Phantasien als tatsächliche antatomische Besonderheiten von Baartman und anderen Khoikhoi-Frauen.
England:
Mit 21 Jahren ging Saartje Baartman mit Dunlop nach London, da dieser ihr versprach, dass sie reich und berühmt werden würde, indem ihr Körper vor EuropäerInnen als medizinisches und anthropologisches Forschungobjekt sowie zur Befriedigung der sexuellen Faszination weißer Menschen am Schwarzen „Anderen“ vorgeführt würde.
In London führten englische Wissenschaftler anatomische Untersuchungen an ihr durch, im Zuge derer die Bezeichnung „Hottentot apron“ (engl.: "Hottentotten"-Schürze) für wie angeblich bei Baartman verlängerte Schamlippen bei Khoikhoi-Frauen eingeführt wurde. Diese Untersuchungen dienten der Entwicklung von pseudo-wissenschaftlichen rassistischen Theorien über die angebliche Minderwertigkeit Schwarzer Menschen und über Schwarze weibliche Sexualität.
Laut der Schwarzen Kulturkritikerin bell hooks sind diese Vorstellungen, die Teil des rassistischen kulturellen Apparats des 19. Jahrhunderts waren, noch heute bestimmend für die Wahrnehmung Schwarzer weiblicher Sexualität, insb. in der gegenwärtigen Popkultur. Unter Bezug auf Sander Gilman (1985) legt sie dar, daß die Gegenwart Schwarzer (auf ihren Körper oder Teile dessen reduzierter) Menschen es der weißen Bevölkerung der nordamerikanischen Gesellschaft ermöglichte, ihre Welt zu sexualisieren (vgl. hooks 1994:82). Die dabei in die zum Objekt gemachten und fragmentierten Schwarzen Körper hineingelesene Sexualisierung trennte diese zugleich kontrastierend-komplementär vom Weißsein ab. Weibliche, aber auch männliche Schwarze Sexualiät wurde so bereits "im Laufe des 18. Jahrhunderts (...) zum Sinnbild abweichender Sexualität (...)." (Gilman 1985, zit. nach hooks 1994:ebd.)
Unzählige Male wurde Baartman in Shows im Picadilly Circus, auf dem Bartholomew Fair und auf dem Haymarket (engl.: Heumarkt) in London dem neugierigen, voyeuristischen Blick des weißen Publikums nackt präsentiert. Dabei führte Dunlop sie über die Bühne, befahl ihr, wann sie zu stehen, zu gehen oder zu sitzen hatte und stellte sie als „wildes Tier“ dar. "Ähnlich zum Objekt gemacht wie die Schwarzen SklavInnen auf den Auktionspodesten, während Besitzer und Aufseher ihre wichtigen und verkaufsträchtigen Körperteile anpriesen, galten Schwarze Frauen, deren nackter Leib Weißen bei gesellschaftlichen Anlässen gezeigt wurde, als nicht anwesend. Sie wurden auf ein bloßes Schaustück reduziert." (hooks 1994: ebd.) Die ZuschauerInnen waren hierbei meist der Londoner Arbeiterklasse zuzuordnen, für Mitglieder der Oberschicht wurden private Shows arrangiert.
Ihr wurde die Hälfte der Einnahmen aus ihren Shows versprochen, in Wirklichkeit bekam sie aber kaum etwas von den Profiten.
Während ihrer Zeit in London wurde sie auf den Namen Sarah Bartmann getauft.
Frankreich:
1814 wurde Saartje Baartman nach Paris gebracht, wo sie einem Schausteller, der in einem Wanderzirkus „wilde Tiere“ vorführte, übergeben wurde. In Frankreich wurde ihre Anatomie dann zum Anlass genommen, die komische Oper „Die Hottentotten-Venus“ zu schreiben. Saartje soll in Paris als Prostituierte gearbeitet haben, wobei sie in Folge ihrer demütigenden und traumatischen Erfahrungen dem Alkoholismus verfiel.
Tod, Obduktion und Ausstellung im Musee de L'Homme:
Am 1.Januar 1816 starb die alkoholkranke Frau in Armut, vermutlich an den Folgen einer Lungenetzündung durch den kalten Winter.
Weniger als 24 Stunden nach ihrem Tod wurde Saartje Baartmans Leichnam von Napoleons Hofchirurgen Baron George Cuvier, der Baartman schon zuvor anatomisch untersucht hatte und glaubte, sie als "missing link" zwischen Menschen und Menschenaffen identifizieren zu können, obduziert. Er ließ den Körper in Wachs gießen, sezieren und das Skelett freipräparieren. Baartmans Genitalien und ihr Gehirn wurden konserviert und wurden noch bis 1974 (!) im Musee de L’Homme ausgestellt.
Rückforderung, Rückführung und Beisetzung:
Danach wurden ihre sterblichen Überreste in einem Lagerraum vergessen, bis 1994 Nelson Mandela Saartje Baartmans vollständigen Leichnam von Frankreich zurückforderte. Nach achtjährigen Verhandlungen wurde im März 2002 schließlich ein Gesetz erlassen, welches die Rückführung des Leichnams nach Südafrika am 6.März 2002 ermöglichte.
Die Beisetzung fand am 9.August 2002 statt.
Quellen:
- http://blackhistorypages.net/pages/sbaartman.php
- http://zar.co.za/baartman.htm
- http://www.sanch.org/amagugu2/baartman.htm
Literatur:
- Fausto-Sterling, Anne: Gender, Race and Nation: The Comparative Anatomy of 'Hottentot' Women in Europe, 1815 - 1817, In: Terry, Jennifer and Urla, Jacquelina (Ed.): Deviant Bodies. Bloomington and Indiana, Indiana University Press, 1995. ISBN 0-253-20975-7
- Gilman, Sander L.: Black Bodies, White Bodies: Toward an Iconography of Female Sexuality in Late Nineteenth-Century Art, Medicine, and Literature. In: Gates, Henry Louis (Ed.) Race, Writing and Difference. Chicago, University of Chicago Press, 1985. ISBN 978-0-226-28435-4
- hooks, bell: Heiße Möse zu verkaufen. Der Kulturmarkt und seine Bilder von der Sexualität schwarzer Frauen. In: Dies.: Black Looks. Popkultur - Medien - Rassismus. Berlin, Orlanda Frauenverlag, 1994, S. 81-100. ISBN 9783929823141
- Maseko, Zola: The Life and Times of Sara Baartman 'The Hottentot Venus'. Dokumentarfilm, Südafrika/Frankreich/GB. 1998. 53min.

