Rassismus

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Inhaltsverzeichnis

Der Begriff

Unter dem Begriff Rassismus versteht man die Diskriminierung oder Unterdrückung von Menschen aufgrund ausgewählter körperlicher Merkmale wie zB.: Hautfarbe. Jeder dieser Gruppe werden bestimmte Eigenschaften zugeschrieben: körperliche Merkmale, Charaktereigenschaften, intellektuelle, kulturelle und soziale Fähigkeiten.

„Die Gewaltstruktur des Rassismus lehrt, in Schwarz und Weiß, in Rot und Gelb zu sehen und als Maßstab das zu akzeptieren, was als Inbegriff des Vollkommenen, Guten, Reinen und schönen gilt: Weißsein.“(Wollrad, S.11)Rassismus knüpft an die Theorien von Reinheit und Unreinheit, das bedeutet von dem Unvermischtem und dem Vermischtem. In den weißen Gesellschaften ist Weißsein als selbstverständlich akzeptierte Norm und diejenigen, die sich von dieser Norm unterscheiden werden diskriminiert. Weißsein bleibt immer unmarkiert in Abgrenzung zu Schwarzsein.

Das internationale Phänomen des Rassismus stellt eine Verletzung von Menschenrechten dar, wird aber oft verharmlost oder geleugnet. Die Erklärung über Rassen und Rassenvorurteile, die am 27.11.1978 durch die 20. Generalkonferenz der UNESCO verabschiedet wurde, stellt die wichtigsten demokratischen Grundsätze der Gleichheit und gegenseitigen Achtung der Menschen zusammen:

Artikel 1

1. Alle Menschen gehören einer einzigen Art an und stammen von gemeinsamen Vorfahren ab. Sie sind gleich an Würde und Rechten geboren und bilden gemeinsam die Menschheit. Alle Völker der Welt besitzen gleiche Fähigkeiten zum Erreichen der höchsten Stufe der intellektuellen, technischen, sozialen, wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Entwicklung.

Artikel 2

1.Jede Theorie, welche die Behauptung enthält, dass bestimmte Rassen oder Volksgruppen von Natur aus anderen überlegen oder unterlegen sind, und somit impliziert, dass einige das Recht hätten, andere als unterlegen angesehene zu beherrschen oder zu beseitigen, oder welche Werturteile auf Rassenunterschiede gründet, entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage und widerspricht den moralischen und ethischen Grundsätzen der Menschheit.

2. Rassismus umfasst rassistische Ideologien, voreingenommene Haltungen, diskriminierendes Verhalten, strukturelle Maßnahmen und institutionalisierte Praktiken, die eine Ungleichstellung der Rassen zur Folge haben, sowie die irrige Vorstellung, dass diskriminierende Beziehungen zwischen Gruppen moralisch und wissenschaftlich zu rechtfertigen seien…(UNESCO)


Es ist eine Kritik am wissenschaftlichen Rasse-Begriff. Dadurch wird bewiesen, dass Rassismus nicht wissenschaftlich nachgewiesen sein muss um zu existieren.

Rassismus und Ausländerfeindlichkeit

In Deutschland (Zeitungen, TV, Radio) wird Rassismus oft mit der Ausländerfeindlichkeit gleichgesetzt, diese Gleichstellung ist jedoch falsch. Die Ausländer werden als „Fremden“ betrachtet, die eine andere Kultur bzw. Muttersprache haben. Als Rechtfertigung wird Angst vor „Fremden“ genannt. „Die Fremden oder Ausländer sind jedoch nicht zwangsläufig rassistischen Übergriffen ausgesetzt. Schwarze Deutsche dagegen sehen sich ständig mit Rassismus konfrontiert.“(Kroll,S.331) Ein Schwarzer Deutscher, dessen Familie seit mehreren Generationen in Deutschland lebt, dessen Muttersprache Deutsch ist, dessen Kultur die deutsche ist, wird im Alltag als Ausländer eingestuft, weil er nicht Weiß ist. Und das hat nichts mit der Staatsangehörigkeit, Sprache bzw. Kultur zu tun. Die Deutschen werden mit Weißen Deutschen gleichgesetzt. „Hellhäutige Menschen scheinen der Ausländerfeindlichkeit in wesentlich geringerem Maß ausgesetzt zu sein, als dunkelhäutige.“(Kalpaka/Räthzel,S.12)


Gender und Race

Die rassistischen Hierarchien werden mit Hilfe von Geschlechterdifferenzen konstruiert. Die Frauen werden aufgrund ihres Geschlechts benachteiligt. Die „nicht Weiße“ Frauen werden jedoch zusätzlich aufgrund der Hautfarbe diskriminiert. In diesem Fall kann die Rede von multipler Diskriminierung sein. Die Schwarzen Männer werden zwar den rassistischen Diskriminierungen ausgesetzt, haben aber die Unterstützung der patriarchalischen Gesellschaft, in der die Männer als übergeordnete Kategorie fungieren. Die Weißen Frauen fühlen sich aufgrund ihres Geschlechts diskriminiert, nehmen aber an den rassistischen Diskriminierungen teil.



Rassismus und Sprache

Das kritische Nachschlagwerk zu deutscher Sprache von Susan Arndt und Antje Hornscheid wird mit dem berühmten Satz von Victor Klemperer: “Worte können sein wie winzige Arsendosen. Sie werden unbemerkt verschluckt, sie scheinen keine Wirkung zu tun und nach einiger Zeit ist die Giftwirkung doch da.“, eingeleitet. Die Herausgeberinnen zeigen, wie wird Rassismus durch die Sprache (bewusst aber auch oft unbewusst) hergestellt. Oft benutzen wir Begriffe, deren eigentliche Bedeutung uns nicht bekannt ist. Zum Beispiel „Mischling“, „Schwarzer Kontinent“, „Mulatte“. Wenn man die Bedeutung des Begriffes `Mulatte` erforscht, findet man folgendes heraus: “`Mulatte` etwa geht auf Maulesel, Maultier zurück. Dieses Tier wird zu `Bastarden` gezählt. In der Tier- und Pflanzenwelt gelten sie als nicht fortpflanzungsfähig. Eben dies wurde auch den Kindern aus Beziehungen von Schwarzen und Weißen unterstellt.“ „So wird ein/e Schwarze/r Deutsche/r, nicht aber ein Kind aus einer Weißen deutsch-französichen Beziehung als `Mischling` bezeichnet.“ Europa und Afrika werden immer wieder als zwei Gegenpole dargestellt. Europa wird mit der `Kultur` und Afrika mit der `Natur` gleichgesetzt, was auf die Unterlegenheit von Afrika hinweist. Das führt zu der Entstehung von solchen rassistischen Begriffen wie z.B.: `Buschmänner`, `Wilde`, `Jäger`, `Eingeborenen` usw. Diese Begriffe beinhalten diskriminierende und abwertende Bedeutung, was uns nicht immer bewusst ist. Am Beispiel von mehreren Wörtern, die uns ständig in der Alltagssprache begegnen, zeigen die Herausgeberinnen wie vertraut uns die rassistische Sprache ist.

Quellen

Wollrad, Eske; „Weißsein im Wiederspruch. Feministische Perspektiven auf Rassismus, Kultur und Religion.“, Ulrike Helmer Verlag, Königstein/Taunus 2005

Die Erklärung über Rassen und Rassenvorurteile. Die 20. Generalkonferenz der UNESCO am 27.11.1978. http://www.unesco.de/1121.html?&L=0

Kroll, Renate (Hg.), „Metzler Lexikon. Gender Studies. Geschlechterforschung. Ansätze-Personen-Grundbegriffe.“, J.B.Metzler, Weimar 2002

Kalpaka, Annita/Nora Räthzel, „Wirkungsweisen von Rassismus und Ethnozentrismus“, in: „Die Schwierigkeit, nicht rassistisch zu sein.“; Hg. Kalpaka/Räthzel, 1990, 2. Auflage

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