Orange Farm Water Crisis Commitee

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Das Orange Farm Water Crisis Committee besteht aus Anwohner_innen von Orange Farm, die sich nach dem Vorbild sozialer Bewegungen gegen die neoliberale Politik der südafrikanischen Regierung auflehnen. Sie haben sich unter dem Schirm des Antiprivatisierungforums (APF) gebildet und setzen sich gegen die zunehmende Privatisierung von Basisleistungen wie freier Zugang zu Wasser, Strom, Bildung und Gesundheitswesen ein.

Inhaltsverzeichnis

Orange Farm

Orange Farm, 50 km von Johannesburg entfernt, ist Südafrikas größte informelle Siedlung. Circa 1,5 Millionen Menschen leben hier. Orange Farm entstand Anfang der 80er Jahre. Menschen wurden von Weißem Farmland und aus für Weiße vorgesehen Stadtteilen in Johannesburg vertrieben und in Orange Farm angesiedelt. Die Infrastruktur in Orange Farm ist schlecht und teilweise gar nicht vorhanden. Viele Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und Sanitäranlagen, die Häuser sind teilweise nicht an das Abwasser- und Stromnetz angeschlossen. Die Arbeitslosigkeit in Orange Farm liegt bei ca. 60-80 Prozent. Daher haben viele Bewohnerinnen nicht die finanziellen Mittel für Strom und Wasser zu bezahlen. Die Wut gegen die ANC-Regierung, die bei Machtantritt 1994 freie Basisleistungen für alle versprach und jetzt zunehmend die Basisdienste wie Strom und Wasser an den Privatsektor verkauft, wächst. In Orange Farm hat sich eine lebhafte Community herausgebildet, die sich in Netzwerken, community gardens, Frauengruppen und in einem Aktionskomitee zum Widerstand gegen Räumungen und Strom- und Wasserabschaltungen organisiert.

Orange Farm Water Crisis Committee (OFWCC)

Das Komitee besteht aus Anwohner_innen von Orange Farm, die gegen die zunehmende Privatisierung von Basisleistungen wie Wasser und Strom protestieren. Das Recht auf Wasser ist in der südafrikanischen Verfassung verankert. Die Proteste berufen sich immer wieder auf die Verfassung. In Kapitel 2 der Bill of Rights, §27, Absatz 1b und 2 steht: „Everyone has the right to have access to [...] sufficient food and water [...]. The state must take reasonable legislative and other measures, within its available resources, to achieve the progressive realisation of each of these rights.“ Der Konflikt Die Versprechen der Regierung freien Zugang zu Basisdienstleistungen für alle zu schaffen, ist nicht in Erfüllung gegangen. Vielmehr verfolgt die Regierung eine neoliberale Politik, indem sie Basisdienste an internationale Großunternehmen verkauft. So ist die französische Firma Suez-Lyonnaise dafür verantwortlich, Johannesburgs Wassereinrichtungen zu managen. In einer Auseinandersetzung mit Anwohner_innen warf ein Verantwortlicher von Suez diesen vor, sie würden zuviel Wasser verschwenden. Das Motto von Suez-Lyonnaise ist sehr einfach: kein Geld – kein Wasser. In vielen Townships und informellen Siedlungen wurden so genannte trickle devices von der Johannesburg Water Company (ein Tochterunternehmen von Suez-Lyonnaise des Eaux) in die Leitungen eingebaut, so dass das Wasser nicht mehr aus den Wasserleitungen fließt, sondern nur noch heraus tröpfeln kann. Diese trickle devices konnten aber leicht von den Anwohner_innen entfernt werden. Deswegen begann Suez-Lyonnaise Wasserzähler mit Vorrauszahlung zu installieren. Diese kosten 100 Dollar pro Stück und wurden an die Stelle von herkömmlichen Wasserleitungen gesetzt. Pro Haushalt stellt die Regierung 6 Kubikmeter Wasser und 50 Kilowatt Strom zur Verfügung. Wenn diese aufgebraucht sind, müssen die Anwohner_innen ein Guthaben auf Chipkarten laden und erst dann können sie Wasser holen. Es ist sehr problematisch einen Haushalt zu definieren: wie viele Menschen leben in einem Haushalt, gibt es vielleicht noch Shacks auf einem Grundstück, wie werden die dann dazugezählt? Dies führt zu ungleichen Behandlungen der Bevölkerung. In England sind diese prepaid water meters übrigens seit 1998 verboten. Diese Aktion wurde von Anwohner_innen als „cut-off mechanism for the communities“ beschrieben und gerade in diesen dicht besiedelten Wohngebieten kann man sich die Problematik keinen schnellen Zugang zu Wasser zu haben, bei Bränden und ähnlichen Katastrophen gut vorstellen.

Protest und Ziele

Der Protest der Anwohnerinnen richtet sich gegen die Profitgier der Regierung und der privaten Firmen. Wasser soll zu keinem Privileg derer werden, die es sich leisten können. Das Hauptargument, Zugang zu sauberen Wasser sei ein Menschenrecht, ist Dreh- und Angelpunkt der Aktionen. Die Anwohner_innen treffen sich zu regelmäßigen öffentlichen Meetings, um dort Aktionen zu besprechen. Eine öffentlichkeitswirksame Aktion war die Besetzung des Golden Highways, eine Hauptverkehrsader in Johannesburg, am 6.9.2006 durch Anwohner_innen von Orange Farm. Trotz massiver Eingriffe durch die Polizei konnte der Golden Highway für 12 Stunden besetzt werden. Durch diese Blockade sollte ein Gespräch mit dem Bürgermeister von Johannesburg erzwungen werden. Zugleich wenden sich das OFWWC gegen die Kriminalisierung der communities, indem Teilhaber_innen der neuen Bewegungen als „unverantwortliche Elemente“ und als „Störenfriede der Demokratie“ diffamiert werden und die Bevölkerung in „gute“ und „schlechte“ Bürger_innen aufgespaltet wird.

Weblinks

Orange Farm Water Crisis Film http://www.videoteppista.net/orangefarm.htm

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