Masimanyane Women’s Support Centre

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Inhaltsverzeichnis

Das Profil der Organisation

Masimanyane ist eine Grasswurzelorganisation im Großraum East London. Sie war die erste Organisation im Eastern Cape, die einen gender-spezifischen Service für Betroffene von geschlechtsspezifischer Gewalt anbot. Die Organisation wurde 1995 im Zuge der politischen Transformation in Südafrika gegründet und nahm ihre Arbeit 1996 als Krisen- und Unterstützungscenter für Betroffene von häuslicher Gewalt, sexueller Übergriffe und Vergewaltigung auf. Das Ziel von Masimanyane ist es, jede Form von geschlechtsspezifischer Diskriminierung aufzudecken und zu beenden. Lesley Ann Foster, Gründerin und Direktorin von Masimanyane, beschreibt die Vision der Organisation folgendermaßen: „The goal is to contribute towards a safe, free, secure and gender-sensitive environment where violence against women is completely eradicated and Women’s Human Rights are protected.“[1]

Reformen in Politik und Gesetzgebung könnten sich positiv für Frauen auswirken, jedoch scheitert die Umsetzung in der Praxis oft. Thabo Mbeki, amtierender Präsident der Republik Südafrika, stellt fest: „We are making slow progress...with regard to the important issue of achieving gender equality.“ Auch wenn Frauen in Politik und Wirtschaft zunehmend eine wichtige Rolle einnehmen, tragen viele Frauen in ihren Familien die Hauptverantwortung und sind durch Kindererziehung und Einkommensicherung doppelter Belastung ausgesetzt. Der Staat stellt für Bedürftige ein kleines Kindergeld bereit (nicht zu vergleichen mit sozialer Absicherung in Deutschland), aber sonst gibt es keinerlei staatliche finanzielle Unterstützung. Die Beratung bei Masimanyane ist für die Frauen kostenfrei, damit die finanzielle Situation kein Hinderungsgrund ist Hilfe zu suchen.

Programme von Masimanyane

Community Projects/Counselling

Masimanyane unterhält sechs Büros in und um East London. Zwei der Büros, East London Magistrates Court und Mdantsane Magistrates Court , befinden sich direkt in den Gerichtsgebäuden der beiden Städte. Zwei Juristinnen beraten die Klientinnen. Sie geben Hilfestellungen bei Gerichtsverhandlungen, ausstehenden Unterhaltszahlungen und helfen bei der Durchsetzung von gerichtlich angeordneten Besuchsverboten. Neben den Rechtsberatungen unterhält die Organisation vier weitere Büros: Scenary Park, Zanempilo Health Centre, Peddie Women’s Support Centre und Empilisweni Aids & Training Centre. Diese Büros bieten in erster Linie Gesprächsberatung an. Meist erleben die Klientinnen häusliche und sexuelle Gewalt, aber können die Beziehungen zu ihrem Ehemann/Partner nicht beenden, da sie finanziell von ihnen abhängig sind. Gemeinsam wird versucht, eine Lösung zu finden. Oftmals brauchen die Frauen auch Hilfestellungen beim Ausfüllen von Anträgen und Formularen. Das Büro in Scenary Park bietet neben der Gesprächsberatung auch spezielle Programme für Kinder und Jugendliche an. Viele Kinder suchen Hilfe, da sie zuhause vernachlässigt werden und schutzlos häuslicher und sexueller Gewalt ausgesetzt sind. In einem ersten Schritt versucht die Mitarbeiterin Kontakt zu Eltern oder anderen Familienangehörigen aufzunehmen und wenn dies nicht gelingt, andere Organisationen wie Child Welfare South Africa einzuschalten. Schutzhäuser für Frauen und Kinder gibt es im Eastern Cape kaum. Wenn man einen Platz in einer Unterkunft finden kann, dann nur für eine kurze Zeit von 1-2 Tagen. Des Weiteren gibt es zwei Frauenzentren, die sich von Masimanyane losgelöst haben und weitgehend eigenständig arbeiten, aber weiterhin technische Unterstützung erhalten. Diese Zentren, Ikhwezi Women’s Support Centre in Cathcart und Masoawabisahe Women’ Support Centre in Butterworth, bieten Frauen aus ländlichen Gegenden Zugang zu Beratung an, welche nicht die finanziellen Mittel haben, nach East London zu reisen.

Public Education

Dieses Programm startete als Pilotprogramm 2002. Für Primary Schools und High Schools wurden Jugendcamps veranstaltet, in denen es um die Vermittlung von geschlechtsspezifischer Gewalt und HIV/Aids ging. Gewalt, und vor allem geschlechtsspezifische Gewalt, nimmt an den Schulen Südafrikas immer mehr zu. Schülerinnen werden durch Mitschüler und Lehrer sexuell missbraucht , erleiden psychische Traumata, werden vielleicht schwanger und leider auch oft mit dem HIVirus infiziert. Oft kommt es vor, dass Lehrer ihre autoritäre Position ausnutzen und bei Verweigerung mit schlechten Zensuren oder dem Ausschluss vom Examen drohen. Im Jahr 2000 wurden 1/3 aller Schülerinnen sexuell missbraucht, die Täter waren zu 1/3 Lehrer.[2] Die Mehrheit der Schülerinnen erstattet keine Strafanzeige aus Angst vor weiterer Diskriminierung und Stigmatisierung. Eine umfassende und kontinuierliche Arbeit ist von Nöten, um sexuelle Belästigungen und Vergewaltigungen von Schülerinnen, aber auch Lehrerinnen, zu stoppen. Momentan beschäftigt Masimanyane zwei Public Educators, welche an zwei ausgewählten Schulen in East London Unterrichtseinheiten zu sexueller und häuslicher Gewalt, HIV/AIDS und Verteidigungsstrategien gestalten. Dieses Programm soll im nächsten Jahr mit weiteren Schulen ausgeweitet werden. Allerdings ist die Finanzierung noch nicht geklärt, denn weitere Public Educators müssten für die Umsetzung ausgebildet werden.

Training/Women’s Leadership Institute

In diesen Bereich fallen alle Aktivitäten von Masimanyane, welche versuchen, verschiedene Organisationen im Eastern Cape miteinander zu verlinken und Wissen weiter zu geben. Hierzu gehört, verschiedene CBOs (Community Based Organisations), FBOs (Faith Based Organisations) und andere NGOs mit Wissen auszustatten (im Sinne von Wissenstransfair), damit diese wiederum ihren Service in ländlichen Gebieten anbieten können, denn für viele Frauen ist es schwer zu den Beratungsstellen in den Städten zu reisen. Schwerpunkte der Aus- und Weiterbildung sind: Grundlagen der Gesprächsberatung, Finanzierungskonzepte und Projektleitung. Daneben werden verschiedene Workshops, wie zum Beispiel Spendenaquise oder Schulungen für den Umgang mit Anträgen angeboten.

Men’s Project

Das Männerprojekt ist ein neues Projekt von Masimanyane. Formen und Konzepte werden gerade erarbeitet. Wichtiger Hintergrund für dieses Programm ist, dass Männer und Jungen einbezogen werden müssen, um jede Form von Gewalt zu beenden. Es sollen Männergruppen gebildet werden, um aktiv mit den Frauen in den Communities zu arbeiten. Traditionelle Männlichkeitsbilder sollen überdacht und Alternativen erarbeitet werden. Noch immer versuchen Männer durch hohe sexuelle Gewaltbereitschaft erlittene Erniedrigungen durch die Apartheidpolitik zu kompensieren. „Körperliche und sexuelle Gewalt wurden in einer Zeit gravierender sozialer Umbrüche und in Reaktion auf die systematische Entmännlichung durch das Apartheidregime zu zentralen Elementen der Maskulinität.“ [3]

Männliche Gewalt existiert in allen Gesellschaftsschichten und durch alle Hautfarben hindurch, jedoch häuft sie sich extrem an Orten sozialer Brennpunkte, wie den Gebieten des Group Areas Act unter der Apartheidregierung. Diese Arbeit soll in den Schulen (was zum Teil schon durch die Public Educators gewährleistet wird), Communities, Gewerkschaften, Gefängnissen und verschiedenen Religionsgemeinschaften weitergeführt werden. Masimanyane bildet die Trainer aus, die dann Erlerntes weitergeben sollen.

Forschung/Advocacy/Lobbying

Forschung bildet einen weiteren Schwerpunkt unter Masimanyanes Tätigkeiten. Forschung bedeutet sowohl auf akademischer Ebene, um neue Ansätze aus der Wissenschaft aufzunehmen, als auch eigene Nachforschungen zu betreiben. Hierbei spielt die Erstellung von Statistiken eine wichtige Rolle, um Erfolge der Arbeit, aber auch Problembereiche erkennen zu können, um die Trainings und Workshops zu verbessern. Mit Hilfe von Forschung, Advocacy und Lobbying soll die Politik beeinflusst und gesetzliche Änderungen vorangetrieben werden. Gemeinsame Forschung verstärkt die Netzwerke zwischen verschiedenen Organisationen auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene. Eine wichtige Rolle spielte Masimanyane als Koordinationsinstanz für die Abfassung des NGO Shadow Reports für den CEDAW-Prozess (Convention on the Elimination of All Forms of Discrimination against Women). An der Abfassung des Berichts wirkten zahlreiche südafrikanische Frauenrechtsorganisationen mit. Diese Zusammenarbeit förderte die landesweite Vernetzung von Frauenorganisationen und ermöglichte Kontakte in andere afrikanische Länder.

Quellen

Schäfer, Rita: Im Schatten der Apartheid. Frauenrechtsorganisationen und geschlechtsspezifische Gewalt in Südafrika, LIT Verlag, Münster, 2005.

Weblinks

Masimanyane http://www.masimanyane.org.za/

  1. unveröffentlichtes Interview, Masimanyane Archiv, o.J..
  2. Schäfer, Rita, Im Schatten der Apartheid. Frauenrechtsorganisationen und geschlechtsspezifische Gewalt in Südafrika, LIT Verlag, Münster, 2005, S.174.
  3. Schäfer, Rita, Im Schatten der Apartheid. Frauenrechtsorganisationen und geschlechtsspezifische Gewalt in Südafrika, LIT Verlag, Münster, 2005, S.95.
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