MONAliesA e. V. Frauenbibliothek Leipzig
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Seit 1990 bietet die Bibliothek MONALiesa ihre Dienste in Leipzig an. 1997 wurde zur Unterstützung der Bibliothek der Frauenbibliothek MONAliesA e.V. gegründet. Sie befindet sich im Haus der Demokratie (Bernhard-Göring-Str. 152, 04277 Leipzig) und kann zu folgenden Zeiten besucht werden: Dienstags 14-18 Uhr, Mittwochs 9-12 Uhr, Donnerstags 16-19 Uhr sowie nach Vereinbarung. Die MONALiesA ist laut ihrer Homepage eine öffentliche Spezialbibliothek mit einem breiten Medienspektrum zum Thema "Frau", Veranstaltungsort, Treffpunkt und Kommunikationsraum, ein Mädchenprojekt und Teil eines lokalen und überregionalen Netzwerkes.
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Geschichte
Die Frauenbibliothek besteht länger als ihr Name. Sie wurde im Februar 1990 von Susanne Scharff in Leipzig gegründet und bestand als eigenständiges Projekt im Rahmen der Fraueninitiative Leipzig (FIL). Das Ziel war von Beginn an „Bildung von Frauen und Mädchen“ sowie die Förderung von weiblicher Kunst und Kultur. Sie „versteht sich als Gedächtnis und vitaler Bestandteil der deutschen wie auch internationalen Frauenbewegung“. Der Anfangsbestand wird aus privaten Mitteln finanziert und umfasste etwa „1.500 Bücher und Zeitschriften zu frauenspezifischen Themen“. 1991 schließt sich die Bibliothek dem Kunst- und KulturCentrum für Frauen (KuKuC e.V.) an, der von da an die „Etatverhandlungen und Bürokratie“ übernimmt. Mittlerweile ist der Bestand auf etwa 5.000 Medieneinheiten gewachsen und hat 250 LeserInnen. Im selben Jahr entsteht auch der Name MONAliesA. Die Öffnungszeiten glichen den Zeiten des „Frauentees“, das sich im selben Haus befindet. Die Frauen, die kommen, leihen aus und unterhalten sich über die Bücher. So entsteht langsam die Idee diese Zusammenkünfte im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen als Lesungen, Vorträge oder Workshops zu gestalten. „Seit diesen Anfängen bringt sich die Frauenbibliothek außerdem regelmäßig in die Großveranstaltungen der Leipziger Hochkultur ein. So nimmt sie am Literarischen Herbst teil und bietet Lesungen im Rahmen der Leipziger Buchmesse an.“ „Heute finden jährlich etwa 100 Veranstaltungen statt.“ Der Bestand wächst stetig weiter durch Neuerwerbungen, aber vor allem durch Schenkungen. Aktuell sind es etwa 19.000 Bücher, über 400 Zeitschriftenartikel, Graue Literatur und audiovisuelle Medien, die von etwa 1.000 LeserInnen genutzt werden. Aufgrund dessen musste die MONAliesA 1993 und 1996 in jeweils größere Räume im selben Haus umziehen. MONAliesA ist Mitglied in verschiedenen Vereinen und Dachverbänden, so ist sie zum Beispiel Mitglied im Dachverband der deutschsprachigen Lesben/Frauenarchive, -bibliotheken und -dokumentationsstellen e.V. (i.d.a. - informieren, dokumentieren, archivieren). Die 20. Fachtagung der Vertreterinnen der Frauenbibliotheken und -archive waren 1993 zu Gast in der Frauenbibliothek. „1993 erscheint eine 20-seitige Selbstdarstellung mit Beiträgen von Leipziger Frauen, die auf verschiedenste Weise mit MONAliesA zusammenarbeiten“, 1994 entsteht der Frauenstadtplan Leipzig als erster seiner Art in ganz Deutschland, der 50 Orte der Geschichte, Bildung, Kunst und Kultur von und über Frauen verzeichnet. „1996 [...] gibt es den ersten Mädchenkalender.“ MONAliesA betreibt eine aktive Zusammenarbeit mit anderen Frauenvereinen, -initiativen und -einrichtungen in Leipzig und Umgebung zum Koordinieren der Öffentlichkeitsarbeit, zu inhaltlichem Austausch und solidarischer Unterstützung. Auf der Frankfurter Buchmesse erhielt MONAliesA die Auszeichnung "BücherFrau des Jahres 1997" für besondere Leistung in der Buchbranche von der deutschen Sektion des Frauennetzwerkes "women in publishing", in dem sie Ehrenmitglied ist.
Finanzierung
In der Geschichte der Finanzierung der MONAliesA gab es viele Höhen und Tiefen sowie Kämpfe um das Weiterbestehen der Einrichtung. Jedes Jahr müssen Anträge um finanzielle Mittel an den verschiedensten Stellen gestellt werden. Nachdem MONAliesA aus privaten Mitteln gegründet wurde, förderte ab 1991 das Referat für Gleichstellung von Frau und Mann Leipzig und tut dies bis heute. Das Kulturamt Leipzig kam als fördernde Einrichtung 1992 hinzu, das Regierungspräsidium 1994 und das Jugendamt 1995. Auch nicht-städtische Einrichtungen sowie Stiftungen unterstützten zeitweise die MONAliesA, unter anderem FrauenAnstiftung Hamburg, die Sächsische Staatskanzlei Dresden, die Heinrich-Böll-Stiftung Köln, Stiftung Mitarbeit Bonn, Haus des Buches e.V. Leipzig, die Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken, der Qualifizierungsfonds Bonn, Weiterdenken e.V. Dresden und selbstverständlich spielen immer auch Gebühren und Spenden eine große Rolle. Eine finanzielle Notlage und damit verbundene Kämpfe um das Weiterbestehen erfolgten 1996. „Der Etat für die Mädchenarbeit [wurde] auf Null gekürzt“ sowie die Gelder für KuKuC e.V. um ein Drittel und von vorher vier ganzen Stellen wurden nur noch zwei halbe bewilligt. MONAliesA legte Einspruch ein. Nach langem Zögern bekam sie eine halbe Personalstelle für sechs Monate Mädchenarbeit, aber weitergehen wollte das Kulturamt nicht. Es kamen die ersten Mahnbescheide, aber aufgrund des Einspruchs kein Geld. Die Folge: „MONAliesA ist arbeitsunfähig.“ Auf einer eigens einberufenen Pressekonferenz am 04.02.1997 wurde die Schließung der Bibliothek bekannt gegeben. Die Veranstaltungen, also die Lesungen, Filme, Vorträge, zwei Benefiz-Discos und die Mädchennachmittage liefen weiter. Nun stieg das Regierungspräsidium als fördernde Einrichtung mit ein. Auch wenn nicht alle Bedingungen erfüllt wurden, eröffnete MONAliesA am 06.05.1997 wieder und „mit einer einzigen Vollzeitstelle und einer halben Stelle für Mädchenarbeit blieb ihr nun nichts anderes übrig, als die Öffnungszeiten einzuschränken und [den] Recherche-Service einzustellen.“ Auch wenn vorher schon viele Frauen ehrenamtlich in der MONAliesA arbeiteten, wurde nun die unbezahlte Arbeit zwingend erforderlich für den laufenden Betrieb der Bibliothek. MONAliesA nutzte das öffentliche Interesse an der Preisverleihung zur BücherFrau des Jahres um auf ihre schlechte finanzielle Situation aufmerksam zu machen „und forderte die Solidarität ein, die von den VertreterInnen der politischen Parteien mit der Gratulation zur Ehrung so vollmundig versichert wurde.“ 1997 stieg MONAliesA aus dem Kunst- und KulturCentrum aus und 21 Frauen gründeten einen eigenen Verein, den MONAliesA e.V., mit Susanne Scharff als Geschäftsführerin. „MONAliesA will für sich selbst sprechen, [...] will mit Ämtern kämpfen, will für sich einstehen [und] will Verantwortung übernehmen.“ 1998 erhielt MONAliesA dann zwei volle Stellen und eine ABM-Stelle für den Aufbau eines Schlagwort-Kataloges. Aber auch heute hat sich die eher wackelige Finanzierung nicht verbessert, im Gegenteil wird es immer schwieriger an öffentliche Gelder zu kommen.
MONAliesA muss einen Eigenanteil von 20% erbringen, was sie durch Lesegebühren, Mahngebühren, Spenden und Vereinsgebühren zu schaffen versucht. Für die verschiedenen Aufgaben, die MONAliesA erfüllt, werden an verschiedenen Stellen Mittel beantragt; so für die Mädchenarbeit beim Jugendamt, für kulturellen Veranstaltungen das Kulturamt und auch die Kofinanzierung verschiedener Einrichtungen kann funktionieren. Die Bibliothekarin wurde 2004 nur bis zum Sommer finanziert, da ihre Arbeit aber unerläßlich ist, wurde sie eine zeitlang mit einer Pauschale aus dem Eigenanteil unterstützt, was auf Dauer aber nicht möglich ist. Seit Bestehen der Bibliothek wird ein Antrag auf Grundsicherung gestellt, der dann für 5 Jahre gesicherte Einkünfte bedeutet. Aber dies wurde seither immer negativ beschieden mit der Begründung, das es schon ein Frauenverein gibt, der die Grundsicherung erhält. Das ist die FrauenKultur e.V., die aber keine Bibliothek besitzt. Am Anfang jeden Jahres werden also Anträge auf Förderung gestellt und dann kann keine Miete und kein Lohn gezahlt werden bis die Bewilligung des Kulturamts und anderer fördernder Einrichtungen kommt. Allerdings geschieht dies oft erst Monate nach Antragstellung. Aber die Situation wurde noch schlechter, da die Stadt Leipzig eine Haushaltssperre ausgesprochen hatte. Lange Zeit kam keine Bewilligung des Kulturamts für das Jahr 2004 an und eine Haushaltssperre für das Jahr 2005 wurde angedacht sowie Kürzungen um 10% bei zwei fördernden Ämtern. Einzige Möglichkeit zur Sicherung der Bibliothek ist den Eigenanteil zu erhöhen. Förderfrauen könnten mit einem festen monatlichen Betrag vor allem die ersten Monate eines Jahres helfen.
Inhalte
Die Frauenbibliothek MONAliesA besitzt zur Zeit ca. 16.000 Bücher, über 400 Zeitschriftentitel, Graue Literatur (Broschüren, Diplomarbeiten etc.), CDs, Videos, Spiele, Karten und vieles mehr, die in Freihandaufstellung zur Verfügung stehen. „Sie ist offen für Mädchen, Frauen, Jungen und Männern und wird durchschnittlich von 1.000 LeserInnen aktiv genutzt.“ Das Presseausschnittarchiv wird regelmäßig auf den neuesten Stand gebracht und „bietet Informationen zu [etwa] 130 Sachgebieten.“ Einen Bereich der MONAliesA macht die Mädchenarbeit aus. Anfangs waren das „Kindernachmittage für Mädchen und Jungen“, die von einer Sozialpädagogin betreut wurden. Dann „forderten Mädchen einen geschützten Raum“ und so entstanden die Mädchennachmittage mit einer eigenen Veranstaltungsreihe. „MONAliesA führt Projekte an Leipziger Schulen durch und leistet zudem Hilfestellung beim Aufbau neuer Mädchenprojekte.“ 1995 wurde der "Arbeitskreis Mädchen" initiiert, „in dessen Rahmen sich Vertreterinnen aus Sachsen und Thüringen vierteljährlich zu Erfahrungsaustausch und Weiterbildung treffen.“ Der Schlagwortkatalog wird zur Zeit noch aufgebaut. So sind alle Bücher, neben den Sachgebieten an den Regalen, über den alphabetischen Zettelkatalog recherchierbar. Es gibt einen alphabetischen Katalog, der alle Bücher nach VerfasserIn enthält und alle Bücher nach ihrem Titel, wenn sie kein/e VerfasserIn haben oder mehr als drei VerfasserInnen. Daneben steht ein Titelkatalog, der alle Titel nach Sachgebieten sortiert verzeichnet, sowie ein Katalog für die Graue Literatur und einen Katalog für die Zeitschriften.
Sammelschwerpunkte
Die Medieneinheiten sind in Sachgruppen sortiert, die an den Regalen und im Raum gekennzeichnet sind. Das ist zwingend notwendig, da es keinen Schlagwortkatalog gibt. Es existieren folgende Sachgebiete: Älter werden, AIDS, Alternative Geschlechtsrollen, Aufarbeitung DDR, Autonome Frauenprojekte, Behinderte, feministische Theorie und Praxis, Biographien, Eltern-Kinder, Emanzipationsbewegung, Esoterik/Tarot, Eßstörungen, Ernährung, Fantasy/Science Fiction, Feministische Studien und Diskussionen, Frau und Religion, Fotographie, Frauen in den Medien, Frau in der Gesellschaft, Frau und Architektur, Frauen und Erwerbstätigkeit, Frau und Geld, Frau und Literatur, Philosophie, Frau und Politik, Frau und Recht, Sprache, Frauen im Strafvollzug, Frauenforschung, Frauenfreundschaft, Frauenkrimi, Musik, Fremdsprachige Literatur, Gen- und Reproduktionstechnologien, Geschichte der Frauen, Handwerk, Hexen, Indianerinnen, Karikatur/Cartoons, Katzen, Kinderlose Frauen, Kleine und große Mädchen, Körpersprache, Lesben, Lyrik, Männer, Märchen/Sagen, Medizin, Menstruation, Mode, Mutter/Tochter, Nachschlagewerke, Naturheilkunde, Obdachlose Frauen, Ökologie, Pädagogik, § 218/Abtreibung, Prostitution, Psyche, Rabenmütter, Reiseführerin, Romane/Belletristik, Schwangerschaft, Selbstverteidigung, Sekten, Sexualität/Genitalität, (sexuelle) Belästigung, (sexuelle) Mißhandlung, Single mit Kind, Sowjetunion (historisch), Sozialisation, Spiele/Methodische Materialien, Sterbebegleitung/Trauerarbeit, Sucht, Tanz, Tochter/Vater, Träume, (über) Kunst, Verhütung, Weibliche Körperlichkeit.
Ausleihe
Die Ausleihverbuchung läuft noch etwas altmodisch über einen Karteikasten, indem alle Leser_innen verzeichnet sind. Jede/r LeserIn erhält zudem einen Leseausweis, indem das jeweilige Rückgabedatum vermerkt wird. Bei Fälligkeit der Bücher entstehen dem/der LeserIn Mahnkosten. Ein Buch kann zweimal verlängert werden, sollte es nicht bereits vorbestellt sein.
Öffentlichkeitsarbeit
Alle Lesungen und Veranstaltungen werden in einem Jahresprogramme der Frauenbibliothek an öffentlichen Stellen, wie Restaurants, Café und der Universität, ausgelegt. Für die Veranstaltungen werden Plakate gemacht, die in der Bibliothek ausgehängt werden. Damit LeserInnen den Namen der Bibliothek weitertragen, basteln meist Praktikant_innen phantasievolle „Fanartikel“, die weiterverkauft werden. So werden unter anderem Streichholzschachteln kreativ beklebt und mit dem Schriftzug der MONAliesA versehen und verteilt sowie Postkarten und Lesezeichen.
Mädchenprojekt
Alle Publikationen von und über MONAliesA
2007
- Julke, Ralf: Rascheln gehört zum Handwerk: Der MonaLiesa e.V. kürt sein erstes Ehrenmitglied. In: Leipziger Internet Zeitung vom 12.12.2007. html (2007-12-13; 10:44).
1993
1992
- o.A.: Selbstlos bis zur Selbstaufgabe? / Die Betreiberinnen und Leserinnen der Frauenbibliothek. In: Frauenblätter 9/10, 1992. - hrsg. von Unabhängiger Frauenverband e.V.
- Maitland, Sara; Scharff, Susanne: ... doch nicht alle Männer widerlich. Interview mit Sara Maitland von Susanne Scharff und Christiane Agricola. In: Leipziger Volkszeitung vom 17.12.1992.
- Scharff, Susanne: Das 17. Treffen der deutschsprachigen Frauenbibliotheken und-archive in Tübingen. In: Frauenblätter 5. - hrsg. von Unabhängiger Frauenverband e.V.
- Scharff, Susanne: 5. Internationale Feministische Buchmesse. In: Frauenblätter 7/8, 1992. - hrsg. Von Unabhängiger Frauenverband e.V.
1991
- Scharff, Susanne: Philosophie der Zuneigung. Rezension zu Raymond, Janice G.: Frauenfreundschaft. In: Zaunreiterin 6/7, 1991.
- Scharff, Susanne: Wie weibliche Freiheit entsteht. In: Leipziger Volkszeitung vom 02.10.1991, S. 4.

