Kindheitswissenschaften
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Kindheitswissenschaften
Kindheitswissenschaften bezeichnen ein Gebiet der Wissensproduktion, welches sich mit der Bedeutung von Kindheit beschäftigt.
Applied Childhood Studies
As a cross-disciplinary subject, Childhood Studies encompasses knowledge from all subject areas that are relevant for the understanding of children and young people. These include Pedagogy, Psychology, Sociology and Anthropology/Ethnology, Health Sciences, Neuroscience as well as a well-grounded awareness of children’s rights. The course also deals with national and European social policies relating to children, family, education and health and, beyond that, the organization and day-to-day running of education and health institutions.
Particular attention is paid to knowledge of the unique and autonomous quality of the world of children, to awareness of the gender-specific and ethnic aspects of growing-up, and to an understanding of intercultural difference and historical changes in the meaning of childhood. Students gain competence in advising and communicating with families, encouraging education and good health amongst children and young people, not least in reinforcing the ability of children and young people to participate actively in their own development.
Provided with a broad disciplinary knowledge base and the necessary key competencies in the areas of communication, management, leadership and mediation, students successfully completing this course of study can take on positions in all sections of society related to children and families; in institutions dealing with children and young people, in particular in the areas of education, schooling and health.
Ein Querschnittsfach
Kindheitswissenschaften umfassen als Querschnittsfach Erkenntnisse aller Disziplinen und Fächer, die für die Altersgruppe Kinder und Jugendliche relevant sind. Dazu zählen neben Pädagogik und Psychologie, Soziologie und Anthropologie / Ethnologie auch die Gesundheits- und Neurowissenschaften sowie fundierte Kenntnisse der Kinderrechte, der nationalen und europäischen Kinder-, Familien-, Sozial-, Bildungs- und Gesundheitspolitiken, ferner der Organisation und Praxis von Erziehungs-, Bildungs- und Gesundheitsinstitutionen. Da das Studium der Angewandten Kindheitswissenschaften die Studierenden außerdem berechtigt, in leitenden Positionen zu arbeiten, werden auch Inhalte des General und des Strategischen Managements gelehrt. Die Vernetzung der einzelnen Disziplinen wird im Studium sehr konkret. Die Studierenden sollen aus allen Berufsgruppen, die sich mit Kindern beschäftigen, die Kinderperspektive extrahieren und in die Gesellschaft tragen, also Antworten auf die Frage finden: Was bedeutet es aus medizinischer, rechtlicher, soziologischer, pädagogischer usw. Sicht, Kind zu sein? Das Konzept folgt dem Ansatz der so genannten Childhood Studies, die es in England, Skandinavien oder Australien seit langem gibt.
Wissen über Kindheit
Als Kindheit bezeichnet man den Zeitraum im Leben eines Menschen von der Geburt bis zur geschlechtlichen Entwicklung (Pubertät). Im weiteren Sinne betrachtet, wird Kindheit mehr als ein kultureller, sozialer Begriff als ein biologischer Begriff betrachtet.
Im engeren Sinne folgt die Kindheit auf das Kleinkindalter (2. und 3. Lebensjahr) und gliedert sich in die frühe Kindheit (4.–6. Lebensjahr), die mittlere Kindheit (7.–10. Lebensjahr) und die späte Kindheit (11.–14. Lebensjahr). Nach der Kindheit folgt die Phase der Adoleszenz. Mit dem 4. Lebensjahr ist etwa die doppelte Geburtslänge erreicht.
In der Kindheit hat der Mensch eine besondere rechtliche Stellung. Diese ist unter anderem durch so genannte Kinderrechte geregelt. Die Rechtsfähigkeit beginnt gemäß Paragraph 1 des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB)der Bundesrepublik Deutschland „mit der Vollendung der Geburt“. Die Geschäftsfähigkeit und Strafmündigkeit erlangt das Kind stufenweise in den folgenden Jahren.
Dem Studium zugrunde liegt eine Art „Neue Kindheitsforschung“ mit einem weitreichenden Verständnis aus allen oben genannten Bereichen von Kind-Sein und Kindheit. Unter Anwendung eines „mulitperspektivischen Ansatzes“, welcher „durch eine spezifische aufgeschlossene, ‚emanzipatorische’ Haltung gegenüber Kindern als eigenständige Subjekte und durch eine kritische Distanz gegenüber voreingenommenen, normierten Vorstellungen von Kindheit charakterisiert und zusammengehalten“ wird, können innerhalb des Studiums Erkenntnisse über die verschiedensten Entwicklungsphasen und gesellschaftlichen Vorstellungen von Kindheit erworben werden.
Kommunikation im Kindesalter
Die Bedeutung von Kommunikation im Kindes- und Jungendalter wird während des gesamten Studiums der „Angewandten Kindheitswissenschaften“ in verschiedenen Seminaren thematisiert. So erwirbt man im Rahmen des Seminars „Beratung und Gesprächsführung in der Praxis“ Kenntnisse über grundlegende Kommunikationstheorien und spezielle Gesprächstechniken. Das Seminar „Kinderleben und Sprache, Kommunikation und Schriftkultur“ trägt dazu bei, ein Verständnis für kindgerechte Kommunikation zu entwickeln und sich intensiv mit der verbalen und nonverbalen Lebenswelt von Kindern auseinanderzusetzen.
Kindheit und Differenz (Diversity Studies)
Angewandte Kindheitswissenschaften an der Hochschule Magdeburg-Stendal
Der Studiengang „Angewandte Kindheitswissenschaften“ (Applied Childhood Studies) wird seit 2005 an der Hochschule Magdeburg- Stendal am Standort Stendal angeboten. Er ist der erste dieser Art in Deutschland. Kindheitswissenschaften umfasst ein Querschnittswissen von Pädagogik, Psychologie, Soziologie (der Kindheit), Gesundheitswissenschaften und Politikwissenschaften. Dazu werden während des Studiums erforderlichen Schlüsselkompetenzen im Bereich Kommunikation, Management, Moderation und Mediation erworben. Zusätzlich wird den Studierenden ein breit gefächertes Fremdsprachenangebot ermöglicht. Neben der englischen können auch die russische, japanische, spanische, französische, italienische und schwedische Sprache neu erlernt oder vertieft werden. Zur Anwendung und Vertiefung des Gelernten bietet die Hochschule Magdeburg-Stendal den Studenten die Möglichkeiten zu zahlreichen Exkursionen. So können die Studierenden jeden Winter zum Gesundheitskongress nach Berlin fahren und mit Experten in einen Austausch treten. Weiterhin findet alle 2 Jahre eine Exkursion nach Genf zur UN-Kinderrechtskommission statt.
Tätigkeitsfelder
Der Studiengang qualifiziert die Absolventen und Absolventinnen für kindheitswissenschaftliche Berufsfelder. Zu diesen gehören alle Felder, die für die Belange von Kindern und Familien tätig sind; Einrichtungen für Kinder und Jugendliche und insbesondere alle Bereiche des Bildungs-, Erziehungs-, Sozial- und Gesundheitswesen. Die Kindheitswissenschaftler/innen sind in der unmittelbaren Unterstützung und Aktivierung von Kindern und Jugendlichen („Empowerment“) und der partizipativen Gestaltung kindlicher Lebenswelten tätig. Durch den Einblick in das Sozialmanagement und Projektstudium sind die Absolventen/innen durchaus auch für Leitungspositionen geeignet.
Projekte
Das Projekt Kinder-Uni
Die Stendaler Kinder-Uni findet seit dem Sommersemester 2008 in Kooperation mit der Winckelmann-Gesellschaft statt. Im Rahmen eines Seminares bereiten Studenten der Hochschule jede Sitzung vor und sprechen mögliche Referenten an. Jeder Kinder-Uni-Tag beinhaltet ein Programm von drei Vorlesungen innerhalb von 10 bis 13 Uhr. Um den Jung-Student/innen einen Einblick in den realen Studienalltag zu ermöglichen, bekommen sie bei der Anmeldung ihren eigenen Studentenausweis mit Matrikelnummer und einem Schlüsselband ausgehändigt. Bei jedem Kinder-Uni-Besuch erwerben sie von den Mitarbeitern einen zusätzlichen Stempelabdruck auf ihren Ausweis. Im neuen Audimax der Hochschule können sie dann Vorlesungen mit Professor/innen besuchen, welche mit Einhaltung des akademischen Viertels beginnen. Um das Projekt ständig zu verbessern, wird es vielfältig evaluiert. Genutzt werden neben Experten-, Eltern- und Kinderinterviews auch Fragebögen für die Kinder und Beobachtungsprotokolle.
Internationalität in den Kindheitswissenschaften
Das Studium der Angewandten Kindheitswissenschaften verfolgt einen hohen Anspruch auf Internationalität. Die Studierenden haben dadurch die Möglichkeit, ihr eigenes Bild von ‚Kind’ und ‚Kindheit’ als historisch und kulturell bedingt zu erkennen. Durch das Internationalisierungsstreben des Studiengangs können sie die kulturell unterschiedlichen Konzepte von ‚Kind’ und ‚Kindheit’ kennen lernen und Vergleiche anstellen. Um dem Anspruch auf Internationalität zu folgen, werden die kindheitsrelevanten Themengebiete grundsätzlich länderübergreifend analysiert und internationale Diskussionen in teilweise englischsprachiger Literatur betrachtet. Die Studierenden sind außerdem in der Pflicht, eines ihrer obligatorischen Praktika im Ausland zu absolvieren. Sie können zusätzlich an interessanten Auslandsexkursionen teilnehmen, wie beispielsweise zum UNO-Ausschuss für die Rechte des Kindes, welcher jedes Jahr in Genf stattfindet. Darüber hinaus besteht für die Studenten und Studentinnen die Möglichkeit, für ein Semester an einer der zahlreichen ausländischen Partnerhochschulen zu studieren. Im Wintersemester 09/10 haben insgesamt 14 Studierende der Angewandten Kindheitswissenschaften diese Chance genutzt. Zu den Partnerhochschulen der Angewandten Kindheitswissenschaften gehören zum Beispiel die Mälardalen Hochschule in Schweden, die University of Bangor in Wales und die Lenoir-Rhyne University in den USA. Neben der fachlichen Bereicherung geht es der Hochschule Magdeburg-Stendal vor allem auch darum, die kulturelle Kompetenz ihrer Studenten und Studentinnen zu fördern.
Quellen
Luber, Eva und Hungerland, Beatrice (Hg.) (2008): Angewandte Kindheitswissenschaften - Eine Einführung für Studium und Praxis, Weinheim
Schütter, Silke: Kinder und Kindheiten in der Moderne - Was können Angewandte Kindheitswissenschaften leisten?. In: TUP: Theorie und Praxis der sozialen Arbeit. ISSN 0342-2275. Ausgabe 6/2005, Seite 62,65.
Oberhuemer, P./ Ulich, M.(1997): Kinderbetreuung in Europa. Tageseinrichtungen und pädagogisches Personal. Eine Bestandsaufnahme in den Ländern der Europäischen Union. Weinheim, Basel: Beltz
Weitere Literatur/Beiträge
- Berth, Felix (2007): Die Lizenz zum Erziehen: Akademisierung - Von der Uni in die Kita: In den Kindergärten arbeiten immer mehr Akademikerinnen. Sie sollen den Kleinen Bildung nahebringen. 13.08.2007, 17:08, http://www.sueddeutsche.de/jobkarriere/349/415117/text/
- Geene, Raimund: Den Kindern eine Stimme geben. Childhood studies und ihre Rahmenbedingungen in Deutschland. In: Martin R. Textor (Hg.) Kindergartenpädagogik - Online-Handbuch, 2003
- Schäfer, G.E.(2002): Bildung beginnt vor der Schule. In: Ministerium für Frauen, Jugend, Familie und Gesundheit des Landes Nordrhein-Westfalen/ Sozialpädagogisches Institut des Landes Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): Lebensort Kindertageseinrichtung. Bilden - Erziehen - Fördern. Frühkindliche Bildung im Kindergarten. Chancen und Möglichkeiten nach der PISA-Studie. Dokumentation. http://www.tageseinrichtungen.nrw.de/diskurs/doku_ws5.pdf
- Textor, Martin R. (2003): Erzieher/innenausbildung: zwischen Akademisierung und Elementarisierung. In: Martin R. Textor (Hg.) Kindergartenpädagogik - Online-Handbuch: http://www.kindergartenpaedagogik.de/1057.html
Weblinks
Angewandte Kindheitswissenschaften an der Hochschule Magdeburg-Stendal (Standort Stendal): http://www.hs-magdeburg.de/fachbereiche/f-ahumanw/studiengaenge/kiwi
Das Projekt KinderUni: http://www.kinderuni-stendal.de
Der Verein KiStä - KinderStärken: http://www.kinderstaerken-ev.de/
Das Projekt "Ohren auf zum Stadtrundlauf - Architektur Audioguide für Kinder in Stendal": http://www.archimobil.de/audioguide.html
Der Studiengang Angewandte Kindheitswissenschaften der Hochschule Magdeburg-Stendal
Das KInderZImmer (KIZI): http://www.hs-magdeburg.de/campus/c-standortmd/kizi/index_html/view?searchterm=kizi
Das FAmilienZImmer (FAZI): http://www.hs-magdeburg.de/campus/c-standortsdl/c-sdlfazi/index_html/view?searchterm=fazi

