Kindheit und Geschlecht

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Definition von Kindheit

Kindheit als Begriff umfasst den Lebensabschnitt, der mit der Geburt beginnt und dem Einsetzen der biologischen Reife begrifflich endet. Jedoch stellt die Pubertät einen schrittweisen Übergang vom Kind zum jungen Erwachsenen dar. Somit ist Jugend ein erweiterter Begriff von Kindheit.Der Begriff ist sozial und kulturell geprägt. Es wird heute von "Kindheiten" gesprochen, da es keine allgemeinegültige Form von Kindheit mehr gibt.

Definition von Kindheit im Gesetz

In Deutschland beginnt mit der Geburt die Rechtsfähigkeit und damit auch die Kindheit. Ab dem 14. Lebenjahr gilt man nicht mehr als Kind sondern als Jugendlicher/Jugendliche. Diese Phase wird dennoch zur Kindheit gezählt. Sie endet mit dem Eintreten der Volljährigkeit, die mit der Vollendung des 18. Lebensjahres einhergeht. Auch die UN-Kinderrechtskonvention definiert Kindheit durch diese Altersgrenzen von der Geburt bis zum 18. Lebensjahr. Sowohl Kinder und Jugendlich als auch Ungeborene sind Inhaber der Grundrechte.

Soziale Definition von Kindheit

Kindheit und Geschlecht

Biologisches und Soziales Geschlecht

Man unterscheidet zwischen dem biologischen und dem sozialen Geschlecht

  • Das biologische Geschlecht

wird auch als Sexus bezeichnet. Unter diesem Begriff versteht man das durch Gene festgelegte Geschlecht. Es ist durch anatomische und hormonelle Unterschiede gekennzeichnet.

  • Das soziale Geschlecht

wird auch als Gender bezeichnet. Unter diesem Begriff versteht man das Geschlecht, das durch Erziehung und Sozialisation entstanden ist.

Entwicklung der Geschlechtsidentität bei Kindern

  • Von der Geburt bis zum 3. Lebensjahr

Bereits im Säuglingsalter können Kinder zwischen den Geschlechtern unterscheiden. Drei, spätenstens sechs, Monate nach der Geburt können sie weibliche und männliche Stimmen auseinander halten. Zwischen dem 9. und 12. Monat können sie dies auch mit den Gesichtern tun. Säuglinge zwischen dem 10. und 14. Monat sind dann bereits in der Lage, Kinder ihren Geschlechtern zuzuordnen. Die Merkmale, durch welche sie diese Unterscheidungen treffen, sind zunächst die Haarlänge oder Kleidung. Die Genitalien sind im Säulingalter noch nicht von Bedeutung. Meist sind Kinder erst im Alter von ungefähr 2 1/2 bis 3 Jahren in der Lage ihr Gescchlecht zu benennen bzw. zu zuordnen.

  • Vom 3. bis zum 6. Lebensjahr

In diesem Alter entwickeln die Kinder langsam Geschlechtsstereotype. Sie ordnen Gegenstände, Verhaltensweisen, Eigenschaften und Aktivitäten den beiden Geschlechtern zu, wobei zu erkennen ist, dass für gut befundene Eigenschaften eher dem eigenen Geschlecht zugeschrieben werden. Naturgewalten wie Donner und Blitz, aber auch starke und gefährliche Tiere wie Gorillas und Haie und Gegenstände, die groß, spitz und rau sind, und dunkle Farben werden eher als männlich empfunden. Gegenstände, die abgerundet, klein oder zerbrechlich sind, sowie helle Farben werden eher als Objekte für Mädchen empfunden. In diesem Lebensabschnitt spielen die Kinder auch häufig in geschlechtshomogenen Gruppen. Das liegt unter anderem auch daran, dass die Wahl des Spieles bzw. des Spielzeuges vor dem Hintergrund der Geschlechtsstereotypen getroffen wird.

  • Vom 7. bis zum 11. Lebensjahr

Kinder in diesem Alter erkennen neben Geschlechtsunterschieden auch Gemeinsamkeiten zwischen beiden Geschlechtern. Sie wissen, dass geschlechtstypische Merkmale innerhalb eines Geschlechts variieren und sie können besser zwischen geschlechtstypischen und geschlechtsneutralen Merkmalen unterscheiden. Kindliche Geschlechterrollenstereotype erlangen eine zunehmende Flexibilisierung. Was die Urteilsbildung von Grundschulkindern über Eigenschaften und Vorlieben von Kindern und Erwachsenen betrifft, stützen sie sich nicht nur auf die Grundlage des Geschlechts dieser Personen, sondern beziehen auch andere individuelle Informationen mit ein. Geschlechterrollenpräferenzen sind in diesem Alter vorwiegend bei Jungen in der Wahl ihrer Spielzeuge zu sehen.

  • In der Adoleszenz

Die Entwicklung der Geschlechtsidentität basiert im Jugendalter auf der erhöhten Selbstaufmerksamkeit und auf der zunehmenden Beschäftigung mit der eigenen Person. (Wer bin ich? Wo komme ich her? Wie sehen mich die Anderen?) Neben der Pubertät und der eintretenden körperlichen Veränderungen (z. B. Ausbildung der sekundären Geschlechtsmerkmale) entstehen neue Entwicklungsaufgaben. Jugendliche haben ein Selbsterleben als männlich und weiblich sowie das Wissen über die kulturelle Definition von Maskulinität und Femininität. Dominierend ist weiterhin die bevorzugte Orientierung an der eigenen Geschlechtsgruppe. Zentrale Themen in diesem Alter sind oft die Selbstwahrnehmung und Selbstbewertung durch andere und die Frage der Akzeptanz und der eigenen Attraktivität für Angehörige des anderen Geschlechts. Aussehen ist hierbei für Mädchen wichtiger als für Jungen. Physische Geschlechtunterschiede werden hormonell bedingt markanter. Die körperliche Reifung findet bei Mädchen etwa zwei Jahre früher statt als bei Jungen. Auffällige Geschlechtsunterschiede gibt es in den schulischen Interessen und Fächerwahlen sowie bei der späteren Berufswahl von Jungen und Mädchen. Diese Geschlechtsunterschiede entsprechen den von Jugendlichen wahrgenommenen geschlechtstypischen Rollenverteilungen in Beruf und Familie. Bestimmte Musikrichtungen, Kleidung, Freizeitaktivitäten, Sprache, Werte und Einstellungen erlangen eine höhere Bedeutung, was die Abgrenzung bei Jugendlichen von der Ingroup zur Outgroup betrifft. Dadurch entstehen gleichgeschlechtliche und/oder gemischtgeschlechtliche jugendliche Subkulturen.

Geschlecht in der Pädagogik

  • In der Frühpädagogik

wird versucht eine geschlechtsbewusste beziehungsweise gendersensible Pädagogik zu verwenden. Dies bedeutet, dass es weder zu einer Entdramatisierung noch zu einer Dramatisierung des Geschlechts kommen sollte. Es sollte also nicht verneint werden, dass es zwei Geschlechter gibt, aber auch nicht besonders hervorgehoben werden. Ziel dieser Pädagogik ist es, die Kinder in der Findung und Entwicklung ihrer Geschlechtsidentität zu unterstützen ohne sie in Sterotypen zu drängen. Es wird versucht Spiele, Ort und Räume anzubieten, die sowohol Mädchen als auch Jungen ansprechen. Beispielsweise werden Puppenecken (für Mädchen) und Autoecken (für die Jungen) vermieden und eher nach neuen Alternativen gesucht, die für beide Geschlechter interessant sind, wie zum Beispiel Verkleidungskisten oder Utensilien zum Butzen bauen.

  • In der Schule

wird mit einer gendersensiblen Pädagogik darauf abgezielt Handlungsspielräume von Jungen und Mädchen zu erweitern. Die Verschiedenheit von Menschen soll unter Berücksichtigung gesellschaftlicher Geschlechterverhältnisse verdeutlicht werden. Aufgabe von Lehrerinnen und Lehrern ist es für die Herstellung gleicher Lernchancen für beide Geschlechter zu sorgen. Sie sollten Stereotypen und negative geschlechtsspezifische Zuschreibungen, wie zum Beispiel bei der Sprache, dem Lesen, sozialem Verhalten oder im MNT-Bereich, entgegenwirken. Ziel ist es mehr Differenzierung und Individualisierung statt Homogenisierung zu erreichen.

Quellen

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