Gender Kolleg
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Gender Kolleg der Universität Wien
Graduiertenkollegs und interdisziplinäre „Doktoratskollegs“ für Geschlechterforschung und -studien arbeiten erfolgreich in Deutschland, der Schweiz, in Ungarn oder in Frankreich, wo Doktoratsstudien generell nur noch über derartige thematische interdisziplinäre Graduier-tenkollegs (écoles doctorales) organisiert werden (finanziert beispielsweise durch Ministerien, Universitäten oder Forschungsförderungsfonds). Einzig in Österreich herrscht(e) diesbezüglich ein Manko. Dem sollte die Gründung des Gender Kollegs entgegenwirken. Die Schaffung eines interdisziplinären Rahmens für die graduierte Geschlechterforschung stellt eine in Österreich einzigartige Innovation in Forschung und Lehre dar. Das Gender Kolleg wurde 2001 mit dem Anerkennungspreis für Innovation in der Lehre, Kategorie „Besonders hohes Innovationspotential“, der Universität Wien ausgezeichnet. Die Qualitätssicherung dieser geschlechterfokussierten Lehre und Forschung wird durch die interdisziplinäre Zusammensetzung der Faculty des Gender Kollegs mit österreichischen Spitzenkräften der sozialwissenschaftlichen Genderforschung gewährleistet.
Schwerpunkte und Zielsetzungen
1. Forcierung der Inter- und Transdisziplinarität im Sinne einer neuen Wissens- und Wissenschaftskultur
Inter- und transdisziplinäre Forschung steht im Zentrum des Gender Kollegs. Damit setzt das Gender Kolleg neue Maßstäbe für die Wiener Universität. Inter- und transdisziplinäre Forschung wird unter anderem auch durch kollektive wissenschaftliche Betreuung von StudentInnen gefördert. Einige Faculty-Mitglieder des Gender Kollegs sind beispielsweise bereit, im Rahmen des von der Vizerektorin für Personalfragen initiierten und im Wintersemester 2001 angelaufenen Mentoring-Projektes ihre Erfahrungen einzubringen.
2. Innovative Lehre an der Schnittstelle von Inter- und Transdisziplinarität
Neben interdisziplinären Forschungsseminaren und Ringvorlesungen versucht das Gender Kolleg jedes Semester eineN GastprofessorIn im Bereich der Gender Studies zu gewinnen. Zudem organisiert das Gender Kolleg Gastvorträge international renommierter Wissenschaf-terInnen.
3. Etablierung der Gender Studies auf Doktoratsstudienebene
Im Sinne der Profilentwicklung der Universität Wien stellt die überfakultäre Graduiertenförderung und Optimierung interdisziplinärer Dissertationsstudien im Bereich der Geschlechterforschung eine besondere Herausforderung dar. Aufbauend auf dem Curriculum für ein Gender Studies Magisterium wurde zunächst ein Gender Studies Zertifikat für Doktoratsstudien angestrebt. Inzwischen liegt ein Antrag auf Einrichtung eines Initiativkollegs mit dem Schwerpunkt „Gender, Violence and Agency in the Era of Globalization“ an der Universität Wien zur Begutachtung vor.
4. Internationale Vernetzung und Osteuropa-Schwerpunktsetzung
Das Gender Kolleg ist international vernetzt und hat es verstanden, seine günstige geographische Lage v.a. für intensive Kontakte zu WissenschafterInnen in postkommunistischen Staaten Ostmittel-Europas zu nutzen. Das ist nicht nur an der Veranstaltung „Gedankenaustausch zu Gender Studies und EU-Osterweiterung“ im Juni 2003 erkennbar, sondern auch an dem Buch „Gender Studies zwischen Ost und West“, dem 2006 durchgeführten Workshop „Gender at the Border“ oder dem für das Studienjahr 2006/07 ausgeschriebenen Stipendium für Sarajevo-DissertantInnen.
Inhalt
- INTER- UND TRANSDISZIPLINARITÄT ALS INNOVATIONSPOTENTIAL IN FORSCHUNG UND LEHRE -
Das Gender Kolleg ist ein interdisziplinär ausgerichtetes Graduierten-Kolleg mit dem Schwerpunkt Gender Studies an der Universität Wien. Die DoktorandInnen des Gender Kollegs kommen aus einem breiten Spektrum wissenschaftlicher Disziplinen, vornehmlich der Sozial-, Kultur- und Geisteswissenschaften an der Universität Wien, aber auch von der Wirtschaftsuniversität und der Technischen Universität Wien. Im Rahmen der Lehrveranstaltungen des Gender Kollegs wird die Forschungsleistung dieser DoktoratsstudentInnen fächerübergreifend gebündelt, zur Diskussion gestellt und einer vertieften Analyse und Reflexion unterzogen.
Die Qualitätssicherung dieser geschlechterfokussierten Lehre und Forschung wird durch eine interdisziplinäre Zusammensetzung der Faculty des Gender Kollegs mit universitären Spitzenkräften gewährleistet.
Neben der regulären Lehrtätigkeit veranstaltet das Gender Kolleg regelmäßig inter- und trans-disziplinär angelegte Ringvorlesungen zu aktuellen Themen, wie beispielsweise die Ringvorlesung „Verfügbare Menschen? Geschlecht zwischen Hochtechnologie, Bio-Politik und Wissenschafts-Ideologien“ im WS 2004, „Geschlechterwissen in Transformationsprozessen“ im SS 2005 oder "Helden und Opfer. Konstruktionen und Kritik weißer okzidentaler Männlichkeit" im SS 2007. GastprofessorInnen aus unterschiedlichen Wissenschaftsdisziplinen, Gastvorträge international renommierter WissenschafterInnen und Veranstaltungen mit internationaler Besetzung zu geschlechterspezifischen Schwerpunktthemen ergänzen das Ausbildungsangebot des Gender Kollegs. Hier sind beispielsweise der Gastvortrag des französischen Historikers Pierre Vidal-Naquet im Mai 2003 oder der „Gedankenaustausch zu Gender Studies und EU-Osterweiterung“ mit Beitragenden aus Prag, Budapest und Wien im Juni 2003 sowie der Workshop „Gender at the Border“, der im April 2006 stattfand, zu nennen. Der Workshop „Gender at the Border“ ist als Knotenpunkt wissenschaftlicher Tätigkeit zwischen den österreichischen Gender Studies und jenen aus den neuen EU-Mitgliedsländern in Mittel- und Osteuropa gedacht. „Gender at the Border“ wurde als Kooperationsprojekt zwischen dem Gender Kolleg in Wien und dem „Interdepartmental Interdisciplinary Graduate Programme in Women’s Studies and Feminist Theories“ aus Ljubljana/Slowenien organisiert. Dieser viertägige Workshop, an dem 14 NachwuchswissenschafterInnen und 6 ProfessorInnen aus beiden Ländern teilnahmen, erwies sich als außerordentlich erfolgreich. Aufgrund des guten Echos wird der Workshop als Reihe fortgeführt, eine gemeinsame Veranstaltung von Gender Studies-Zentren in Wien und Budapest wird im Frühjahr 2007 statt finden.
Das Gender Kolleg ist international vernetzt und hat es verstanden, seine günstige geographische Lage v.a. für intensive Kontakte zu WissenschafterInnen in postkommunistischen Staaten Ostmittel-Europas zu nutzen. Die Ergebnisse eines vom Bundesministerium für Wissenschaft und Kunst geförderten Kooperationsprojekts von Feministinnen aus Ost und West liegen in publizierter Form vor:
Pechriggl, Alice und Marlen Bidwell-Steiner (Hg.) (2003): Brüche. Geschlecht. Gesellschaft. Gender Studies zwischen Ost und West. Materialien zur Förderung von Frauen in der Wissenschaft, Band 16
Außerdem hat es das Gender Kolleg verstanden, den Wissenstransfer und den wissenschaftlichen Austausch mit StudentInnen und JungwissenschafterInnen aus südosteuropäischen Ländern zu fördern, wie zum Beispiel das ausgeschriebene Stipendium für das Studienjahr 2006/07 zeigt. Für das neunmonatige Stipendium können sich DissertantInnen der sozial-, kultur- und geisteswissenschaftlichen Fakultäten bewerben, die ihr Doktoratsstudium an der Universität Sarajevo betreiben und an einer Dissertation im Forschungsgebiet Gender Studies arbeiten. Der Forschungsaufenthalt in Wien könnte nicht nur für das Fortschreiten der jeweiligen Dissertation bedeutend sein (da die Stipendiatin die Lehre und die Strukturen der Gen-der Studies in Wien kennenlernen kann), sondern auch in einem Know-How-Transfer nach Sarajevo resultieren, wo derzeit ein MA-Studium „Gender Studies“ aufgebaut wird. Die erste Stipendiatin ist seit Oktober 2006 am Gender Kolleg.
Theoretisch-methodische Zugänge
Das Gender Kolleg der Universität Wien ist eine Forschungs- und Exzellenz-Ausbildungseinrichtung im inter- und transdisziplinären Feld der Gender Studies. Der theoretisch-methodische Zugang zu diesem Hauptfeld in Forschung und Lehre erfolgt über das Thema der epistemologischen und soziokulturellen „Brüche“ („Ruptures“), denn es sind gerade Umbruchssituationen, in denen zuvor Verborgenes sichtbar wird. Diese „Transversale“ der „Brüche“ soll verschiedene Zugangsweisen zu „Geschlecht“ als anthropologische und wissenschaftstheoretische Kategorie in drei Themenbereichen eröffnen: 1. Umstrittene Geschlechteridentitäten 2. Implizites und explizites Wissen 3. Soziokulturelle Konstituierung von Wirklichkeit. Diese drei Themenfelder sind als vernetzte Arbeits- und Forschungsfelder zu verstehen, während die Transversale der „Brüche“ eine übergeordnete Perspektive und Fragestellung darstellt, welche die drei Forschungsgebiete gleichsam durchkreuzt.
Das Themenfeld der umstrittenen Geschlechteridentitäten („Contested Gender Identities“) beleuchtet politische, soziale, kulturelle und anthropologische Bedingungen von Geschlechteridentitäten aus der Perspektive der „Brüche“. Die umstrittenen, brüchigen Geschlechteridentitäten umfassen das Spannungsfeld von individuellen und kollektiven Identitäten.
Der Themenbereich implizites und explizites Wissen setzt sich mit den heterogenen und vielschichtigen Interaktionen verschiedener Wissensformen unter Bezugnahme auf Geschlechterverhältnisse auseinander. Diese Wissensformen erzeugen gesellschaftliche Phänomene, wobei gleichzeitig die gesellschaftlichen, kulturellen und sozialen Kontexte dieses Wissen entscheidend prägen. Geschlechterrelationen werden also einerseits durch wissenschaftliches Wissen erzeugt, verstärkt oder legitimiert, sind aber andererseits in die Produktion dieses Wissens von vornherein integriert. Brüche durchziehen die Produktions-, Verteilungs- und Vermittlungsstrukturen von Wissen und treten besonders augenscheinlich in der Grenzziehung zwischen explizitem Wissen (verschriftlicht bzw. kodifiziert) und implizitem Wissen (erfahrungsspezifisch) zu Tage.
Das Themenfeld der soziokulturellen Konstituierung von Wirklichkeit wird über die Thematik der Brüche in gesellschaftspolitischen Konflikten, in der medialen Vermittlung und in institutionalisierten sowie nicht-institutionalisierten Bereichen des Politischen eröffnet.
Weitere Informationen finden Sie unter www.univie.ac.at/gender-kolleg [1]
--Gender kolleg wien 14:33, 5. Mär. 2007 (CET)

