Bisexualität

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Der Begriff


Bisexualität (lat. bi: zwei-, doppel-; sexus: Geschlecht). In der Biologie wurde anfangs Bisexualität (eigentlich richtiger die Ambisexualität) mit der Doppelgeschlechtlichkeit (Intersexualität) gleichgesetzt. "Bisexualität" wurde (und wird dort heute teilweise noch immer) verwendet, um das Vorkommen als "weiblich" und als "männlich" eingeordneter Merkmale an ein- und demselben Menschen zu beschreiben. In einigen Auffassungen wurde (und wird noch immer) angenommen, dass jeder Mensch zugleich "Mann" und "Frau" sei.

In den Sozialwissenschaften wurde der Begriff `Bisexualität` für Betrachtungen zu Sexualität eingeführt. Es werden Menschen beschrieben, die sich sexuell sowohl zu Frauen als auch zu Männern hingezogen fühlen, solche die weder Heterosexuell noch Homosexuell sind. „Bisexualität wurde bis auf weiteres nicht als eigenständiges Phänomen, sondern als eine Variante homosexuellen Verhaltens betrachtet.“(Münder, S.18) Die bisexuelle Menschen werden oft als unangepasst, krank und labil bezeichnet.

Die Geschlechterforschung versucht die Bisexualität als eine legitime Identitätskategorie zu etablieren und die Vorurteile durch konstruktive Denkmodelle zu ersetzen. „Verschiedene Forschungsarbeiten zeigen, dass Bisexuelle psychopathologisch nicht anfälliger als Heterosexuelle und Homosexuelle sind.“ (Münder, S.54) Im Übrigen ist das Wort Bisexualität wissenschaftlich umstritten, denn es suggeriert eine Dreiteilung zwischen Heterosexualität, Homosexualität und Bisexualität, die es so nicht gibt. Denn im Prinzip befindet sich zwischen Homosexualität und Heterosexualität eine große Skala, in der sich die meisten Menschen einreihen können.

„Der Begriff ´Biphobie` wurde dem Begriff Homophobie nachgebildet und bezeichnet die Vorurteilen gegenüber Bisexualität.“ (Münder, S.55)


Die Geschichte


„Dass der Mensch ursprünglich bisexuell ist, wissen wir spätestens seit Freud, der mit dieser Grundannahme seine psychoanalytische Theorie evolutionstheoretisch fundierte.“ (Altendorf, S.9) Sigmund Freud stellte die These auf, dass jeder Mensch bisexuell ist. Die gesellschaftliche Zwänge und Tabus führen jedoch dazu, dass die Menschen versuchen es zu verdrängen. Die heteronormativ organisierte Wahrnehmungs-, Handlungs-, und Denkschemata führen dazu, dass sowohl Homosexualität als auch Bisexualität als pathologischen Verhaltensweisen betrachtet werden. Es wurden viele Versuche vorgenommen um eine schwule, lesbische oder bisexuelle Orientierung durch therapeutische Interventionen zur Heterosexualität `umzupolen`.

„In den 70er Jahren entlarvte v.a. die Lesben- und Schwulenbewegung den Zwangscharakter der normativen Heterosexualität, lehnte jedoch die Bisexualität als `Verrat` ab.“ (Metzler, S.41) Bi-Gruppen haben angefangen sich in den 80er Jahren zu bilden und setzten sich gegen gesellschaftliche Diskriminierungen ein. Das Wissen über Bisexualität stützte sich lange Zeit auf immer wieder reproduzierten Klischeebildern und irrationalen Vorurteilen. Es ist nicht möglich genau festzustellen wie viele Menschen bisexuell sind, weil die meisten aus Angst vor Diskriminierungen anonym bleiben wollen. Es ist bekannt, dass Schwule und männliche Bisexuelle oft Opfer von Gewalttaten werden. Udo Rauchfleisch schreibt, dass diese Gewalttaten oft nicht angezeigt werden, weil die Bisexuelle „…befürchten, von den Behörden nicht ernst genommen zu werden und zusätzlichen Diskriminierungen ausgesetzt zu sein.“ (Rauchfleisch, S.132)


Selbsthilfegruppen



Während der 70er Jahre sind in den USA lokale Selbsthilfegruppen bisexueller Menschen entstanden. In den 80er Jahren wurden auch viele solche Selbsthilfegruppen in Deutschland gegründet. Nach dem ersten überregionalen Bi-Treffen im Jahr 1988 und einer bundesweiten Vernetzung Bisexueller mit Unterstützung durch die Deutsche AIDS-Hilfe e.V. erfolgte 1992 die Gründung von BiNe (Bisexuelles Netzwerk e.V.). BiNe ist die einzige Vereinigung von Gruppen und Einzelpersonen der Bi-Bewegung im deutschen Sprachraum. Vereinssitz ist seit 2005 Frankfurt am Main, zuvor Potsdam. 2006 zählte sie etwa 140 Mitglieder. Der Verein ist gemeinnützig tätig und bietet psychologische Beratung.


Literatur


Altendorf, Marion; „Bisexualität. Zweigeschlechtliches Begehren und zweigeteiltes Denken.“, Centaurus-Verlagsgesellschaft, Pfaffenweiler 1993

Kroll, Renate (Hg.), „Metzler Lexikon. Gender Studies. Geschlechterforschung. Ansätze-Personen-Grundbegriffe.“, J.B.Metzler, Weimar 2002

Münder, Kerstin; „Ich liebe den Menschen nicht das Geschlecht.“, Ulrike Helmer Verlag, Königsstein/Taunus 2004

Rauchfleisch, Udo; “Schwule, Lesben, Bisexuelle: Lebensweisen, Vorurteile, Einsichten.“, Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen/Zürich 1996

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