Arbeitskreis Emanzipation und Partnerschaft

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Arbeitskreis Emanzipation und Partnerschaft AEP

Müllerstraße 26 A- 6020 Innsbruck Tel.: +43 (0)512 58 36 98 http://www.aep.at


Allgemeines

Der AEP, Arbeitskreis Emanzipation und Partnerschaft, wurde im Jahr 1974 von Doris Linser unter dem Eindruck der autonomen Frauenbewegung und des Kampfes um die Möglichkeit des Schwangerschaftsabbruchs gegründet. Zuerst unter dem Namen „Aktion 144“ auf ebendiesen Themenbereich beschränkt, beschlossen die beteiligten Frauen nachdem die Fristenlösung politisch auf den Weg gebracht wurde, sich auch weiterhin zu engagieren und das Spektrum ihrer Aktivitäten auf weitere frauenspezifische Problemfelder auszudehnen. Als Medium wurde eine feministische Zeitschrift ins Leben gerufen, die AEP-Informationen. Im Jahr 1975 gelang es eine Frauen- bzw. Familienberatungsstelle einzurichten und 1979 eröffnete der AEP die erste feministische Frauenbibliothek Österreichs.

Die Räumlichkeiten des AEP befinden sich derzeit in der Müllerstrasse 26 in Innsbruck. Die Mitgliederzahl, also diejenigen, die nicht nur die Zeitschrift beziehen sondern den AEP zusätzlich mit 3€ pro Jahr unterstützen, beläuft sich auf ungefähr hundert.

Geschichte des AEP

Ein Verein der autonomen österreichischen Frauenbewegung in Innsbruck. Von Monika Jarosch

Das Material zu dieser kurzen Geschichte des AEP habe ich größtenteils aus den AEP-Informationen bezogen, die ja seit Gründung des Vereins im Dezember 1973, regelmäßig ab Jänner 1974, erschienen sind. Diese Hefte sind eine wahre Fundgrube für all das, was im AEP, durch den AEP und mit dem AEP geschehen ist. Eine weitere Quelle war die Festschrift zum 15-jährigen Bestehen des AEP „Frauen melden sich zu Wort. Kritik-Konflikte-Konsequenzen“. Und nicht zuletzt hat Doris Linser in ihren Erinnerungen gekramt und einiges beigetragen. So ist diese kurze Geschichte des AEP sicher nicht vollständig, sie kann und soll auch nicht streng historisch und wissenschaftlich sein. Es sind meine persönlichen Eindrücke, ich, die selbst die Geschichte des AEP nicht voll miterlebt hat. Zur Vollständigkeit bedürfte es mehr Raum und intensiverer Forschung. Vielleicht könnten intensive Interviews mit allen betroffenen Frauen, die diese Geschichte mitgestaltet haben, das Bild voller und runder machen, hierzu fehlten mir die Zeit und die Kapazität.


25 Jahre AEP (1974-1999) Anlass über die Geschichte des AEP zu schreiben, ist sein nun über 25-jähriges Bestehen. Gegründet 1973, als Verein tätig seit Jänner 1974 ist der AEP einer der ältesten autonomen Frauenvereine der Neuen Frauenbewegung in Österreich, der in seiner ursprünglichen Form mit den AEP-Informationen, der Familienberatungsstelle und der Bibliothek noch weiterlebt und weiterarbeitet. Die Zeitschrift des AEP, die AEP-Informationen, kam im Jänner 1974 mit ihrem ersten Heft heraus, sie wird seitdem kontinuierlich, zuerst monatlich, dann zweimonatlich und später vierteljährlich, herausgegeben. Es ist dies eine Kontinuität, die oft unter schwierigen Bedingungen, mit geringen personellen und finanziellen Ressourcen aufrechterhalten wurde, die aber auch darauf zurückzuführen ist, daß dem AEP von Beginn an mit seiner Obfrau Doris Linser, eine engagierte Feministin vorstand. Nicht vergessen werden sollen auch all jene Frauen, die ebenso dazu beigetragen haben, daß der AEP heute seinen 25. Geburtstag feiern kann: Die Frauen, die jahrelang in der Familienberatungsstelle und in der Bibliothek arbeiteten und immer noch tätig sind. Und insbesondere die Frauen, die unsere Zeitschrift gestalten, ihr Form und feministischen Inhalt geben. Der AEP schaut heute nicht resignativ zurück, sondern arbeitet frauenbewegt und feministisch weiter.


Die Frauenbewegung in Innsbruck Wenn von der österreichischen Frauenbewegung gesprochen wird, bzw. die Literatur dazu betrachtet wird, dann entsteht der Eindruck, nur in Wien habe so etwas wie Frauenbewegung stattgefunden. So will zwar das Standardwerk „Donauwalzer – Damenwahl“ von Brigitte Geiger und Hanna Hacker über die „frauenbewegten Zusammenhänge in Österreich“ berichten, erzählt aber im Kern die Geschichte der „AUF“ in Wien. Auch die Geschichte der Aktion 144 wird im Wesentlichen aus Wiener Perspektive beschrieben. Was sich in den Bundesländern ereignet hat, fällt mehr oder weniger unter den Tisch. Aber gerade in Innsbruck bildete sich zur gleichen Zeit wie in Wien eine aktive Frauenbewegung, die aus der Aktion 144 hervorging und die sich 1973 im AEP zusammenfand.


Der AEP als Impulsgeber Viele der heute in Innsbruck bestehenden Fraueneinrichtungen und Frauenprojekte sind in ihrer Entstehung in irgendeiner Weise mit dem AEP verbunden. Ein Großteil der frauenbewegten Aktivitäten im Raum Innsbruck geht auf Frauen zurück, die ursprünglich im AEP mitgearbeitet haben, die den AEP beeinflusst haben und durch ihn beeinflußt wurden. Eine Reihe von feministisch motivierten Projekten wurde entweder vom AEP selbst, oder, in personeller Verflechtung, von seinen Mitarbeiterinnen mitinitiiert und mitgetragen. Aber auch Auseinandersetzungen und Konflikte mit dem AEP bzw. innerhalb des AEP haben kreatives Potential freigesetzt. So sind manche Projekte nach Diskussionen und in Abgrenzung zum AEP entstanden, weil die Meinungen, die Anschauungen über Frauenpolitik oder die Instrumente zur ihrer Verwirklichung oft unterschiedlich waren und auch sein mussten.


Eine Chronik des AEP Die Aktion 144 In Innsbruck entstand aus einer Unterschriftensammlung, die von Doris Linser 1970 initiiert und auch selbst durchgeführt wurde, die Aktion 144, die in der Öffentlichkeit für eine Liberalisierung des §144 StGB eintrat. Dies schildern Elisabeth Müllner und Maria Taxacher folgendermaßen:


„Am Anfang war Betroffensein Eine junge Frau in Tirol. ...die Diskussion um die Straffreiheit der Abtreibung wird in Deutschland hitzig geführt. Die junge Frau fühlt sich davon bewegt... Die Sichtweise, die Frauen das Recht über die elementaren Vorgänge in ihrem Körper zu bestimmen, per Strafe verweigert, empört sie zutiefst. Als STERN die Serie ‚Ich habe abgetrieben‘ bringt, entsteht in ihr die Idee, im eigenen Land aktiv zu werden. Der erste Versuch scheitert. Die von ihr angesprochene ÖVP-Frauenorganisation weist das Anliegen schroff zurück und ist gegen jede Änderung des seinerzeitigen §144.

Aus Betroffensein wird eine Aktion Sie verfaßt einen Text auf Basis des STERN-Artikels, kopiert ihn und versucht Unterschriften zu sammeln. Dafür geht sie, mit zitternden Knien und Herzklopfen, ...‚eine arge Überwindung‘... in verschiedene Geschäfte Innsbrucks. Ohne irgendeine Stütze, ohne Organisation im Hintergrund oder sich mit anderen Frauen abgesprochen zu haben, ausgerüstet nur mit ihrem eigenen Mut, riskiert sie, Verkäuferinnen wie Kundinnen anzusprechen. So verschafft sie den Frauen in Tirol eine Möglichkeit, ihre Unterschrift für die Straffreiheit von Abtreibung auf eine Liste setzen können.“

Es war dies eine überaus schwierige Arbeit – Abtreibung und auch die Beihilfe dazu waren ja verboten – und wer traute sich schon, über eigenes Betroffensein oder über Möglichkeiten zum Abbruch zu sprechen. Die angesprochenen Frauen erzählten von ihren Schwierigkeiten, wie Schwangerschaften zu Ächtungen, Entlassungen aus Ausbildungsplätzen, ja zu Erpressungen führen konnten und nicht zuletzt von den gesundheitlichen Schäden, die durch PfuscherInnen (EngelmacherInnen) entstanden.

In wenigen Wochen sammelte Doris Linser in ihrer Freizeit über 500 Unterschriften; diese schickte sie an den Justizminister. Sie nahm auch Kontakt auf zu Personen, deren LeserInnenbriefe zu diesem Thema sie in Zeitungen gefunden hatte, verfaßte selbst Flugblätter, äußerte sich in Leserinnenbriefen und Artikeln und löste breite Reaktionen aus. Immer mehr Frauen fanden sich zusammen und starteten nun gemeinsame Aktionen (Resolutionen, Befragungen von ÄrztInnen und RechtsanwältInnen usw.). Die Innsbrucker Aktion 144 war entstanden. Die Aktion erregte österreichweit, ja sogar bis ins ferne Deutschland, Aufsehen. Die Zeitschrift ‚Stern‘ berichtete ausführlich über die Ereignisse in Tirol. Einige der damals entstandenen Fotos haben wir in diesem Heft abgebildet.

„Aus der Einfraueninitiative wird ein Verein. Versammlungen finden statt. Diskussionen ergeben sich. Es finden sich Frauen, die Gegenveranstaltungen aufsuchen und dort eine andere Seite – ihre Ansichten – vertreten. Die junge Frau, die zum Symbol für die Gesetzesänderung des §144 und für die Frauenrechtsfrage überhaupt wurde, ist Doris Linser.“

Die Aktion 144 kämpfte für eine Liberalisierung des §144, der ja hartes Strafmaß für alle an einer Abtreibung beteiligten Personen vorsah. Das Ziel war die Einführung der so genannten Fristenlösung, also der Straffreiheit des Schwangerschaftsabbruchs innerhalb der ersten drei Monate. Im Dezember 1973 ging eine Gruppe von ca. 20 Frauen mit ihren Forderungen an die Öffentlichkeit. Sie informierten alle einschlägigen Zeitungen über ihr Vorhaben und führten eine weitere Unterschriftenaktion durch.

„Es war ganz deutlich: der §144 stellte einen Eingriff in das Privatleben von unzähligen Menschen dar und versetzte die Frauen in Angst, in Not, in tiefe Verzweiflung und oft genug auch in Lebensgefahr.“

Der §144 wurde letztlich 1974 durch ein Bundesgesetz gestrichen und die Fristenlösung eingeführt. Dabei wurde allerdings „vergessen“, gleichzeitig Durchführungsbestimmungen zu erlassen. Aus diesem „Vergessen“ rührt zum Teil die auch heute noch unzumutbare Situation für Frauen im Westen Österreichs, die einen Schwangerschaftsabbruch durchführen wollen, und keine abtreibungswilligen ÄrztInnen vorfinden.

Den in der Aktion 144 zusammengefaßten Frauen aber war klar geworden, daß dieser eine Erfolg die Lebenssituation von Frauen noch nicht verändern konnte.

„Wir hatten in so viele Problemsituationen Einblick gewonnen und eine Ahnung davon erhalten, in welchem Machtverhältnis die Männer den Frauen in unserer Gesellschaft gegenüberstehen. Eine Gruppe der Frauen, die gegen den §144 gekämpft hatte, wollte also weitermachen. Wir haben damals, viele von uns zum ersten Mal, Solidarität unter Frauen erlebt, gekoppelt mit einem Erfolgserlebnis. Unsere Erfahrung daraus: Es nützt etwas, gemeinsam für eine Sache zu arbeiten.“ Der Verein Im Jänner 1974 kam es zur Gründung des Vereins. Er konstituierte sich als parteiunabhängiger und konfessionell ungebundener Verein, in dem Frauen und Männer gleichermaßen willkommen waren.

„Nach unserem Dafürhalten ist weibliche Emanzipation in einer Gesellschaft unabdingbar mit der Emanzipation der Männer verbunden (wenngleich die Entwicklung nicht synchron läuft; gegenwärtig gehen die Impulse auf allen Ebenen vordergründig von den Frauen aus, ihre Emanzipation ist die der Männer ein Stück voraus)“.

Der Vorstand bestand aus acht Frauen, sie sind von den Mitgliedern frei gewählt worden. So blieb es auch im Lauf der Jahre: Männer waren nie im Vorstand. Vielleicht gab es sogar einige männliche Mitglieder, die aber weder in den Arbeitskreisen noch in den Räumen des AEP, also weder inhaltlich noch örtlich präsent waren. Aber allein die satzungsmäßige Möglichkeit für Männer, im AEP teilzunehmen, war immer und wurde mehr und mehr zum großen Konfliktpotential. Diese Spannungen, im Zuge derer, dem AEP die Autonomie abgesprochen wurde, führten dann auch zu Abspaltungen. Für das Selbstverständnis der Neuen Frauenbewegung war der Autonomiebegriff zentral. In diesem Autonomiebegriff war die Unabhängigkeit von kirchlichen und politischen Organisationen enthalten, aber im Vordergrund stand der Ausschluß der Männer, der konsequenter eingehalten wurde als in der ersten Frauenbewegung des 19. Jahrhunderts.

Gleichzeitig wurde im Jänner 1974 auch die erste Nummer der AEP-Informationen herausgegeben. Selbsterfahrungsgruppen und feministische Projekte Ziele – Richtung des AEP Einerseits ging es um die Bewußtseinsebene, das heißt um das Erkennen von geschlechtsspezifischen Rollenbildern und das Aufdecken von frauenunterdrückenden gesellschaftlichen Phänomenen. Zum anderen setzten sich die Frauen mit sozial- und gesellschaftspolitischen Fragen auseinander. Sie wollten praktische Beispiele durchführen, die geeignet schienen, die Lebenssituation von Frauen konkret zu verbessern. Mit beiden Bereichen aufs engste verknüpft und dahingehend wesentliche Zielsetzung des AEP waren und sind Bestrebungen zur Hebung des weiblichen Selbstbewußtseins und das Erlernen von Solidarität unter Frauen.

„Der AEP wird sich einsetzen für die Emanzipation, also das Streben nach Selbstbestimmung aufgrund eigener Fähigkeit. Das Problem trifft besonders Frauen – aber auch Männer! Der AEP wird sich einsetzen für die Bewußtmachung des Problems und seiner Ursachen – für Anregungen sorgen und nach Möglichkeiten suchen, das Problem zu beseitigen. Der AEP wird sich einsetzen für die notwendigen eigenen Anstrengungen um eine eigenverantwortliche Lebensgestaltung in gemeinsamer Arbeit, durch Partnerschaft. Dazu sollen dienen: regelmäßige, frei zugängliche Diskussionen, Arbeitsgruppen für bestimmte Themen, die AEP-Informationen als Mitteilungsblatt zur Kontaktförderung und Anregung, Veranstaltungen mit Fachleuten und ähnlichen Einrichtungen. Machen Sie mit.“ Der Name des Vereins und die autonome Frauenbewegung In Deutschland und auch in Wien nannten sich viele Gruppen „Arbeitskreis Emanzipation“, also ohne den Zusatz „Partnerschaft“. Die Frauen in Innsbruck entschlossen sich, die „Partnerschaft“ dazuzunehmen. Nach ihrer Meinung war weibliche Emanzipation in einer Gesellschaft unabdingbar mit der Emanzipation der Männer verbunden. Der Gedanke war, die Männer insgesamt und insbesondere die Partner, mit denen sie lebten, in die Pflicht zu nehmen. Damit war aber das Autonomiekonzept nicht voll durchgezogen. Nichtsdestotrotz verstanden sie sich immer der autonomen Frauenbewegung zugehörig, verstanden sich als autonom, als selbstbestimmt. Der Streit war insofern theoretisch als nie ein Mann sich bemüßigt fühlte, im AEP mitzuarbeiten, innerhalb des AEP waren die Frauen nie mit dem Problem befaßt, wie real mit einem Männereinschluß umzugehen sei. Die Frage des Männeraus- bzw. einschlusses beschäftigte aber die Frauen durch all die Jahre, sie war – wie bereits erwähnt - auch ein Grund für die ersten Abspaltungen.

Die Theoretikerin des Vereins Dr. Gertha Hofmüller, faßte es in die Worte:

„...Aber schon bei der Formulierung des Vereinsnamens und der Statuten gab es Differenzen: sollten Männer bzw. Lebensbeziehungen zu Männern (Partnerschaft) mit einbezogen werden oder sollte ausschließlich eine Organisation von Frauen für Frauen gebildet werden.

Meiner grundsätzlichen Einstellung nach, also gegen (patriarchale) Fehler (bei Männern und Frauen) und für menschengerechte Verhältnisse, plädierte ich für die erste Lösung und verfaßte einen entsprechenden Statutentext, worauf mir (m.E. unberechtigt) von einigen Mitgliedern Weltverbesserungsdusel vorgeworfen wurde. Ohne gründliche Klärung und Einigung wurde schließlich die erste Lösung gewählt, weil es sich ja nur um Formalitäten handle. Aber die Meinungsdifferenzen brachen immer wieder auf und blieben immer wieder ungelöst.“

Dem Autonomiekonzept setzte Gertha Hofmüller ihre persönliche Reflexion entgegen: „...wenn ich gegen Unterdrückung bin, darf ich selbst niemanden unterdrücken und mich nicht unterdrücken lassen. ...Ich bin für kooperative Lebensweise und damit gegen Okkupation. Unter kooperativ verstehe ich das Bemühen um gegenseitige Akzeptierung, gegenseitige Verständigung, gegenseitigen Austausch und kooperative Organisation mit kritischer Bewährungskontrolle; okkupativ bedeutete das Gegenteil. Dieses allgemein beschriebene WIE besteht aus Zuwendungsbereitschaft (gegenüber Kooperativem) und Abwehrbereitschaft (gegenüber Okkupativem). Es bildet sich m.E. das Gemeinsame der Emanzipationsbewegungen; es hat notwendigerweise zwei Seiten. ...Kooperatives Verhalten ist uns ja einigermaßen vertraut, weil es im traditionellen weiblichen Rollenklischee – wenn auch in abgewerteter, reduzierter Form – enthalten ist. Aber die Durchsetzung von Kooperation als eigenständigen wichtigen Beitrag zum Zusammenleben anstatt als ‚niedere Dienstleistung‘ für ‚höhere Interessen‘ der Herren verlangt im Konfliktfall möglicherweise auch Verweigerung (gegenüber Okkupationsabsichten), und diese Möglichkeit fehlt im traditionellen Weibchen-Klischee: wir müssen sie neu entdecken und lernen.“

Der Name ist inklusive dem Wort „Partnerschaft“ bestehen geblieben und sorgt auch heute noch für interne Theoriediskussionen. Die Aktionen des Vereins Die ersten Jahre des Vereins waren den vielfältigsten Aktionen zu den verschiedensten Themen gewidmet: • Flugblätter zur Abschaffung des §144 • Muttertagsflugblatt • Die Kindergartensituation in Innsbruck: Forderungen nach mehr öffentlichen Kindergärten und längeren Öffnungszeiten; z.B. Verlängerung der Abholzeiten, um gerade berufstätigen Müttern die Kindergartennutzung zu ermöglichen • Aktion Wiesen frei für unsere Kinder - Verbesserung der Kinderspielplätze als auch der Spielplatzmöglichkeiten. Diese Forderung stieß beim Innsbrucker Gartenbauamt auf große Widerstände, der Rasen sei dazu nicht geeignet und der AEP solle doch strapazfähigen Grassamen liefern. • Einführung der ‘Aktion Tagesmütter’ mit Abhaltung von Einschulungskursen • kostenlose Beratung für alle Frauen durch die Familienberatungsstelle • Elternseminare • Hilfe bei Rekursen sowie Beistellung eines Rechtsanwaltes • Umfrage bei ca. 300 Tiroler Ärzten zum Thema Schwangerschaftsabbruch und Familienberatung • Referate zu wichtigen zeitgemäßen Problemen, wie Berufstätigkeit der Frau, Teilzeitbeschäftigung • Selbsterfahrungsgruppen • Zusammenarbeit mit anderen Frauengruppen auch außerhalb Tirols • Thema Gewalt gegen Frauen • Gruppen für Wiedereinsteigerinnen in den Beruf Aktionskomitee „Kassenambulatorium“ Nachdem die Fristenlösung gesetzlich verankert worden war, fehlte es in Tirol nach wie vor an entsprechenden Möglichkeiten zur tatsächlichen Umsetzung. Es gab in Innsbruck nur wenige Ärzte, Allgemeinärzte (!), die Schwangerschaftsabbrüche durchführten, die Bedingungen, unter denen dies geschah, waren oftmals desaströs. Daraufhin wurde im Jahr 1977, nachdem in Wien gerade das ‚Ambulatorium für Schwangerenhilfe und Sexualmedizin‘ am Fleischmarkt seine Pforten geöffnet hatte, das Aktionskomitee Kassenambulatorium gegründet. Getragen wurde das Komitee von Frauen aus verschiedenen weltanschaulichen Lagern; dem AEP, dem Bund demokratischer Frauen, dem neu entstandenen Frauenforum sowie von nichtorganisierten Frauen. Schon damals – und heute ist es nicht anders – war die Situation für Frauen in Tirol (und den westlichen Bundesländern), die einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lassen wollten, höchst unbefriedigend, um nicht zu sagen katastrophal. Das Aktionskomitee ‚Kassenambulatorium‘ forderte u.a. die „Errichtung eines gynäkologischen Ambulatoriums zur besseren medizinischen Versorgung der Frau“ als Antwort auf die ungenügende medizinische Betreuung und die Sabotierung der Fristenlösung durch die Tiroler Gynäkologen.

„Jeder kennt die Fakten: Trotz des neuen Gesetzes wird der Schwangerschaftsabbruch in keinem Tiroler Krankenhaus durchgeführt. Lediglich einige wenige praktische Ärzte sind bereit, den Eingriff in ihrer Ordination zu machen. Die Leidtragenden sind die Frauen, besonders die Frauen aus ländlichen Gebieten und die finanziell schlechter gestellten Frauen.“

Die Forderungen an ein Kassenambulatorium waren im Einzelnen:

• Die gynäkologische Routineuntersuchung • Betreuung während der Schwangerschaft • Durchführung von Gesundenuntersuchungen • Beratung hinsichtlich Empfängnisverhütung • Durchführung von Schwangerschaftsabbrüchen

Zusätzlich wurden Ausbildungsplätze für Frauenfachärztinnen gefordert. Bis 1983 gab es keine solche Ausbildung an der Innsbrucker Klinik und Gynäkologinnen gibt es in Innsbruck erst seit 1990, aber keine mit einem Kassenvertrag. Das Aktionskomitee blieb einige Jahre sehr aktiv, leistete Öffentlichkeitsarbeit, kontaktierte viele politisch einflußreiche Stellen – jedoch ohne Erfolg. Die Forderungen scheiterten am Widerstand der zuständigen Politiker, der Klinikchefs und am großen Einfluß der katholischen Kirche in Tirol. Ab 1982 gab es dann auch in Innsbruck eine Abtreibungspraxis, in der Frauen aus der Frauenbewegung mitarbeiteten. Alsdann löste sich das Aktionskomitee Kassenambuatorium auf.

Das Thema Schwangerschaftsabbruch war im AEP und seiner Zeitschrift immer aktuell. Im Jahr 1997 griff der AEP das Thema wieder konzentriert auf und veranstaltete eine Podiumsdiskussion zur Frage „Brauchen wir ein Schwangerenambulatorium“.

So initiierte der AEP immer wieder Zusammenschlüsse, Aktionskomitees, Plattformen mit anderen Organisationen oder Einzelpersonen, die sich speziell einem bestimmten Thema widmeten. Unzählige solcher gemeinsamer Aktionen liefen im Lauf der Jahre an. Beispielsweise um die Forderung nach einer Frauenbeauftragten des Landes Tirol und der Einrichtung eines Frauenreferats für die Stadt Innsbruck durchzusetzen, die Berichterstattung des ORF zu kritisieren (Erhaltung des „Magazins für die Frau“), für Flüchtlingsfrauen einzutreten oder um für das Frauenvolksbegehren zu werben und Informationen darüber zu vermitteln. Die Phase der zunehmenden Institutionalisierung Eröffnung der Familienberatungsstelle Juli 1975 Sozialarbeiterinnen, 3 ÄrztInnen, ein Rechtsberater und eine Psychologin arbeiteten in dieser Beratungsstelle, die täglich von 17-19 Uhr geöffnet war. Die Familienberatungsstelle ist heute gesetzlich und finanziell halbwegs abgesichert, wobei das Land Tirol und die Stadt Innsbruck für die Infrastruktur ihre (immer wieder mühsam zu erkämpfenden) Subventionen geben, während das Familienministerium für die Bezahlung der Mitarbeiterinnen zuständig ist. Lange Zeit war die Beratungsstelle der einzige Ort, an dem Frauen Informationen über Möglichkeiten zum Schwangerschaftsabbruch erhielten, auch heute noch ist sie der Ort, wo ohne Beeinflussung der Frau in irgendeine Richtung kostenlos und anonym beraten wird. Mit welchen Problemen sich Frauen auseinandersetzen müssen, das erfahren insbesondere die Mitarbeiterinnen der Familienberatungsstelle. Diese Probleme müssen aufgezeigt und öffentlich sichtbar gemacht werden.

„Wir wissen, daß die eigentlichen Ursachen vieler Schwierigkeiten in der Struktur und Lebensweise unserer Gesellschaft zu finden sind, und es ist daher unsere Aufgabe, sowohl diese Ursachen aufzudecken und aufzugreifen, als auch dem Einzelnen zu helfen und ihn zu befähigen, sein Problem zu fassen und zu lösen.“ Bibliothekseröffnung Juli 1979 Die erste und einzige feministische Frauenbibliothek Österreichs wurde 1979 eröffnet. Hier arbeiteten nur ehrenamtliche Mitarbeiterinnen, von denen Eva Schwaiger genannt werden muß, die sich besonders für die Bibliothek einsetzte und die Aufbauarbeit leistete. Heute wird die Bibliothek zum Teil gefördert durch das Referat Jugend, Frauen und Familie des Landes Tirol (JuFF), die Frauenministerin und die Stadt Innsbruck. Später entstanden auch in anderen Bundesländern Frauenbibliotheken, nunmehr ist die AEP-Frauenbibliothek als die einzige Westösterreichs verblieben. Selbstbewußtseinskurse – Diskussionsrunden - Lesungen Gemeinsam mit der Volkshochschule Innsbruck veranstaltete der AEP seit 1981 Selbstbewußtseinskurse und Vorträge zu Frauenthemen, die damit auch eine breitere Öffentlichkeit bekamen. Mit neuer Leitung der Volkshochschule und konservativerer Einstellung endeten jedoch die Kurse in der Volkshochschule. Außerdem wurden immer wieder Diskussionsrunden initiiert, so zum Beispiel der Diskussionsclub „Alternativen“, in dem sich 1976 AEP-Frauen, SPÖ-Frauen und der Akademikerinnenverein trafen. In der Frauenbibliothek fanden weiters immer wieder Lesungen statt. Von der Frauenbewegung zu den Frauenbewegungen Eine Gruppierung, die sich seit 1975 in der Familienberatungsstelle des AEP wöchentlich traf, dort Erfahrungen austauschte und feministische Literatur besprach, überlegte Anfang 1977 den Eintritt mehrerer Frauen in den AEP, um dadurch mehr Einfluß auf dessen Aktivitäten nehmen zu können. Ihre Kritikpunkte am AEP waren die internen Entscheidungsstrukturen und die Männerzulassung. Die weitere Überlegung ging dahin, ein unabhängiges Frauenforum zu initiieren, gekoppelt mit der Gründung eines Vereins, der sich aus dem AEP und mehreren Gruppen zusammensetzen sollte. Diese Gruppen waren u.a. „Frau und Medizin“, Aktionskomitee „Öffnung der städtischen Kindergärten über Mittag“, „Frauenfest“, „Feministische Filme“. Auch wurde versucht, die AEP-Informationen kollektiv herauszugeben. Letztlich scheiterte beides, und es kam zur Trennung der Frauen des späteren Frauenzentrums vom AEP; bereits bestehende gemeinsame Aktionen wurden dadurch jedoch nicht gefährdet.

Im neuen Frauenforum trafen sich viele unorganisierte Frauen sowie Frauen aus dem BDF, VSSTÖ- und AEP-Umkreis. Sie veranstalteten 1977 das erste Innsbrucker Frauenfest, organisierten Selbsterfahrungsgruppen und feministische Filmtage und provozierten mit ihrem radikaleren Auftreten Innsbrucker Bürger. Die Strafen für unerlaubtes Plakatieren trafen letztendlich den AEP, der sie dann auch bezahlte. 1978 gründeten sie den Verein „Frauenzentrum“, der heute als „Autonomes Frauen- und Lesbenzentrum“ noch aktiv ist. Frauenplattform In der Innsbrucker Frauenplattform fanden sich die verschiedensten Frauengruppen zusammen: der AEP, BDF, Frauen für den Frieden, Gewerkschaftsfrauen, SJ-Frauen, Frauenhaus, Autonomes FrauenLesbenzentrum und viele andere mehr. Kontinuierlicher Gedankenaustausch und gemeinsame Aktionen waren geplant. Höhepunkt war die Organisation der 3. österreichischen Frauensommeruniversität, die dann 1986 stattfand. „Wir brauchen ein Frauenhaus“ Bereits im November 1979 fand durch Anregung des AEP die Gründung der Initiativgruppe „zur Errichtung einer Zufluchtstätte für mißhandelte Frauen und Kinder“ statt, zu der auch Frauen aus verschiedenen Organisationen, wie beispielsweise dem Bund Demokratischer Frauen und der Frauen der Jungen Generation der SPÖ, aber auch einzelne interessierte Frauen stießen. Im Oktober 1980 fand die Gründungsversammlung des Vereins „Tiroler Initiative Frauenhaus“ statt. Im Vorstand befanden sich mehrheitlich AEP-Frauen. Gescheitert wäre das Projekt beinahe daran, daß es nicht möglich war, geeignete Räume zu finden. Die Geschichte der Errichtung des ersten Tiroler Frauenhauses ist eine eigene Geschichte. Eine Geschichte der Ablehnung durch konservative Kreise und der ÖVP-Frauen, die das Projekt dann für sich zu vereinnahmen suchten und schließlich ein eigenes Gewaltprojekt gründeten. Demgegenüber stand aber das erste Frauenhaus, das sich an feministischen Prinzipien ausrichtete: Autonomie, Selbstorganisation, Hierarchiefreiheit, Ganzheitlichkeit, Parteilichkeit und Betroffenheit waren und sind die Grundlagen der Arbeit des Frauenhauses. Bereits ein Jahr nach der Eröffnung war das Frauenhaus überfüllt. Planungen für eine Notrufgruppe 1983 begannen die Planungen für die Gründung des Vereins „Tiroler Notruf für vergewaltigte Frauen“. Dieser hatte jahrelang seinen Sitz in den AEP-Räumen, bis er endlich eigene Räume fand und auch finanziell halbwegs gesichert arbeiten konnte. 1986 - Frauen im Brennpunkt Die langjährige psychologische Beraterin in der Familienberatungsstelle, Dr. Seidl, gab ihre Tätigkeit auf, um ein neues Frauenprojekt „Frauen im Brennpunkt“ zu starten. Dieses Projekt institutionalisierte und professionalisierte die Tagesmütterschulungen, die 1974 ursprünglich vom AEP initiiert worden waren. Von ehrenamtlicher Tätigkeit zur Berufstätigkeit Viele Frauen arbeiteten im AEP auf ehrenamtlicher Grundlage, viele mußten sich mehr und mehr auf ihren Beruf konzentrieren, so daß für die ehrenamtliche Arbeit immer weniger Zeit blieb. Einige Beispiele für viele andere: DDr. Elisabeth Müllner, seit Jahren ehrenamtlich beim AEP tätig, nahm eine Stelle als Psychologin beim Berufsförderungsinstitut an, Dr. Gabi König übernahm das Frauenreferat beim Landesarbeitsamt Tirol, Mag. Birgit Stimmer ging ins Sozialministerium nach Wien, und Maria Berger ist heute Justizministerin. 15 Jahre AEP-Festschrift Zum 15-jährigen Jubiläum des AEP wurde eine Festschrift herausgebracht, die aber mit immenser Arbeit verbunden war, insbesondere für Doris Linser und Gertha Hofmüller. Letztere gab maßgebliche Impulse für die inhaltliche Gestaltung dieses Buches und leistete wertvolle Arbeit dafür. In der Festschrift „Frauen melden sich zu Wort“ – Kritik – Konflikte – Konsequenzen. 15 Jahre AEP“ schrieben nicht nur die Frauen, die im AEP mitgearbeitet hatten, hier finden sich Vereinsgeschichte, Reflexionen und Beiträge von Frauen, die auch schon in den AEP-Informationen mitgeschrieben hatten. Insgesamt vermitteln die Beiträge einen Einblick in die Vielfalt von Kritikansätzen, Konfliktfällen und möglichen Konsequenzen, denen die Frauen damals ausgesetzt waren. Zum 20-jährigen Jubiläum kam aus personeller und zeitlicher Not „nur“ ein Sonderheft der AEP-Informationen heraus. Stagnation Nach jahrelanger Arbeit waren die Aktivistinnen der ersten Jahre etwas müde geworden oder sie mußten sich verstärkt, jede einzeln, ihrer eigentlichen Berufstätigkeit, ihrer Familie oder Kindern zuwenden. Manche zogen fort aus Innsbruck. Immer mehr tauchte die Frage auf, wie durchzuhalten sei. Es gab den jährlichen Kampf um Subventionen, die jedem Schützenverein ohne weiteres zugebilligt werden, es gab alltägliche Verwaltungsarbeit und Zwänge, die wenig Zeit mehr für begeisterte und begeisternde Aktionen ließen. Die innere Problematik der Vereinsarbeit, die Organisation, die Zeitungsarbeit, das Verhältnis Familienberatungsstelle als Institution, in der Frauen berufsmäßig bezahlt wurden, zur Frauenbibliothek mit ihren ehrenamtlichen bzw. gering bezahlten Mitarbeiterinnen; all dies war schwer zu bewältigen. Zweifel, Gedanken drängen sich auf Schon 1980 hatte Doris Linser ihre Zweifel und Gedanken zusammengefaßt, die nach Jahren zermürbender und auch alltäglicher Arbeit im AEP wohl auch kommen mußten:

„Ich habe die Jahrgänge 1974, 1975, 1976, 1977, 1978 und 1979 von unseren AEP-Informationen zum Buchbinder gebracht und halte diese 2 Bände nun in Händen....Was haben diese zwei Bände für mich, für mein Leben bedeutet. Wieviel Streß, wieviel Hetzerei, wieviel Arbeit, wieviel verschobene Urlaubstage? Wieviele Wochenenden, wieviel Nachtarbeit? Wieviel Schlepperei? Wieviel Zeit? ...Zeit, die ich dadurch nicht mehr anderen geben konnte, denen ich sie vielleicht gegeben hätte? Wieviel Kontakte – Beziehungen privater Natur haben sich durch diesen Zeitmangel verflüchtigt, sind verloren gegangen? ...Wie oft habe ich andere Mitarbeiterinnen um ihre Artikel gefragt? Und sie waren dann doch nicht da. Ich war in Weißglut und die anderen auch (weil ich in ihren Augen ja die Lästige war – und bin?!). ...Ja und was haben diese Hefte verändert? Was hat meine (unsere) Arbeit da beigetragen, Situationen zu verändern zu verbessern? – Stille, keine Antwort! Diese kleinen dünnen Hefte mit der geringen Auflage! – Wen haben wir erreicht, wirklich erreicht? Und wurden wir auch verstanden? Was können wir gegen diese Übermacht anderer Zeitschriften und Medien ausrichten, die danach trachten, das patriarchalische System zu stützen und ... nicht das Miteinander, sondern das Gegeneinander fördern. ...Gerade dieses Bewußtsein um die mangelnde, um die nicht vorhandene Unterstützung von denen, die sie geben könnten, ist zermürbend und aufreibend. So ist es auch nur eine Frage der Zeit, wie lange manche durchhalten, durchhalten ‚gegen den Strom zu schwimmen‘ und versuchen, öffentliche Alternativen zu verkünden... und dafür zu kämpfen...bis sie immer wieder durch vergebliche Anstrengungen erschöpft vom Strom der Gleichgültigkeit mitgerissen werden und sich die Frage stellen: Sind diese Bemühungen der Kleinen, etwas zu verändern, etwas zu verbessern, die Welt humaner gestalten zu wollen, nicht nutzlos gegen die bestehende Übermacht der herrschenden Ideologien?

Ende der 80er Jahre und zu Beginn der 90er Jahre war es relativ still um den AEP. Die Mitgliederzahl blieb zwar die gleiche, aber die Zahl der aktiven Mitglieder war gering. Die Zeitung und die Frauenbibliothek wurden von wenigen Frauen weitergeführt. Erst in den letzten Jahren sind wieder neue junge Frauen zum AEP gestoßen, eine Generation, die ihre eigene feministische Theorie und Praxis einbringt und mit vielen neuen Ideen, viel Arbeit und Engagement dem AEP und besonders den AEP-Informationen neuen Schwung geben. Der AEP heute Der AEP ist auch heute noch in verschiedenen Bereichen tätig: Familienberatungsstelle In der Familienberatungsstelle arbeiten Sozialarbeiterinnen, Psychologinnen, eine Rechtsberaterin und eine Ärztin. Die Familienberatungsstelle berät in sozialen und rechtlichen Fragen, in Fragen der Empfängnisverhütung und Schwangerschaftskonflikten, sowie bei Partnerschaftskonflikten und Sexualproblemen. Die Familienberatungsstelle ist bekannt für ihre fortschrittliche und frauenfreundliche Einstellung. Sie berät anonym und kostenlos. AEP – Frauenbibliothek Die Bibliothek ist neben dem Ort der Ausleihe von Büchern auch der informelle Treffpunkt von Frauen. Abgesichert ist die Arbeit der Frauenbibliothek durch eine Reihe von Subventionen, um die jedoch jährlich immer wieder neu angesucht werden muß. Durch diese Gelder kann jedes Jahr ein Kontingent an neuen Büchern angeschafft werden, die Mitarbeit, die Bibliotheksbetreuung kann (geringfügig) entgolten werden. Spezialisiert hat sich die Bibliothek auf Bücher, die ein breites Frauenspektrum ansprechen will, alle Frauen, nicht nur Feministisch-Interessierte, nicht nur Studentinnen oder Akademikerinnen. Es ist ein großes Angebot an Sachbüchern, Romanen, feministischer Literatur und Frauenliteratur vorhanden, das immer wieder ergänzt wird. AEP – Informationen Die Zeitschrift, genauso alt wie der Verein und nur von ehrenamtlichen Mitgliedern gestaltet, will über aktuelle Frauenfragen aus Politik und Gesellschaft berichten, will theoretische Aufsätze bringen aber auch praxisbezogen sein. Sie will Diskussionsforum sein und Diskussionsanstöße geben. So sind die AEP-Informationen heute nicht mehr nur Vereinsinformationen, sondern verstehen sich als feministische Zeitschrift für Frauenfragen aus Politik und Gesellschaft und sind ein bedeutender Bestandteil feministischer Frauenöffentlichkeit. Widerständig will sich die Zeitschrift als wichtiges theoretisches, politisches und praxisbezogenes Forum in der Öffentlichkeit darstellen.

Für die Titelblätter der ersten Jahre entwarf Gabriele Haas Zeichnungen, deren praktische Aussagekraft viele begeisterte. Jahrelang gestaltete dann Dita Teindl das Titelblatt und gab den Heften ihr eigenes Bild, das viel bewundert wurde. Bei geringer Auflage und viel Arbeit – auch heute noch durch unentgeltlich arbeitende Frauen - sind wir leider auch bei der Zeitschrift auf Subventionen angewiesen und auch auf die treue und regelmäßige Einzahlung der Abonnementgebühren. Bibliotheksgespräche Im Anschluß an die früheren Frauentreffs und Lesungen werden seit nunmehr fast 3 Jahren die monatlichen Bibliotheksgespräche mit Vorträgen und Lesungen abgehalten. Zumeist AEP-Mitglieder aber auch Expertinnen aus den verschiedensten Bereichen referieren in der Bibliothek. Öffentlichkeitsarbeit Die Öffentlichkeitsarbeit war und ist eine für den AEP wichtige, selbstgewählte Aufgabe. Zu allen aktuellen Themen werden PolitikerInnen und Medien angeschrieben und zu expliziten Äußerungen angehalten. Forderungen, die die Situation der Frauen verbessern könnten, werden formuliert und soweit wie möglich an die Öffentlichkeit gebracht. Ab und zu werden Podiumsdiskussionen organisiert, so ging es im Jahr 1996, kurz vor Beginn des Frauenvolksbegehrens um die Frage „Brauchen wir eine Frauenpartei“ und im Jahr 1997 um die Frage „Brauchen wir ein Schwangerenambulatorium“. Darüber hinaus ist die Vernetzungsarbeit mit anderen wichtigen Frauengruppen immer ein besonderes Anliegen. Diesem dient auch das anläßlich des 25. Geburtstages des AEP geplante „Fest der Frauenbewegung“, das von den neuen Frauen im AEP initiiert und geplant wird.


Literatur

AEP (Hg.) (1994): 20 Jahre - Ein Juuubi-läum, Innsbruck. AEP (Hg.) 1989): „Frauen melden sich zu Wort.“ Kritik - Konflikte - Konsequenzen. 15 Jahre AEP, Innsbruck. Geiger, Brigitte/ Hacker Hanna (1989): Donauwalzer – Damenwahl. Frauenbewegte Zusammenhänge in Österreich, Wien. Hofmüller, Gertha (1990): 15 Jahre AEP – Ein Anlaß zur Reflexion, in: AEP (Hg.) Frauen melden sich zu Wort. Kritik-Konflikte-Konsequenzen. 15 Jahre AEP, Innsbruck. Müllner, Elisabeth/ Taxacher, Maria (1990): Ein Frauenportrait aus Tirol, in: AEP (Hg.) Frauen melden sich zu Wort. Kritik-Konflikte-Konsequenzen. 15 Jahre AEP, Innsbruck. Seebacher, Anneliese (1990): Vereinsgeschichtliche Erinnerungen....wie alles begonnen hat, in: AEP (Hg.) Frauen melden sich zu Wort. Kritik-Konflikte-Konsequenzen. 15 Jahre AEP, Innsbruck. Steibl, Maria (1987): „Vergessen heißt verraten“. Eine Chronik der Frauenbewegung in Innsbruck in: Bell, Anni, Fleischer, Eva, Knapp, Hildegard, Tenschert, Itta (Hg.): Furien in Uniform? Dokumentation der 3. Österreichischen Frauensommeruniversität, Innsbruck. Weiss, Alexandra (1998): Frauengeschichte – eine eigene Geschichte. Ein Überblick sozialer und politischer Aspekte weiblicher Lebenszusammenhänge von 1945 bis heute am Beispiel Tirols. Diplomarbeit Universität Innsbruck.


Selbstverständnis und Zielsetzungen des AEP

Der AEP verstand sich von Beginn an als Teil der autonomen Frauenbewegung. Politisch und konfessionell unabhängig, steht die Mitarbeit im Verein jedoch auch Männern offen. Wie der Vereinsname schon andeutet, wird Emanzipation als ein Prozess, der beide Geschlechter betrifft und den beide Geschlechter durchlaufen müssen, verstanden. Auch wenn die satzungsmäßige Zulassung von Männern in der Praxis keine Bedeutung hat, da sich noch nie ein Mann bemüßigt fühlte im AEP mitzuarbeiten, führt sie doch noch immer zu hitzigen Grundsatzdiskussionen und war in der Vergangenheit auch Ursache verschiedener Abspaltungen vom AEP.

Eine Zielsetzung des AEP betrifft die Bewußtseinsebene, das heißt das Erkennen und Erkenntlichmachen von frauenbenachteiligenden gesellschaftlichen (Macht-) Strukturen, das Aufdecken von frauenunterdrückenden gesellschaftlichen Phänomenen und der Einengung individueller Lebensentwürfe anhand der Geschlechterkategorisierung. Die Erkenntnis ist die Grundlage der Veränderung, deshalb sieht der AEP Wissensvermittlung und Öffentlichmachung als wesentliche Aufgaben an. Selbstverständlich ist auch die Veränderung an sich Gegenstand im AEP. Die Frauen des AEP setzen sich mit sozial- und gesellschaftspolitischen Fragen auseinander und diskutieren über Alternativen zu bestehenden Strukturen. Als Plattform dienen die AEP-Informationen und diverse themenspezifische Veranstaltungen oder Projekte. Die Ambitionen des AEP bleiben aber nicht auf Systemebene beschränkt, vor allem durch die Beratungsstelle wird praktischer Beitrag geleistet und die Lebenssituation von Frauen (und Männern) konkret verbessert.


Instrumente

1. Die AEP-Familienberatung

In der Familienberatungsstelle bieten Sozialarbeiterinnen, Psychologinnen, eine Rechtsberaterin und eine Ärztin Hilfestellung. Die Familienberatungsstelle berät in sozialen und rechtlichen Fragen, in Fragen der Empfängnisverhütung und Schwangerschaftskonflikten, sowie bei Partnerschaftskonflikten und Sexualproblemen. Die Beratungsstelle ist an drei Tagen pro Woche geöffnet, zweimal nachmittags bzw. abends, einmal vormittags und versucht so den Bedürfnissen der KlientInnen möglichst gerecht zu werden. Die Beratungsgespräche erfolgen selbstverständlich anonym und kostenlos. Während in den Gründungszeiten die Problematiken rund um den Schwangerschaftsabbruch Hauptkonsultationsgründe waren, kommen heute sehr viele Paare zur gemeinsamen Beratung um unter professioneller Leitung Beziehungskonflikte zu lösen.


2. Die AEP-Frauenbibliothek

Im Jahr 1979 gegründet, ist die Frauenbibliothek seit einigen Jahren nunmehr nach den Kriterien des Österreichischen Büchereiverbandes als öffentliche Bibliothek anerkannt.. Der Bücherbestand beträgt ungefähr 6000 Stück, wobei auch eine große Auswahl an spezifischen Zeitschriften, Broschüren und ähnliches archiviert wird. Zwischen in etwa drei- bis vierhundert Neuerwerbungen kann die Frauenbibliothek jährlich tätigen. Ihren thematischen Schwerpunkt hat die AEP-Bibliothek natürlich in frauenspezifischer Literatur im weitesten Sinne. So besteht ein großes Spektrum an Fachbüchern, beispielsweise aus Politik, Ökonomie Pädagogik u.v.m, die an der Universitätsbibliothek oft fehlen oder sehr rar sind. Trotzdem will die Frauenbibliothek ein breites Frauenspektrum ansprechen, nicht nur Feministisch-Interessierte, nicht nur Studentinnen oder Akademikerinnen, und so steht ein großes Angebot an Romanen, Frauenliteratur und (noch im Aufbau begriffen) Kinderbüchern zur Verfügung das ständig erweitert wird.


3. Die AEP-Informationen- feministische Zeitschrift für Politik und Gesellschaft


Die Zeitschrift, genauso alt wie der Verein, wird ehrenamtlich von Mitgliedern des AEP gestaltet. Vierteljährlich erscheinen die Hefte, die sich jeweils auf einen Themenschwerpunkt konzentrieren und sich mit diesem vielschichtig auseinandersetzen. Außerhalb des Schwerpunktes werden weitere Beiträge zu diversen aktuellen Thematiken veröffentlicht, Fixrubriken sind die Buchbesprechungen, der Veranstaltungskalender und, dazwischengestreut, kurze (Zeitungs-) Meldungen die im weitesten Sinn die Geschlechterverhältnisse betreffen. Manchmal wird in der Zeitschrift ein so genannter „Call for papers“, also ein Aufruf um Beiträge rund um den Themenschwerpunkt zu sammeln, veröffentlicht. Allerdings setzt dies voraus dass das nächste Schwerpunktthema schon vor Erscheinen der aktuellen Ausgabe feststeht, da dies meist nicht so ist, werden die AutorInnen großteils aus dem Umfeld des AEP rekrutiert. Zielgruppe der AEP-Informationen sind Feministisch und Frauenbewegt- Interessierte. Berichtet wird über aktuelle Frauenfragen aus Politik und Gesellschaft, sowohl theoretische Diskussionen wie auch praxisorientierte Ansätze finden hier Platz. Abseits der (halbwegs) öffentlichen Debatten wollen die AEP-Informationen aber auch die Freiräume, die sich Frauen innerhalb bestehender Strukturen geschaffen haben, dokumentieren und bestärken.

Die AEP-Informationen sind nicht im Handel erhältlich sondern können nur über den AEP bezogen werden, entweder durch Kauf in der AEP-Frauenbibliothek (Stückpreis 4,50€) oder über ein Abonnement (jährlich 18€).

Genauere Informationen unter: AEP-Informationen - Feministische Zeitschrift für Politik und Gesellschaft


4. Veranstaltungen

Einmal monatlich finden in den Räumen des AEP die so genannten Bibliotheksgespräche statt. Im Rahmen der Bibliotheksgespräche werden Vorträgen, Lesungen oder Workshops abgehalten die natürlich öffentlich zugängig sind. Zumeist sind es AEP-Mitglieder, aber auch Expertinnen aus den verschiedensten Fachbereichen, die in der Bibliothek referieren um sich danach einer lebhaften Diskussion zu stellen


5. Öffentlichkeitsarbeit

Die Öffentlichkeitsarbeit war und ist eine für den AEP wichtige Aufgabe. Es wird versucht zu aktuellen Themen PolitikerInnen und Medien anzuschreiben und zu expliziten Äußerungen anzuhalten. Forderungen, die die Situation der Frauen verbessern könnten, werden formuliert und soweit wie möglich an die Öffentlichkeit gebracht. Unter anderem geschieht dies beispielsweise in Form von Leserbriefen an andere Medien. Um die Schlagkraft zu erhöhen spielen auch die Vernetzung und der Austausch mit anderen, ähnlich gesinnten Frauengruppierungen eine wichtige Rolle.

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